Orchideen: Sinnesrausch für Augen und Nase

Orchideen: Sinnesrausch für Augen und Nase

Schönheit oder Düfte? Die Orchideenausstellung im Rombergpark Dortmund bietet beides. Die Präsentation ist eine Mischung aus Regenwald-Feeling und geschmackvoller Floristik.

Rombergpark-Direktor Dr. Patrick Knopf neben Blüten der Orchidee Paphiopedilum "Amerikanische Hybride"

"Es gibt 25.000 verschiedene Wildarten von Orchideen. Und man geht davon aus, dass es um die 100.000 Zuchtformen gibt, die der Mensch produziert hat", so Patrick Knopf, Direktor des Rombergparks Dortmund. Die Orchideenausstellung in den Gewächshäusern zeigt einen Ausschnitt. "Diese weißblütige Frauenschuh-Orchidee der Sorte 'Amerikanische Hybride' ist wegen ihrer großen Blüte sehr beliebt."

"Es gibt 25.000 verschiedene Wildarten von Orchideen. Und man geht davon aus, dass es um die 100.000 Zuchtformen gibt, die der Mensch produziert hat", so Patrick Knopf, Direktor des Rombergparks Dortmund. Die Orchideenausstellung in den Gewächshäusern zeigt einen Ausschnitt. "Diese weißblütige Frauenschuh-Orchidee der Sorte 'Amerikanische Hybride' ist wegen ihrer großen Blüte sehr beliebt."

Die größten Orchideen der Ausstellung sind aber eindeutig diese Phalaenopsis-Kreuzungen, "Phalaenopsis-Hybride" heißt das botanisch. "Manche sind über einen Meter hoch. Sie haben sehr große und samtige Blütenblätter, die unsere Gärtner wunderschön ins Licht gesetzt haben. Mit den Palmblättern im Hintergrund ein tropisches Stillleben!", schwärmt Patrick Knopf.

Diese elegante Orchidee gehört auch zu den Phalaenopsis. "Allerdings ist das eine Neuheit, eine sogenannte Multiflor- oder Cascaden-Phalaenopsis", erklärt der Park-Direktor. "Die haben, statt nur ein oder zwei, vier, fünf oder sechs Blütenstände, die immer wieder nachblühen. Allerdings darf man, wenn die ersten Blüten verblüht sind, nicht den ganzen Trieb abschneiden, sondern nur das Verblühte. Dann entwickeln sich darunter neue Knospen und die Orchidee blüht drei- bis viermal im Jahr."

Ebenfalls an einer Phanaelopsis demonstriert Patrick Knopf die Bestäubung der Orchideen: "Wir sehen unten an der Blüte die Landezone. Dort landet das Insekt, um Nektar zu trinken. Beim Wegfliegen stößt es oben an die Blüte und löst das sogenannte Pollinarium ab. Das trägt es zur nächsten Blüte, die es dann mit diesen Pollen bestäubt."

Auf diese Weise lassen sich Orchideen ganz leicht kreuzen, auch Gattungen, die nicht miteinander verwandt sind. Dadurch entstehen sogenannte Mehrgattungs-Hybride, wie diese Orchidee der Sorte Howeara "Lava Burst". Diese Mini-Orchidee mit ihren einen Zentimeter großen Blüten braucht einen hellen bis halbschattigen Standort und Temperaturen von 18 bis 22 Grad Celsius.

Diese Orchideen werden auf einem Baumstamm präsentiert, denn sie gehören zu den sogenannten Aufsitzer-Pflanzen oder auch Epiphyten. Die Weiß-Blühenden, bei der eine Blüte an der anderen hängt, heißen im Englischen passenderweise "Necklace Orchids", also Halsketten-Orchideen (botanisch: Coelogyne glandulosa). Die Violetten sind die Wildform Dendrobium Kingianum. "Die stammen aus dem tropischen Nordost-Australien und wachsen dort in den Baumkronen", so Knopf.

"Epiphytische Orchideen erkennt man an diesen Pseudo-Bulben", erklärt der Biologe und zeigt auf die grüne Verdickung an der Basis der Orchidee. "Aus der untersten Blattachsel einer jeden Speicherzwiebel entsteht ein neuer Blütenstand. Orchideen, die in der Erde wachsen, haben diese Knollen nicht."

