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Von 'Gamechanger' bis 'Meeting': Vom Sinn und Unsinn der Anglizismen

In einem Duden wurde das Wort Anglizismus markiert

Von 'Gamechanger' bis 'Meeting': Vom Sinn und Unsinn der Anglizismen

Von Anne Debus

  • Große Flut an Anglizismen
  • Nicht alles, was englisch klingt, ist es auch
  • Anglizismen dienen oft einem sachlichen Zweck

Von 'Gamechanger' bis 'Meeting': Vom Sinn und Unsinn der Anglizismen

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 20.02.2021 13:30 Min. Verfügbar bis 20.02.2022 WDR 4 Von Michael Westerhoff


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Ist das Sprache oder kann das weg?

Sale, Posting, Workflow, Lifestyle, Ranking – manchmal kann einem die Flut von Anglizismen schon zu viel werden.

Unser Hörer Wolfgang aus Dortmund etwa meint: "Mich nervt dieses Denglisch schon sehr. Ständig hört man: Wir sind im Lockdown, haben da ein Meeting, das findet im Homeoffice statt, dann machen wir da ein Brainstorming. Das ist einfach völliger Schwachsinn. Also, ich sag mal mit einem Augenzwinkern: Anglizismen sind ein No go!"

Die 79jährige Hella pflichtet ihm bei: "Ich find’s grausig. Ich kann doch sagen: Ich fahre in die Stadt und nicht: Ich fahre in die City! Schon allein das schlichte Okay – ich sage das ja auch inzwischen, aber kann man nicht sagen 'in Ordnung'?! Ich weiß auch, dass Sprache sich wandelt und dass man dazu lernen kann und auch muss, aber ich will es einfach manchmal nicht mehr!"

Wenn schon, dann richtig!

Anglizismen sind größtenteils Geschmacksache, findet unser Studiogast, der (Achtung!) Entertainer und Bestseller-Autor Bastian Sick. An viele Ausdrücke habe man sich eben einfach gewöhnt.  "Wenn ich einem Skateboardfahrer ausweichen muss, dann denke ich doch auch nicht: 'Oh, ein Rollbrettfahrer'!"

Man sollte sich aber bewusst sein: Nicht alles, was englisch klingt, ist es auch. Die Frage nach einem 'Handy' etwa würde im Englandurlaub für Verwirrung sorgen – das heißt dort nämlich 'Mobile'. Und 'Public Viewing' bedeutet in England die öffentliche Aufbahrung eines Verstorbenen.

WDR 4-Studiogast Bastian Sick hat noch ein schönes Beispiel: Das 'Homeoffice': "Das wird von Engländern ganz anders verstanden. Im britischen Englisch ist 'homeoffice' nämlich das Innenministerium."

Merke: Auch hippe Anglizismen vor dem Auslandseinsatz erst checken! Sie könnten Fake sein...

Und warum nun das Ganze?

Ebenso wie lateinische Fremdwörter erfüllen auch Anglizismen oft einen sachlichen Zweck: Nämlich kurz und prägnant etwas zu bezeichnen, für das es keinen deutschen Begriff gibt.

Anglizismen seien aber auch eine Folge der Dominanz des Englischen in Wirtschaft und Politik, meint Buchautor Bastian Sick in WDR 4 Mittendrin. Viele Menschen dort müssten sich das Englische selbst – womöglich mühsam – aneignen. Entsprechend stolz seien sie, wenn sie den Jargon beherrschten, so Bastian Sick. Und ließen das dann auch gerne 'raushängen'.

"Weil das Kompetenz vortäuscht. Dann gelten sie als belesen, bewandert. Als Fachleute mit dem entsprechenden 'Knowhow'. Also es ist einerseits ein Instrument, um Macht auszuüben, also, um andere blöd dastehen zu lassen. Und auf der anderen Seite ist es einfach eine riesengroße Modewelle."

Stand: 19.02.2021, 10:01