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Collage: Geräte aus den 70er Jahren im Studio für elektronische Musik

"Studio für Elektronische Musik" hat neues Zuhause

Stand: 04.02.2022, 01:11 Uhr

Der Rat der Stadt Köln hat den Weg frei gemacht für ein internationales Produktions- und Veranstaltungszentrum. Der Name: zamus 2.0/SEM. Das weltberühmte Studio für Elektronische Musik des WDR (SEM) soll dort künftig öffentlich zugänglich sein.

Das weltberühmte "Studio für Elektronische Musik" (SEM) des WDR bekommt ein neues Zuhause: Der Rat der Stadt Köln stimmte in seiner Sitzung am Donnerstag (3.2.2022) dem Vorschlag zu, das Kölner Zentrum für Alte Musik (zamus) um das "Studio für Elektronische Musik" des WDR zu erweitern. Vorausgegangen waren Gespräche zwischen WDR, Stadt und Land.

Rat stärkt Musik-Standort Köln

WDR 3 Mosaik 04.02.2022 04:36 Min. Verfügbar bis 04.02.2023 WDR 3 Von Thilo Braun


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WDR begrüßt die Entscheidung

Das "zamus 2.0/SEM" soll zu einem internationalen Produktions- und Veranstaltungszentrum ausgebaut werden, in dem das "Studio für Elektronische Musik" öffentlich genutzt werden kann. Matthias Kremin, Programmbereichsleiter WDR 3 und WDR 5: "Mit dem Studio für Elektronische Musik hat der WDR Kulturgeschichte geschrieben. Ich freue mich sehr, dass es nun gelingt, diese kulturelle Errungenschaft in die Gegenwart und Zukunft zu überführen. Damit bleibt das Studio ein Ort für kreative musikalische Begegnungen in Nordrhein-Westfalen."

Matthias Kremin zum Umzug des WDR-Studio für Elektronische Musik

WDR 3 Mosaik 04.02.2022 06:13 Min. Verfügbar bis 04.02.2023 WDR 3


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Karlheinz Stockhausen im WDR-Studio für Elektronische Musik

Karlheinz Stockhausen im WDR-Studio

"Studio für Elektronische Musik" hatte großen Einfluss

Das legendäre, 1951 von Herbert Eimert gegründete, "Studio für Elektronische Musik" war das erste Studio dieser Art weltweit und hat international Musikgeschichte geschrieben. Komponisten wie Karlheinz Stockhausen, Mauricio Kagel oder Bernd Alois Zimmermann schufen dort bedeutende Werke, die bis heute viele Spielarten der Musik prägen: von Neuer Musik über Elektronische Musik bis hin zu Techno und Pop.

"WDR 3 Forum" zur Zukunft der Neuen Musik

Die Sendung "WDR 3 Forum" beschäftigt sich am Sonntag, 13.2.2022, ab 18.04 Uhr mit dem Thema "Zur Zukunft der Neuen Musik. Das Studio für Elektronische Musik des WDR bekommt eine Perspektive". Gäste der von Michael Köhler moderierten Podiumsdiskussion sind Isabel Pfeiffer-Poensgen (Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW), Stefan Charles (Beigeordneter für Kunst und Kultur der Stadt Köln), Melanie Froehly (Geschäftsführerin KGAM e.V.), Prof. Dr. Rainer Nonnenmann (Musikwissenschaftler), Daniel Mennicken (Geschäftsführer ON – Neue Musik Köln e.V.) und Matthias Kremin (Programmbereichsleiter WDR 3 und WDR 5).

WDR Studio Elektronische Musik goes Online!

Von Thomas Köster

Als das WDR Studio für Elektronische Musik 1951 gegründet wurde, war es weltweit das erste seiner Art. Es lockte Größen wie John Cage nach Köln und machte die Musik Stockhausens erst möglich. Zum 70. Geburtstag wurde das legendäre Studio multimedial erlebbar.

Pink Floyd, Can, Kraftwerk: Sie alle singen laut Auskunft des ehemaligen WDR 3-Programmchefs Karl Karst "Elogen auf die Entdeckungen, die im Studio für Elektronische Musik gemacht worden sind". Tatsächlich machte das Studio die Stadt Köln seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zum pulsierenden Herzstück der musikalischen Avantgarde. Hierher eingeladen zu werden, war für Komponisten der Ritterschlag.


Ein Online-Angebot, das die Museums-Webanwendung "Google Arts & Culture" gemeinsam mit dem WDR entwickelt hat, vermittelt nun einen imposanten Eindruck davon: mit einer virtuellen 360-Grad-Tour (im Bild) sowie zahlreichen Fotos, Film- und Tondokumenten. Es ist Teil des Großprojekts "Music Makers Machines", einer Online-Ausstellung über die Geschichte elektronischer Musik, bei der "Google Arts & Culture" und YouTube mit internationalen Kulturinstitutionen und Partnern aus der Musikindustrie zusammenarbeiten.

Vor allem der Name des kreativen, streitbaren Komponisten Karlheinz Stockhausen ist für immer mit dem WDR Studio für Elektronische Musik verbunden, das er zwischen 1963 und 1989 künstlerisch leitete. 1955 entstand im Studio das Frühwerk "Gesang der Jünglinge", 1960 mit "Kontakte" für Klavier, Schlagzeug und Tonband ein Hauptwerk von Stockhausen.

Neben Stockhausen prägten die Komponisten Pierre Boulez, György Ligeti, Gottfried Michael Koenig und Mauricio Kagel (hier rechts neben John Cage) die Geschichte des Studios für Elektronische Musik nachhaltig. Im Web-Projekt ist ihnen als "Quartett vom Rhein" ein eigenes Kapitel gewidmet.

1987 zog das Studio aus dem Haupthaus des WDR in ein einige Kilometer entferntes Gebäude des Senders, wo es bis 2001 noch überwiegend von Stockhausen genutzt wurde. Da gab es bereits den Plan, seine Mischpulte, Synthesizer, Rauschgeneratoren, Vierspurmagnetophone, Ring- und Sinusmodulatoren, Oktav- und Terzfilter zu verschrotten. Denn die Technik galt als veraltet, inzwischen gab es modernere Studios in Mailand, Tokio, Utrecht und New York. Einen "Skandal" nannte Komponist György Ligeti diesen Plan.

Zunächst scheiterten Verhandlungen, das Studio einer öffentlichen Nutzung zugänglich zu machen. So etwa auch der Umzug nach Haus Mödrath, jenes ehemalige Wöchnerinnenheim, in dem 1928 Karlheinz Stockhausen zur Welt kam.

Doch am 3.2.2022 hat der Rat der Stadt Köln hat den Weg frei gemacht: Das weltberühmte Studio für Elektronische Musik des WDR (SEM) soll dort künftig als ein internationales Produktions- und Veranstaltungszentrum öffentlich zugänglich sein. Der Name: zamus 2.0/SEM. Das wäre sicher im Sinne der Komponisten. Immerhin nannte schon Györgi Ligeti die Verbindung zwischen Neuer Musik, dem WDR und Köln ein "Dreigestirn".