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Herbst – Verwandlung in Slow-Motion

Herbst – Verwandlung in Slow-Motion

Die Herbstfärbung setzt in den letzten Jahren später ein. Michael Dreisvogt zeigt im Park Härle in Bonn Gehölze, die jetzt damit beginnen. Viele davon auch für kleinere Gärten.

Michael Dreisvogt zwischen dem orangerot verfärbten Laub von Acer japonicum ‚Vitifolium‘

"Die Hektik des Frühjahrs, die ist mir zu viel geworden mit den Jahren. Knospen blühen auf und sind dann auch schon wieder verblüht. Ständig verpasst man etwas. Diese monatelange Schönheit des Herbstes, die ist viel entspannender und bereitet auf den ruhigen Winter vor", findet Michael Dreisvogt, Technischer Leiter des Aboretum Park Härle in Bonn. Arboretum heißt Baumpark. Und wie man sieht, zeigen sich hier schon die ersten Herbstfarben.

"Die Hektik des Frühjahrs, die ist mir zu viel geworden mit den Jahren. Knospen blühen auf und sind dann auch schon wieder verblüht. Ständig verpasst man etwas. Diese monatelange Schönheit des Herbstes, die ist viel entspannender und bereitet auf den ruhigen Winter vor", findet Michael Dreisvogt, Technischer Leiter des Aboretum Park Härle in Bonn. Arboretum heißt Baumpark. Und wie man sieht, zeigen sich hier schon die ersten Herbstfarben.

Das Rot dieses Ahorns der Sorte Acer japonicum 'Vitifolium' dürfte aktuell wohl die intensivste Herbstfärbung im Park sein. "'Vitifolium' heißt weinblättrig und tatsächlich sind seine Blätter geformt wie Weinblätter. Sie sind schon wunderschön orangerot gefärbt. Eine ganz fantastische Pflanze, aber ich musste in den letzten Jahren leider beobachten, dass sie in den heißen, trockenen Sommern Probleme bekommt", so Michael Dreisvogt.

Zukunftsträchtiger scheinen die Fächerahorne zu sein, also die Art Acer palmatum. "Zum Glück", meint der Parkleiter, "denn von denen gibt es ganz viele verschiedene Sorten." Im Baumpark der Stiftung Härle stehen drei niedrige, aber breit ausladend halbkugelige nebeneinander.

Der kleine Fächerahorn ganz vorne fängt gerade an, sich herbstlich zu verfärben. Das ist die Sorte 'Dissectum flavescens'. Er wird Ende Oktober komplett leuchtend gelb sein.

Viel weiter ist schon dieser Fächerahorn der Sorte 'Palmatifidum'. Er fängt schon früh im Oktober an, sich leuchtend gelborange zu verfärben.

'Inaba Shidare' verfärbt sich im Herbst leuchtend rot und hat sonst tief-burgunderrotes Laub. Alle drei Ahorne sind für kleine Gärten geeignet, da sie zunächst niedrig bleiben und eher in die Breite wachsen. Es sind aber auch edle Gehölze, für die man etwas tiefer in die Tasche greifen muss.

Im Waldgarten im neuen Teil des Parks präsentiert Michael Dreisvogt den Dreilappigen Ahorn (botanisch: Acer tataricum): "Er stammt aus der Mandschurei. Die Pflanzen, die von dort kommen sind sehr winterhart und können auch mit trockenen Sommern, sind also wohl zukunftsträchtig. Er wird auch manchmal Feuerahorn genannt, wegen seiner Herbstfärbung. Die geht über von grün zu gelb, orange bis hin zu einem leuchtenden Rot, das eine sehr schöne Fernwirkung hat. Zudem ist dieser Ahorn auch etwas für den kleinen Geldbeutel."

"Dieser robuste Ahorn aus der Mandschurei ist vielleicht ein Kandidat, der künftig die Felsenbirne ersetzen wird", meint der Parkleiter. "Vor den Sommern 2019, 2020 war die Felsenbirne das 1-A-Gehölz für alle Situationen. Aber die letzten beiden Sommer haben gezeigt, dass sie mit der Hitze und der Trockenheit nicht gut zurechtkommt. Schade, denn im Herbst wandelt sich das Grün erst in ein Gelb und dann in ein leuchtendes Orange. Die Kupfer-Felsenbirne zählt zu den schönsten Herbstfärbern, die man auch in einen kleineren Garten gut integrieren kann."

Auch von der Felsenbirne hat der Parkleiter noch eine andere Art im Waldgarten im neuen Teil des Parks gepflanzt: "An dieser Pflanze hänge ich besonders, weil ich die selbst in Nordamerika gesammelt habe, das ist die Kahle Felsenbirne. Sie zeichnet sich durch eine eher rote Herbstfärbung aus, im Gegensatz zur gelben der Kupfer-Felsenbirne. Eine schöne Ergänzung! Bei der Ernte der Felsenbirnen-Früchte sind die Amseln meist schneller als wir."

