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Alte Klamotten: Schöne Erinnerung hautnah!

Alte Kleidung an einer Stange

Alte Klamotten: Schöne Erinnerung hautnah!

Von Christoph Tiegel

  • Aufgeladen mit Lebensspuren
  • Foto könnte Trennung erleichtern

Alte Klamotten: Schöne Erinnerung hautnah!

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 08.08.2020 15:12 Min. Verfügbar bis 08.08.2021 WDR 4 Von Anne Debus

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Wie viel Vergangenheit steckt denn so in Ihrem Kleiderschrank? Hängt da vielleicht auch noch Ihr Hippie-Kleid aus den 60ern, die Glitzer-Bluse aus Ihrer heißesten Discophase oder die abgewetzte Lederjacke im Rocker-Stil? Alles ganz, ganz alte Klamotten, und heutzutage für Sie vermutlich samt und sonders komplett untragbar. Trotzdem sind die Sachen noch da. Zum Teil seit Jahrzehnten. Sie konnten und können sie einfach nicht wegwerfen. Weil da vermutlich zu viele persönliche Erinnerungen dran hängen. In dieser Hinsicht sind Kleidungsstücke offenbar für viele Menschen Gebrauchsgegenstände der ganz besonderen Art. Warum das so ist, darüber spricht in WDR 4 Mittendrin-Moderatorin Anne Debus mit der Textil- und Bekleidungswissenschaftlerin Annette Hülsenbeck.

Aufgeladen mit Lebensspuren

"Wir nehmen die Umwelt in unserer Kleidung war, die Umwelt nimmt aber auch uns wahr, bekleidet", so die Expertin, und diese "Wechselwirkung" führe dazu, "dass Kleidungsstücke sich aufladen mit Lebendigkeit, mit Lebensspuren und mit Erinnerungen". So sage zum Beispiel die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood: "Ich kann mich nur erinnern, was mir passiert ist, wenn ich weiß, was ich da angehabt habe." In diesem Sinne können Jacken, Hosen, Kleider oder Blusen buchstäblich hautnahe Bezüge zu bestimmten Punkten unserer Biografie darstellen. Oder zu der unserer Kinder, deren Kleidung aus verschiedenen Lebensaltern wir vielleicht aufbewahren, um uns gelegentlich liebevoll an deren Großwerden zu erinnern.

Foto könnte Trennung erleichtern

Das Kleidungsstück eines lieben Menschen, der bereits verstorben ist, sei für manche "eine Art Übergangsobjekt, das man behalten will für die Zeit, wo man sehr stark traurig ist", quasi als letzten Beleg für die Tatsache, "dass dieser Mensch zusammen mit einem auf der gleichen Welt gelebt hat". Sich irgendwann doch von so einem oder anderen emotional wichtigen Stück im Kleiderschrank zu trennen, kann leichter fallen, wenn man dem Tipp der Textilwissenschaftlerin folgt: Einfach Fotos von den Sachen machen und die persönlichen Geschichten dazu aufschreiben! Beides zusammen lässt sich sehr platzsparend aufheben. Annette Hülsenbeck: "Dann bewahrt man diese lebendige Erinnerung."

Stand: 06.08.2020, 09:49