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Besser schlafen

Das Bild zeigt eine schlafende Frau.

Hirschhausens Sprechstunde

Besser schlafen

Von Katharina Adick

Schlafmangel kann gefährlich werden – für die eigene Gesundheit und für die anderer, insbesondere durch Teilnahme am Straßenverkehr. Aber nicht jeder scheinbar gestörte Schlaf ist behandlungsbedürftig. Die Abhängigkeit von Schlaftabletten ist bis heute die häufigste Medikamentensucht.   

Risiko Schlafmangel

Müdigkeit, Gereiztheit, Unkonzentriertheit, aber auch eher positive Symptome wie Albernheit sind häufige unmittelbare Folgen von zu wenig Schlaf. Auf Dauer aber wird Schlafmangel zu einem echten Problem. Schlafmangel ist schlecht für das Immunsystem, die emotionale Stabilität, aber auch für Muskulatur und Bindegewebe. Auch der Blutdruck steigt und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Neuere Forschungen zeigen außerdem, dass die Abfolge bestimmter Schlafphasen elementar für eine Art Reinigungsvorgang im Gehirn sind: Nur im Schlaf werden Ablagerungen aus dem Hirn transportiert. Bereits nach einer einzigen zu kurzen Nacht leiden unsere kognitiven Fähigkeiten. Nach mehreren Tagen Schlafmangel hintereinander, reagieren die meisten dann ungefähr so wie mit einem Blutalkohol von 0,6 Promille. Schlafmangel beeinträchtigt also nicht nur die Gesundheit und Lebensqualität der Betroffenen selbst. Er ist auch eine Gefahr für andere, etwa, weil Verkehrsunfälle wahrscheinlicher werden. Die eigene Einschätzung der Ausgeruhtheit oder Leistungsfähigkeit führt dabei übrigens oft in die Irre – auch das zeigen Studien immer wieder. Wer sich ausgeruht und fit fühlt, kann bereits unter deutlichen Einbußen bei Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen leiden. Für Menschen, die regelmäßig schlecht schlafen, ist es daher wichtig, den Ursachen auf den Grund zu gehen. 

Medikamentensucht: Ältere Damen besonders betroffen

Trotzdem ist nicht jeder scheinbar gestörte Schlafrhythmus bedenklich. Wieviel Schlaf ein Mensch braucht, ist individuell unterschiedlich und wird zu einem beträchtlichen Teil durch unsere Gene bestimmt. Das betrifft auch die Uhrzeiten, zu denen wir besonders gut einschlafen und aufwachen. Das Schlafbedürfnis hängt zudem auch vom Lebensalter ab. Im Alter nimmt es deutlich ab – das ist nicht unbedingt behandlungsbedürftig. Viel zu häufig aber werden noch immer Schlafmittel wie Benzodiazepine verschrieben, die schnell abhängig machen und schwere Nebenwirkungen haben können wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Benommenheit, Muskelschwäche, Verhaltensauffälligkeiten und insbesondere: Schlafstörungen. Gerade bei älteren Menschen steigt auch die Gefahr für Stürze oder sie verfallen in einen Dämmerzustand, der mitunter für eine beginnende Demenz gehalten wird. Die Teilnahme am sozialen Leben ist stark eingeschränkt, auch, weil die emotionale Bandbreite durch die Medikamente nachlässt. Um von Schlaf- und Beruhigungsmitteln loszukommen, ist es am besten, die Dosis mit ärztlicher Hilfe schrittweise zu verringern. Psychotherapeutische Begleitung hat sich dabei als hilfreich erwiesen. Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen sind in Deutschland vor allem Frauen abhängig von Benzodiazepinen.

Informationen über diese Stoffe und die neuartigeren sogenannten Z-Drugs, die neben vielen anderen Nebenwirkungen auch zu Halluzinationen und Schlafwandel führen können, finden Sie auf den Seiten der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen.

Informationen zum Absetzen von Schlafmitteln finden Sie auf den Seiten des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Was den Schlaf stören kann  

Es stimmt: Alkohol hilft beim Einschlafen. Beim Durchschlafen ist Alkohol aber, wie viele andere Drogen auch, stark hinderlich. Auch Lärm oder Helligkeit stören den Schlaf, selbst wenn wir von den Lichtern und Geräuschen um uns herum nicht immer wach werden. Wichtig ist auch die richtige Temperatur im Schlafzimmer. Besonders, wenn es zu warm ist, fällt es dem Körper schwer, in den Schlafmodus umzustellen.

Möglich aber auch, dass andere, körperliche Ursachen den Schlaf stören. Das sogenannte Restless Legs Syndrom ist ein häufiger Grund für Schlafstörungen. Das Syndrom kann eine quälende Unruhe und Spannung in den Beinen bis hin zu Schmerzen verursachen. Diese unangenehmen Empfindungen treten in Ruhephasen auf, besonders abends und nachts. Bewegung verschafft Abhilfe, hilft aber nur kurz. Eine weitere häufige Störung ist die Schlafapnoe. Betroffene schlafen zwar lange, aber sie bekommen im Schlaf zu wenig Luft oder haben sogar Atemaussetzer – ohne etwas davon zu bemerken.

Ständige Abgeschlagenheit sind die Folge, das Risiko für Depressionen steigt und das Herz-Kreislauf-System wird stark belastet. Symptome, die auf eine Schlafapnoe hindeuten könnten, sind neben der Müdigkeit am Tag und Konzentrationsstörungen auch plötzliches Erwachen, ein trockener Mund und Kopfschmerzen am Morgen oder auch Potenzprobleme. Auch wenn die Schlafapnoe nicht heilbar ist: Mittlerweile gibt es viele einfache Hilfsangebote, die dafür sorgen, dass die Luft nachts nicht wegbleibt und der Schlaf wieder erholsam wird.

Informationen über die Schlafapnoe und mögliche Behandlungsmethoden, aber auch darüber, was Sie selbst tun können, um die Schlafapnoe zu lindern, finden Sie auf den Seiten des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Dr. Eckart von Hirschhausen zum Thema Impfmythen

Hirschhausens Sprechstunde 01.03.2021 02:16 Min. Verfügbar bis 01.03.2022 WDR 4 Von Eckart von Hirschhausen


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Stand: 22.01.2021, 11:13