Der Weltenfalter Erwin Hapke, Teil 4: Der Brief

Der Weltenfalter Erwin Hapke, Teil 4: Der Brief

Von Thomas Köster

Sein Papier- und Blechfalthaus hat Erwin Hapke als Museum konzipiert. Und er hat sich Gedanken dazu gemacht, wie es erhalten werden konnte. Und von wem. Aber das hat nicht geklappt. Warum?

Matthias Burchardt

35 Jahre lang hat Erwin Hapke in der Einsamkeit gearbeitet. Aber nach seinem Tod sollten alle seine Werke bestaunen. Hierfür hat er ein Testament verfasst, das an mehreren Stellen im Haus hängt: "Die Papierbilder meiner Tätigkeit sollen für immer zu Hause versammelt bleiben", heißt es dort. "Für Ausstellungen anderswo müssen sie alle nachgebaut werden."

35 Jahre lang hat Erwin Hapke in der Einsamkeit gearbeitet. Aber nach seinem Tod sollten alle seine Werke bestaunen. Hierfür hat er ein Testament verfasst, das an mehreren Stellen im Haus hängt: "Die Papierbilder meiner Tätigkeit sollen für immer zu Hause versammelt bleiben", heißt es dort. "Für Ausstellungen anderswo müssen sie alle nachgebaut werden."

Als Museum hat er das Elternhaus bei Unna konzipiert. Mit einem - wenn auch bescheidenen - Wegeleitsystem samt ausgewiesener Toiletten und einem Privatbereich. Und mit vorgefalteten Papieren, mit Hilfe derer die Besucher sich selbst als Origamisten hätten versuchen können.

Am 20. März 2013 setzt sich Erwin Hapke an seinen Computer und schreibt einen Brief an die Stadt Fröndenberg. "Ich beabsichtige, meine Ausstellungsräume dem Heimatmuseum für Besichtigungen freizugeben", heißt es darin selbstbewusst. "Mir ist nicht bekannt, ob irgendwo ein vergleichbares Museum existiert."

Eine Antwort bekommt Erwin Hapke nie. Das habe ihn sehr verletzt, wird später die Schwester Erni Burchardt sagen. So verärgert sei ihr Bruder gewesen, dass er testamentarisch verfügt habe, das Haus auf keinem Fall der Stadt anzubieten. Oder ist das nur ein Missverständnis? Hatte es vielleicht schlicht und ergreifend damit zu tun, dass der Postbote keine Chance hatte, den Brief im abgeschotteten Haus mit seinem zugeklebten Briefschlitz einzuwerfen?

Vielleicht kann man uns im Fröndenberger Rathaus helfen. Auch wenn der damalige Bürgermeister nicht mehr im Amt ist.

Der jetzige Bürgermeister Friedrich Wilhelm Rebbe, ein kunstsinniger Mann, hat erst durch die Berichte im WDR nach Hapkes Tod von dem Schatz in seiner Stadt erfahren. Wir erfahren, dass die Stadt dem Angebot Hapkes nicht nachgegangen ist. Bürgermeister Rebbe bedauert das zutiefst.

Kann Fröndenberg die Missachtung wiedergutmachen? Kann die Stadt Gelder aktivieren, um Hapkes Haus als Museum zu retten? Vielleicht mit Hilfe des Skulpturenparks Waldfrieden im 60 Kilometer entfernten Wuppertal. Der Leiter dieses Skulpturenparks, Michael Mader, gehört zu einer Gruppe von Künstlern und Kunsthistorikern, die vom künstlerischen Wert des Werks von Erwin Hapke überzeugt sind. Noch hat sich hier nichts ergeben. Wir bleiben dran.

Aber ist Hapkes Werk, das aus Sicht von Origamisten irgendwo in den 1980er Jahren stehen geblieben ist und das er selbst mit Faltbuchstaben sogar "signiert" hat, überhaupt künstlerisch wertvoll? Das versuchen wir herauszufinden. In der fünften und letzten Folge unseres Podcasts und unserer Fotostrecke.

Stand: 04.10.2019, 18:26 Uhr