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Vergesslichkeit

Gesunde Alltagsvergesslichkeit ist noch kein Grund zur Sorge 

Stand: 03.09.2022, 00:00 Uhr

Wo habe ich nur wieder meine Brille hingelegt? In welcher Tasche "versteckt" sich diesmal der Wohnungsschlüssel? Dieses freundliche Gesicht kenne ich doch, aber wie lautet bloß der Name dazu? Auch wer öfter mal etwas verlegt oder vergisst, muss nicht gleich das Schlimmste befürchten.

Von Christoph Tiegel

Gesunde Alltagsvergesslichkeit ist noch kein Grund zur Sorge

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 03.09.2022 11:44 Min. Verfügbar bis 03.09.2023 WDR 4 Von Michael Westerhoff


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Eine gewisse Alltagsvergesslichkeit sei "in den meisten Fällen normal", sagt Sebastian Markett, Professor für molekulare Psychologie an der Berliner Humboldt-Universität, und zwar: "unabhängig von Alter oder Geschlecht". Unser Gehirn arbeite "selektiv". Immer wieder würden darin gespeicherte Informationen "überschrieben", sprich: vergessen. Das sei grundsätzlich auch sehr wichtig. Nur so würde im Kopf immer wieder "Platz für Neues" geschaffen.

Größere Sorge oft unnötig

Vor allem ältere Menschen lassen sich oft schon von kleineren Alltagsvergesslichkeiten (Brille verlegt/Namen vergessen)  in Sorge versetzen, sie seien womöglich erste Warnzeichen für eine beginnende dementielle Erkrankung.

Tatsächlich nimmt die Leistungsfähigkeit der Gehirnfunktionen schon im jungen Erwachsenenalter ab und auch die Reaktionsfähigkeit lässt etwas nach. Das gehört zum ganz normalen Alterungsprozess – ist allein also noch kein Grund zu größerer Beunruhigung.

Medizinische Abklärung

Auffälligere (und plötzliche) Veränderungen in der eigenen Fähigkeit sich zu konzentrieren, zu erinnern und zu orientieren, wären dagegen ein Anlass, diese medizinisch abklären zu lassen. Wenn also in kürzerem Zeitabstand die eigene Vergesslichkeit spürbar zunimmt, wenn man sich plötzlich öfter verläuft oder Menschen nicht wiedererkennt, dann sollte man unbedingt einen Arzt konsultieren. Im besten Falle, um hirnorganische Störungen auszuschließen. Es gibt auch ernährungsbedingte Ursachen (z.B. Flüssigkeitsmangel) für gestörte Hirnfunktionen.

Ursachen für Schusseligkeit

Überdurchschnittliche Vergesslichkeit/Schusseligkeit könnte zum Beispiel Begleiterscheinung einer Schilddrüsenerkrankung sein. Oder Nebenwirkung eines Medikaments, das man regelmäßig einnehmen muss.

Nicht selten liegen auch psychologische Gründe vor. So können oft auch beruflicher oder familiärer Stress und Überforderung zu auffälligen Konzentrations- und Erinnerungsschwierigkeiten führen.

Nützliche Hilfsmittel und Strategien

Auch wenn gewöhnliche Alltagsvergesslichkeit kein Grund zu ernster Sorge sein muss – schwer nerven kann sie uns ja trotzdem! Deshalb sind hier ein paar Hilfsmittel und Strategien gegen die eigene Schusseligkeit:

  • Merkzettel schreiben
  • Handy und Schlüssel immer (!) am selben Ort ablegen
  • Feste Routinen (z.B.: abends alles für den nächsten Morgen zurechtlegen / sich Zeit nehmen für "die Ablage im Kopf")
  • Selbstachtsamkeit! Zwei Minuten Zeit nehmen, bevor man aus der Wohnung geht und sich fragen: Ist alles erledigt? Sind die Fenster geschlossen?

Schusseligkeit online testen

Gemeinsam mit einer Kollegin hat Prof. Sebastian Markett übrigens zu Studienzwecken einen (kostenfreien) Online-Test entwickelt (siehe Linkverzeichnis). Hier muss man nur Geschlecht, Alter und Bildungsstand eingeben und kann sich dann anonymisiert (in ca. 10-15 Minuten) durch einen Fragenkatalog klicken. Direkt im Anschluss erfährt man, wie es tatsächlich aktuell um die eigene Schusseligkeit bestellt ist.