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Wo Herbst-Rückschnitt sinnvoll sein kann

Wo Herbst-Rückschnitt sinnvoll sein kann

Von Sabine Krüger

Zu den Gartenarbeiten im Herbst gibt es verschiedene Ansichten. Ein Kurs im VHS-Biogarten Düsseldorf warnt vor Aktionismus, zeigt aber auch ein paar hilfreiche Schnittmaßnahmen.

Gärtnerin Melissa Teichmann schneidet die Hecke im VHS-Biogarten Düsseldorf

"Beim Herbst-Rückschnitt geht es nicht darum, den Hänger mit Häcksel voll zu kriegen", stellt Melissa Teichmann zu Beginn ihres Kurses im VHS-Biogarten in Düsseldorf fest. Die gelernte Gärtnerin arbeitet hauptamtlich im Bio-Garten und gehörte zuvor zum Gärtner-Team von Schloss Benrath. "Rückschnitt im Herbst ist dann sinnvoll, wenn er der Pflanzengesundheit dient, wenn er die Blühfähigkeit fördert oder zur eigenen Sicherheit nötig ist, zum Beispiel wenn die Hecke zu hoch gewachsen ist."

"Beim Herbst-Rückschnitt geht es nicht darum, den Hänger mit Häcksel voll zu kriegen", stellt Melissa Teichmann zu Beginn ihres Kurses im VHS-Biogarten in Düsseldorf fest. Die gelernte Gärtnerin arbeitet hauptamtlich im Bio-Garten und gehörte zuvor zum Gärtner-Team von Schloss Benrath. "Rückschnitt im Herbst ist dann sinnvoll, wenn er der Pflanzengesundheit dient, wenn er die Blühfähigkeit fördert oder zur eigenen Sicherheit nötig ist, zum Beispiel wenn die Hecke zu hoch gewachsen ist."

Ihre erste Lektion: das richtige Werkzeug. Für den Heckenschnitt sind das Motor- oder Handheckenschere und für die Feinarbeit die Rosenschere. Melissa Teichmann arbeitet lieber mit der Handheckenschere als mit der motorisierten. "Das ist zwar ein Workout, aber dafür ist es umweltfreundlicher." Über unsaubere ausgefranste Schnitte können Pilze und Krankheiten eindringen, deshalb sollte stumpfes Werkzeug vor der Arbeit geschliffen werden.

Für den Schnitt von Kletterrose, Hortensie und Flieder arbeitet Melissa Teichmann mit Astscheren, Sägen, einer Hippe und wieder der Rosenschere. Mit der Hippe kann man nacharbeiten, wenn ein Schnitt mit der Säge ausgefranst ist.

Um mit dem Schnitt nicht erst Pilze und Krankheiten einzutragen, sollte man sein Werkzeug vorher, am besten mit Sprays, desinfizieren und von Harzrückständen befreien. Melissa Teichmann empfiehlt, Harzlöser von Bio-Herstellern zu verwenden.

Bei der Hainbuchenhecke nimmt Melissa Teichmann zunächst mit der Handheckenschere auf der ganzen Breite und Höhe die vorderen ersten Triebe weg. Dann sieht sie, wo Krankes und Abgestorbenes mit der Rosenschere entfernt werden muss. Hier zum Beispiel diese tote Astspitze. "Hainbuche verträgt auch das eigene Laub an den Füßen", erklärt die Gärtnerin und rät den Schnittabfall zu häckseln, um die Hecke damit zu mulchen. Das unterdrückt Unkraut, düngt den Boden und bietet Nahrung für Vögel.

Der nächste Patient ist die Kletterrose am Nebengebäude. Sie ist im Sommer übers Ziel hinaus geschossen. Eine eventuelle Schneelast im Winter könnten die Langtriebe nicht tragen. Sie würden brechen und in den Bruchstellen könnten sich Pilze und Krankheiten ansiedeln. Deshalb kürzt Melissa Teichmann diese Langtriebe.