Der Japanische Hartriegel (bot.: Cornus officinalis), der mit unserer Kornelkirsche (bot.: Cornus mas) verwandt ist, trägt ebenso Früchte. Sie sehen genauso aus wie die Früchte der Kornelkirsche und schmecken sehr gut. "Wir haben den Japanischen Hartriegel gepflanzt, weil er im Gegensatz zur Kornelkirsche eine wunderschöne rote Herbstfärbung hat", so Dreisvogt.

Daneben steht der Rote Hartriegel (bot.: Cornus sanguinea), ein einheimischer Hartriegel. "Sein Laub verfärbt sich wunderschön honiggelb im Herbst. Zudem hat er eine dunkelrote Rinde, die dann zu orangerot wechselt und, wenn das Laub gefallen ist, sensationell leuchtet", schwärmt Michael Dreisvogt.

Beim Stumpflappigen Fieberstrauch (bot.: Lindera obtusiloba) haben sich dagegen erst die allerersten Blätter verfärbt. "Im Handel ist sie leider noch nicht so häufig zu finden. Im Herbst hat sie eine langanhaltende orangefarbene Färbung. Die Samen durften wir in einem belgischen Baumpark sammeln von einer Mutterpflanze, die ganz besonders schön ist. Solche großblättrigen Pflanzen lassen sich gut mit den feingliedrigen Ahornen kombinieren."

Am Waldrand im neuen Parkteil steht ein Fieberstrauch mit gelber Herbstfärbung. "Er hat etwas dickere Blätter und das Gelb hält unglaublich lange. Er wächst so ein bisschen etagenförmig und sieht auch im Sommer mit dem sattgrünen Laub interessant aus. Aber sein Höhepunkt ist eindeutig im Herbst, wenn das gelbe Laub leuchtet", so Dreisvogt.

Die Dreiblattspiere (bot.: Gillenia trifoliata) ist eine der wenigen Stauden, die auch eine Herbstfärbung zeigen. Während das Laub des Fieberstrauchs zitronengelb wird, verfärbt sich die Dreiblattspiere in einem warmen Gelb. "Im Frühjahr hat sie eine klar-weiße Blüte, die in lockeren Blütenständen über dem Laub schwebt. Aber die Blüte vergeht relativ schnell, während die Laubfärbung ziemlich lange zur Geltung kommt."

Berberitzen (bot.: Berberis thunbergii) sind wegen ihrer Stacheln oft unbeliebt. "Ich kombiniere sie aber sehr gerne mit Stauden. Die Sorte 'Atropurpurea Nana' entwickelt im Herbst ein richtiggehend glühendes Orange. Die Stauden ringsherum werden alle braun und dazwischen leuchten diese kleinen orangefarbenen Kugeln der Berberitzen durch. Dafür lohnt es sich, ab und zu bei der Gartenarbeit Handschuhe zu tragen", meint Michael Dreisvogt.

Schräg gegenüber steht eine nicht weniger interessante Zwergform: "Hier beginnt gerade ein kleiner Perückenstrauch mit der Herbstfärbung. Dem traut man gar nicht zu, jetzt wo er sich so orangerötlich zeigt, dass er im Sommer ganz dunkel auberginefarben ist. Das ist eine neue Sorte, die den großen Vorteil hat, dass sie ein kleiner Strauch bleibt. Sie kommt aus Schweden und heißt ‚Lilla‘, was wohl so viel wie klein bedeutet."

Weiter hinten wächst ein zweiter Perückenstrauch: "Der wird um einiges größer. Den schneiden wir jedes Jahr im Frühjahr stark zurück. Die Sorte trägt den schönen Namen 'Flame', wegen der Herbstfärbung. Man kann das im Ansatz schon erkennen. Das entwickelt sich von innen nach außen weiter und in ein, zwei Wochen steht dieser Strauch bei Sonnenschein tatsächlich in Flammen", schwärmt der Parkleiter.

Diese Krokusse haben sich nicht in der Jahreszeit vertan, denn es sind Herbst-Krokusse. "Aber sie versprühen einen Hauch Frühjahr", meint Michael Dreisvogt lachend. Man setzt die Knollen Ende August in die Erde.

Da die Herbstfärbung gerade erst in ihren Anfängen steckt, kann sie noch mehrere Wochen genossen werden. Die Offene Gartenpforte zum Indian Summer musste coronabedingt zwar abgesagt werden, aber private Führungen in Kleingruppen sind möglich. Die Informationen dazu sind im Beitrag zu dieser Fotostrecke verlinkt.

Stand: 22.10.2020, 12:09 Uhr