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Abschied vom Haus der Familie

Abschied vom Haus der Familie

Abschied vom Haus der Familie

Von Anne Debus

  • Das Thema in der Familie ansprechen
  • Keinen Druck ausüben, sondern Fragen stellen
  • Neue Wohnlösungen nicht abstrakt besprechen, sondern anschauen

Abschied vom Haus der Familie

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 19.06.2021 15:27 Min. Verfügbar bis 19.06.2022 WDR 4 Von Michael Westerhoff


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Die "gelben Karten" des Lebens

Fast niemand zieht gerne aus dem Haus aus, in dem man seit Jahrzehnten lebt. Dennoch macht es Sinn, von Zeit zu Zeit ehrlich darüber nachzudenken, ob die Wohnsituation noch passt, ob Treppensteigen, Hausarbeit und Gartenpflege nicht mittlerweile zu anstrengend sind.

Erwachsenen Kindern fällt es oft schwer, ihre Eltern auf das Thema anzusprechen. Die Journalistin und Buchautorin Ursula Ott kennt diese Situation aus eigenem Erleben. Sie rät in WDR 4 Mittendrin, sich ein Herz zu fassen und die "gelben Karten" des Lebens zu nutzen, um mit den Eltern zu sprechen.

"Die Anlässe ergeben sich wirklich von selber. Denn fast alle älteren Menschen haben irgendwann gewisse Einschränkungen. Da kommt dann eines zum anderen." Ihrer eigenen Mutter zum Beispiel sei das Autofahren zunehmend schwer gefallen, aber auf das Autofahren sei sie an ihrem Wohnort angewiesen gewesen. Später habe sie einen leichten Schlaganfall erlitten.

Keinen Druck ausüben, sondern fragen

Wichtig sei in solchen Gesprächen, keinen Druck auszuüben, sondern einfühlsam Fragen zu stellen: "Mama, ist es wirklich alles noch gut hier für dich? Wie ist das mit dem Putzen, hast du Angst nachts, in wie viele Zimmer vom Haus gehst du überhaupt noch?"

Denn je älter man wird, desto höher werde nicht nur der Aufwand, ein Haus in Schuss zu halten, sondern desto kleiner werde auch der Radius im Haus, in dem man sich wirklich bewegt.

Wie man ein neues Zuhause auswählt

Die eine Sache ist der Entschluss, das Haus aufzugeben, die andere die Entscheidung für ein passendes neues Zuhause. Und die lasse sich schlecht theoretisch treffen, so Buchautorin Ursula Ott: "Meine Erfahrung ist – und das sagen auch Experten – dass ältere Menschen sich nicht so abstrakt vorstellen können, woanders zu leben".

Viel besser sei es, direkt hinzufahren und sich die neue Wohnmöglichkeit anzuschauen.

"Hingehen und gucken: Wo kommt die Sonne her, wo ist der nächste Bäcker, wo ist das Eiscafé, wo sind andere Menschen, wo lachen Kinder? Das sind so Dinge, die man am besten mit den Eltern zusammen ausprobiert: Also in eine Wohnung hineingehen und wirklich spüren, ob sie in Frage kommt."

Buchtipp:

"Das Haus meiner Eltern hat viele Räume"
Vom Loslassen, Ausräumen und Bewahren
Autorin: Ursula Ott

Stand: 18.06.2021, 10:02