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Saatguternte für mehr Vielfalt

Saatguternte für mehr Vielfalt

Wer in seinem Garten samenfestes Gemüse anbaut, kann es weitervermehren. So bleiben Sorten erhalten, die es nicht im Supermarkt gibt. Ein Besuch bei Markus Schink in Erkrath.

Hobbygärtner Markus Schink neben einer hochgewachsenen grünen Gartenmelde

Markus Schink ist auf dem Bauernhof groß geworden: Der Kreislauf von Aussäen, Anpflanzen, Ernten, Samen ernten und wieder aussäen ist für ihn selbstverständlich. In Gartencentern gibt es heute überwiegend sogenannte F1-Hybriden zu kaufen, aus deren Samen keine Pflanzen wachsen mit den gleichen Eigenschaften wie vorher. Markus Schink pflanzt in seinen Gemüsebeeten nur samenfeste Sorten an, die er über das Saatgut weitervermehren kann, wie diese Melde. Ihre Blätter kann man wie Salat zubereiten.

Markus Schink ist auf dem Bauernhof groß geworden: Der Kreislauf von Aussäen, Anpflanzen, Ernten, Samen ernten und wieder aussäen ist für ihn selbstverständlich. In Gartencentern gibt es heute überwiegend sogenannte F1-Hybriden zu kaufen, aus deren Samen keine Pflanzen wachsen mit den gleichen Eigenschaften wie vorher. Markus Schink pflanzt in seinen Gemüsebeeten nur samenfeste Sorten an, die er über das Saatgut weitervermehren kann, wie diese Melde. Ihre Blätter kann man wie Salat zubereiten.

Und so sieht der gesammelte trockene Samen der Melde vom letzten Jahr aus: "Jedes Samenkorn umgibt ein Hüllblatt. Bei der Melde lässt man das auch dran, weil das ein Keimschutz ist. Das heißt: Der Samen hält sich deutlich länger, wenn dieses Hüllblatt drum herum ist", erklärt der Hobby-Pflanzenzüchter.

Weil Markus Schink alte und seltene Sorten bewahren möchte, ist er Mitglied im Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN). Diese Selleriepflanzen hat er von Eike Bretschneider übernommen. Die 92-jährige gelernte Obst- und Gemüsegärtnerin hat die Sorte "Hochdahler Markt" selbst gezüchtet. "Damit ihre Sorten nicht verloren gehen, gibt sie sie an andere VEN-Mitglieder weiter und ich habe den Sellerie geerbt", freut er sich.

Dies sind Stangenbohnen der Sorte "Schlachtschwert", eine Bohnensorte mit ganz flachen Hülsen, die an einen Säbel erinnern. "Die habe ich von der Bergischen Gartenarche, das ist auch eine Erhalter-Organisation, die sich um regionale Sorten aus dem Bergischen Land kümmert. Die wächst nicht nur gut, sondern ist auch sehr lecker und kann lange geerntet werden, bevor sie zäh wird."

Eine sehr interessante alte und regionale Sorte ist auch der Wirsing "Bonner Advent". "Den habe ich im letzten August ausgesät, dann hat er über den Winter draußen gestanden. Im Mai konnte ich Wirsing ernten. Aus dem Strunk wächst dann eine neue Blüte, das ist das, was man jetzt sieht. Davon ernte ich nächstes Jahr die Samen. Das heißt: Ich kann erst die Pflanze essen und aus dem zweiten Austrieb noch Samen ernten", so die Empfehlung von Markus Schink.

Zu Demonstrationszwecken hat Markus Schink die vertrocknete Zuckererbse der Sorte "Winterkefe" stehen lassen. "Das ist eine Winterzuckererbse, die frosthart ist. Man kann sie also über Winter aussäen und schon Ende April, Anfang Mai ernten."

Um das Saatgut zu ernten, öffnet man einfach die Hülsen und lässt die Samen rauskullern.

Einlagern sollte man allerdings nur Samen, die gesund sind. Die zwei oberen im Foto sehen gut aus. Der untere Samen sollte aussortiert werden.

In Markus Schinks Garten wachsen viele verschiedene Tomatensorten. Diese hier ist eine "Pflaumentomate": "Die braucht etwas Schutz vor Feuchtigkeit, deshalb steht sie hier unter dem Dachvorsprung, das reicht schon. Die Sorte kommt aus der Region um Kasachstan. Sie ist eher trocken und eignet sich vor allem zum Einlegen".

"Das ist eine Tomate, die ein Bekannter aus seinem Rügen-Urlaub mitgebracht hat. Der Vermieter wusste leider auch nicht mehr, wie die Sorte heißt und wo er sie herhatte, deshalb heißt sie bei mir jetzt 'Rügen'", schmunzelt Markus Schink. Damit das den Teilnehmern des Rundgangs durch seinen Garten nicht passiert, empfiehlt er, Samentütchen direkt zu beschriften, solange man noch weiß, um welche Sorte es sich handelt.

An einer ebenfalls namenlosen kleinen, gerade ausgereiften Tomate demonstriert der Hobbygärtner, wie man Tomatensamen erntet. Dazu schneidet er die Frucht einmal in der Mitte durch.

Mit der Messerspitze löst der Hobbygärtner die kleinen hellen Samen aus und lässt sie auf einem Küchenkrepp trocknen.

Markus Schink sammelt seine Tomatensamen in einem geflochtenen Korb-Köfferchen. Darin sind Gläser mit Samen, Umschläge mit Samen, Samen auf Küchenkrepp, auf alten T-Shirt-Fetzen oder auf Kaffeefiltern. Alle sind beschriftet mit dem Sortennamen, dem Jahr der Ernte und oft auch mit dem Ort oder der Person, von der er das Saatgut bekommen hat. Lagern sollte man es in einem trockenen, weder zu kalten noch zu warmen Raum.

Die Salatsorte "Roter Venezianer" ist auch eine Züchtung von Eike Bretschneider. Zunächst war der Pflücksalat grün und bei ihren Kunden sowie bei den Schnecken gleichermaßen beliebt. Ihre Kunden bedauerten, dass der Salat nicht rot war, denn rotblättrige Salate bleiben von Schnecken eher verschont. Also züchtete sie eine rote Version des Salates.

Bei Salat ist die Samenernte aufwendiger als bei Tomaten und Erbsen: "Die Samen reifen nach und nach, man muss also regelmäßig kontrollieren und ernten", erklärt Markus Schink. In diesem Glas sammelt er die noch ungeputzten Salat-Samen aus dem letzten Jahr. "Die kann ich auch so aussäen, aber wenn ich Samen an andere weitergebe, reinige ich sie vorher."

Um das Saatgut zu reinigen, siebt man es in mehreren Durchgängen durch Siebe mit unterschiedlich großen Öffnungen. "Dafür gibt es besondere Siebe, aber man kann auch normale Küchensiebe verwenden. Was sich so nicht reinigen lässt, trennt man, indem man die Samen auf ein Tuch legt und vorsichtig drüber bläst", so Schink. "Und wer seltenes Saatgut ausprobieren möchte, kann unter anderem im Sortenkatalog des VEN schmökern."

Stand: 08.08.2019, 12:10 Uhr