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Nachhaltige Weggestaltung

Nachhaltige Weggestaltung

Von Sabine Krüger

Lebendige Gartenböden nehmen sehr viel Regenwasser auf. Deshalb sollte man die Wege nicht zubetonieren. Und hiesige Natursteine werden garantiert ohne Kinderarbeit hergestellt.

Gartengestalterin Dorothea Steffen zeichnet die S-Form des Pfads nach

Gartengestalterin Dorothea Steffen freut sich, dass in ihrem hügeligen Trockenbeet schon so viel los ist: Die letzten Irisblüten sind noch zu sehen und die ersten Schachbrettblumen treiben aus. Um das möglichst intensiv erleben zu können, hat sie einen kleinen Pfad so angelegt, dass er in einer S-Form direkt durchs Beet führt. Man muss beim Gehen aufpassen, das entschleunigt und leitet den Blick unweigerlich nach unten zu den Pflanzen.

Gartengestalterin Dorothea Steffen freut sich, dass in ihrem hügeligen Trockenbeet schon so viel los ist: Die letzten Irisblüten sind noch zu sehen und die ersten Schachbrettblumen treiben aus. Um das möglichst intensiv erleben zu können, hat sie einen kleinen Pfad so angelegt, dass er in einer S-Form direkt durchs Beet führt. Man muss beim Gehen aufpassen, das entschleunigt und leitet den Blick unweigerlich nach unten zu den Pflanzen.

"Das geschwungene S hat eine lange Tradition in der Gartengestaltung und wurde schon im Englischen Landschaftsgarten eingesetzt", sagt Dorothea Steffen. "Mit Hecken in S-Form kann man zum Beispiel auch kleine Gärten spannend gestalten, weil Gartenräume entstehen und nicht alles gleich einsehbar ist." Der Pfad durchs Beet wirkt so natürlich fließend. Ein gerader hätte nicht den gleichen Charme.

Vor zwei Jahren hat Dorothea Steffen ein altes Steiger-Haus in Essen gekauft, auf einem Hügel über der Ruhr. Bei der Wegeplanung war für sie klar, dass der Hauptweg direkt zum Sitzplatz mit Wasserblick am Ende des Gartens führen muss. "Auf Hauptwegen möchte ich vor allem schnell von A nach B kommen", erklärt sie. "Dieser hier ist eine Kombination von Platten und Schotter."

"Im Klimawandel ist es wichtig, den eigenen Garten nicht zu versiegeln", meint Dorothea Steffen. "Man sollte deshalb weder betonieren noch mit Vlies Unkraut unterdrücken: Das tötet die Bodenlebewesen ab, verhindert, dass Regen in den Boden sickert und heizt die Atmosphäre auf. Zudem verwende ich gerne Dinge weiter, statt alles neu zu machen. Die Platten in meinem Hauptweg sind alte Waschbetonplatten, die ich hier gefunden habe. Ich habe sie umgedreht, weil das interessanter aussieht. Und auch den Riss finde ich charmant."

"Wo der Weg verlaufen sollte, habe ich den Boden 20 Zentimeter tief ausgekoffert und dann eine Tragschicht mit Mineralgemisch eingefüllt. Das ist Recyclingmaterial aus dem Hausbau, mit Beton. Das wollte ich eigentlich vermeiden, weil die Zementindustrie sehr viele Treibhausgase ausstößt, aber das war das, was der hiesige Baustoffhandel liefern konnte. Und es ist zumindest eine Wiederverwertung", so Steffen.

Auf die Tragschicht aus dem Mineralgemisch hat die Gartengestalterin an den Stellen, wo die Platten hin sollten, feinkörnigeren Pflastersplitt ausgebracht. "Das eignet sich bestens, um Unebenheiten auszugleichen, damit die Platten am Ende eben aufliegen", erklärt sie. Als letzte Schicht hat sie dann wieder mit Mineralgemisch aufgefüllt.

Mit der Wasserwaage hat sie geprüft, ob die Platten plan aufliegen und mit dem Zollstock hat sie die Wege ausgemessen: "Damit man bequem aneinander vorbei kommt, sollten Hauptwege 1,20 Meter breit sein. Arbeitswege, auf denen man auch Schubkarren schieben möchte, 60 Zentimeter. Für kleine Pfade wie im Trockenbeet sind zwei Handbreit ideal, das wären 40 Zentimeter. Aber meiner wächst schon zu, das sind bestimmt nur noch 30", lacht die Pflanzenfreundin.

