Sommerkur für blühende Beete

Sommerkur für blühende Beete

Von Sabine Krüger

Soll ich meine Blühpflanzen zurückschneiden und wenn ja, wie tief? Letztlich muss das jede und jeder selbst entscheiden. Gärtnermeisterin Ulla Hannecke gibt Entscheidungshilfen.

Gärtnermeisterin Ulla Hannecke schneidet im Düsseldorfer Biogarten verblühtes Mutterkraut zurück

Zum Rückschnitt von Stauden, Ein- und Zweijährigen in Blühbeeten gibt es viele verschiedene Ansichten. Gärtnermeisterin Ulla Hannecke macht ständig Kompromisse zwischen gärtnerischen, ästhetischen und ökologischen Aspekten. Was das konkret heißt, veranschaulicht sie an unterschiedlichen Pflanzen im Düsseldorfer Biogarten. Das Mutterkraut hier ist verblüht, aber unten treibt schon frisches Grün nach. Diese Pflanze schneidet Ulla Hannecke eine Handbreit über dem Boden ab, damit sie sich erneuern kann. "Die Chance auf eine zweite Blüte im Herbst steht fünfzig : fünfzig", ergänzt sie.

Zum Rückschnitt von Stauden, Ein- und Zweijährigen in Blühbeeten gibt es viele verschiedene Ansichten. Gärtnermeisterin Ulla Hannecke macht ständig Kompromisse zwischen gärtnerischen, ästhetischen und ökologischen Aspekten. Was das konkret heißt, veranschaulicht sie an unterschiedlichen Pflanzen im Düsseldorfer Biogarten. Das Mutterkraut hier ist verblüht, aber unten treibt schon frisches Grün nach. Diese Pflanze schneidet Ulla Hannecke eine Handbreit über dem Boden ab, damit sie sich erneuern kann. "Die Chance auf eine zweite Blüte im Herbst steht fünfzig : fünfzig", ergänzt sie.

"Keine Sorge, wenn das zunächst etwas traurig aussieht: Innerhalb von ein, zwei Wochen ist junges Grün nachgetrieben", beruhigt die Gärtnermeisterin. Dass das stimmt, beweist dieses Mutterkraut, das bereits vor einigen Tagen vom ehrenamtlichen Arbeitskreis zurückgeschnitten worden war. "Wenn Sie die Übergangsphase schlecht ertragen können, dann machen Sie Ihren Sommerrückschnitt eine Woche bevor Sie in den Urlaub fahren! Wenn Sie zurück sind, ist dann alles wieder schön grün."

Die Palisadenwolfsmilch blüht von April bis Juni. "Aber im Juli, August wird sie bräunlich und dann muss man die einzelnen Blütentriebe ganz unten an der Basis abschneiden. Wenn ich nur oben die Blüten rauskürzen würde, würde sie immer größer wachsen, hätte nur oben die Blüten und würde unten verkahlen", erklärt Hannecke. Hier schneidet man also zurück, damit die Pflanze kompakt bleibt.

Aber Achtung: Alle Wolfsmilchgewächse enthalten einen Milchsaft, der fototoxisch wirkt. Das heißt: Bekommt man ihn auf die Haut, kann das, vor allem bei Sonnenschein, zu Verbrennungen führen. Wolfsmilchgewächse also immer mit Handschuhen und möglichst bei bedecktem Wetter zurückschneiden. "Kürzt man sie im Juni, wenn die Pflanze voll im Saft steht, verspritzt sie diesen richtiggehend. Dann empfiehlt sich sogar, eine Schutzbrille zu tragen", so die Gartenberaterin.

"Alle Pflanzen, die bis Mitte Juni geblüht haben wie Kaukasisches Vergiss-mein-nicht, Storchschnabel und Frauenmantel kann man im Sommer eine Handbreit über dem Boden zurückschneiden, damit sie vor dem Winter etwas Energie sammeln", erklärt Ulla Hannecke. "Wenn man dabei merkt, dass der Frauenmantel sich zu sehr ausbreitet, kann man die Pflanze kleinhalten, indem man sie teilweise an den Rhizomen, den unterirdischen Wachstumsorganen, rauszieht. Das erspart einem das mühsamere Teilen im Herbst mit dem Spaten."

Auch der Felberich ist verblüht. "Weil er sehr verbreitungsfreudig ist, ist es sinnvoll, ihn jetzt zurückzuschneiden, bevor er Samen ansetzt und sich in dieser Ecke noch weiter verbreitet", rät Hannecke. Auch er wird bald wieder frisch austreiben. Wenn man allerdings möchte, dass er sich versamt, schneidet man natürlich nicht zurück.

Der Wald-Geißbart hat im Juni weiß geblüht. Nun sind die Blütenstände braun. "Hier muss man entscheiden, ob einem das gefällt oder nicht. Und ob man für Insekten die verblühten Blütenstängel stehen lassen möchte. Ich würde die Blütenstände, die vorne in den Weg reinwachsen, abschneiden und die hinteren vor dem Zaun stehen lassen. Denn ich schaue lieber auf braune Blütenstände als auf einen Zaun. Damit habe ich auch für Insekten noch ein paar Stängel stehen gelassen", so Ulla Hanneckes Kompromiss.

Und so sieht das Laub des Geißbarts nach dem professionellen Gärtnerinnen-Schnitt aus: "Idealerweise sieht man gar nicht, dass geschnitten wurde. Ich habe hier die Stängel so zurückgeschnitten, dass das Laub darüber die Schnittstellen verdeckt. Wenn man das behutsam macht, dann sieht das hinterher nicht so grob aus", empfiehlt die Gartenberaterin.

Diese Strauchpfingstrose wirkt angegriffen: "Die Blattadern verfärben sich weiß und sie rollt etwas die Blätter ein. Das sind Zeichen dafür, dass der Pflanze Energie fehlt", lautet  die Diagnose der Gärtnermeisterin. "Gleichzeitig bildet sie gerade Samen. Die werden im weiteren Verlauf des Sommers immer röter und sehen sehr schön aus. Im Winter sind sie sogar sternförmig. Aber die Samenbildung kostet die Pflanze ordentlich Kraft. Deshalb schneide ich hier jetzt nur die Fruchtstände raus. Das reicht aber, wenn man das ungefähr alle drei Jahre macht, wie so eine Art Kur."

Bei einjährigen Blühpflanzen im Beet wie diesem violett-blühenden Phlox kann man im Sommer meist eine zweite Blüte erreichen, wenn man Verblühtes rausschneidet. "Da schneide ich nur die Spitzen raus, und zwar immer über einer Blattachse. Dann kann ich davon ausgehen, dass sich aus den Seitentrieben eine zweite Blüte entwickelt. Das geht bei Zinnien, Cosmeen, Skabiosen, Wicken, Ringelblumen, Kornblumen, Kornraden und all diesen Einjährigen", so Hannecke.

Zweijährige Pflanzen bilden im ersten Jahr eine Rosette und erst im zweiten Jahr Blüten. Zu ihnen gehören Königskerzen, Nachtkerzen, Stockrosen. Sie versamen sich selbst und vagabundieren über die Jahre durch die Beete. "Wenn ich das gut finde, schneide ich die verblühten Samenstände nicht zurück. Wenn ich aber möchte, dass die Pflanze genau an derselben Stelle im neuen Jahr wiederkommt, wo sie jetzt steht, dann kappe ich die Blütenstände. Denn wenn sie sich versamt, wird sie wahrscheinlich woanders im Garten auftauchen und die Mutterpflanze eingehen."

Typisch für den Sommer: Die Wege wuchern zu. Einigen wird der Anblick des üppigen Wachstums gefallen, andere stören sich daran. Ulla Hannecke verrät an dieser Stelle einen Trick, wie man im Garten pfuschen kann: "Wenn ich gerade keine Zeit habe, Unkraut in den Beeten zu jäten, dann halte ich wenigstens den Weg ordentlich. Das lenkt von der Unordnung in den Beeten ab und macht erstmal ein gutes Bild."

Spätestens wenn man über diverse Pflanzen steigen muss, um noch den Weg entlang gehen zu können, legt Ulla Hannecke Hand an.

Denn richtig schön sind die vom Regen hgeruntergedrückten Skabiosen-Blüten ohnehin nicht. Weil sie aber nicht alle abschneiden möchte, nimmt die Gärtnermeisterin nur die raus, die am tiefsten hängen und sortiert die Pflanzen etwas.

Und siehe da: Die Skabiosen haben sich etwas aufgerichtet und zieren jetzt den Weg, ohne zu stören.

Lavendel ist eine Pracht im Garten und beliebt bei vielen Insekten. "Idealerweise schneidet man Lavendel zweimal im Jahr. Das erste Mal, wenn er im Frühling austreibt, aber das bringen die wenigsten übers Herz. Ganz wichtig ist es aber, vom ersten Jahr an den Lavendel nach der Blüte zu schneiden, damit er kompakt bleibt und nicht verholzt", mahnt Ulla Hannecke.

Das wurde bei diesen Pflanzen nicht regelmäßig gemacht, weshalb sie den Weg überwuchern und unten verholzt sind. "Weil Lavendel oft eingeht, wenn man ihn im alten Holz schneidet, sollte man das besser lassen. Stattdessen schneidet man knapp über dem grünen Austrieb die ganze Pflanze, wie beim Buchsbaumschnitt, in eine halbkugelige Form. Das macht man bei allen mediterranen Pflanzen so, damit sie von allen Seiten Sonne bekommen“, so Hannecke.

Bei all den Entscheidungen, ob und wie zurückgeschnitten wird, sollte man aber nicht vergessen, sich über das üppige Wachstum zu freuen!

Stand: 06.08.2020, 14:16 Uhr