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Eine Aufgabe für Sisyphos... Beruf und Pflege unter einen Hut bekommen

Beruf und Pflege unter einen Hut bekommen

Eine Aufgabe für Sisyphos... Beruf und Pflege unter einen Hut bekommen

Von Anne Debus

  • Kurzfristiges Recht auf zehn Tage Auszeit
  • Langfristiger Anspruch auf Arbeitszeitverkürzung
  • Regelungen sind kompliziert – unbedingt beraten lassen!

Eine Aufgabe für Sisyphos... Beruf und Pflege unter einen Hut bekommen

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 15.05.2021 16:51 Min. Verfügbar bis 15.05.2022 WDR 4


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Woher soll ich bloß die Zeit nehmen...

Mehr als 3,3 Millionen Pflegebedürftige werden zuhause versorgt, überwiegend von Angehörigen. Und diese Angehörigen sind häufig berufstätig. Eine von ihnen ist Elke. Neben ihrer Arbeit als Fußpflegerin pflegt sie seit zwei Jahren ihre demenzkranke Mutter.

Elkes Tage sind so eng getaktet, dass ihr kaum Zeit zum Durchatmen bleibt. Rechnet sie die Stunden zusammen, die sie neben ihrem Fulltime-Job mit der Pflege verbringt, ist das noch mal eine Halbtagsstelle: "Da komme ich bestimmt auf 15 - 20 Stunden, mache ich alles zwischendurch. Alles, was ich zwischendurch erledige, muss ich natürlich hinten dranhängen." Das alles, sagt Elke, gehe nur, weil sie sich ihre Zeit flexibel einteilen kann. Mit festen Arbeitszeiten würde es nicht funktionieren.

Gesetzliche Rechte im Pflegefall

ArbeitnehmerInnen, die Angehörige pflegen, haben gesetzliche Ansprüche. Der vielleicht wichtigste: Tritt ein Pflegefall plötzlich ein, kann man sich sofort für zehn Tage von der Arbeit freistellen lassen. Dafür reicht ein Attest vom Arzt. Für diese Zeit bekommt man Geld von der Pflegekasse.

Dauert die Pflege länger, gibt es zwei Modelle: Über die "Pflegezeit" kann man sich für bis zu sechs Monate ganz oder teilweise von der Arbeit freistellen lassen. Die "Familienpflegezeit" ermöglicht es, die Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf bis zu 15 Wochenstunden zu reduzieren.

Für beide Modelle gelten aber komplizierte Voraussetzungen. Außerdem bekommt man keine Lohnersatzleistung, sondern hat nur Anspruch auf ein zinsloses Darlehen. Betroffene sollten sich daher unbedingt beraten lassen. Beratungsstellen findet man über den "Pflegewegweiser NRW".

"Pflegelotse" als Anlaufstelle im Betrieb

Für pflegende Angehörige kollidieren viele Termine mit der Arbeitszeit. Erzählt uns Thomas, dessen Vater einen Schlaganfall hatte.

"Man hat sehr viele Termine mit dem medizinischen Dienst, Krankenkassen, Krankenhäusern, diese Termine sind alle zwischen 8 und 16 Uhr. Kein medizinischer Dienst spricht mit Ihnen abends um 20 Uhr, wenn Sie Zeit hätten."

Dann ist es hilfreich, wenn es im Betrieb einen "Pflegelotsen" gibt – einen speziell geschulten Mitarbeiter, der den pflegenden Kollegen berät. Schulungen für "Betriebliche Pflegelotsen" findet man im Internet, in der Regel hilft auch die lokale Wirtschaftsförderung weiter.

Stand: 14.05.2021, 09:32

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