Und das ist das Ziel, auf das der Hauptweg in Dorothea Steffens Garten zusteuert: Die Bank mit Blick auf die Ruhr. "Hier ist immer was los: Gänse schnattern und Kanus fahren vorbei". Die drei Trittsteine sind Stelen, die sie geschenkt bekommen hat: "Aber ich wollte keine Stelen im Garten haben, also verwende ich sie so. Solche Trittsteine vor Plätzen sind ein modernes Gestaltungsmerkmal, das den Blick lenkt."

Der Sitzplatz ist noch nicht ganz fertig. "Die Trockenmauer wird noch ordentlicher gemauert." Das Mäuerchen macht aus dem Sitzplatz einen Logenplatz und wird Lebensraum für Tiere. "Auf den Boden kommen noch gelbe Kiesel. Das ist dann ein schöner Kontrast zu dem dunklen Lavasplit vom Beet gegenüber. Ich arbeite gerne mit starken Kontrasten", so die Gartengestalterin.

Trittsteine am Boden, die Schritte und Blicke führen, finden sich auch vor dem sogenannten Schlüssellochbeet von Dorothea Steffen. Es ist ein Element aus der Permakultur, das ergonomisches Arbeiten von der Einbuchtung aus, also vom Schlüsselloch, erlauben soll.

An den Ecken von Beeten, wie hier vorne im Foto, fallen häufig Steine auf. Die sollen nicht nur Blicke fangen, sondern vor allem den Wasserschlauch beim Gießen aus den Beeten raushalten.

Mit dem Haus hat Dorothea Steffen auch zwei Schafe übernommen. Weil sie für die Tiere Heu braucht, gibt es jenseits der eingezäunten Weide im Garten eine Heuwiese. Und noch eine Liegewiese "mit wunderschönem Roten Straußgras". Und was wäre da als Weg geeigneter als ein Wiesenweg? Eine weitere Möglichkeit der naturnahen Wegegestaltung.

"Auf Wiesenwegen läuft es sich schön weich und morgens kann man Tautreten", schwärmt Dorothea Steffen. "Um Beete von der Wiese abzugrenzen, mähe ich ungefähr alle drei Wochen einmal mit dem Rasenmäher am Beet entlang. Für richtige Wiesenwege mähe ich das Gras auf zwei Rasenmäherbreiten runter, gehe also zweimal nebeneinander mit dem Mäher lang."

Der Wiesenweg geht im schattigen Bereich mit dem kleinen Waldstreifen in einen Weg mit Holzhackschnitzeln über. "Das passt auch optisch sehr gut in den Schatten. Ein befreundeter Garten- und Landschaftsbauer hat mir das Häckselgut geschenkt. Er war froh, es loszuwerden." Wer diese Möglichkeit nicht hat, nimmt Rindenmulch. "Ich habe das Material direkt auf den Boden ausgebracht. Wenn die Schicht zwanzig Zentimeter dick ist, kommen auch keine Wildkräuter mehr durch."

"Um Holzhackschnitzel zu verteilen, ist diese alte Kohlegabel, die wir im Steiger-Haus gefunden haben, ideal", erklärt Dorothea Steffen das Werkzeug in ihrer linken Hand. "Und um Böden aufzureißen zur Vorbereitung von Wegen, ist die Wiedehopfhaue perfekt", stellt sie ihr Lieblings-Werkzeug in der rechten Hand vor. "Das hintere Teil davon sollte gerade sein, nicht abgerundet. Damit lässt sich besser arbeiten."

Ihr Nachbar Bernhard Kleine-Frauns arbeitet auch gerade an einem Wegeprojekt. "Als erstes muss man das Gelände mit einem Sandbett begradigen, dann kommt Schotter drauf, dann noch etwas loserer Schotter und dann werden die Natursteine mit dem Hammer reingesetzt. Zuletzt mit Fugensand verfüllen und mit einer Rüttelplatte einebnen", erklärt er. Die kann man sich beim Baustoffhandel ausleihen.

Er hat sich vom Kopfsteinpflaster der Hattinger Altstadt inspirieren lassen. Als Kantensteine hat er Tonziegel verwendet, "weil ich die in meinem Garten ohnehin überall ausgrabe". Die Aktion ist sehr aufwändig. "Ob ich das nochmal machen würde, weiß ich nicht", meint er. Zum Glück gibt’s Fachleute fürs Pflastern!

Stand: 11.03.2021, 13:44 Uhr