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Kamelienzauber in Köln

Kamelienzauber in Köln

Von WDR/Sabine Krüger

Inzwischen ist der Botanische Garten Köln präventiv wegen des Coronavirus‘ geschlossen. Wir konnten dort vorher noch die Kamelienausstellung und den Kamelienwald besuchen

Sophie Hirschberg neben einer rosablühenden Camellia reticulata

Die großen Blüten von 18 Zentimeter Durchmesser lassen es erahnen: Die ganze Kamelien-Pflanze ist riesenhaft. 18 Meter hoch ist diese Camellia reticulata! Sophie Hirschberg, Gärtnerin im Botanischen Garten Köln wirkt wie eine Zwergin neben ihr. Der Garten und die Kamelienausstellung im Subtropenhaus sind inzwischen wegen des Coronavirus‘ geschlossen. Wir zeigen Fotos von einer Führung, die vorher stattgefunden hat.

Die großen Blüten von 18 Zentimeter Durchmesser lassen es erahnen: Die ganze Kamelien-Pflanze ist riesenhaft. 18 Meter hoch ist diese Camellia reticulata! Sophie Hirschberg, Gärtnerin im Botanischen Garten Köln wirkt wie eine Zwergin neben ihr. Der Garten und die Kamelienausstellung im Subtropenhaus sind inzwischen wegen des Coronavirus‘ geschlossen. Wir zeigen Fotos von einer Führung, die vorher stattgefunden hat.

Sophie Hirschbergs Lieblingskamelie ist aber diese Camellia japonica 'Botanyuki': "Die Blütenfarbe ist einzigartig! Ich kann sie nicht benennen. Es ist eine ganz seltene Mischung aus Lachs, Rosa, Weiß und Gelb."

Von ihr und ihren Kollegen ebenfalls ganz besonders geschätzt ist diese dunkel-bordeauxfarbene Kreuzung mit dem Namen 'Night Rider': "Die Blütenfarbe ist wunderschön. Und das Erstaunliche ist, dass sogar die Stängel der Staubgefäße rot sind", schwärmt sie.

Die Gattung der Kamelien umfasst 300 Arten und, weil sie sich über Stecklinge so leicht vermehren lassen, auch unzählige Sorten und Kreuzungen (botanisch: Hybriden). Neben einfachen, halbgefüllten und gefüllten Blüten gibt es rosenförmige, wie hier im Foto. "Die sehen aus wie halbgefüllte Blüten, aber ein paar wenige Staubblätter sind umgewandelt in Blütenblätter. Das sind die roten Blätter zwischen den gelben Staubgefäßen", so Hirschberg.

Diese Blütenform erinnert an Pfingstrosenblüten (botanisch: päonienförmige Blüten). "Hier sind noch mehr Staubblätter zu Blütenblättern umgewandelt, sodass sich die Staubgefäße darin verstecken", erklärt die Gärtnerin.

Und zuletzt die anemonenförmigen Kamelienblüten: "Hier kann man die Staubgefäße gar nicht mehr sehen, weil man eine 100-prozentige Umwandlung hat. Zudem gibt es natürlich noch jede Menge Mischungen zwischen diesen Formen. Und Pflanzen halten sich ja selten an das, was in Büchern steht", schmunzelt die Rundgangsleiterin.

Bei dieser Camellia japonica 'Nuccio's Gem' zieht das reine Weiß die Betrachter in ihren Bann. "Wir nennen diese gefüllte Blütenform auch Dachziegelform, weil die Blütenblätter eng gepackt exakt übereinander liegen. Das ist bei den historischen, italienischen Kamelien sehr beliebt. Bei dieser hier sind die Blütenränder zudem leicht gefranst", so Sophie Hirschberg.

Das Besondere an dieser roten Kamelienblüte ist, dass sie einen ganz zarten weißen Rand hat. Sie heißt 'Tama-no-Ura'. "Die Pflanze blüht seit Oktober, schon ein halbes Jahr! Bei welcher andern Gattung findet man so lange Blühperioden? Der weiße Belag auf den Blättern ist kein Mehltau. Diese Pflanzen, die von Vögeln bestäubt werden, haben so viel Nektar, dass der auf die Blätter tropft und schimmelt", erklärt die Gärtnerin.

