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Sicher Autofahren im Alter!

Ein Rentner sitzt am Steuer

Sicher Autofahren im Alter!

Von Christoph Tiegel

  • Altersbegrenzung für Autofahrer?
  • Auch mit 90 noch Vollgas geben?
  • Mit Sicherheit mobil bleiben

Sicher Autofahren im Alter

WDR 4 Mittendrin - In unserem Alter 19.10.2019 12:08 Min. Verfügbar bis 18.10.2020 WDR 4

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Altersbegrenzung für Autofahrer?

Unstrittig ist wohl, dass man das Auto von sich aus stehen lassen sollte, sobald man sich selbst nicht mehr sicher fühlt. So wie zum Beispiel Franz Müntefering, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen, inzwischen 79 Jahre alt. Für ihn gilt schon seit einiger Zeit: "Ich fahr nur noch Bahn. Auto fahre ich ganz, ganz wenig. Was auch damit zu tun hat, dass meine Augen nicht mehr so gut sind.. Abends oder wenn‘s schliert, dann sehe ich nicht so genau. Und dann will ich natürlich kein Risiko eingehen." Ganz anders empfindet und praktiziert das im WDR 4-Interview ein Autofahrer namens Bruno. Er ist stolze 89 Jahre alt, legt mit seinem Auto jährlich noch über 30.000 Kilometer zurück und sagt: "Ich fahre, solange es geht, noch selbst. Jeder sollte das ausnutzen, wenn er das kann, geistig noch da ist, körperlich fit ist."

Auch mit fast 90 noch Vollgas?

Fakt ist – der Alterungsprozess verschlechtert die Sinnesleistungen, schwächt die Koordinationsfähigkeit und schränkt die Beweglichkeit ein. Wenn ein fast 90-Jähriger in unserem Beitrag sagt: "Wo ich zügig fahren kann, da fahre ich auch zügig. Ich fahre auch schon mal 170, 180, wenn es sein muss auf der Autobahn, nur wenn die Straße frei ist", dann sieht das unser Studiogast Burkhard Nipper von der Landesverkehrswacht NRW kritisch: "Das ist schon gefährlich, mit solchen Geschwindigkeiten zu fahren, zumal in dem Alter ja auch das Reaktionsvermögen nicht mehr so groß und schnell ist wie bei jüngeren Menschen – also hier ist etwas Mäßigung angesagt." Laut ADAC verhalten sich ältere Autofahrer in der Regel vorsichtig, seien "eher defensiv und vorausschauend" unterwegs.

Menschen ab 65 Jahren verursachten etwa 16 Prozent der Unfälle mit Verletzten, obwohl sie 21 Prozent der Bevölkerung ausmachten. Die 18-25-jährigen Autofahrer sind dagegen zwei- bis dreimal so häufig Unfallverursacher wie es ihrem Bevölkerungsanteil entspräche. Richtig ist aber auch, dass die jungen Altersgruppen heute ein viel geringeres Risiko im Straßenverkehr sind als noch vor wenigen Jahrzehnten. Seit der Jahrtausendwende hat sich die Zahl junger Unfallverursacher insgesamt mehr als halbiert. Die Zahl der Senioren als Unfallverursacher ist hingegen kontinuierlich gestiegen – seit 1991 um 50 Prozent.

Mit Sicherheit mobil bleiben im Alter

Während bei den Jüngeren überhöhte Geschwindigkeit und Alkohol am Steuer Hauptunfallursachen sind, stehen bei den Älteren Verstöße gegen die Vorfahrtsregel auf Platz 1 der unfallträchtigen Vergehen. Dicht gefolgt von sogenannten "Parkplatzremplern", sprich: Kollisionen im ruhenden Verkehr. Was rät die Landesverkehrswacht zu sicherer Mobilität älterer Autofahrer? "Studien aus anderen Ländern belegen: vorgeschriebene Gesundheits-Checks bringen nicht so viel, wie man das meint", sagt unser Studiogast Burkhard Nipper. Stattdessen empfiehlt er für Autofahrer ab 70 Jahren auf freiwilliger Basis regelmäßige so genannte "Rückmeldefahrten" mit einem professionellen Fahrlehrer, "damit man sieht: Beherrsche ich das noch? Was muss ich künftig mehr beachten, damit ich noch lange sicher unterwegs bin?"

Von modernen Fahrassistenzsystemen im Auto (Einparkassistent, Spurhalteassistent, Toter-Winkel-Warner etc.) könnten ältere Fahrerinnen und Fahrer im besonderen Maße profitieren. Und der Experte von der Landesverkehrswacht fügt hinzu: "Fahrfähigkeit wird vor allem dann gut erhalten, wenn man sie regelmäßig trainiert." Um nicht aus der Übung zu kommen und einigermaßen verkehrsfit zu bleiben, müsse man allerdings mindestens 3.000 Kilometer im Jahr fahren.

Stand: 18.10.2019, 09:00