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Jetzt läuft: 5 Stücke im Volkston, op. 102 - Stark und markiert von Schumann, Robert

Häutung des Himmels — 31.03.2019

Blitz über Feld und Wald

Häutung des Himmels — 31.03.2019

»Auf die Sterne soll man nicht mit Fingern zeigen; in den Schnee nicht schreiben; beim Donner die Erde berühren«
(Arno Schmidt).
Blitz und Donner flößen fast allen Angst und Schrecken ein. Nicht nur den Kleinen. Auch die Großen haben meist gehörigen Respekt vor solch unmittelbarer Naturgewalt.

Die Furcht – wie auch die Faszination – finden in der Musik ganz unterschiedlichen Niederschlag. Giacinto Scelsi nennt seine Kantate »Pfhat« im Untertitel »Ein Schlag … und der Himmel öffnete sich!« Chorische Atemgeräusche und Glöckchen lassen auch Seraphisches anklingen. Ashley Fure eröffnet »eine Enzyklopädie der Blitze«, sie bezieht sich auf die sogenannten Lichtenberg- Figuren, Brandnarben, die man auf der Haut von Menschen findet, die vom Blitz getroffen wurden. Und diese Narben ähneln der verästelten Form von Blitzen.

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel lässt Martin Grütter gegen Ende seiner Komposition »Die Häutung des Himmels« das Schlagzeug aus der Ferne, im Rücken des Publikums lautstark losdonnern. Die Geräusche von Gewittern hat Tristan Murail einer spektralen Analyse unterzogen, um daraus sein Ensemblestück mit Videozuspielung zu entwickeln: inspiriert von der Kunst der antiken Orakel-Deutung von Blitzen bietet er die poetische Exegese eines der faszinierendsten Naturphänomen.

Giacinto Scelsi »Pfhat – eclat ... et le ciel s’ouvre« (1974)
für Chor und Orchester
WDR Rundfunkchor, WDR Sinfonieorchester
Leitung: Hans Zender

Ashley Fure »A Library on Lightning« (2018)
für Trompete, Fagott und Kontrabass
Klangforum Wien

Martin Grütter »Die Häutung des Himmels« (2017)
für 7 Instrumente
Ensemble Modern; Leitung: Brad Lubman

Tristan Murail »Liber fulguralis« (2008)
für Ensemble, Elektronik (Ausschnitt)
Collegium Novum Zürich; Leitung: Lin Liao

Moderation: Johannes Zink
Redaktion: Harry Vogt

Stand: 19.08.2019, 10:47