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Heiße Eisen für den Garten

Heiße Eisen für den Garten

Loderndes Feuer und rhythmische Hammerschläge, das macht den Zauber des Schmiedehandwerks aus. In der Eventschmiede Solingen können Hobbygärtner Rankhilfen selber schmieden.

Der Schmied Michael Bauer-Brandes aus Solingen mit Ehefrau und Architektin Monika Brandes

Der Schmied Michael Bauer-Brandes in Solingen ist begeistert davon, aus sprödem Metall ästhetische Gebrauchs- oder Dekomaterialien zu fertigen. Seine Ehefrau Monika Brandes ist Architektin, aber an Wochenenden gibt die Freizeit-Schmiedin Laien die Möglichkeit, es selbst auch einmal zu probieren. Und sie kümmert sich um alles Organisatorische rund um die Schmiede-Events der beiden.

Der Schmied Michael Bauer-Brandes in Solingen ist begeistert davon, aus sprödem Metall ästhetische Gebrauchs- oder Dekomaterialien zu fertigen. Seine Ehefrau Monika Brandes ist Architektin, aber an Wochenenden gibt die Freizeit-Schmiedin Laien die Möglichkeit, es selbst auch einmal zu probieren. Und sie kümmert sich um alles Organisatorische rund um die Schmiede-Events der beiden.

Monika Brandes möchte vor allem auch Frauen dazu ermutigen, mit Hammer und Amboss zu arbeiten. Die Hämmer wiegen zwischen 750 und 1.000 Gramm, das ist leichter als viele meinen. Beim Schmieden kommt es auf schnelle Schläge an, um möglichst viel bearbeiten zu können, bis das Material wieder erkaltet. Für eine Garten-Rankhilfe bekommt hier eine Stahlstange auf dem Amboss eine Spitze.

Die senkrechten Metallstangen der Rankhilfen, die im Schmiedekurs entstehen, sollen mit einer Schnecke verziert werden. Dafür wird die heiße Spitze der Stange auf das gebogene Horn am Ende des Ambosses gelegt und mit dem Hammer so lange bearbeitet, bis sie die gleiche Biegung hat.

Mit dieser gebogenen Spitze kann die Metallstange in die Schnecken-Schablone auf dem Amboss eingeführt werden. Der Anfang geht zu zweit besser: Schmied Michael Bauer-Brandes hält mit einer Zange die Stange in der Schablone fest und Kursteilnehmerin Sabine Gräfe biegt das Metall, indem sie um die Schablone herumgeht.

Ist der Anfang gemacht, kann Sabine Gräfe alleine weiterarbeiten. Der Trick ist, sich zu merken, wo sie das letzte Mal gestanden hat, als sie die Stange aus der Schablone herausnehmen musste. Denn wenn das Metall kalt ist, muss es erst wieder erhitzt werden. Wenn sie sich nach dem Erhitzen wieder da hinstellt, wo sie zuletzt gestanden hat, lässt sich die halbfertige Schnecke leicht wieder in die Schablone einfädeln.

Und immer wieder heißt es: Erhitzen, erhitzen, erhitzen. Nur wenn das Metall hellorangefarben leuchtet, hat es die richtige Temperatur zum Schmieden. Gut, dass der Blick ins Feuer durchaus meditativ wirkt.

Es ist ganz normal, dass die geformte Schnecke zunächst uneben aus der Schablone kommt. Kein Problem, dafür gibt es ja den Schlichthammer. Die Schnecke wird auf dem Amboss abgelegt und Sabine Gräfe haut mit dem Hammer auf den unten breit quadratisch und flach auslaufenden Schlichthammer, der das Werkstück glättet. Die erste Stange der Rankhilfe ist fertig.

Jetzt noch abkühlen. Sicherheits-Handschuhe sind unerlässlich: "Da, wo das Metall orangefarben glüht, sieht jeder, dass es heiß ist und fasst nicht hin. Aber an den schwarzen Stellen des Metalls, bevor es glüht, herrschen immer noch Temperaturen von 500 Grad. Zuerst würde man im Handschuh merken, dass es warm wird und lässt dann los. Passiert ist bisher zum Glück noch nie was", sagt Monika Brandes.

Während die erste abgekühlte Stange in der Ecke steht, macht sich Kursteilnehmerin Sabine Gräfe an die zweite und dritte Stange. Die gehen ihr schon entschieden leichter von der Hand. Die Schnecke wird von vornherein viel ebener und sie muss nur noch wenig mit dem Schlichthammer glätten.

Zwei horizontale Stangen werden die drei vertikalen Stangen der Rankhilfe zusammenhalten. Auch diese beiden sollen gefällig gebogen werden. Dafür gibt es eine andere Schablone. Sabine Gräfe biegt die Stange zwischen der Schablone und einem Klotz zurecht. Damit dieser nicht jedes Mal mit einer Zange festgehalten werden muss, hat Michael Bauer-Brandes ihn mit einer Gripzange befestigt.

Zum Schluss verschweißt der Schmied noch die vertikalen Stangen mit den horizontalen.

Nach gut zwei Stunden konzentrierter Arbeit ist die Rankhilfe fertig. Sabine Gräfe ist erstaunt, wie gut es – mit fachlicher Unterstützung – geklappt hat. "Dass ich diese Rankhilfe selbst geschmiedet habe, hat für mich einen zusätzlichen persönlichen Wert", sagt sie und muss jetzt nur noch eine passende Kletterrose finden.

Stand: 11.07.2019, 09:48 Uhr