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Von Bergischem Schlotterkamm und Antwerpener Bartzwerg

Von Bergischem Schlotterkamm und Antwerpener Bartzwerg

Von Sabine Krüger

Alte Nutztierrassen sind zwar nicht auf Legeleistung und viel Fleisch gezüchtet, dafür aber robuster. Damit sind sie besonders für Hausgärten und die Landschaftspflege geeignet.

Markus Schink baut seltene Gemüsesorten an. Da ist es nur konsequent, dass der Tierpfleger auf seinem Hof auch alte Nutztierrassen hält: Moorschnucken, Pommerngänse, ein helles großes Silberkaninchen, Bergische Schlotterkämme und Antwerpener Bartzwerge. Die letzten beiden sind Hühnerrassen, sodass sich der Hobby-Landwirt immer über frische Eier freuen kann.

Das sind ein paar seiner Moorschnucken: "Offiziell heißt die Rasse aus Niedersachsen 'Weiße Hornlose Heidschnucke'. Die beiden Mutterschafe haben im letzten Frühjahr Zwillinge bekommen. Das kann bei dieser Rasse problematisch werden, weil sie sparsam fressen und auch weniger Milch haben. Aber die Lämmer haben sich sehr gut entwickelt", meint der zufriedene Züchter.

Markus Schink findet es wichtig, alte Nutztierrassen zu erhalten, auch als genetische Ressource für Neuzüchtungen. Der Tierpfleger streichelt das dicke Fell, an dem der Regen abfließt. "Die Wiesen um mein Grundstück waren zugewuchert und da habe ich die Eigentümer gefragt, ob ich die pflegen dürfte und dafür brauchte ich die Schafe. Moorschnucken sind nicht auf Milch- und Fleischproduktion gezüchtet, sondern auf Robustheit. Weil sie auch Pflanzen fressen, die andere Rassen verschmähen, sind sie für die Landschaftspflege besonders gut geeignet."

Die Böcke hat er von den Schafen getrennt, weil er nicht möchte, dass die Väter sich mit den Töchtern paaren. Weil er gerade genügend Schafe hat, pausiert er zudem diesen Winter mit der Zucht. "Diese Rasse ist freiheitsliebend. Die kommen nur in den Stall, wenn ich sie dort füttere, um zu kontrollieren, ob alles in Ordnung ist oder zum Lammen. Die Schafswolle gebe ich an Freunde ab, die sie entweder im Garten zum Mulchen verwenden oder Wolle daraus machen."

Die weiß-grau gescheckten Pommerngänse Hans und Helga haben bei Markus Schink einen Teich: "Es gibt sie auch in ganz Grau und in ganz Weiß. Die Gescheckten sind bei der Züchtung eine Herausforderung, weil die grauen und die weißen Flächen an den richtigen Stellen sitzen müssen. Für Gänse sollte man eine große Wasserfläche haben und einen Stall, damit sie nachts vor Fuchs und Marder sicher sind. Mein Teich hat einen natürlichen Zufluss, sodass die Wasserqualität bei mir kein Problem ist."

Hübsch silbergrau ist auch Markus Schinks Kaninchen, natürlich ebenfalls eine alte Rasse: "Dieses helle große Silberkaninchen ist bei mir aber das letzte seiner Art, weil mir die Zeit zur Kaninchenzucht fehlt. Früher hieß die Rasse Französisches Silberkaninchen, aber nach dem Ersten Weltkrieg hat man es umbenannt, weil man in Deutschland kein französisches Kaninchen mehr haben wollte. Ursprünglich war das ein Haustier für arme Leute in der Champagne, bei denen das schöne Fell die Kasse aufgebessert hat."

Die Hühner sind schwarze Bergische Schlotterkämme, eine Rasse aus der Region von Markus Schinks Hof: "Der Name kommt gar nicht vom Kamm der Hähne, wie man meinen könnte, sondern von dem der Hennen. Deren Kamm schlottert nämlich von einer Seite des Kopfes auf die andere. Der Bergische Schlotterkamm ist auf der Roten Liste als extrem gefährdet eingestuft: 2016 gab es 300 registrierte Tiere, die sich auf vier verschiedene Gefieder-Farben aufteilen. Das ist natürlich nicht besonders viel!"

Der Züchter ist stolz, dass er bei der Geflügelschau seines lokalen Züchterverbands kürzlich mit einem Bergischen Schlotterkamm sehr erfolgreich war: 96 von 100 Punkten. Die Wertung lautet: Nach dem Zuchtstand vorzüglich. "Das heißt, dass das Tier dem Standard der Rasse entspricht. Die kleine Wunde im Kamm, die erwähnt ist, hatte sich das Tier vielleicht beim Flattern im Käfig auf der Ausstellung geholt. Beim Abholen war davon nichts mehr zu sehen", erklärt Schink. Der Beurteiler des Tieres hieß passenderweise Vogel.

Insgesamt hat der Liebhaber alter Rassen circa 40 Hühner. Neben den Schlotterkämmen sind das Antwerpener Bartzwerge. "Ich wollte gerne auch Zwerghühner haben und diese Rasse fand ich optisch sehr schön", so Schink. Das kommt von den imposanten Bart- und Halsfedern sowie der eleganten weiß-grau-schwarzen Färbung. Bei den Geflügelschauen würde sich der Hobbyzüchter allerdings wünschen, dass nicht nur das Äußere beurteilt wird, sondern auch die Robustheit.

Wer Hühner züchten möchte, muss wissen, dass man Platz braucht für Auslauf und Stall und jemanden, der sich kümmert, wenn man im Urlaub ist. Zudem sollte man sich erkundigen, ob die Nachbarn einen krähenden Hahn tolerieren. "Ich empfehle, sich mit Fachliteratur einzulesen, Mitglied in einem Züchter-Verein zu werden, wo man sich Rat bei anderen Haltern holen kann und wo die erforderlichen Impfungen vom Verein durchgeführt werden. Und wenn man mit normalen Rassen gut klargekommen ist, kann man sich auch an die Erhaltung bedrohter Arten wagen", so Markus Schink.

Stand: 23.01.2020, 09:31 Uhr