"Roter Rabe" von Frank Goldammer

"Roter Rabe" von Frank Goldammer, Buchcover

"Roter Rabe" von Frank Goldammer

Von Stefan Keim

Zwei Männer liegen tot in ihren Gefängniszellen. Anscheinend haben sie sich umgebracht. Sie gehören zu den Zeugen Jehovas. Als Oberkommissar Max Heller versucht, mehr über sie herauszufinden, blockt die Familie ab. Immer mehr seltsame Todesfälle geschehen, scheinbar Unfälle, Herzinfarkte, Selbstmorde. Und außer Heller scheint kaum jemand daran interessiert zu sein, die Hintergründe aufzuklären.

"Roter Rabe" von Frank Goldammer

WDR 4 Bücher 22.01.2019 02:45 Min. WDR 4

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"Roter Rabe" ist ein spannender Kriminalroman. Aber darüber hinaus auch ein faszinierender Blick in die Frühzeit der DDR. Im Jahr 1951 hat kaum einer ein Telefon oder ein Auto. Von Aufbruchstimmung ist wenig zu spüren, die Menschen sind den Mangel leid. Waren gibt es – wenn überhaupt – nur gegen Bezugsscheine. Das Ministerium für Staatssicherheit tut, was es will. Wer zu Befragungen vorgeladen wird, verschwindet manchmal einfach so. Wie Hellers Assistent, dessen Verlobte in den Westen geflohen ist.

Frank Goldammer beschreibt präzise die Atmosphäre der Nachkriegszeit in Dresden. Max Hellers Frau durfte in den Westen reisen, um den gemeinsamen Sohn zu besuchen. Er hört nichts von ihr, andere Frauen kümmern sich um seine kleine Tochter, damit er seine Arbeit machen kann. Lange Zeit kommt er nicht weiter. Ein russischer Geheimagent, den Heller von früher kennt, warnt ihn vor einem "Amerikaner", der ein Bombenattentat in Dresden plant. Wer für wen spioniert, wer welche Ziele verfolgt, bleibt lange unklar. Sicher ist nur, dass Heller niemandem vertrauen kann.

Frank Goldammer gelingt es, genug Einzelheiten zu liefern, damit man sich die Zeit gut vorstellen kann. Aber er verliert sich nicht in den Details. "Roter Rabe" ist ein dichter, glaubwürdiger Krimi, in dem der Leser nie mehr weiß als der Kommissar.

Roter Rabe
Autor: Frank Goldammer
Verlag: dtv
384 Seiten
15,90 Euro

Stand: 22.01.2019, 00:00