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Unsere NRW-Tatorte – ein spannendes Stück Fernsehheimat!  

Stand: 05.11.2022, 00:00 Uhr

2022 ist das Jahr der Tatort-Jubiläen in NRW. Seit 25 Jahren ermitteln Ballauf und Schenk in Köln. Thiel und Boerne in Münster halten es seit 20 Jahren miteinander aus. Und Kommissar Faber ringt seit zehn Jahren in Dortmund mit sich selbst und dem Verbrechen. Was macht den Dauer-Erfolg gerade dieser TV-Krimis aus?

Von Christoph Tiegel

Unsere NRW-Tatorte – ein spannendes Stück Fernsehheimat!  

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 05.11.2022 11:24 Min. Verfügbar bis 05.11.2023 WDR 4 Von Michael Westerhoff


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Sonntagabend – 20 Uhr 15 – Krimizeit im Ersten. Eine Selbstverständlichkeit. Seit über 50 Jahren. Ende November 1970 lief die allererste Folge der Tatort-Reihe ("Taxi nach Leipzig"). Über 1200 weitere liefen bis heute. Und etliche davon spielten in NRW. Zunächst in Essen (Kommissar Haferkamp), später in Duisburg (Schimanski/Thanner), mittlerweile in Köln, Münster und Dortmund.

Einschalt-Muss am Sonntagabend

Früher waren die Tatorte buchstäbliche Straßenfeger. Ein regelrechtes Sonntagabend-Einschalt-Muss für alle, die am Montagmorgen auf der Arbeit (oder dem Schulhof) mitreden wollten. Das mag sich mittlerweile etwas verändert haben – auch durch die Möglichkeiten zeitversetzten Schauens – aber nach wie vor ist die Tatort-Reihe ein sehr zuverlässiger Quoten-Bringer. Was diese TV-Krimis dauerhaft so beliebt und erfolgreich macht? Unser Studiogast, der WDR-Tatort-Experte Ulrich Noller, nennt dafür gleich drei Gründe.

Drei Gründe für den Dauer-Erfolg

Erstens gebe es "einen riesigen Krimi-Boom in den letzten Jahrzehnten" – nicht zuletzt vom Tatort selbst mit begründet. Zweitens würden in dieser Reihe "Geschichten erzählt, die größtenteils sehr nahbar sind, mit Menschen wie du und ich, sowohl bei den Verdächtigen wie auch bei den Ermittelnden." Und drittens, so Ulrich Noller, "ist ein ganz wichtiger Faktor, dass der Tatort ganz stark in der Region angesiedelt ist, also da, wo die Menschen leben."

Die "Mutter" aller Regiokrimis

Der so genannte Regiokrimi stehe in den letzten Jahrzehnten für eine "riesige Erfolgswelle". Im Fernsehen, im Kino, neuerdings auch bei Streaming-Diensten, aber nicht zuletzt auch im Buchhandel (z.B. "Eifel-Krimi", "Rhein-Sieg-Krimi", "Troisdorf-Krimi"). Dabei habe dieses gerade auch beim Lese-Publikum sehr beliebte "regionale Erzählen" von Kriminalgeschichten "im Grunde der Tatort erfunden". Auch daran zeige sich, "was der Tatort für ein ungeheures Erfolgsprojekt ist."

Tatort "transportiert" Themen

Dass sich so viele Zuschauer über so lange Zeit in "ihrem" Lieblings-Tatort so zuhause fühlen, liegt sicher an vertrauten Figuren und Handlungs-Elementen (z.B. Wurstbudenplausch in Köln/Pathologie-Frotzeleien in Münster/Wutausbrüche in Dortmund), aber, so der Tatort-Experte Ulrich Noller, es liege sicher auch an den sich zeitgemäß wandelnden Themen, die quasi mit der Handlung "transportiert" würden. Damit sei die Tatort-Reihe insgesamt im Grunde ein Spiegel der "Themen der Bundesrepublik Deutschland von den 1970er Jahren bis heute."

Mordsmäßige Spitzenquoten

Wenn Thiel und Boerne in Münster ermitteln, schauen in der Spitze über 13 Millionen Menschen ihnen dabei zu. Ulrich Noller: "Der Schlüssel des Erfolgs des Münster-Tatorts ist die Kombination von Witz und Krimi, beides sehr populäre Erzählweisen, die im Grunde jeder mag." Auch beim Kölner Tatort spiele manchmal ein "verschmitzter Humor" eine Rolle, entscheidend sei hier aber wohl eher die "Normalität und Nahbarkeit“ sowohl der beiden Ermittler, als auch der Milieus, in denen die Krimihandlung spiele.

Streitbare Hauptfiguren

Und dann ist da ja noch der Dortmunder Kommissar Faber. Im abgegriffenen braunen Parka stets schwankend zwischen Depression und Wutausbruch. "Natürlich eine sehr streitbare Figur“, findet der WDR-Tatort-Experte, aber eigentlich mit seiner speziellen Art genau richtig "in Zeiten, die von vielen Menschen als völlig durchgedreht und verrückt wahrgenommen werden." Zudem ermittle dieser sperrige Typ ja in einem Vierer-Team. Und das ist für Ulrich Noller "das Interessante am Dortmunder Tatort: die Konstellation zwischen den Ermittlern."