Der Weltenfalter Erwin Hapke, Teil 5: Der Künstler

Der Weltenfalter Erwin Hapke, Teil 5: Der Künstler

Von Thomas Köster

Ist das Kunst oder kann das in den Papiercontainer? Diese Frage musste sich Erni Burchardt nach dem Tod ihres Bruders Erwin Hapke stellen. Wie sie, so glauben inzwischen auch Experten, dass Hapke ein Werk für die Ewigkeit geschaffen hat. Aber ist es noch zu retten?

Podcast "Erwin Hapke: Der Weltenfalter"

35 Jahre lang faltete Erwin Hapke als Eremit in seinem Elternhaus in Fröndenberg Figuren aus Blech und Papier. Und war davon überzeugt, Kunst zu produzieren. Wie sein Neffe Matthias Burchardt, Bildungsphilosoph der Uni Köln, der hier in so genannten Nietzsche-Zimmer sitzt, ...

35 Jahre lang faltete Erwin Hapke als Eremit in seinem Elternhaus in Fröndenberg Figuren aus Blech und Papier. Und war davon überzeugt, Kunst zu produzieren. Wie sein Neffe Matthias Burchardt, Bildungsphilosoph der Uni Köln, der hier in so genannten Nietzsche-Zimmer sitzt, ...

... oder wie die Künstlerin Dea Bohde, hier in Erwin Hapkes Werkstatt-Wintergarten. Sie gehört zu einer kleinen Gruppe aus Künstlern und Kunstexperten, die sich seit 2016 für Hapke einsetzen und ein wissenschaftliches Buch über ihn planen (unten im Bild: zwei nicht vollendete Blechskulpturen Hapkes).

Und tatsächlich besteht kaum ein Zweifel daran, dass Hapke mit seiner Weiterentwicklung vorhandener Faltformen Kunst geschaffen hat, die er im Elternhaus-Museum zu einem Gesamtkunstwerk arrangierte.

In seiner beispiellosen Konsequenz erinnert Hapkes Gesamtkunstwerk an große Vorbilder, die ihre Häuser ebenfalls zu Kunstwerken machten. An Gregor Schneider und sein "haus ur" in Mönchengladbach–Rheydt zum Beispiel. Oder an den Merz-Bau von Kurt Schwitters, der den Raum wie mit Papier auseinanderfaltet (hier eine Rekonstruktion im Sprengel Museum Hannover)

Vielleicht hat Hapke den Merzbau des Dadaisten sogar gekannt? Im Wohnbereich seines Elternhauses jedenfalls hängt ein Zitat von Schwitters, dass das eigene Schaffen wie ein Vermächtnis zusammenfasst: "Wir spielen, bis dass der Tod uns abholt." Darüber steht: "Eine neue Zeit beginnt, und wir sind ihr Gestalter."

Inzwischen hat es Hapkes "Nietzsche-Zimmer" sogar in ein echtes Museum geschafft. Sorgsam beschriftet, dokumentiert und verpackt ist seine zweite Haut nach Zürich gereist ...

... um 2017 im dortigen Vögele Kultur Zentrum gemeinsam mit einem Koffer von der Flucht und einigen Blechskulpturen in der Ausstellung "Alles zur Zeit. Über den Takt, der unser Leben bestimmt" wieder aufgebaut zu werden. Besonders schön, da Hapkes Leben ja eine Taktung hatte, die eben diese Zeit zum Stillstand brachte.

Kunst-Restauratorin und Konservatorin Sabine Hermes - hier in ihrer Kölner Werkstatt - war an der Aktion maßgeblich beteiligt. Wie es den inzwischen zurückgekehrten Werken in Fröndenberg geht, will sie bei einem weiteren Besuch mit uns erkunden.

"Ich habe geschaut, ob Kondensfeuchte innen oder außen ist", sagt Hermes. "Ist aber zum Glück nur außen."

Auch Schimmel sieht Restauratorin Sabine Hermes keinen. Für die fragilen Papierobjekte ein Segen.

Trotzdem tickt seit Erwin Hapkes Tod wieder die Zeit im Haus, seine Werke fallen von den Wänden. Es muss sich bald etwas tun, damit dieser Kunstschatz gerettet wird.

Überhaupt sind auch nach unseren Recherchen viele Fragen geblieben. Wer die geheimnisvolle Ulla ist, haben wir nicht herausgefunden. Und auch die schwer entzifferbaren Bleistiftmikrogramme, in denen Erwin Hapke seine Kunst erklärt, versprechen noch Überraschungen. Die Spurensuche geht also weiter.

Stand: 04.10.2019, 18:26 Uhr