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Melos — 14.04.2019

Isabel Mundry

Melos — 14.04.2019

Sind in der Neuen Musik die vermeintlich »melodielosen Jahre« vorüber, wie es Peter Weber in seinem gleichnamigen Roman suggeriert, der das Wiederauftauchen der »Tonfolgen der Liebe« beschwört? Nach der Vorherrschaft der Vertikalen ist längst so etwas wie die Suche, ja Sehnsucht nach Linie zu beobachten.

Isabel Mundry lässt in »Endless Sediments« einen gregorianischen Choral durch das Orchester wandern: in einer vielfach zergliederten, fragmentarischen Melodie, die aus permanent sich verwandelnden Partikeln besteht. Der Gesang entfaltet sich allmählich aus Wiederholungen und neuen Formeln.

Auch Sven-Ingo Koch treibt die »Liebe zur Linie« um. Nicht im Sinne einer Hinwendung zu ausufernden Arabesken oder Gesängen. Er versteht Linie eher im asiatischen Sinne als Entfaltung eines Tons in minimalen Schritten zu einem eigentümlich schillernden Geflecht, das sich dem eindeutigen Hören entzieht.

»Melos« nennt Jean Barraqué eine frühe Ballettmusik, die er 1951 schrieb und unvollendet liegen ließ. Das Werk, das ein Zwischenstadium auf dem Weg zu seinem individuellen Stil markiert, wurde erst Jahrzehnte später – 2017 – in Köln uraufgeführt.

Isabel Mundry »Endless sediments« (2018) für Kammerorchester
WDR Sinfonieorchester; Leitung: Michael Wendeberg

Sven-Ingo Koch »Von der Liebe zur Linie II« (2017) für Kammerorchester
WDR Sinfonieorchester; Leitung: Brad Lubman

Jean Barraqué »Melos« (1951) Ballettmusik für Kammerorchester (Ausschnitt)
WDR Sinfonieorchester; Leitung: Jean-Michaël Lavoie

Moderation: Martin Kaltenecker
Redaktion: Harry Vogt

Stand: 19.08.2019, 11:53