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Das Album der Woche

Albumcover: "Live At the Berlin Jazz Festival 1966" von Stan Getz Quartet & Astrud Gilberto

Das Album der Woche

Jede Woche empfiehlt die Resonanzen-Redaktion ein neues Album. Hier sind die Musik-Empfehlungen der letzten Wochen im Überblick.

20. - 24. September 2021: Stan Getz Quartet & Astrud Gilberto: Live At the Berlin Jazz Festival 1966

Genau 55 Jahre ist es her, dass es auf der Bühne der Berliner Philharmonie zu einer besonderen Begegnung kam: die brasilianische Sängerin Astrud Gilberto spielte damals bei den Berliner Jazztagen ein Doppelkonzert mit dem Quartett des amerikanischen Saxofonisten Stan Getz.

Auf dem Programm standen Klassiker – zumindest aus heutiger Sicht, denn damals erlebte die Bossa Nova aus Brasilien ihren ersten richtigen Höhepunkt. Nach über fünf Jahrzehnten erscheint dieses Konzert jetzt als CD: ein entspannt spielendes Quartett begleitet eine junge melancholische (und nicht immer souveräne) Stimme. Und genau diese Mischung macht den Reiz dieser Aufnahme aus, die in ihrer Leichtigkeit, Coolness und Transparenz auch nach all den Jahren unverbraucht und zeitlos klingt.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd

Album-Angaben:
Stan Getz Quartet & Astrud Gilberto: Live At the Berlin Jazz Festival 1966
(The Lost Recordings TLR 2104038)

Gespielte Titel:
Montag: Você E Eu (Eu E Vocé)
Dienstag: It Might As Well Be Spring
Mittwoch: O Grande Amor
Donnerstag: The Shadow Of Your Smile
Freitag: The Telephone Song

13. - 17. September 2021: Laura Kipp - "Quiet Land"

Aus dem Schwäbischen hat es Laura Kipp bis nach Paris, New York und Los Angeles verschlagen und so ist es wenig verwunderlich, dass Laura Kipp auch in mehreren Sprachen singen kann. Und das tut sie auch. Auch musikalisch tritt Laura in "Quiet Land" eine spannende Jazz-Reise an, da schwingen Pop, Soul und Chanson mit.

Das Album selbst ist das Ergebnis einer perfekten Zusammenarbeit zwischen Laura und dem Bassisten und Komponisten Jens Loh. Die beiden lernten sich bei einem gemeinsamen Auftritt kennen. Und Laura hatte zu einer instrumentalen Komposition von Jens Loh einen Text geschrieben. Sie nahm sich ein Herz und zeigte es ihm. Und just hatten sich zwei gefunden, die sich perfekt ergänzten. Für das Album "Quiet Land" schrieb Jens Loh die Musik und Laura Kipp die Texte. Die Jazzsängerin agiert dabei höchst flexibel mit ihrer Stimme. Mal federleicht, wie in "S'goed niet goed", mal melancholisch schwebend, wie in "Jardin du Luxemburg", mal keck und augenzwinkernd, wie in dem Song "Stevie". "Quiet Land" ist durch seine Songs und Laura Kipp ein abwechslungsreiches Album, das sich wunderbar durchhören lässt.

Album-Angaben:
Label: GLM Music

Die Musikerin Laura Kipp

Gespielte Titel:
Montag: Quiet Song
Dienstag: Jardin du Luxemburg
Mittwoch: S'goed niet goed
Donnerstag: Stevie
Freitag: All we ever tried

06. - 10. September 2021: Eric Bibb - "Dear America"

Albumcover: "Dear America" von Eric Bobb

Blues-Gitarrist und Sänger Eric Bibb, geboren 1951 in New York, lebt seit vielen Jahren nicht mehr in den USA. Als er 13 Jahre alt war, nahm ihn sein Vater, Folksänger Leon Bibb, mit auf eine Tour durch die Sowjetunion. Auf dem Rückweg in die Vereinigten Staaten machte die Familie einen kurzen Zwischenstopp in Stockholm – ein nachhaltig beeindruckendes Erlebnis für Eric, das ihn später ganz nach Europa ziehen ließ. Hier lernte er mit "ungetrübtem europäischen Blick" seine Heimat Amerika zu sehen. Musikalisch ist er im ländlichen Blues, Gospel und Folk seines Geburtslandes verwurzelt, dazu kommen europäische und afrikanische Einflüsse. Der heute 70-jährige Bibb lebt in Schweden und bezeichnet sich als Weltbürger.

Für die Aufnahmen zu "Dear America", seinem 23. Album, ist Eric Bibb in seine Geburtsstadt New York zurückgekehrt. Unterstützt von musikalischen Gästen wie Ron Carter und Eric Gales wirft er einen kritischen aber wohlwollenden Blick auf den aktuellen Zustand der USA:

"Es ist ein Liebesbrief, weil Amerika, trotz all seiner Assoziationen mit Schmerz und seiner blutigen Geschichte, immer ein Ort der unglaublichen Hoffnung und des Optimismus war.“

"Dear America" ist ein musikalisch abwechslungsreiches und thematisch sehr aktuelles Bluesalbum, das zeigt, wie relevant diese Musik nach wie vor sein kann.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz

Eric Bobb

Album-Angaben:
Label: Provogue / Mascot Records
Bestellnr: PRD76472
VÖ: 10.09.2021

Gespielte Titel:
Montag: Whole Lotta Lovin’
Dienstag: Dear America
Mittwoch: Born Of A Woman
Donnerstag: Emmett’s Ghost
Freitag: Talkin’ ‘Bout A Train, pt. 1

Web Web

30. August - 03. September 2021: Web Web - "Web Max"

Der Spiritual Jazz der 60er und 70er Jahre, geprägt von Musikern wie Alice und John Coltrane, Yusef Lateef und Pharoah Sanders, erlebt seit einigen Jahren ein großes Comeback. In den USA und Großbritannien sind es Musiker:innen wie Kamasi Washington und Nubya Garcia, die in der Tradition dieser freigeistigen und tiefgründigen Spielart des Jazz stehen. Hierzulande ist es vor allem die 2016 gegründete Allstar-Band „Web Web“ mit Mastermind Roberto Di Gioia, Bassist Christian von Kaphengst, Schlagzeuger Peter Gall und Saxophonist und Flötist Tony Lakatos, die sich schwer von dem Genre inspiriert zeigt.

Die Idee für das vierte Album „Web Max“, mit Gastmusiker und -produzent Max Herre, ist älter als die Band selbst. Ein gemeinsamer Auftritt von Di Gioia und Herre 2014 führte zum losen Plan, eine „spiritual jazz session“ auf die Beine zu stellen. Sechs Jahre später liegt jetzt das Ergebnis in Form eines atmosphärisch dichten Albums mit sphärischen Kompositionen, dynamischen Rhythmen und Gastauftritten von Mulatu Astatke, Brandee Younger und Charles Tolliver vor.

Albumcover: "Web Max" von Web Web

Album-Angaben:
Label: Compost Records
Bestellnr: CPT 584-2

Gespielte Titel:
Montag: Whirlin’
Dienstag: Akinuba – The Heart
Mittwoch: Thesa-Mbawula
Donnerstag: Meskel Flowers
Freitag: Satori Ways

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz