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Meilensteine der Moderne (21): Stockhausens Kontakte - 10.02.2019

Karlheinz Stockhausen

Meilensteine der Moderne (21): Stockhausens Kontakte - 10.02.2019

Karlheinz Stockhausens Komposition "Kontakte" gilt seit langem als maßstabsetzend. Das epochale Werk für elektronische Klänge, Klavier und Schlagzeug, das bei seiner Kölner Uraufführung 1960 bestenfalls freundlichen Beifall erhielt, wird als eine der wichtigsten Realisationen des Elektronischen Studios des WDR angesehen.

Grundlegend für Stockhausens "Kontakte" ist die Idee des Übergangs, die Klangtransformation, die als allmählicher Aufhellungsprozess gestaltet ist. Erstmals wird dabei versucht, die konträren Klangwelten – Elektronik und Instrumente – zu verbinden. "Die elektronischen Klangkategorien stellen Verwandtschaften und Übergänge zwischen den instrumentalen her, verschmelzen mit ihnen und entfremden sich in bisher unbekannte Klangräume."

Ausgangspunkt war eine Kindheitserfahrung, die (fast) alle mal gemacht haben: Hält man einen Stab in die Speichen eines laufenden Fahrrades, entsteht ein Klicken. Dreht sich das Rad schneller, wird aus dem Klicken ein Ton, und je schneller das Rad läuft, umso höher wird der Ton. Das "Klicken" wird bei Stockhausen über einen Impulsgenerator erzeugt. Durch die Zuordnung der Impulse zu Rhythmen ergeben sich nicht nur bestimmte Tonhöhen, sondern auch neue Klangfarben.

Die Umsetzung dieses Phänomens war seinerzeit ein unglaublich aufwändiger Prozess. Für wenige Sekunden Musik waren Stunden Studioarbeit nötig. Darum sind Stockhausens "Kontakte" allein schon aufgrund ihrer Dauer von mehr als 30 Minuten eine Besonderheit, wenn man bedenkt, wie kurz die meisten elektronischen Stücke der 1950er Jahren waren.

Autor: Johannes Zink
Redaktion: Harry Vogt

Stand: 21.01.2019, 11:59