Auch bei der Kletterrose nimmt die Gärtnerin zuerst Totes und Krankes raus. Der nach oben wachsende Ast ist weiter oben (außerhalb des Fotos) braun, also abgestorben. Der untere Teil ist aber noch vital. Daher sucht sich Melissa Teichmann eine gesunde Triebknospe aus, die in eine Richtung weist, die für das weitere Wachstum der Rose sinnvoll ist. Hier ist das das Auge, also die Triebknospe, auf der linken Seite über dem kleinen dünnen Stachel.

Die Rose soll an dieser Stelle nach links neu austreiben. Also schneidet man den Trieb 5-8 mm, ungefähr eine Daumennagellänge, oberhalb dieses Auges ab. Und zwar schräg vom Auge weg, damit Regenwasser ablaufen kann und keine Pilze entstehen. Schneidet man zu knapp an der Knospe, wird sie eventuell beschädigt. Lässt man ein zu langes Triebstück stehen, kann der Trieb absterben.

Rückschnitt kostet Pflanzen Energie. Zum Ausgleich kann man ihnen mit Dünger etwas Gutes tun. Zum Beispiel mit Kaffeesatz. Aber Achtung: Versorgt man Pflanzen öfter damit, kann sich der ph-Wert des Bodens verändern, nämlich saurer werden. Kaffeesatz ist deshalb vor allem für Pflanzen geeignet, die leicht sauren Boden mögen. Rosen gehören nicht dazu, dafür aber Rhododendren, Azaleen und Hortensien.

"Wie Sie sehen, steht diese Rispen-Hortensie noch stark im Saft. Deshalb dürften Sie die jetzt keinesfalls schon zurückschneiden! Erst wenn sie ihr Laub fast ganz abgeworfen hat, dann ist es der richtige Zeitpunkt", mahnt die Gärtnerin.

Eine andere Rispenhortensie im Topf hat das Stadium schon erreicht. An ihr demonstriert sie, wie später dann auch bei der großen im Beet der Rückschnitt fachgerecht durchgeführt wird. Um zu erkennen, auf welche Höhe zurückgeschnitten werden kann, muss man das Grundgerüst der Pflanze erkennen.

Mit ihrer Hand deutet Melissa Teichmann an, wo das Grundgerüst der Pflanze endet. Bis zu diesem Punkt empfiehlt sie, die Hortensie zurückzuschneiden.

Und so sieht das Endergebnis aus: Rückschnitt einer Rispenhortensie bis auf ihr Grundgerüst. So ist die Pflanze bestens vorbereitet für den Neuaustrieb im nächsten Jahr und die Vorfreude auf ein erneut reiches Blütenmeer kann beginnen.

"Auch Ballhortensien wie diese 'Annabelle' sollten jetzt im Herbst zurückgeschnitten werden. Sie hat aber eine ganz andere Wuchsform, weshalb auch der Rückschnitt anders aussehen muss", erklärt Teichmann. Ballhortensien wachsen mit vielen Grundtrieben breitbuschig aus dem Boden.

Daher kürzt man bei den Ballhortensien alle Triebe ungefähr eine Hand hoch über dem Boden ein.

"Alle Bauernhortensien, Tellerhortensien, Samthortensien, Eichenblättrige und Kletterhortensien dürfen jetzt nicht zurückgeschnitten werden. Denn deren Blüten sind ihr Winterschutz. Die nehmen einem das richtig übel, wenn sie Frost in ihre Blütenknospen bekommen. Erst wenn kein Nachtfrost mehr zu erwarten ist, kann man sie gezielt auslichten, falls im Winter doch etwas abgestorben sein sollte. Das wäre dann ungefähr Ende April", rät Teichmann.

Weiter hinten im Garten demonstriert Melissa Teichmann den Rückschnitt, der jetzt beim Flieder (botanisch: Syringa vulgaris) ansteht. Hier entfernt sie verblühte Blütenknospen.

Und so sieht der fachgerechte Rückschnitt aus, mit dem der neue Trieb gefördert wird.

Stand: 07.11.2020, 10:40 Uhr