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Auf 800 Quadratmetern um die Welt

Auf 800 Quadratmetern um die Welt

Von Sabine Krüger

Europa, Amerika, Asien, Australien: Rombergparkdirektor Patrick Knopf ist viel unterwegs. In seinem Dortmunder Privatgarten sind immer mehr seiner exotischen Mitbringsel winterhart.

Rombergpark-Direktor Patrick Knopf in seinem exotischen Privatgarten in Dortmund

Forschungsreisen auf die Seychellen für den Botanischen Garten Dortmund mussten dieses Jahr wegen Corona ausfallen. Aber Rombergpark-Direktor Patrick Knopf genießt es, auch in seinem Privatgarten um die Welt reisen zu können. Sein Lieblingsplatz ist am Teich. Denn von dort hat er den besten Blick auf seinen imposantesten Schatz …

Forschungsreisen auf die Seychellen für den Botanischen Garten Dortmund mussten dieses Jahr wegen Corona ausfallen. Aber Rombergpark-Direktor Patrick Knopf genießt es, auch in seinem Privatgarten um die Welt reisen zu können. Sein Lieblingsplatz ist am Teich. Denn von dort hat er den besten Blick auf seinen imposantesten Schatz …

… seinen Tasmanischen Schnee-Eukalyptus. Den hat er vor Jahren für 1,99 Euro in einem 9-cm-Topf im Gartencenter gekauft und scherzweise ausgepflanzt: "Inzwischen ist er über 13 Meter hoch und blüht auch mit den typisch-weißen Eukalyptus-Blüten. Uns macht er viel Freude hier im Garten mit seinem silbrig-schimmernden Laub gegen den blauen Himmel. Da kann man schön von Australien träumen!", erzählt Patrick Knopf.

Übrigens sind nur junge Eukalyptusblätter rund, ältere sind länglich wie die Blätter von Weiden. Wer Exoten im eigenen Garten anpflanzen möchte, muss überlegen, wie die Pflanzen am Naturstandort wachsen und diese Bedingungen bestmöglich imitieren. "Der Eukalyptus braucht einen kargen, durchlässigen Boden und steht hier bei uns auf gut einem halben Meter Dolomitsand. Den gibt es in jedem Baustoffhandel zu kaufen", so Knopf. Der Park-Direktor ist nicht nur promovierter Botaniker, sondern auch gelernter Gärtner.

Ein weiterer Sitzplatz im Garten ist umrahmt von Araukarien, exotischen Nadelgehölzen, die oft in Vorgärten stehen. Diese hier hat Patrick Knopf mitgebracht von einer Forschungsreise auf Neukaledonien im Südpazifik zwischen Fidschi und Neuseeland. Araukarien sind Dinosaurier-Pflanzen, die vor über 100 Millionen Jahren fast die ganze Welt bewaldet haben: "Heute gibt es nur noch 19 Arten davon", bedauert der Biologe. "Unsere Araukarien aus Neukaledonien stehen in Töpfen, weil sie subtropische Bedingungen brauchen und hier nicht winterhart sind. Die räumen wir im Winter rein".

Eine Weltreise in Patrick Knopfs 800 Quadratmeter großem Privatgarten geht komplett klimaneutral. Vom Südpazifik aus kann man schon rüberschauen in den Mittelmeerraum, wo Rosmarin und Feige wachsen. "Der vier Meter hohe Feigenstrauch im Rombergpark trägt regelmäßig Früchte, aber dieser hier steht so nah am Weg, dass wir ihn leider immer stutzen müssen und ihm damit die Möglichkeit nehmen zu blühen. Wer Früchte an seinem Feigenstrauch haben möchte, muss zudem eine Sorte kaufen, die ohne Bestäubung Früchte bildet. Andere werden von Gallwespen befruchtet, die es nur im Mittelmeerraum gibt", so sein Tipp für Hobbygärtner.

