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Obstbaum pflanzen – so geht's

WDR 4 Drinnen und Draußen: Obstbaumpflanzen – so geht‘s

Obstbaum pflanzen – so geht's

Von Sabine Krüger

Tipps und Tricks für einen erfolgreichen Start ins Obstbaumleben: Wir zeigen, wie man einen Baum pflanzt sowie den Pflanzschnitt für stabiles und ertragreiches Wachstum.

Obstbaum pflanzen – so geht's

WDR 4 Drinnen und Draußen 30.03.2019 02:17 Min. Verfügbar bis 29.03.2020 WDR 4

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Graben – Pflanzen – Schützen

Streuobstwiesen sind ein Hort der Artenvielfalt und viele beherbergen alte Obstsorten. Zum Beispiel den Winter-Zitronenapfel, der in einem Kurs in Alsdorf gepflanzt wird.

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Am Ende steht er da wie eine Eins: der Winter-Zitronenapfel, den die Gruppe um Timo Sachsen (ganz links) gepflanzt hat. Der Obstbaumwart leitet Kurse rund um den Obstbau für den Verein Bine. Damit alte Obstsorten bewahrt werden und aus totem Rasen Obstwiesen werden, in denen Insekten und Vögel einen Lebensraum finden. Wir zeigen die Pflanzung Schritt für Schritt.

Am Ende steht er da wie eine Eins: der Winter-Zitronenapfel, den die Gruppe um Timo Sachsen (ganz links) gepflanzt hat. Der Obstbaumwart leitet Kurse rund um den Obstbau für den Verein Bine. Damit alte Obstsorten bewahrt werden und aus totem Rasen Obstwiesen werden, in denen Insekten und Vögel einen Lebensraum finden. Wir zeigen die Pflanzung Schritt für Schritt.

Nachdem die Gruppe den einzigen noch freien sinnvollen Platz auf der Wiese für den Baum ausfindig gemacht hat, geht es ans Graben. Ursprünglich sollte der Baum neben das Insektenhotel, aber daneben steht eine Süßkirsche: "Das ist der größte Obstbaum, der mindestens zwölf Meter Pflanzabstand braucht. Aber auch bei einem Apfelbaum sollte man zehn Meter berücksichtigen, damit die Bäume nicht ineinander wachsen", gibt Sachsen zu bedenken.

Ist das Loch schon groß genug? Timo Sachsen empfiehlt zum Wurzelballen im Durchmesser mindestens ein Drittel dazuzugeben: "Das ist natürlich immer auch ein bisschen von den Gegebenheiten abhängig, aber hier haben wir Platz, da können wir graben."

Das Loch ist fertig. Als nächstes folgen die Stützpfähle, um den jungen Baum vor dem Wind zu schützen: Folglich soll ein Pfahl in den Westen und ein zweiter in den Osten. Mit dem Erdbohrer kann man mit geringem Kraftaufwand Löcher bohren und die verdrängte Erde ausheben.

Derart vorbereitet lassen sich die Pfähle leichter mit dem Hammer in den Boden treiben.

Bevor der Baum gepflanzt wird, legen die Kursteilnehmer mit dem Pflanzschnitt das Grundgerüst für die Krone fest. Timo Sachsen empfiehlt den sogenannten Öschberg-/Palmerschnitt. Nach ihm wird ein Trieb in der Mitte als Hauptstamm ausgewählt und maximal drei bis vier weitere als zusätzliche Leittriebe stehen gelassen. Die überzähligen Triebe am Baum werden ganz entfernt. Die Leittriebe kürzt man auf ungefähr gleicher Höhe um jeweils die Hälfte, um die noch schwache Wurzel nicht zu überfordern.

Damit die Triebe möglichst breit nach außen wachsen, kürzt man sie jeweils auf eine nach außen liegende Knospe. Damit gibt man dem Ast die Wuchsrichtung nach außen vor. Den Schnitt führt man leicht schräg, damit Regenwasser abfließen kann, um Fäule zu verhindern. Allerdings auch nicht zu schräg, damit die Wundfläche nicht unnötig groß wird.

Die Wurzel wird auch gekürzt, um das Wurzelwachstum anzuregen. An den Schnittstellen wird sich die Wurzel weiter verzweigen, sodass der junge Baum an Stabilität gewinnt. Zudem muss die Wurzel, ganz praktisch, in den Pflanzkorb passen, in dem der Baum in die Erde gepflanzt wird.

Der Pflanzkorb ist ein Sechseck-Geflecht, also ein Kaninchendraht. "Es gibt in der Fachwelt immer die Diskussion, ob der verzinkt sein soll oder nicht. Ich nehme einen Verzinkten, weil der länger hält", erklärt Timo Sachsen. Der Pflanzkorb soll die Schermaus, eine große Wühlmaus, davon abhalten, die Wurzel und den unteren Teil des Stammes zu schädigen. Oberirdisch erhält der Stamm später auch einen Verbiss-Schutz aus Plastik.

Zuerst füllen die Kursteilnehmer das Loch wieder: die lockere Erde nach innen in den Pflanzkorb. Dabei muss die Veredelungsstelle des Obstbaums oberhalb der Erde bleiben: "Das bleibt für den Baum eine Stelle, die anfällig ist. Deshalb ist es besser, wenn man die sieht", so Sachsen. "Dann den Pflanzkorb oben zusammenfalten, damit die Schermaus nicht drankommt und die Erde etwas, nicht zu sehr, festtreten!"

Wassersparend ist es, die Erde um den jungen Baum zu einem kleinen Gießwall aufzuhäufeln.

Zum Schluss noch den gepflanzten Baum an die beiden Stützpfähle anbinden. Timo Sachsen verwendet einen Kokosstrick: "Der löst sich irgendwann von selbst auf, schnürt den Baum also nicht ein. Wir machen eine sogenannte Doppelacht-Anbindung. Das gibt dem Baum ein bisschen Spielraum: Er kann sich bewegen, bleibt aber gestützt. Da der Baum frei steht und dem Wind ausgesetzt ist, sollte er schon ein paar Jahre angebunden bleiben." Timo Sachsen ist mit dem Ergebnis zufrieden.

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Stand: 30.03.2019, 00:00