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Der Nächste bitte! Pilzberatung

Joachim Wunsch und Wilfried Collong im Beratungssgespräch

Der Nächste bitte! Pilzberatung

Von Sabine Krüger

Der Regen lässt die Pilze sprießen! Wer unsicher ist, lässt den eigenen Fund besser von Pilzsachverständigen prüfen. Zum Beispiel vom Naturwissenschaftlichen Verein Wuppertal.

Der Nächste bitte! Pilzberatung

WDR 4 Drinnen und Draußen 26.10.2019 02:12 Min. Verfügbar bis 25.10.2020 WDR 4

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Kahler Krempling, Schopf-Tintling und Hexenröhrling

Allein die Namen der Pilze machen neugierig. In der pilzkundlichen Beratung im Botanischen Garten Wuppertal erfahren Sammler, welche genießbar, ungenießbar oder giftig sind.

Wilfried Collong und Claudia Collong hinter einem Korb mit Pilzen

Angefangen hat alles damit, dass die heute 58-jährige Claudia Collong einen Volkshochschulkurs zu Pilzen besucht hat: "Das war so spannend, dass ich meinen Mann mit meiner Begeisterung angesteckt habe." Inzwischen sind beide von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie geprüfte Pilzsachverständige und besuchen jedes Jahr mindestens ein einwöchiges Seminar in einer der bundesweiten Pilzschulen. Zudem sind sie im Naturwissenschaftlichen Verein Wuppertal aktiv, der die pilzkundlichen Beratungen im Botanischen Garten Wuppertal anbietet.

Angefangen hat alles damit, dass die heute 58-jährige Claudia Collong einen Volkshochschulkurs zu Pilzen besucht hat: "Das war so spannend, dass ich meinen Mann mit meiner Begeisterung angesteckt habe." Inzwischen sind beide von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie geprüfte Pilzsachverständige und besuchen jedes Jahr mindestens ein einwöchiges Seminar in einer der bundesweiten Pilzschulen. Zudem sind sie im Naturwissenschaftlichen Verein Wuppertal aktiv, der die pilzkundlichen Beratungen im Botanischen Garten Wuppertal anbietet.

Der 76-jährige Joachim Wunsch aus Sprockhövel (vorne links) zeigt seinen Fund Wilfried Collong. Der lobt ihn zunächst dafür, dass er im Korb und nicht in einer Plastiktüte oder luftundurchlässigen Tasche gesammelt hat. Joachim Wunsch hat schon in den 70er Jahren mit seiner Familie Pilze gesucht. Heute hat er unter anderem Hexenröhrlinge gefunden.

Typisch für Hexenröhrlinge ist, dass sie sich, nach Anschnitt, von gelb nach blau verfärben: "Das ist kein Alarmzeichen, sondern einfach ein Merkmal. Im Gegenteil, wenn das Blauen nicht mehr eintritt, ist der Pilz zu alt zum Verzehr." Joachim Wunsch überrascht Wilfried Collong mit einem Netzstieligen Hexenröhrling, der im Bergischen selten ist, weil er Kalkböden bevorzugt. "Zusammen mit Alkohol kann es beim Netzstieligen Hexenröhrling zu Unverträglichkeiten kommen", warnt der Pilzsachverständige.

Das ist ein Rotfuß-Röhrling, der essbar ist und einen säuerlichen Geschmack hat. Anfängern im Bergischen rät Wilfried Collong beim Pilzesammeln mit den Röhrlingen anzufangen: "Die haben unter dem Hut weder Lamellen noch Leisten wie der Pfifferling, sondern Röhren". Giftig sind in dieser Gattung nur der Schönfuß-Röhrling und der Satans-Röhrling. Beide sind aber viel kräftiger als die genießbaren Röhrlinge und haben ein rotes Netz am Stiel. "Der Satans-Röhrling kommt im Bergischen nicht vor, in anderen Teilen Nordrhein-Westfalens allerdings schon", so Collong.

Achtung, giftig! Hier handelt es sich um den Kahlen Krempling: "Der kann nach mehrfachem Verzehr einen allergischen Schock auslösen, der tödlich sein kann!", warnt der Pilzsachverständige. Joachim Wunsch ist erstaunt: "In den 70er Jahren sagte uns ein Nachbar auf dem Campingplatz, der Pilz sei essbar und die ganze Familie hat ihn verzehrt." Es sei möglich, dass die Giftigkeit des Kremplings erst danach erkannt wurde: "Deshalb ist es wichtig, immer mit aktuellen Pilzbüchern zu arbeiten!", rät Wilfried Collong.

Joachim Wunsch muss nun alle seine Funde wegwerfen, weil sie zusammen im Korb lagen und es möglich ist, dass Partikel des Giftpilzes auch an anderen haften. Er nimmt es gelassen: "Na, dann waren wir heute wenigstens an der Luft!", lacht er. Zudem ist er dankbar, gelernt zu haben, dass er den Kahlen Krempling besser stehen lässt. Der Experte empfiehlt, Funde, bei denen man unsicher ist, jeweils in einem gesonderten Behälter zu sammeln.

