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Vögel beobachten, zählen, schützen

Vögel beobachten, zählen, schützen

Von Sabine Krüger

Die "Stunde der Wintervögel" ist Bürger-Wissenschaft im besten Sinne: Alle sind aufgerufen, vom 8. bis 10. Januar 2021 eine Stunde lang Vögel zu zählen, um zu sehen, welche bedroht sind.

Benedikt Hillebrandt hinter einem Spektiv

Benedikt Hillebrandt ist fasziniert von Vögeln: "Wahrscheinlich ist es das Fliegen, ihre Schönheit und dass es überall verschiedene Arten gibt. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken." Der Industriekletterer ist seit sechs Jahren auch als ehrenamtlicher Vogelfachmann für den NABU Rhein-Erft aktiv. Schuld ist ein Stieglitz: "Ich hab' so einen bunten Vogel gesehen und wusste überhaupt nicht, was das ist. Also hab‘ ich mich schlau gemacht und bin dabei hängengeblieben."

Benedikt Hillebrandt ist fasziniert von Vögeln: "Wahrscheinlich ist es das Fliegen, ihre Schönheit und dass es überall verschiedene Arten gibt. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken." Der Industriekletterer ist seit sechs Jahren auch als ehrenamtlicher Vogelfachmann für den NABU Rhein-Erft aktiv. Schuld ist ein Stieglitz: "Ich hab' so einen bunten Vogel gesehen und wusste überhaupt nicht, was das ist. Also hab‘ ich mich schlau gemacht und bin dabei hängengeblieben."

Der Stieglitz (oben rechts) ist tatsächlich einer unserer buntesten Vögel. Er macht einfach gute Laune. Beim Bestimmen helfen Bücher wie das Standardwerk "Der große Kosmos Vogelführer", unter Vogelkundler*innen kurz "der Svensson" genannt, nach seinem Autor. Das Buch gibt es auch als App fürs Smartphone, inklusive Vogelstimmen.

Der Stieglitz heißt auch Distelfink, weil er im Winter gerne aus den Kolben der Wilden Karde, einer Distelart, die Samen pickt. Dann sehen die farbenfrohen Vögel aus, als seien sie Blüten der Distel.

Im naturnahen Garten des NABU Rhein-Erft im Naturschutzgebiet "Friesheimer Busch" bei Erftstadt zeigt Benedikt Hillebrandt wie man sich an der "Stunde der Wintervögel" beteiligen kann. Das ist eine Aktion des Naturschutzbundes Deutschland, kurz NABU, und des Landesbundes für Vogelschutz, kurz LBV. Sie findet jährlich statt, damit man vergleichen kann, wie sich die Bestände verschiedener Vogelarten entwickeln. Und um Alarm zu schlagen, falls bestimmte Arten langsam verschwinden.

Bei der Aktion sind alle Bürger*innen dazu aufgerufen, an einem Wochenende eine Stunde lang Vögel zu zählen und ihre Ergebnisse an den NABU zu schicken. Benedikt Hillebrandt hat ein Fernglas und ein Spektiv dabei. Das ist ein Fernrohr, das noch stärker vergrößert als ein Fernglas. Damit kann man natürlich noch mehr Vögel sehen und bestimmen. Aber ein Fernglas reicht auch.

Der Vogelfreund entdeckt eine Amsel: "Die schwarzen mit den gelben Schnäbeln, das sind die Männchen".

Benedikt Hillebrandt notiert eine Amsel auf seiner Zählhilfe vom NABU. Die kann man entweder im Internet herunterladen und mit einem Stift ausfüllen oder gleich per App online.

Da, eine Kohlmeise! Der Vogelkenner notiert eine Kohlmeise. Später zeigt sich noch eine, aber wieder nur eine alleine, also bleibt es bei einer Kohlmeise. Denn nur, wenn er gleichzeitig zwei Kohlmeisen sieht, darf er auch zwei notieren. Solange er immer nur eine sieht, könnte das ein- und dieselbe sein. Und es geht darum, ein möglichst realistisches Bild zu bekommen, wie viele Vögel es an einem Ort gibt.

Es folgt ein Trupp von ungefähr 30 Rotdrosseln. Sie sind viel zu schnell wieder weg, als dass man sie fotografieren könnte. Aber Benedikt Hillebrandt konnte sie durchs Fernglas zweifelsfrei bestimmen. Damit darf er sie auch notieren. Mit seinem Bestimmungsbuch erklärt der Vogelkenner, dass man die Rotdrossel an dem stark ausgeprägten weißen Überaugenstreif und dem weißen Bartstreif erkennt.

Schnell auf den Auslöser gedrückt, noch bevor die Blaumeise scharf fokussiert ist. Denn im nächsten Moment war sie auch schon wieder weg: "Die Vögel hier im Naturschutzgebiet sind scheuer als in der Stadt", stellt Hillebrandt fest. Es lohnt sich also auf alle Fälle auch, zuhause am Fenster zum Garten oder zum Balkon zu zählen, besonders, wenn dort Futterhäuschen oder – Silos hängen.

Wer entdeckt das Rotkehlchen in dem Foto? Es landet auf alle Fälle auf Benedikt Hillebrandts Zählhilfe. Später sieht er nochmal ein Rotkehlchen. Weil es aber wieder nur eines ist, bleibt es auch bei dem einen Rotkehlchen auf seiner Liste.

Ein Highlight der Zählaktion im Friesheimer Busch ist ganz sicher der Trupp Graugänse, der in vorbildlicher V-Formation hoch oben am Himmel vorbeizieht. "Vielleicht fliegen sie in den Kreis Wesel zur Bislicher Insel, einem beliebten Überwinterungsplatz für Gänse", mutmaßt der Vogelkenner und notiert, nach Schätzung mit Blick durchs Fernglas, 60 Graugänse. Auf dem Fotobeweis kann man nachzählen: ganz genau sind es sogar 65 Gänse. Gut geschätzt!

Nach einer Stunde Vogelbeobachtung kann Benedikt Hillebrandt eine stattliche Bilanz vorweisen. Um alles notieren zu können, muss er sogar die Rückseite nutzen. Gesehen hat er: "Eine Kohlmeise, eine Amsel, eine Blaumeise, ein Rotkehlchen, eine Hohltaube, einen Stieglitz, 30 Rotdrosseln, einen Buntspecht, einen Buchfink, einen Mäusebussard, einen Zaunkönig und, wunderbar, 60 Graugänse!"

Ziel der "Stunde der Wintervögel" ist, Vögel zu schützen und ihre Lebensräume zu erweitern. Dazu gehören naturnah angelegte Gärten wie der hier vom NABU Rhein-Erft.

Im Winter finden Vögel hier Nahrung an Sträuchern wie beispielsweise die roten leckeren Beeren der Kornelkirsche.

In diesem Garten wachsen auch Kräuter wie Lavendel, im Sommer heftig umschwärmt von Insekten. Und Insekten wiederum sind Nahrung für Vögel.

Nicht zuletzt locken Nistkästen Vögel in die Gärten. Wer all diese Tipps für einen vogelfreundlichen Garten beherzigt, hat beste Chancen, bei der "Stunde der Wintervögel" viele Arten auf der Zählhilfe notieren zu können. Viel Spaß dabei!

Stand: 04.01.2021, 15:00 Uhr