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WDR 3 Kultur am Mittag mit Nicolas Tribes
Freya Hattenberger & Peter Simon

Brutalismus (3) „Béton Brut Bangalore" von F. Hattenberger und P. Simon

Zum Abschluß der Brutalismus-Trilogie im Studio Akustische Kunst hören wir nach Indien
Das Projekt „Béton Brut Bangalore – Sound as Ornament“ setzt sich auf interdisziplinäre Weise mit Klangkunst, Performance und Architektur auseinander.

Als Klangkünstler und Medienkünstler beschäftigen sich Peter Simon und Freya Hattenberger seit langem mit der Interaktion zwischen dem Hörbaren und dem Sichtbaren. Im direkten Dialog mit brutalistischer Architektur realisieren sie akustische Interventionen vor Ort.
Béton Brut bezeichnet die Verwendung von Beton in seiner nach dem Ausschalen sichtbaren Bauform. Aufgrund der steten Weiterentwicklung des Materials und wegen seiner Wirtschaftlichkeit erfreute er sich bei vielen Architekten in den 1950er bis 1970er Jahren großer Beliebtheit. Seither wurde die vermehrte Verwendung von „rohen“ Materialien unter dem Begriff Brutalismus zusammengefasst. Während eines sechswöchigen Aufenthalts im Rahmen des Kulturprogrammes BangaloREsidency des Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Bangalore haben Simon und Hattenberger Gebäude dieser Bauweise in Bangalore erkundet und deren Bedeutung in öffentlich-politischen Prozessen nachverfolgt. Dabei konzentrierten sie sich unter anderem auf das Visvesvaraya-Center, 1974 - 1980 von Charles Correa erbaut, einem der bedeutendsten Architekten Indiens. Seine Bauten sind die physische Manifestationen von Modernität und Fortschritt. Das Visvesvaraya-Center in Bangalore repräsentiert einen Knontenpunkt dieser Traditionen.
Simon und Hattenberger waren besonders daran interessiert, die geometrische Ordnung, die Materialität und die fließende Realität der indischen Kultur zu erforschen und dabei den Klang als Ornament zu betrachten. Hier spielt der Baustoff eine entscheidende Rolle. Die Übertragung der Klänge im Material war ein wesentlicher Aspekt der Aufzeichnung. Dazu wurden an unterschiedlichen Stellen des Gebäudekomplexes Sensoren angebracht. Vom Dach bis zum Keller wurde das Visvesvaraya-Center akustisch „abgetastet“. Die Kontraste zwischen den inneren und äußeren Klängen der Architektur sind der Kern dieser Komposition. Dabei folgen Simon und Hattenberger in ihrem Hörstück ganz dem Anspruch Le Corbusiers, Architektur mit rohen Materialien und Oberflächen zu erzeugen, deren Exaktheit im Abguss dem Original entspricht und nichts anderes vorgibt als das zu sein, was es ist.

Peter Simon und Freya Hattenberger sind Absolventen der Kunsthochschule für Medien Köln. Beide haben einen Hintergrund in zeitgenössischer Performance- und Medienkunst und setzen sich mit Fragen von Raum, Resonanz, Rückkopplung und gesellschaftlichen Konstellationen auseinander.

Brutalismus (3) "Béton Brut Bangalore"

WDR 3 Open Sounds 07.05.2022 57:09 Min. Verfügbar bis 07.05.2023 WDR 3 Von Ilka Geyer


Bangalore Brut | 53:50
Freya Hattenberger, Peter Simon

Walls: Oaxaca | 2:40
Martin Daske

Moderation: Ilka Geyer
Redaktion: Markus Heuger