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Eurovision Song Contest – Geschichte und Geschichten

Eurovision Song Contest – Geschichte und Geschichten

Von Stefanie Hallberg

Am 12. Mai hebt sich erneut der Vorhang zur größten Musikshow der Welt. In Lissabon wird das Finale des Eurovision Song Contests zum 63. Mal ausgetragen. Ein Rückblick auf ESC-Geschichte und Geschichten.

Lys Assia bei einem Auftritt 1961

1955 haben die Mitglieder der Eurovision Broadcasting Union (EBU) eine Idee: Warum nicht ein gemeinsames Unterhaltungsprogramm entwickeln, zum Beispiel einen Wettbewerb unter europäischen Sängern, bei dem sich die Nationen gegenseitig bewerten? Gesagt, getan. Am 24. Mai 1956 feiert der Grand Prix d'Eurovision le la Chanson in Lugano Premiere. Die erste Siegerin heißt Lys Assia und kommt aus der Schweiz.

1955 haben die Mitglieder der Eurovision Broadcasting Union (EBU) eine Idee: Warum nicht ein gemeinsames Unterhaltungsprogramm entwickeln, zum Beispiel einen Wettbewerb unter europäischen Sängern, bei dem sich die Nationen gegenseitig bewerten? Gesagt, getan. Am 24. Mai 1956 feiert der Grand Prix d'Eurovision le la Chanson in Lugano Premiere. Die erste Siegerin heißt Lys Assia und kommt aus der Schweiz.

In den ersten Jahren wirkt der Wettbewerb eher steif-konservativ. Doch in den 60ern weht ein frischer Wind: Mädchen zeigen sich selbstbewusst in Minikleidern und, wie Sandy Shaw, auch barfuß. Das Geschehen auf der Bühne wird mit den Jahren dank ausgefeilter Lightshow, Pyrotechnik und Choreografien immer spektakulärer, manchmal sogar schrill.

Der Contest trägt mehr als einmal dazu bei, dass Interpreten Karriere machen. Vorgetragene Songs werden zu Ohrwürmern oder gar Welthits. Beispiele gefällig? Abba mit "Waterloo" ist eines, Johnny Logan und "Hold me now" ein anderes. Nana Mouskouri, Julio Iglesias und Céline Dion: klangvolle Namen, die alle einmal beim ESC aufgetreten sind.

Jetzt zu ein paar Rekorden: Nur dem Iren Johnny Logan ist es bisher gelungen, den ESC zweimal als Sänger (und ein drittes Mal als Komponist) zu gewinnen. Auch bei der Zahl der ESC-Siege hat Irland klar die Nase vorn: Insgesamt sieben Mal konnte die grüne Insel den Song Contest für sich entscheiden. Die britische BBC war mit acht Ausrichtungen der häufigste Gastgeber. Mit 24 Titeln ist Ralph Siegel der Komponist mit den meisten Beiträgen in der ESC-Geschichte. Der deutsche Texter Bernd Meinungen ist 19 Mal dabei gewesen – ebenfalls ein Rekord.

Deutsche Teilnehmer scheinen häufig den europäischen Geschmack zu verfehlen. Bislang reichte es nur zwei Mal für den Sieg. 1982 kommt die 17-jährigen Nicole im englischen Harrogate mit weißer Gitarre als letzte Teilnehmerin auf der Bühne – und feiert mit "Ein bisschen Frieden" ihre musikalische Sternstunde.

Dann ist 28 Jahre Funkstille in Sachen ESC-Sieg. 2010 schließlich suchen öffentlich-rechliche und private Medien in acht Casting-Shows den "Star für Oslo". Die kesse Schülerin Lena Meyer-Landrut gewinnt mit "Satellite" das Ticket nach Norwegen – und dort auch den Wettbewerb.

Apropos Geschmack verfehlen. Seit 1997 gibt es den Barbara Dex Award. Er wird an den Künstler mit dem schlimmsten Bühnenoutfit verliehen. Im Jahr 1998 ging die wenig schmeichelhafte Auszeichnung an Guildo Horn.

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass der Grand Prix d' Eurovision im Zuge der Modernisierung des Wettbewerbs in Eurovision Song Contest umbenannt wurde. Das stimmt so nicht. Der Wettbewerb hieß in den englischsprachigen Ländern schon immer Eurovision Song Contest. In Deutschland favorisierte man allerdings bis in die späten 90er Jahre die französische Bezeichnung. Erst seit 2004 wird die Show im Zuge eines einheitlichen Markenauftritts nur noch Eurovision Song Contest genannt.

Der ESC wird oft auch als "European Song Contest" bezeichnet. Doch das ist falsch. Die teilnehmenden Länder sind alle Voll-Mitglieder oder assoziierte Mitglieder in der European Broadcasting Union (EBU) und müssen nicht zwingend Teil der Europäischen Union sein. Deshalb sind auch immer wieder nicht-europäische Länder unter den Teilnehmern, so die Türkei, Israel und Marokko.

Seit 2015 nimmt auf Wunsch vieler Fans sogar "Down Under", Australien, am Song Contest teil. Schon seit die Australierin Olivia Newton-John 1974 in Brighton für England beim ESC startete, wird das Ereignis in Australien zeitversetzt übertragen. Noch nie teilgenommen haben nur zwei europäische Länder: Liechtenstein und der Vatikan.

Inzwischen hat sich der ESC zum Ereignis der Superlative entwickelt. Jährlich sehen sich mehr als 200 Millionen Zuschauer die Übertragung an. Aus den ursprünglich sieben Teilnehmern sind mehr als 50 geworden. Die Show dauert mittlerweile bis zu fünf Stunden und hat weltweit Fangemeinden, zum Beispiel in Australien, Neuseeland, China, Südkorea, Mexiko und Kanada.

Stand: 03.05.2018, 21:24 Uhr