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Wohlfühlkräuter vom Wegesrand

Wohlfühlkräuter vom Wegesrand

Holunderblüten-Deo, Ringelblumensalbe, Brennnessel-Shampoo: Das alles und viel mehr stellt ein Rundgang der Volkshochschule Rhein-Sieg vor. Wir zeigen Pflanzen und Produkte.

Kräuterpädagogin Agnes Daiber schüttelt Spüli aus Efeu

Bitte kräftig schütteln! "Aus Efeublättern kann man Spüli herstellen, denn sie enthalten Saponine, das sind seifenähnliche Stoffe", erklärt Gärtnerin und Kräuterpädagogin Agnes Daiber. Einfach die Blätter klein schneiden, damit der Pflanzensaft austreten kann und dann einen Tag lang in kaltes Wasser einlegen – fertig! Wenn man das Glas schüttelt, schäumt es.

Bitte kräftig schütteln! "Aus Efeublättern kann man Spüli herstellen, denn sie enthalten Saponine, das sind seifenähnliche Stoffe", erklärt Gärtnerin und Kräuterpädagogin Agnes Daiber. Einfach die Blätter klein schneiden, damit der Pflanzensaft austreten kann und dann einen Tag lang in kaltes Wasser einlegen – fertig! Wenn man das Glas schüttelt, schäumt es.

Diese beiden Blätter gehören zum Efeu. Das linke ist ein reifes Efeublatt, also von einer Pflanze, die schon geblüht hat, das rechte ist ein junges. "Beide kann man für das Spülmittel verwenden, zudem auch Seifenkraut oder Kastanienfrüchte", so die Kräuterpädagogin. "Am besten immer frisch herstellen und im Kühlschrank aufbewahren! Wenn es schlecht riecht, wegschütten!"

"Die Inhaltsstoffe der Brennnessel regen die Durchblutung der Kopfhaut an, weshalb man aus ihnen ein wachstumsförderndes Shampoo machen kann", so Daiber. Ihr Rezept: Zwei Handvoll frische Brennnesselspitzen in 300 ml Wasser aufkochen, abkühlen lassen und etwas Hafermilch dazu.

Das ist keine Brennnessel, sondern eine weiß blühende Taubnessel. "Bei der Brennnessel sind die Blüten nur kleine grüne Knübbelchen. Auch ohne Blüten kann man die Brennnessel von der Taubnessel unterscheiden: Der Stiel der Brennnessel ist rund, der der Taubnessel ist viereckig. Bei Juckreiz kann man, laut Volksheilkunde, auch von der Taubnessel einen Tee, eine Tinktur oder eine Salbe herstellen", erklärt Agnes Daiber.

Auch der Stiel des Wiesen-Salbeis ist viereckig. Das ist das Erkennungsmerkmal der Lippenblütler. Diese Pflanzenfamilie ist besonders bienenfreundlich, weil ihre Blüten viel Nektar enthalten. Kosmetisch genutzt werden können beim Wiesen-Salbei die Blätter.

"Das waren Zahnpasta und Zahnbürste unserer Vorfahren", erzählt die Kräuterpädagogin und demonstriert, dass man sich die großen rauen Salbeiblätter um den Finger wickeln und damit die Zähne putzen kann. Gleichzeitig haben deren ätherischen Öle eine etwas desinfizierende Wirkung.

Aus Holunderblüten lässt sich Deo machen. "Dafür zupft man die Blüten einer großen Dolde ab, legt sie in 300 ml Apfelessig ein, gibt noch eine halbe zerkleinerte Bio-Zitrone mit Schale dazu und lässt das Ganze drei Wochen ziehen. Eventuell noch verfeinern mit ein paar Tropfen Zitronen-, Orangen-, Lavendel- oder Teebaumöl, zwischendurch schütteln und dann in eine Zerstäuberflasche füllen", so Agnes Daiber.

