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Diether Krebs: Der Comedy-Pionier

Diether Krebs: Der Comedy-Pionier

Von Philip Stegers

Als Comedy in Deutschland noch ein Fremdwort war, brachte er die Menschen vor dem Fernseher zum Lachen. Vor 20 Jahren – am 04.01.2000 – starb der Schauspieler und Kabarettist Diether Krebs im Alter von nur 52 Jahren.

Diether Krebs ist ein Kind des Ruhrgebiets. Die Eltern betreiben einen Schreibwarenladen in Essen, sein erstes Engagement als Schauspieler hat er am Oberhausener Stadttheater - in der Rolle eines Clowns. Dank seiner Freundin Hildegard Krekel landet er 1973 in einer WDR-Fernsehserie, die als erste deutsche Sitcom für Furore sorgt.

Ein Herz und eine Seele – In der Rolle des schnodderigen 68ers Michael Graf gerät er ständig mit seinem Schwiegervater Alfred "Ekel" Tetzlaff aneinander. Trotz des großen TV-Erfolgs steigt Diether Krebs zur zweiten Staffel aus. Der Perfektionist ist unzufrieden mit den Drehbüchern.

Stattdessen kehrt er zurück zum Theater und arbeitet am Bochumer Schauspielhaus unter dem legendären Regisseur Peter Zadek. In einem Imbiss kommt ihm hier die Textidee zu einem Lied: "Gehsse inne Stadt, wat macht dich da satt …

... ‘ne Currywurst" – 1982 nimmt Herbert Grönemeyer den Song "Currywurst" auf, der in der Folge zur großen Ruhrpott-Hymne wird.

1978 kehrt Diether Krebs in der Krimi-Serie "SOKO 5113" auf den Bildschirm zurück, wo er mit den Kollegen Wilfried Klaus und Bernd Herzsprung für Recht und Ordnung sorgt. 1986 steigt er nach 59 Folgen aus. Seine Figur, der Kriminalhauptmeister Diether Herle, setzt sich zu diesem Anlass erfolgreich mit Drogengeld in die Schweiz ab.

Sein großes komisches Talent bleibt auch Showmaster Rudi Carrell nicht verborgen. 1981 holt ihn der Holländer ins Team von "Rudis Tagesshow". Ebenfalls mit dabei: Klaus Havenstein und Beatrice Richter.

Lustig sein ist harte Arbeit: Zu Studienzwecken sitzt Diether Krebs oft stundenlang in Cafés und beobachtet heimlich die Gäste. Dazu trinkt er bis zu 30 Tassen Espresso.

Mit der Sendung "Sketchup" gelingt ihm 1984 gemeinsam mit seiner Kollegin Beatrice Richter ein Riesenerfolg. Das Duo blödelt sich mit ihren überdrehten Sketchen sofort in die Herzen der Zuschauer.

In der zweiten Staffel von "Sketchup" gilt nach wie vor: Je dämlicher die Verkleidung, desto besser. Auch Diether Krebs‘ neue Sketchpartnerin Iris Berben legt sofort alle Hemmungen ab.

In "Sketchup" zeigt sich Diether Krebs als genialer Verwandlungskünstler und Freund handfester Pointen. Die Show ist wegweisend für die deutsche Comedywelle der 90er Jahre.

Seine Familie überrascht er zuhause gerne mal mit dicker Brille und Hasenzähnen. Im Sommer arbeitet Diether Krebs grundsätzlich nicht. Stattdessen fährt der Familienmensch mit seiner Frau und den beiden Söhnen jedes Jahr für sechs Wochen in den Urlaub, um sich die Welt anzuschauen und neue Kraft zu tanken.

In der 80er Jahren sorgen Rudi Carell und Diether Krebs für die humoristische Grundversorgung in der BRD – ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit. Diether Krebs ist ein Lebemann, der gerne feiert und an manchen Tagen drei Schachteln Zigaretten raucht.

Anfang der 90er Jahre lässt er seine Kultfigur "Martin" auf die Menschheit los. Der pseudo-alternative Sandalenträger schafft es mit der Single "Ich bin der Martin, ne …?!" auf Platz 3 der Single Charts. Die nachfolgende Single ist nicht mehr ganz so erfolgreich, trotz des ergreifenden Titels "Santamarghuaritanobiledimontepulciano – Du kleines Fischerdorf".

Seinen letzten großen Auftritt hat Diether Krebs 1999 in der Ruhrgebietsklamotte "Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding". In der Rolle des schmierigen Spediteurs Werner Kampmann zieht er noch einmal alle Register seines schauspielerischen Könnens.

Am 4. Januar 2000 stirbt Diether Krebs an Lungenkrebs. Seine Heimatstadt Essen widmet ihm zu Ehren den Ostpark in "Diether-Krebs-Platz" um.

Stand: 02.01.2020, 15:44 Uhr