Mit der Baumerika bleiben wir im Mittelmeerraum: "Im ersten gemeinsamen Urlaub mit meinem Lebenspartner vor zehn Jahren auf La Palma haben wir einen Steckling einer Baumerika mitgenommen. Nur weil ich im Herbst vergessen habe, ihn rein zu räumen, habe ich gemerkt, dass die Pflanze von den Kanarischen Inseln hier mitten im Ruhrgebiet schon winterhart ist. Und die Bienen und Hummeln lieben ihre weißen Blüten im April und Mai", erzählt der Biologe.

Der Teich zieht auch Insekten an. "In den letzten heißen Sommern hat sich bei ihnen rumgesprochen, dass es hier Wasser gibt", scherzt Patrick Knopf. Im Wasser tummeln sich, neben anderen, Kois und ein 1,60 Meter langer Stör. Die Yucca-Palme im Topf vor dem Teich hat er für seine Mutter gekauft. Sie lebt zusammen mit ihm und seinem Partner in dem Haus mit dem verwunschen-exotischen Garten.

2002 hat Patrick Knopf mit Zypressengewächsen gearbeitet. Aus dieser Zeit stammt diese Schuppenfichte von einer moorigen Hochebene aus Tasmanien. Sie sieht ein bisschen aus wie ein Baum aus Plastikschnüren. "Wir haben angenommen, dass Schuppenfichten unter Glas stehen müssen, weil sie nicht winterhart sind. In einer Spezialgärtnerei im holländischen Hilversum haben wir dann eine alte Ausgepflanzte gesehen. Der Gärtner meinte, sie stehe schon seit Jahren da. Also haben wir weitere Stecklinge gemacht und siehe da, sie ist auch hier in Dortmund winterhart. Das ist etwas ganz Besonderes für Liebhaber."

Auch diese rotlaubige Form des Seidenbaums der Sorte ‚Summer Chocolate‘ ist hier eine Seltenheit. Patrick Knopf hat ihn dieses Jahr vor dem Corona-Ausbruch in einer holländischen Baumschule gekauft:  "Die Blüten sehen wie rosafarbene Puderquasten aus. Wir hoffen, dass er dieses Jahr zum ersten Mal blühen wird, denn ich war total fasziniert von dem Farbkontrast der Blüten und dem dunkelroten Laub. Das holländische Klima ist zwar etwas milder, aber ich habe generell den Eindruck, dass die Holländer in ihren Gärten viel experimentierfreudiger sind als wir." Ursprünglich kommt der Seidenbaum aus Gebieten vom Iran bis ins östliche China.

Dieser Schnurbaum aus Neuseeland mit den bizarr gewundenen Ästen und den gefiederten Blättern wird oft in Gartencentern als kleine Zimmerpflanze in Schalen angeboten. "Wir haben ihn einfach mal ausgepflanzt und nach acht Jahren ist er 1,80 Meter groß und hat dieses Jahr zum ersten Mal geblüht. Er bekommt kleine, gelbe Blüten wie Hummerscheren, ungefähr drei Zentimeter groß. Das sieht wunderschön aus, kann ich nur empfehlen, denn so ein interessanter kleiner Strauch passt in jeden Hausgarten", meint Patrick Knopf.

Vor seinem Gewächshaus hat der Botaniker ein afrikanisches Beet angelegt. Darin blühen zurzeit in Orange die Fackellilien und die Strelitzien sowie eine violette Schmucklilie, auch Agapanthus genannt. Dieser Agapanthus steht dort im Topf und wird über Winter reingeräumt. "Aber die Agapanthus-Pflanze vorne mit den noch geschlossenen Knospen habe ich testweise ausgepflanzt. Die ist wesentlich kräftiger und hat viel mehr Blütenknospen entwickelt als die im Topf, sodass ich sie wohl alle nach und nach auspflanzen werde. Im Winter schützt man sie einfach mit etwas Laub oder ein paar Fichtenzweigen vor Kahlfrösten."

