Der Weltenfalter Erwin Hapke, Teil 1: Das Haus

Der Weltenfalter Erwin Hapke, Teil 1: Das Haus

Von Thomas Köster

35 Jahre lang lebte der promovierte Biologe Erwin Hapke völlig abgeschieden in seinem Elternhaus bei Unna und schuf sich mit Tausenden gefalteter Insekten und Phantasiewesen ein eigenes Reich aus Papier. Das als Museum konzipierte Haus ist nicht zugänglich und verfällt. Wir gewähren Einblick.

Der Weltenfalter Erwin Hapke, Teil 1: Das Haus

Nachdem er seinen Job beim Max-Planck-Institut für Zellbiologie in Wilhelmshaven verloren hat, kehrt Erwin Hapke Anfang der 1980er Jahre in sein Elternhaus zurück. Hinter der Fassade dieser vom Vater umgebauten ehemaligen Dorfschule in Fröndenberg erfaltet er sich bis zu seinem Tod 2016 eine eigene Welt.

Nachdem er seinen Job beim Max-Planck-Institut für Zellbiologie in Wilhelmshaven verloren hat, kehrt Erwin Hapke Anfang der 1980er Jahre in sein Elternhaus zurück. Hinter der Fassade dieser vom Vater umgebauten ehemaligen Dorfschule in Fröndenberg erfaltet er sich bis zu seinem Tod 2016 eine eigene Welt.

Was im Flur mit seinen mit Tesafilm an die Wände geklebten Faltfiguren noch fast unspektakulär beginnt ...

... entfaltet schon im so genannten Insektenzimmer nebenan eine Wucht, der man sich kaum entziehen kann.

Über zwei Stockwerke überziehen Gliederfüßler, Falter, und Figurenensembles aus Papier die Wände wie eine zweite Haut. Unterm Dach hausen sogar noch Tiere und seltsame Hexenwesen aus Blech. Wie Erwin Hapke sie in dieser Perfektion hat falten können, ist nach wie vor ein Rätsel.

Versorgt wird Hapke von seiner Schwester Erni Burchardt aus dem Nachbarort. Sie war es auch, die die Leiche des Einsiedlers im April 2016 findet. Der letzte für sie bestimmte Einkaufszettel liegt noch immer neben dem Telefon auf der Kommode: dem einzigen Möbel im Insektenzimmer, das Hapke nicht auf den Dachboden verfrachtet hat, um Platz für seine Kunst zu schaffen.

Dass die Kunst bis heute überlebt hat, verdankt die Nachwelt Hapkes Neffen Matthias Burchardt, Bildungsphilosoph an der Kölner Uni. Auch zu ihm hatte Hapke jeglichen Kontakt abgebrochen. Erst am Tag der Beerdigung betritt er das Haus nach Jahrzehnten wieder - und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Matthias Burchardt wendet sich an WDR 3. So entsteht ein Radiobeitrag und eine Fotostrecke (siehe Link unten), später dann eine für den Grimme Online Award nominierte Multimediareportage von WDR 3-Autor und Fotograf Thomas Köster mit einer ungeheuerlichen Resonanz vor allem in den Sozialen Netzwerken.

Wer war dieser Erwin Hapke? Und, vor allem: Wie wird man zu jenem Menschen, der Erwin Hapke war? In fünf Teilen geht unser WDR 3 Podcast "Der Weltenfalter" - und unsere Fotostrecke - dieser Frage erstmals ausführlich nach. Hier sprechen die Autoren Christian Möller (Mitte) und Thomas Köster mit Erwin Hapkes Cousin Jürgen Wojan an Erni Burchardts Wohnzimmertisch.

Stand: 04.10.2019, 18:25 Uhr