Achtung, Verwechslungsgefahr! Weil junge Pilze oft noch einen stärker gewölbten Hut haben als ältere – Experten sagen, sie sind noch nicht "aufgeschirmt" -, könnte man beide für die gleiche Art halten. Tatsächlich ist der linke Violette Rötel-Ritterling essbar, der rechte Schleierling aber giftig.

Um die beiden auseinanderzuhalten, muss man sich die Pilze von unten ansehen. "Das sollte man sowieso immer tun", empfiehlt Wilfried Collong. "Hier sieht man kurz unterhalb des Hutes am Stiel einen rostbraunen Saum. Der stammt von einem haarfeinen Netz, das beim jungen Pilz vom Hutrand bis zum Stiel reichte. Beim Aufschirmen reißt es auf und wird von herabfallendem Sporenpulver rostbraun eingefärbt, ein Kennzeichen der Gattung der Schleierlinge. Dieser Pilz ist giftig!"

Der Violette Rötel-Ritterling hat diesen Saum nicht. Er ist ein guter Speisepilz. Sein Fleisch ist weich, zart und violett. Geruch und Geschmack sind angenehm süßlich. Man darf ihn aber eben nicht mit ähnlich gefärbten Schleierlingen verwechseln, erkennbar am rostbraunen Saum!

Einen solchen Birkenpilz hatte Joachim Wunsch auch in seinem Korb. "Der muss bei Birken gestanden haben. Das ist die Gattung der Raustiel-Röhrlinge. Ihr Kennzeichen sind die schwarzen Pusteln am Stiel. Junge Birkenpilze sind gute Speisepilze. Allerdings nicht roh, sondern nur erhitzt! Alle Wildpilze sollte man mindestens 20 Minuten lang kochen, schmoren oder braten!", rät der Experte.

Die 28-jährige Felizitas Boie und der 30-jährige Philipp Franke hat weniger Pilzhunger als vielmehr Wissensdurst in die Beratung gelockt. Sie hat Umweltwissenschaften studiert und er Biotechnologie. Ihr Sammelziel war ein möglichst breites Spektrum. Der Experte erkennt die Giftpilze Wasserkopf-Gürtelfuß, Grünblättriger Schwefelkopf und Spitzschuppiger Stachelschirmling sowie den essbaren Gold-Röhrling, der nur an Lärchen wächst. "Wir möchten gerne tiefer in die Pilzkunde einsteigen und kommen bestimmt wieder", sagt Felizitas Boie.

Der Spitzschuppige Stachelschirmling ist sehr markant mit seinen gelb- bis dunkelbraunen, spitzkegeligen abreibbaren Schuppen auf dem hellen Hut. Zudem ist der Stiel unterhalb des Rings haselnussbraun und oberhalb weißlich oder hutfarben. Den lässt man auch besser im Wald stehen, denn er ist giftig.

Hier sieht man links Pilze der Art Hallimasch, in der Mitte Stockschwämmchen und ganz rechts einen Gift-Häubling, der tödlich giftig ist! Hallimasch-Pilze sollten besonders lang erhitzt werden. Manche vertragen sie auch dann nicht, andere mögen sie besonders gerne. Stockschwämmchen sind gute Speisepilze mit mildem Geschmack. Anhand ihrer dunkelbraunen Schüppchen am Stiel unterscheidet man sie vom Gift-Häubling.

Maronen sind grundsätzlich sehr leckere Speisepilze, aber diese hier ist schon zu alt für den Verzehr. Das erkennt man am Grünton der Röhren, bei frischen Maronen sind sie rot bis blassrosa. Zudem sollte das Fleisch fest sein, hier war es leicht einzudrücken. Auch wenn bei Maronen der Stiel nicht mehr bräunlich, sondern weiß ist, sollte man sie nicht mehr genießen. Und Maden sind natürlich bei allen Pilzarten ein Ausschlusskriterium für die Küche.

Auch diese Schopf-Tintlinge sind zu alt zum Verzehr. Das erkennt man daran, dass sie nicht mehr rein weiß sind, sondern anfangen, sich schwarz zu verfärben. Noch ältere Exemplare dieser Art bekommen einen dunklen Hutrand und die Huthaut wird grau, faltig oder scheckig. "Man sollte also nur junge Exemplare sammeln und sie am gleichen Tag verarbeiten, dann entfalten sie ihren feinen Geschmack, der Spargel ähnelt", rät Wilfried Collong.

Die Marone und die Schopftintlinge hat Nermina Basic zur Beratung mitgebracht. Die 30-Jährige hat zum dritten Mal Pilze gesammelt. Perspektivisch möchte sie beim Sammeln so sicher werden, dass sie ihre Funde auch essen kann. Aber zunächst reicht ihr, beim Pilzesammeln "den Herbst positiv zu genießen. Man fängt an, sich über den Regen zu freuen, weil die Pilze sprießen!"

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Stand: 25.10.2019, 10:32