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Vermehren: aus Samen, Stecklingen und Schösslingen

Vermehren: aus Samen, Stecklingen und Schösslingen

Von Sabine Krüger

Haben Sie ein Auge auf eine Pflanze Ihres Gartennachbars geworfen? Dann vermehren Sie ihre eigenen! Vielleicht tauscht er mit Ihnen. Wir stellen verschiedene Methoden vor.

Maria Exner mit einem Weichholzsteckling von einer Hortensie

Maria Exner hat Biologie studiert und engagiert sich seit über zehn Jahren im Düsseldorfer Biogarten. Zur Pflanzenvermehrung kann sie hier aus dem Vollen schöpfen: "Jetzt ist die richtige Jahreszeit, um von Hortensien Weichholzstecklinge zu machen", so ihr Tipp. Dazu schneidet sie von einem nicht-blühenden jungen Trieb mit einem scharfen Messer einen Steckling ab. "Der sollte zwei bis drei Blattpaare haben. Und das aktivste Gewebe, also das, woraus sich am ehesten Wurzeln bilden, liegt immer ein paar Millimeter kurz unterhalb der Blattansätze", erklärt sie.  

Maria Exner hat Biologie studiert und engagiert sich seit über zehn Jahren im Düsseldorfer Biogarten. Zur Pflanzenvermehrung kann sie hier aus dem Vollen schöpfen: "Jetzt ist die richtige Jahreszeit, um von Hortensien Weichholzstecklinge zu machen", so ihr Tipp. Dazu schneidet sie von einem nicht-blühenden jungen Trieb mit einem scharfen Messer einen Steckling ab. "Der sollte zwei bis drei Blattpaare haben. Und das aktivste Gewebe, also das, woraus sich am ehesten Wurzeln bilden, liegt immer ein paar Millimeter kurz unterhalb der Blattansätze", erklärt sie.  

Deshalb entfernt Maria Exner das untere Blattpaar und schneidet den Steckling kurz darunter ab. Hier soll die neue Pflanze ihre Wurzeln bilden. Die Spitze kappt sie, damit sich die neue Hortensie möglichst früh verzweigt. Nur das mittlere Blattpaar bleibt stehen. Aber auch diese Blätter kürzt sie noch um die Hälfte ein: "Der Steckling hätte sonst zu große Blattoberflächen, auf denen zu viel Wasser verdunsten würde. Die könnte er noch nicht versorgen, da er erst noch Wurzeln bilden muss."

Jetzt kommt der Steckling so tief in die Erde, dass der Ansatz der übriggebliebenen Blätter knapp über der Erde steht. Dann gießt Maria Exner den Steckling an. Auf einem Zettel vermerkt sie, um welche Pflanze es sich handelt und wann sie sie vermehrt hat. Zu guter Letzt stellt sie das Töpfchen in ein Mini-Gewächshaus, damit das Pflänzchen immer feucht bleibt.

Die Vermehrung über Stecklinge hat gegenüber der Vermehrung über Aussaat den Vorteil, dass man sicher gehen kann, wieder genau die gleiche Pflanze zu erhalten – mit dem gleichen Genmaterial und damit mit der gleichen Blütenfarbe, oder wie hier beim panaschierten Salbei, wieder Blätter mit heller Zeichnung. Stecklings-Vermehrung heißt auch vegetative Vermehrung. Für ihren Steckling sucht Maria Exner einen gesunden Zweig aus der Mitte der Pflanze aus.

Nach dem gleichen Schema arbeitet sie bei der Zitronenverbene. Sowohl vom Salbei als auch von der Zitronenverbene passen jeweils drei Pflanzen in einen Topf. Der Griff eines Küchenmessers dient Maria Exner als Pikierstab. Damit bereitet sie die kleinen Pflanzlöcher vor. 

So sehen die eingetopften Salbeipflanzen aus. Die Pflanz- beziehungsweise Aussaaterde wird im Düsseldorfer Biogarten selbst hergestellt. Sie besteht zu gleichen Teilen aus Gartenerde, Sand und Kompost. Beim Kompost handelt es sich um reifen Kompost, der zusätzlich noch ein halbes bis ein ganzes Jahr vor der Verwendung gelagert wurde. Das Gemisch wird dann noch durch verschiedene Siebe gegeben, damit die feine Erde die Jungpflanzen oder Samen gut umschließt. Auch Salbei und Zitronenverbene werden angegossen und ins Mini-Gewächshaus gestellt. Ausgepflanzt werden sie erst im nächsten Frühjahr.

"In der Regel zeigen uns die Pflanzen, wie sie sich vermehren möchten", sagt Maria Exner, die als Biologin die Zeichen zu deuten weiß. Aber die Stachelbeere macht es uns leicht: Ein Ast ist im Bogen nach unten gewachsen und hat sich danach wieder der Sonne entgegengereckt. Ein klarer Hinweis darauf, dass man von der Stachelbeere Absenker machen kann. Dazu gräbt Maria Exner da, wo sich der Zweig abgesenkt hat, ein Loch, legt ihn hinein, fixiert ihn mit einem Haken, damit der nächste Wind ihn nicht wieder raus weht und füllt wieder Erde in das Loch. Wenn die Pflanze Wurzeln gebildet hat, kann sie von der Mutterpflanze abgetrennt und woanders eingepflanzt werden.