Von Afrika geht’s nach Asien, zum Kaki-Baum. Der trägt bei Patrick Knopf immer wieder Früchte, in einem Jahr waren es mehr als 30 Stück: "Die Früchte reifen erst nach dem Laubfall aus. Zunächst sind sie grünlich und dann werden sie orange. Die Stärke in den Früchten verwandelt sich nach den ersten Frösten in Zucker und dann hängen an diesem laublosen Baum lauter orangefarbene leckere Früchte. Man muss sich beeilen, sie vor den Vögeln zu ernten."

Als der Botaniker nach einem kleinen Topf greift, kommt spontan Freude auf: "Die erste Blüte – heute!". Den winterharten Orchideen-Ingwer hat er dieses Jahr zum ersten Mal versucht heranzuziehen. Typisch für alle Ingwerpflanzen ist, dass sie ausdauernde Wurzelstöcke haben. Diese Pflanze ist eine Zierform, deren Blüte aussieht wie eine Orchidee. "Diesen Winter werden wir ihn noch reinholen", sagt Knopf, "aber im nächsten muss er dann beweisen, dass er winterhart ist. Da kommt noch eine Blüte!"

Orchideen machen sich natürlich auch gut in einem exotischen Garten. Zu den winterharten Orchideen gehört die Gattung Bletilla aus China: "Die Wurzelstöcke dazu bekommt man im Herbst in manchen Gärtnereien neben den Blumenzwiebeln von Narzissen und Tulpen. Auch die haben wir jetzt erst mal ein Jahr lang im Tontopf, um einen kräftigen Wurzelstock zu produzieren, dann wird sie sehr kalt überwintert, um sie dann im nächsten Frühjahr auszupflanzen. Ein Bekannter von mir hat im Garten über einen Quadratmeter davon, weil die sich massiv ausbreiten kann", erzählt Knopf. 

Das Auffällige an diesem zunächst gar nicht exotisch wirkenden Nadelbaum sind seine besonders spitzen Nadeln. Es handelt sich um eine Stecheibe aus China. "Auch da denkt man, dass das hier nicht wachsen kann. Trotzdem gedeiht diese Pflanze wunderbar und hat dieses Jahr zum ersten Mal geblüht. Man kann sie sehr gut über Stecklinge vermehren und wir geben immer wieder welche an andere Botanische Gärten ab", so der Rombergpark-Direktor.

Die Hanfpalme ist ein Exot, der im Rheinland schon weit verbreitet ist. Patrick Knopf hat drei verschiedene in seinem Garten. Die Größte davon mit circa viereinhalb Metern Stamm steht schon seit 1992 draußen und blüht jedes Jahr reichlich. Regelmäßig entstehen auch Sämlinge, die er weiter kultiviert und an Freunde verschenkt: "Die Hanfpalme ist durch das veränderte Klima inzwischen so weit verbreitet, dass sie in der Schweiz eine Problempflanze geworden ist, weil sie dort in den Wäldern wild wächst und die heimischen Unterwuchspflanzen verdrängt werden."

Der südamerikanische Salbei der Sorte ‚Salvia guaranitica‘ blüht unermüdlich tief-violett bis in den späten Herbst hinein. Hummeln und Bienen haben auch ihre Freude daran. Leider ist er hier aber noch nicht winterhart: "Sie können ihn aber im Topf einfach unter irgendeinen Tisch stellen!", ermuntert der Botaniker, sich ein bisschen Südamerika in den Garten zu holen.

Natürlich fehlt der Inbegriff der Exotik, die Banane, auch in Patrick Knopfs Garten nicht. Auch wenn die Japanische Faserbanane inzwischen als winterhart verkauft wird, wird das Laub dennoch bei den ersten Frösten braun oder schwarz. Aber die Scheinstämme der Banane überleben das. Sicherheitshalber kann man sie mit einer Strohmatte oder etwas Laub schützen. Die Früchte schmecken allerdings nicht, im Gegensatz zu den Maracujas, die aber ganzjährig im Gewächshaus bleiben. 1500 Pflanzenarten hat der Rombergpark-Direktor in seinem Privatgarten gesammelt: "Also fast ein kleiner Botanischer Garten", sagt er stolz.

Stand: 02.07.2020, 10:11 Uhr