Live hören
Jetzt läuft: It's so easy von Linda Ronstadt
00.00 - 06.00 Uhr ARD Hitnacht

Weihnachten im Botanischen Garten Bonn

Weihnachten im Botanischen Garten Bonn

Rechtzeitig für die Führung zu den Weihnachtspflanzen im Botanischen Garten Bonn fiel der Schnee. Das versetzte die Gruppe in perfekte Weihnachtsstimmung.

Dr. Karin Ladenburger

Die Botanikerin Dr. Karin Ladenburger ist aktiv im Freundeskreis der Gartenanlage der Universität Bonn. Hier präsentiert sie die erste typische Weihnachtspflanze: die Stechpalme (Ilex aquifolium). "Sie ist eher eine englische oder amerikanische Weihnachtspflanze. Aber inzwischen haben wir den Brauch importiert", so Karin Ladenburger.

Die Botanikerin Dr. Karin Ladenburger ist aktiv im Freundeskreis der Gartenanlage der Universität Bonn. Hier präsentiert sie die erste typische Weihnachtspflanze: die Stechpalme (Ilex aquifolium). "Sie ist eher eine englische oder amerikanische Weihnachtspflanze. Aber inzwischen haben wir den Brauch importiert", so Karin Ladenburger.

Mit ihren roten Beeren und dem dunkelgrün gezackten Laub kleidet sich die Stechpalme in die beiden Symbolfarben Rot und Grün. Im Christentum steht das Grün für das Ewige Leben, die Treue und die Beständigkeit. Rot stellt den Blutstropfen Jesu dar. "So hat man also das gesamte christliche Jahr umspannt in diesen beiden Symbolfarben", erklärt sie.

Unser pflanzlicher Weihnachtsklassiker ist natürlich der Tannenbaum. Man sieht hier sehr gut die für Tannen typischen Nadelstreifen auf der Unterseite. Zudem wachsen bei der Tanne die Nadeln nur links und rechts aus dem Stamm, bei der Fichte rings herum. Deshalb haben viele statt einer Tanne eine Fichte im Wohnzimmer. Das sieht üppiger aus.

"Ich bin der Überzeugung, dass in Bethlehem kein Tannenbaum gestanden hat. Ich bin eher der Meinung, dass es dort Palmen gegeben hat"“, so die Botanikerin. "Mit dem daneben stehenden Bambus feiert man in Japan den Jahreswechsel. Die schnellwachsende Pflanze gilt den Japanern als freundlich und mit diesem Optimismus begeht man dann das neue Jahr."

Die Christrose (Helleborus niger) hat ihre Blüte zwar noch nicht geöffnet, aber die Knospen kämpfen sich tapfer durch die Schneedecke. Sie heißt Christrose, weil sie zu Weihnachten blüht. Sie hat aber noch eine Besonderheit an sich: "Wenn sie aufhört zu blühen, dann stirbt das Laub ab und dann werden die Blütenblätter grün und die Blütenblätter machen Fotosynthese", so Karin Ladenburger.

Man hat sich früher in unseren Breiten gewundert, dass es im Winter Pflanzen gibt, die grün sind. "Das hielt man dann für Zauberei und in den vorchristlichen Zeiten holte man sich diese Pflanzen zum Schutz ins Haus", erklärt die Botanikerin. Dazu gehörte neben der Mistel auch der Efeu, die Eibe und der Buchsbaum, "allesamt giftig", schmunzelt sie. Interessant an der Mistel ist auch, dass sie als Kugel wächst und sich ihre Zweige nicht, wie meist, nach der Sonne ausrichten.

Bevor es ins Gewächshaus geht, passiert die Gruppe den Winterjasmin (Jasminum nudiflorum). Das ist zwar keine Weihnachtspflanze, aber die zarte gelbe Blüte mit der Zuckerhaube aus Schnee ist viel zu schön, um achtlos an ihr vorüberzugehen. Der Winterjasmin blüht bis März und klettert gerne an Terrassen, Wänden oder Zäunen.

Extra für die Führung haben die Gärtner ihre wertvollsten und empfindlichsten Schätze hervorgeholt: Weihrauch und Myrrhe. Hier im Bild ist die Myrrhe (Commiphora myrrha) zu sehen, eines der Geschenke der heiligen drei Könige zu Jesu Geburt. "Weihrauch, Myrrhe und Gold waren damals die wertvollsten Dinge, die man kannte", so Karin Ladenburger.

Die ätherischen Öle des Weihrauchs (Boswellia sacra) sollen das Immunsystem stärken und vor Entzündungen schützen. Ein Grund, weshalb man in den großen Wallfahrtskirchen massiv mit Weihrauch geräuchert habe. Viele der Pilger, die lange zu Fuß unterwegs waren, kränkelten. Der Weihrauch sollte verhindern, dass sie sich gegenseitig ansteckten.

Im Gewächshaus packt Karin Ladenburger ihre mitgebrachten Schätze aus – Weihnachtsgewürze. Vom Zimt aus (ganz oben) im Uhrzeigersinn sind das: Anis, Muskatnuss, Muskatnussblüten, Gewürznelken, Kakaobohnen, Kardamom, Ingwer, Sternanis und in der Mitte Kugeln vom Harz des Weihrauchs.

Ihr "Handout", wie Karin Ladenburger es nennt, macht den Rundgangsteilnehmern besondere Freude. Es ist eine Geschenkpapiertüte voll mit selbstgebackenen Plätzchen. Für Dattelmakronen, Ingwerschnitten und Co. hat sie die vorgestellten Früchte und Gewürze verwendet: Datteln, Ingwer, Orangeat, Zitronat, Vanille, Kakao, Kardamom, Zimt.

Im Schneekleid wirken die Botanischen Gärten der Universität Bonn mit dem Poppelsdorfer Schloss geradezu zauberhaft. An den Weihnachtsfeiertagen und an Neujahr sind sie zwar geschlossen, aber ansonsten im Winterhalbjahr (1. November bis 31. März) montags bis freitags von 10-16 Uhr geöffnet.

Stand: 16.12.2017, 00:00 Uhr