Und das sind die Blüten dieser Orchidee, wieder eine Mehrgattungs-Hybride. Die Sorte heißt, sehr passend, "Wildcat". Denn die interessante rotbraune Zeichnung auf den gelben Blütenblättern erinnert an das Fell einer getigerten Wildkatze.

"Weil der Lippenteil dieser Blüte sehr massiv ist und umgedreht aussieht wie ein Schiffchen, heißen diese Pflanzen Kahn-Orchideen", so Knopf. "Das Besondere an ihnen ist, dass sie zwar in der Erde wachsen, aber trotzdem Pseudo-Bulben haben. Das deutet darauf hin, dass sie an Stellen wachsen, wo es auch trocken werden kann." Die Pseudo-Bulben halten Notrationen vor.

Schon bei der Kahn-Orchidee riecht man den Duft der Pflanze gegenüber: Diese Spinnenorchidee (botanisch: Miltassia Toscana) hat sechs schmale Blütenblätter, die aussehen wie Spinnenbeine. "Etwas entfernter riecht man ihren süßlich-pfeffrigen Duft besser als direkt an der Blüte. Schließlich soll er von weitem Bestäuber anlocken", so Patrick Knopf.

Hinter der Spinnenorchidee geht es ins warme Tropenhaus. Und plötzlich ist ein schlurfendes Geräusch zu hören: "Das ist unser Leguan-Weibchen Heidi, dem zum Glück der Eisbergsalat besser schmeckt als die Orchideenblüten. Im Zoo hat sie sich mit den anderen Tieren nicht verstanden, also haben wir sie aufgenommen. Und im 400 Quadratmeter großen Tropenhaus fühlt sie sich offensichtlich zuhause."

Der Kaktus neben dieser gelb-blühenden Schwielenorchidee (botanisch: Oncidium-Hybride "Munsterland") kommt dagegen aus Bonn. "Als Bonn noch Bundeshauptstadt war, hat die damalige Kanzlergattin Loki Schmidt auf einer Brasilienreise einen Kaktus geschenkt bekommen. Den hat sie an die Botanischen Gärten Bonn weitergegeben, und wir haben einen Ableger erhalten. Diese Kakteen wachsen am Originalstandort zusammen mit Orchideen auf Bäumen", erzählt der Park-Direktor.

Die kleinen weißen Orchideen im Vorder- und Hintergrund gehören auch zu den Schwielenorchideen oder Oncidien. Die Sorte heißt "Tiny Twinkle", also "Kleines Aufblitzen", und wirkt ein bisschen wie Schleierkraut. Zudem verströmt sie einen köstlichen Vanilleduft. Die zart pink gezeichnete weiße Schönheit in der Mitte ist eine Doritaenopsis-Hybride "Sogo Roren".

Dieses Arrangement wächst über den Köpfen der Besucher auf einem Stamm: Grünlilie an Orchidee, und zwar einer großblütigen Vanda-Orchidee der Sorte "Blue Beauty". "Die Vanda wächst ganz oben in vollsonnigen Baumkronen in Malaysia, Thailand, Sumatra und braucht viel Licht", erklärt der Biologe.

Mindestens genauso beeindruckend ist die Vanda-Orchidee in dieser dunklen Himbeerfarbe. Der Sortenname lautet Vanda "Sunanda Chocolate Red", zu Deutsch: Schokoladen-Rot, eine sehr schöne Wortschöpfung!

Ähnliche Farbe, aber ganz andere Pflanze, nämlich die kleinste, die die Dortmunder Ausstellung zu bieten hat: Masdevallia nidifica. Auffallend sind die drei langen Fäden an den Blütenblättern. "Es sind diese kleinen Orchideen, die das Herz des Kenners höherschlagen lassen", freut sich Patrick Knopf. Noch bis zum 29. März 2020 können die Besucher in den Gewächshäusern des Rombergpark Dortmund prüfen, ob auch ihre Lieblingsorchidee dabei ist.

Stand: 29.01.2020, 16:33 Uhr