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Waldkonzert und sozialer Wohnungsbau

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Von Sabine Krüger

Jetzt balzen die Spechte. Im März laufen sie zur Hochform auf. Im Bonner Kottenforst hört man manchmal sogar seltene Grauspechte. Und von Spechthöhlen profitieren auch andere.

Peter Tröltzsch und Astrid Mittelstaedt auf Spechtexkursion im Bonner Kottenforst

Die öffentliche Spechtexkursion im Bonner Kottenforst ist, wie so vieles, Corona zum Opfer gefallen. Peter Tröltzsch und Astrid Mittelstaedt von der Biologischen Station Bonn-Rhein-Erft ziehen trotzdem los: extra für die WDR4-Gartenreihe! Sie klären gerne über die spannenden Baumeister im Wald auf. Und jetzt, zur Balzzeit, geht das am besten.

Die öffentliche Spechtexkursion im Bonner Kottenforst ist, wie so vieles, Corona zum Opfer gefallen. Peter Tröltzsch und Astrid Mittelstaedt von der Biologischen Station Bonn-Rhein-Erft ziehen trotzdem los: extra für die WDR4-Gartenreihe! Sie klären gerne über die spannenden Baumeister im Wald auf. Und jetzt, zur Balzzeit, geht das am besten.

Hier lohnt es sich, die Ferngläser dabei zu haben, denn Peter Tröltzsch hat in den letzten Jahren immer mal wieder den Ruf des Grauspechts gehört, obwohl der hier eigentlich als ausgestorben gilt. Der Grauspecht (unten links im Buch) hat einen grauen Kopf, ähnelt ansonsten aber dem Grünspecht, der etwas größer ist. Der Schwarzspecht (im Buch links oben) ist der größte Specht im Kottenforst, ungefähr so groß wie eine Krähe.

Gerade mal so groß wie eine Meise ist der kleinste Specht im Kottenforst: der Kleinspecht. "Sein Trommeln ist etwas kürzer als das des Schwarzspechts, der am längsten trommelt, aber länger als das Trommeln des Buntspechts", erklärt der Naturschützer und Landschaftsökologe.

"Die hier vorkommenden Spechte sind überwiegend schwarz-weiß-rot gefärbt. Der weibliche Kleinspecht ist der einzige, der nur schwarz-weiß ist", so Tröltzsch‘ Bestimmungshilfe.

Wer das Balzen der Spechte erleben möchte, sollte zwischen Januar und März morgens in den Wald gehen. "In der Frühe wird meistens mit Trommelwirbeln und Schauflügen das Revier abgesteckt und später am Tag suchen die Spechte nach Nahrung. Im Mai, wenn es mittags warm wird, verfallen die Tiere in eine Art Mittagstief", erklärt der Vogelfreund.

Am häufigsten hört und sieht man im Naturschutzgebiet den Buntspecht. Peter Tröltzsch identifiziert den Vogel am Baum direkt als weiblichen Buntspecht: "Das Weibchen hat einen komplett schwarzen Kopf, während das Männchen einen roten Nackenfleck hat."

Auf diesem Foto von Peter Tröltzsch ist der rote Nackenfleck des Buntspecht-Männchens gut zu sehen. "Akustisch erkennt man den Buntspecht an seinem kurzen Trommeln von unter einer Sekunde Länge", erklärt der Vogelkenner.

Der Punk unter den Spechten ist der Mittelspecht, denn er trägt einen markanten roten Irokesenschnitt auf dem Kopf. Der Mittelspecht trommelt nur sehr selten, er verständigt sich durch andere Laute: durch Quäken, durch hastige Rufreihen, die den Rufen des Buntspechts ähneln und durch Schau-Flüge.

Der Mittelspecht hat einen zierlicheren Schnabel als der Buntspecht. Das ist eher ein Stocher-Schnabel, mit dem er nur im morschen Holz Bruthöhlen anlegen kann. Der Schwarzspecht kommt auch in härteres Holz. "Wenn Spechte trommeln ist das so, als führen wir ungebremst mit dem Fahrrad gegen einen Baum. Spechte können das, weil sie verstärkte Rippenbögen haben, eine stärkere Brustmuskulatur und eine schwammähnliche Knochenstruktur im Schädel", so Tröltzsch. 

Morsche Eichenbäume sind also vor allem für den Mittelspecht überlebenswichtig, weil er für seine Bauwerke weicheres Holz braucht. Hier sieht man zwei Spechthöhlen und darunter mehrere kleinere Löcher. Das waren wahrscheinlich Versuche eines Spechts, die er wieder aufgegeben hat. "Der Mittelspecht hat sein Hauptverbreitungsgebiet in Deutschland, weshalb wir eine besondere Verantwortung haben, diese Art zu erhalten", betont der Naturschützer.

Damit solche toten Bäume für die Spechte erhalten bleiben, hat Peter Tröltzsch im Rahmen eines Schutzprojekts sogenannte Biotopbäume markiert: "Die Marken zeigen dem Förster an, dass er diese Bäume nicht fällen darf. Denn der Kottenforst ist ein Wirtschaftswald des Landes Nordrhein-Westfalen, der gleichzeitig Schutzgebiet ist. Das heißt, das Holz wird verkauft, aber unter Berücksichtigung des Naturschutzes."

Bäume mit Spechthöhlen haben erste Priorität. "Denn in diesen leben nicht nur Spechte, sondern je nach Größe werden sie auch von Baummardern, Dohlen oder auch von kleineren Tieren wie Bilchen, Fledermäusen, Hornissen oder anderen Insekten genutzt. Die großen Höhlen des Schwarzspechts werden von großen Vogelarten angenommen, unter anderem von der Hohltaube", so Tröltzsch.

Ein guter Ausgangspunkt, um Spechte im Kottenforst zu hören, ist der Wanderparkplatz Jägerhäuschen. Das Jägerhäuschen steht nicht direkt am Parkplatz, sondern liegt ungefähr zehn Minuten Fußweg davon entfernt. Es wurde im 18. Jahrhundert als Station für die Parforce-Jagden des Kölner Kurfürsten Clemens August gebaut. Das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft hat das denkmalgeschützte Gebäude restauriert.

Grünspechte gibt es nicht nur im Wald, sondern öfter auch im Garten, was das Foto von Astrid Mittelstaedt beweist: "Der Grünspecht heißt auch Bodenspecht, weil er im Boden nach Ameisen sucht. Er ernährt sich hauptsächlich von ihnen." Und wer einen Garten in Waldnähe hat, kann dem Grauspecht mit heimischen Wildsträuchern etwas Gutes tun, weil der sich im Winter hauptsächlich von Beeren ernährt.

Stand: 17.02.2021, 14:04 Uhr