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Jetzt läuft: You're the voice von John Farnham

Reinhard Becker

Reinhard Becker

Reinhard Becker

Kennen Sie das auch? Sie kommen an einen Ort, an dem Sie noch nie zuvor waren, fühlen sich aber auf Anhieb wohl und möchten am liebsten für immer dort bleiben. An einen solchen Ort geriet ich mit 15 Jahren.

Zusammen mit Freunden hatte ich die Sommerferien zu Hause verbracht. Darüber sollten wir in einer Jugendsendung unseres Lokalradios berichten. Zum Glück waren die anderen dabei, denn ich brachte kein Wort heraus. Zu sehr war ich von dieser eigentümlichen Umgebung fasziniert, von diesen schallschluckenden Wänden, den dämpfenden Teppichen, den merkwürdig geformten Tischen, den sonderbaren Geräten, die das, was die anderen von sich gaben, für alle hörbar machen sollten. Statt über meine Ferien zu reden beschloss ich: Hier will ich hin, das soll meine Welt werden. Ich hatte meinen Platz gefunden!

Noch während der Schulzeit ging es los. Da wurden im "Sendekollektiv" die Themen angepackt, die uns Jugendlichen damals unter den Nägeln brannten. Neben dem Studium verdingte ich mich als "Wunschkonzert" - Co-Moderator und erinnere mich gerne an das Kribbeln im Bauch, das ich als 19jähriger verspürte, wenn ich Willy Schneiders oft gewünschtes Lied "Man müsste noch mal 20 sein" anzukündigen hatte. Der "Belgische Rundfunk", bei dem ich bald zum festen Moderatoren-Stamm gehören sollte, wurde zu meiner Spielwiese.

Irgendwann erfuhr ich dann von den WDR-Plänen, ein 4. Programm einzurichten. Nach 10 Jahren Lokalfunk in meiner belgischen Heimat war die Zeit auch reif für einen Wechsel. Ich bewarb mich also in Köln als Sprecher und fand mich wenig später im WDR-Sprecherensemble wieder. Es waren nämlich die geschulten WDR-Stimmen, die in den Anfangsjahren den Grundstein für den späteren Erfolg von WDR 4 legten.

Mitglied des WDR-Sprecherensembles bin ich heute noch. So kann es vorkommen, dass meine Stimme auch in den Nachrichten oder in anderen WDR-Programmen zu hören ist. Sprecher arbeiten im Schichtdienst, also oft zu ungewöhnlichen Zeiten. Dass ich selbst dann früh aufstehe, wenn ich nicht gerade Frühdienst habe, wird immer noch von vielen mit ungläubigem Kopfschütteln quittiert. Für mich beginnt nämlich fast jeder Tag mit einem Lauf durch den Wald, über die Wiesen oder auf dem Sportplatz. An lauffreien Tagen ziehe ich mit den Frühschwimmern meine Bahnen oder erkunde neue Laufstrecken mit dem Fahrrad. Weil ich das alles so früh mache, habe ich auch mehr Zeit für all die anderen Dinge. Darüber, dass ich gerne koche, freuen sich natürlich meine Frau und meine beiden Kinder. Und in dem Garten, den ich hege und pflege, fühlen sich unsere beiden Kater ausgesprochen wohl.