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Gute Freunde fürs Alter finden

Rentner auf einer Bank

Gute Freunde fürs Alter finden

Von Christoph Tiegel

  • Als Rentner mehr Zeit für Freundschaften
  • Freunde können unser Leben verlängern
  • Ein "Kino-Freund" tut's manchmal auch

Gute Freunde fürs Alter finden

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter | 16.06.2018 | 16:10 Min.

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Im Sandkasten war es leicht

Neue Freunde finden? Nie wieder ist das für uns wohl so leicht wie in der Kindheit und Schulzeit. "Freunde fürs Leben" werden dabei allerdings die wenigsten. Je älter wir werden, desto weniger Freunde haben wir. Das ist ein Fakt, das belegen zahlreiche Studien und Statistiken. Eigentlich Grund genug, zu sagen: Dann müssen eben neue (beste) Freunde her! Im Laufe des Lebens fällt es allerdings vielen von uns schwerer, neue, engere Freundschaften zu schließen. Warum ist das eigentlich so? Was macht gute Freunde/Freundinnen gerade im letzten Lebensdrittel für uns so wichtig? Bietet vielleicht gerade das Rentenalter ungeahnte Möglichkeiten, Freundschaften neu zu schließen oder zu vertiefen? Antworten auf diese Fragen gab unser Studiogast, der Psychologe Dr. Horst Heidbrink, Experte für soziale Bindungen und das Thema Freundschaft.

Warum wir Freunde brauchen

"Der Mensch ist ein soziales Wesen", sagt Psychologe Heidbrink und "wir alle wissen, dass Einsamkeit kein schönes Gefühl ist und uns zumindest auf die Dauer sogar schadet, uns möglicherweise sogar krank machen kann."  Freunde seien sehr wichtig,  sie könnten "familiäre Beziehungen oder Liebesbeziehungen natürlich ergänzen, nicht unbedingt völlig ersetzen." Gerade im Alter, so der Freundschaftsexperte, bräuchten wir "Leute, die uns Feedback geben, die mal sagen: Mach doch nicht dieses oder jenes, das tut dir sicherlich nicht gut." Solche freundschaftlichen Ratschläge hätten oft eine gesundheitsfördernde Wirkung. Es gebe große wissenschaftliche Untersuchungen, die bestätigen, "dass Freunde unser Leben verlängern können."

Neue Freunde im Alter?

In einer kleinen Umfrage zum Thema "Freundschaften im Alter" sagten uns Passanten dies:

- "Wenn man jung ist, ist es ganz einfach, weil man mehr Umgang hat mit vielen verschiedenen Menschen, unbedarfter ist und sich leichter einlässt auf jemanden anderen."
- "In jungen Jahren läuft man einfach drauf zu auf Freundschaften, wenn man älter ist, ist da mehr Distanz"
- "Weil man selber komisch wird, eigene Marotten hat, eigene Rituale durchzieht und ungerne Leute da noch reinlässt."
- "Es dauert ja auch ne Zeit, bis man einen richtig gut kennenlernt und man nimmt sich gar nicht mehr die Zeit. Man hat Bekannte oder Freunde von damals, aber jetzt so richtig eine neue beste Freundin zu finden, fänd ich auch schwer."

Alles nicht falsch, sagt der Psychologe, empfiehlt aber doch eine eher positive Sicht aufs Thema Freundschaften im Alter.

Endlich Zeit für Freunde

"Wenn man älter wird, die Kinder aus dem Haus sind, man selber auch ins Rentenalter kommt, dann hat man ja auch wieder mehr Zeit", sagt Dr. Horst Heidbrink. Damit ergebe sich z.B. die Möglichkeit, "dass wir uns an Freunde von früher erinnern und mal gucken, ob sich da noch was machen lässt." Aber natürlich könne man sich auch auf die Suche nach neuen engen Freunden machen, müsse dabei aber geduldig sein, weil es dabei eben nicht ausreiche, "dass ich Leute sympathisch finde und die mich vielleicht auch." Vielmehr sei es immer auch ganz wichtig, "dass wir als Freunde auch ein gemeinsames Thema haben, dass wir Interessen und bestimmte Einstellungen teilen."  Im Übrigen müsse es ja auch nicht immer gleich "die engste, beste Freundschaft" sein: "Häufig ist es ja auch so, dass wir Freundschaften für bestimmte Tätigkeiten, für bestimmte Zwecke haben." Zum Beispiel einen "Kino-Freund". Oder eine "Bus-Reisen-Freundin". Freundschafts-Experte Heidbrink meint: "Das kann ja auch gut sein."

Wert der alten Freundschaften

In Teenager-Freundeskreisen herrschte ein ständiges Kommen und Gehen – hält man im reiferen Alter eher an bestehenden Freundschaften fest statt sich nach neuen umzuschauen? "Das ist, glaube ich, tatsächlich so", sagt der Freundschaftsforscher Dr. Horst Heidbrink. Wenn man feststelle, "die meiste Zeit liegt jetzt nicht mehr vor sondern hinter mir", dann käme man oft auch zu der Einsicht, "dass es für mich wichtiger ist, einige wenige intensive Freundschaften zu haben, als ständig neue Freundschaften auszuprobieren und dann möglicherweise auch enttäuscht zu werden." Beste Freunde/Freundinnen sind meist langjährige Freunde/Freundinnen. Menschen über 60 kennen Ihre/n beste/n Freund/in im Schnitt fast 40 Jahre. Grundsätzlich, so Psychologe Heidbrink, sei es aber nie zu spät dafür, sich neue Freunde zu suchen.

Stand: 15.06.2018, 10:00