Das Sandglöckchen sendet das gleiche Signal wie die Stachelbeere. Es lässt sich also auch über Absenker vermehren. Sandglöckchen sind als Bodendecker für Steingärten geeignet und blühen im Juli und August. Die Blüten locken Bienen und Hummeln an.

Dieser Trieb vom Wollziest ist in Maria Exners Privatgarten über die Steinplatten gewachsen. Da hat er keine Chance sich zu verankern, weshalb sie ihn abgetrennt hat. Jetzt kann sie ihn verschenken, tauschen oder an anderer Stelle im Düsseldorfer Biogarten einpflanzen.

Der Sanddorn wiederum bildet Wurzelschösslinge. "Zunächst dachte ich, am Fuß des Sanddorns würden Sämlinge wachsen, aber dann habe ich etwas gegraben und gesehen, dass er noch über ein langes unterirdisches Organ mit dem großen Strauch verbunden ist. Solche Wurzelschösslinge kann man aber auch abtrennen und so den Strauch vermehren", erklärt Maria Exner. Dazu kürzt sie die Wurzelenden auf beiden Seiten etwas ein, bevor sie den Ableger in einen Topf setzt: "Zu lange Wurzelenden würden vergammeln und das tut einer Jungpflanze nicht gut", so Exner.

Der Wurzelschössling vom Sanddorn, den sie im Juni schon in einen Topf gepflanzt hat, hat sich gut entwickelt.

Obwohl Maria Exner schon so lange im Biogarten mitarbeitet, ist sie immer noch fasziniert davon, dass aus kleinen Samen große Pflanzen werden. Um zeigen zu können, wie das funktioniert, hat sie einen vorgequollenen Samen einer Dicken Bohne aufgeschnitten und mit einer Jodlösung eingefärbt: "In dem Samen ist eine winzig kleine Pflanze drin. Die Jodlösung hat die Keimblätter blau gefärbt. Davon hebt sich die kleine Pflanze mit ihrer weißen Wurzel und ihren Blättchen ab."

Diese Bohnensamen hat Maria Exner schon eine Woche vorher vorgequollen. Hier sind die Wurzeln klar erkennbar und die Blätter haben sich nach oben geschoben und grün verfärbt. In so einem Samen ist also schon alles angelegt und er wartet nur auf den Impuls, keimen zu können. Diesen Impuls liefern bestimmte Lichtverhältnisse, Temperaturen und Wasser. "Um Pflanzen erfolgreich auszusäen, muss man wissen, ob sie Lichtkeimer oder Dunkelkeimer sind, also, ob sie dünn oder dick mit Erde bedeckt werden müssen, welche Temperaturen sie brauchen und sie müssen immer feucht gehalten werden."

So anschaulich konnte Maria Exner das mit den großen Dicken Bohnen zeigen. Aber auch in den kleinsten Samen ist schon eine ganze Pflanze angelegt.

Jetzt ist die richtige Zeit, um zweijährige Zierpflanzen für den Garten vorzuziehen. Zweijährige bilden im ersten Jahr eine Rosette und blühen erst im nächsten Jahr. "Wenn ich jetzt Bartnelken vorziehe, habe ich im nächsten Sommer schon die Blüten", so der Rat der Biologin. Dazu füllt sie unten, als Drainage, Sand in ein ausgedientes Plastik-Obstschälchen. Darauf kommt die Aussaaterde, deren Oberfläche sie glattstreicht. Dann streut sie die kleinen Bartnelkensamen aus. Bartnelken sind Lichtkeimer. Also kommt noch eine dünne Schicht Erde drüber. Erde vorsichtig andrücken. Dann mit der Pump-Sprühflasche, keinesfalls mit dem groben Strahl der Gießkanne, vorsichtig befeuchten.

Auch beim Vermehren über Aussaat ist es wichtig, die Samen ständig feucht zu halten. Deshalb empfiehlt es sich, die Schale mit den ausgesäten Samen in ein Mini-Gewächshaus zu stellen. Wenn es darunter zu feucht ist, können sich allerdings Pilze bilden: "Deshalb immer gut beobachten und zwischendurch Luft reinlassen", rät Maria Exner. "Sobald das erste Blattpaar nach den Keimblättern ausgetrieben ist, können die jungen Bartnelken vereinzelt werden, also einzeln in Töpfe umgepflanzt werden. Sobald sie im Topf Rosetten und Wurzeln gebildet haben, dürfen sie in den Garten. Bartnelken sind winterhart."

Stand: 16.07.2020, 11:24 Uhr