Romantisch über dem Weg hängend verschwendet diese Kreuzung des deutschen Kamelienzüchters Peter Fischer ihre weiß-rosa-pink-geflammte Blütenpracht. "'Loki Schmidt' hat er sie genannt. Da weiß man die Sorte gleich zeitlich einzuordnen", schmunzelt Sophie Hirschberg. Peter Fischer ist einer der Spender, die die Kamelien-Pflanzung im Außenbereich ermöglicht haben, den sogenannten Kamelienwald.

Da Köln mit einem milden Klima gesegnet ist, sind Kamelien hier auch winterhart. "Aber auch in anderen Regionen mit Weinbauklima im Land ist das möglich", wirbt die Kamelien-Liebhaberin. "Wenn Sie welche pflanzen, vergessen Sie bitte nicht, mit Eichenlaub zu mulchen, denn die Kamelie liebt bedeckte, saure Böden!", schärft sie den Rundgangsteilnehmern ein. Sie demonstriert, dass schon kurz unterhalb der Erdoberfläche zarte, dünne Kamelienwurzeln zu sehen sind.

Zu Beginn ihrer Führung durch den Kamelienwald im Botanischen Garten verschenkt Sophie Hirschberg Kameliensamen. Damit diese, nachdem sie von den Teilnehmern fünf Jahre lang im Topf vorgezogen wurden, in deren Gärten gut angehen, vermittelt sie, was die Pflanzen brauchen. Und sie zeigt, welche Begleitstauden idealerweise dazu gesetzt werden. Sehr schön machen sich Gräser, wie diese wintergrüne Segge (botanisch: Carex).

Die Gräser zieren die Kamelienpflanzungen aber nicht nur, sie haben auch eine ganz praktische Funktion. Weil der Boden des Kamelienwaldes mit Eichenlaub bedeckt ist und das bei starken Winden schnell weggeweht wäre, fungieren die Gräser am Rand als Laub-Stopper. Später im Jahr werden sich auch noch die, zwischen die Gräser gepflanzten, Pfingstrosen zeigen.

Farne und Bergenien sind auch eine wunderbare Ergänzung. "Früher haben wir viele Hostapflanzen zu Kamelien kombiniert. Aber da die auf dem Speiseplan der Schnecken stehen, haben wir die Funkien inzwischen durch Bergenien ersetzt. Wenn man die Augen ordentlich zukneift, haben die ein ähnliches Erscheinungsbild. Zudem kommen sie sehr gut mit Trockenheit klar. Und diese Sorte ist mit ihrem roten Laub auch optisch sehr interessant", so Hirschberg.

Bodendecker, wie hier vorne im Bild der Storchschnabel, unterdrücken Unkraut, beschatten den Boden und verringern die Verdunstung. Zudem bringen sie frisches Grün ins Beet, vor allem im Sommer, wenn das Eichenlaub doch eher ein bisschen trist wirkt. Storchschnabel blüht, je nach Sorte, rosa, lila oder weiß.

Hier hellen die Buschwindröschen mit ihren weißen Blüten den mit Eichenlaub bedeckten Boden auf. Weil Kamelien Waldpflanzen sind, sind Buschwindröschen optimale Begleiter für die Sträucher. Man kann sie inzwischen auch in Gärtnereien kaufen. Genauso wie den Lerchensporn, der ebenfalls gut zu Kamelien passt, sich gerne ausbreitet und früh im Jahr Insekten Nahrung bietet.

Rhododendren und Kamelien haben die gleichen Bedürfnisse nach Halbschatten, Luftfeuchtigkeit und sauren Böden. Daher sind hier sowohl im Vordergrund, noch grün ohne Blüten, als Beetbegrenzung zum Weg und im Hintergrund, gelbblühend, Rhododendren gepflanzt. Das grasartige Schwarze vorne ist ein Spargelgewächs, der Schlangenbart.

Damit die anfangs verschenkten Kameliensamen gut gedeihen, fehlt noch das richtige Substrat. Sophie Hirschberg empfiehlt: "Wichtig ist, dass die Erde gut durchlässig ist, dafür setzt man Bims oder Kakteenerde zu. Dann braucht es noch einen humushaltigen Teil, der auch gut durchlüftet, das kann Rindenhumus sein oder Kokosfasern oder beides. Und zuletzt möglichst noch etwas Rhododendron-Erde für die Säure. Das Ganze dann mit der eigenen Gartenerde (vorne rechts) mischen – fertig!"

Stand: 18.03.2020, 10:56 Uhr