Die Vogelmiere heißt so, weil die Vögel sie lieben. Und die Bauern haben sie früher an die Hühner verfüttert: "Man sagt, dass die dann Eier mit härterer Schale legen. Und wenn man den Stiel abbricht, bleibt in der Mitte eine kleine Faser stehen, die man auch 'Hühnerdarm' nennt", erzählt die Kräuterpädagogin. Aus der Vogelmiere kann man eine Hautsalbe machen. Die Vorstufe dafür ist ein Ölauszug.

Für einen Ölauszug schneidet man eine Handvoll Vogelmiere klein und legt sie in 300 ml hochwertiges kaltgepresstes Öl ein, zum Beispiel Oliven- oder Sonnenblumenöl, gibt noch einen Esslöffel zerkleinerte Wacholderbeeren dazu, kocht alles kurz auf, lässt es mit geschlossenem Deckel einen Tag lang stehen und gießt es durch ein Sieb. Eine Salbe wird daraus, wenn man das Öl nochmals erwärmt, drei Esslöffel Bienenwachs-Pellets reinmischt und rührt, bis alles geschmolzen ist. Im Kühlschrank aufbewahren! Das geht auch mit Ringelblumenblüten.

"Badekugeln mischt man aus Natronpulver, Kokosöl und ätherischen Ölen. Und dazu kommen dann verschiedene Blüten: entweder Rose, Flieder oder auch ein Mix aus verschiedenen Ringelblumen, Brennnesseln, Rose und Flieder. Das ist dann immer ein Luxus-Bad, wenn ich da meine duftenden Rosen reinmische", schwärmt Agnes Daiber.

Dieses Rotöl gewinnt man aus den Triebspitzen des Tüpfel-Johanniskrauts. Die Volksheilkunde setzt es gegen Juckreiz ein. Aber Achtung: Nach dem Einreiben reagiert die Haut sensibler auf Sonne; dann also im Schatten bleiben! Zur Herstellung: Einige Triebe blühendes Johanniskraut pflücken, in ein Glas legen und komplett mit Öl abdecken. Was rausschaut, kann schimmeln. Glas verschließen, in die Sonne stellen, einmal täglich schütteln, 40 Tage stehen lassen und am Ende abseihen und kühl lagern.

Wie der Name schon sagt, ist der Spazierweg von verschiedenen Wegerich-Arten gesäumt. Dazu demonstriert Agnes Daiber das "Indianerpflaster". Sie kaut ein Blatt des Spitzwegerichs, legt es auf ihren Finger und umwickelt es mit einem zweiten Blatt: "Der Spitzwegerich hat laut Volksheilkunde eine zusammenziehende Wirkung, das heißt er kann Blutungen stillen. Das ist prima Erste Hilfe für unterwegs bei kleinen Verletzungen und bei Kindern immer besonders beliebt".

"Das hier ist etwas ganz Besonderes", sagt Agnes Daiber und deutet auf einen rosa blühenden Wegerich, "das ist der Mittlere Wegerich". Er heißt so, weil seine Blattform zwischen der des Spitz- und des Breitwegerichs liegt. Eindeutiges Erkennungsmerkmal sind aber seine sehr schönen hellrosa Blüten. "Den bitte nicht pflücken! Der ist sehr selten!", sagt sie und warnt zudem davor, Pflanzen zu sammeln, die man nicht sicher bestimmen kann.

Überhaupt darf man in Naturschutzgebieten wie den Siegauen gar nichts pflücken, außer zu Lehrzwecken, wie für diesen Spaziergang. Außerhalb von Naturschutzgebieten sollte man nicht mehr mitnehmen, als man tatsächlich verwendet. Am schonendsten für die Natur ist es, Samen seiner Lieblings-Wildkräuter in Spezialgärtnereien zu kaufen und sie im eigenen Garten auszusäen. Dann ist man auch sicher vor Fuchs-Bandwurm, Abgasen oder ähnlichem. Aus Birkenblättern (links im Bild) lässt sich übrigens auch ein Shampoo machen.

Stand: 04.06.2019, 11:25 Uhr