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Das Album der Woche

Kings of Convenience, Peace or Love.

Das Album der Woche

Jede Woche empfiehlt die Resonanzen-Redaktion ein neues Album. Hier sind die Musik-Empfehlungen der letzten Wochen im Überblick.

26. - 30. Juli 2021: Kings of Convenience -  Peace or Love

Zwölf Jahre haben sich die Singer/Songwriter Erlend Øye und Eirik Glambek Bøe Zeit genommen, um ihr viertes Album als Folk-Duo „Kings of Convenience“ zu veröffentlichen. Ein Großteil der Songs war seit Jahren fertig, es fehlte allerdings der letzte Schliff. Jetzt ist „Peace or Love“ mit elf neuen Stücken erschienen und die „Kings of Convenience“ klingen, als hätten sie nie eine Pause eingelegt.

Die beiden vielbeschäftigten Norweger knüpfen mit ihren Wohlfühl-Liedern samt gezupfter Akustikgitarre und fast perfektem Harmoniegesang nahtlos an die Vergangenheit an – und schlittern auch mit ihrem neuen Album gekonnt und haarscharf am Kitsch vorbei.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

Gespielte Titel:
Montag: Catholic Church
Dienstag: Angel
Mittwoch: Rocky Trail
Donnerstag: Washing Machine
Freitag: Fever

CD-Angaben:
Kings of Convenience -  Peace or Love
Erschienen bei EMI Music (0602435726861)

19. - 23. Juli 2021: Cyrille Aimée & Michaël Valeanu - "I'll be seeing you“

Cyrille Aimée & Michaël Valeanu - "I'll be seeing you“

Dank des jährlichen Django-Reinhardt-Festivals wurde Aimée als Zwölfjährige süchtig nach den fröhlichen Rhythmen des Manouche-Jazz.  Ihre Teenagerjahre verbrachte sie damit, live zu musizieren, zunächst in Pariser Clubs und Cafés, dann wöchentlich im New Yorker Birdland Jazz Club während ihrer Jahre als Musikstudentin dort. In New York lernt sie auch Michaël Valeanu kennen. Zwei Jahre lang waren sie beste Freunde, in denen haben sie aber nie zusammen Musik gemacht. Sie  hingen nachts in Jazzclubs herum, bis spät. Gegen drei Uhr morgens begleitete Michaël dann Cyrille zu ihrer U-Bahn-Station und wartete mit ihr. Als Michaël ihr beim Warten eines Nachts Gedichte vorlas, nahm er sich ein Herz und fragte, ob sie nicht zusammen Musik machen wollten.

Sie gründeten eine Band und jetzt kommen sie beide ganz pur als Duo um die Ecke. „Ill be Seeing You“ heißt das Album, darauf die Herzenssongs der beiden Musiker, die sich durch und durch verstehen und eine faszinierende Einheit aus Stimme und Gitarre bilden. Ein wunderbares Album, das uns perfekt durch die bevorstehenden Sommerabende begleiten wird.

Ein Musiktipp von Julia Spyker.

Gespielte Titel:
Montag: Softly as in a Morning Sunrise
Dienstag: You Turned The Tables On Me
Mittwoch: It Could Happen To You
Donnerstag:  I'll be Seeing You
Freitag: Me Gustas Cuando Callas

CD-Angaben:
Album: „I'll be seeing you“
Cyrille Aimée & Michaël Valeanu
Label: Daudel Records

12. Juli - 16. Juli 2021: Daniel Herskedal - "Harbour"

CD-Cover: "Harbour" von Daniel Herskedal

Der norwegische Tubist Daniel Herskedal muss immer wieder erklären, wie er als Jazzmusiker zu einem Instrument wie der Tuba kommt. Seine Antwort: er sehe sich nicht als Tuba-Spieler, sondern als Musiker, dessen Ausdruckswerkzeug eben die Tuba sei. Und auch mit dem Begriff Jazzmusiker hadert er. Der 39-jährige verortet sich selbst im weiten Raum zwischen Jazz, Folk und klassischer Musik.

Foto von Musiker Daniel Herskedal

Sein neues Album "Harbour", aufgenommen im Trio mit Pianist Eyolf Dale und Schlagzeuger Helge Andreas Norbakken, ist ein atmosphärisch dichter Spaziergang entlang der norwegischen Küste. In zehn Kompositionen entwerfen die drei wunderbar harmonierenden Musiker bewegende Bilder von Stränden und Schiffen, Gezeiten und Unwettern und dem titelgebenden Hafen als schützender Ort der Geborgenheit.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Label: Edition Records
Bestellnr.: EDN1181
EAN: 5060509791316

Gespielte Titel:
Montag: Hunters Point Drydocks
Dienstag: Arriving at Ellis Island
Mittwoch: Like a Ship in the Harbour
Donnerstag: The White Lion Docks in Point Comfort
Freitag: Port of Call


05. Juli – 09. Juli 2021:
Sinne Eeg & Thomas Fonnesbæk - Staying in touch

Sinne Eeg & Thomas Fonnesbæk - Staying in touch (Albumcover)

Das Duo gehört zu den Königsdisziplinen im Jazz. Kein Rhythmusgefüge, auf das man sich verlassen kann, kein harmonischer Untergrund, der einen auffängt, wenn man im Solo über die Stränge schlägt - im Duo kann sich keiner hinter dem andern verstecken.
Die dänische Jazzsängerin Sinne Eeg und der Kontrabassist Thomas Fonnesbæk stellen sich dieser Herausforderung in einem besonderen Maße: das Duo von weiblicher Stimme und Kontrabass macht die musikalische Kommunikation besonders transparent. Fast ganz ohne Harmonieinstrumente geben sie sich gegenseitig die größtmögliche Freiheit, im Wissen, sich immer aufeinander verlassen zu können. So entstehen einerseits, zarte, fast intime Momente, aber auch treibende, dynamische Passagen.

Sinne Eeg & Thomas Fonnesbæk - Staying in touch

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula


Gespielte Titel:
Montag: Take five
Dienstag: Too close for comfort
Mittwoch: Spring Waltz
Donnerstag: The dry cleaner fro Des Moines
Freitag: Orphans


CD-Angaben:
Staying in touch
Sinne Eeg & Thomas Fonnesbæk
Stunt Records/ Inakustik

28. Juni - 02. Juli 2021: Marion & Sobo Band: Histoires

In der Musik ist es wie in der Küche: entscheidend für das Ergebnis sind neben der Handwerkskunst die richtigen Zutaten, die Qualität spielt da eine entscheidende Rolle. Und auch die Herkunft kann Geschmäcke und Töne beeinflussen. Vielfalt und eine grenzenlose Offenheit sind darüber hinaus die obersten Prinzipien der Band um die Bonner Sängerin Marion Lenfant-Preus. Zusammen mit ihrem Gitarristen Alexander Sobocinski rührt sie ein buntes Klanggemisch an, das durch und durch europäisch ist: Marion singt in sechs Sprachen, das Repertoire reicht von Chansons über Swing und Balkanklänge bis hin zum Gypsy Jazz. Jede Menge Stoff also, den Marion & Sobo mit ihrer Band auf ihrer neuen CD "Histoires" zu erzählen haben.

Marion & Sobo Band

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

Album-Angaben:
Marion & Sobo Band
"Histoires"
Erschienen bei GLM
(FM 310-2)

Gespielte Titel:
Montag: Jean
Dienstag: Taniec smoka (Drachentanz)
Mittwoch: Ménilmontant
Donnerstag: Gracias de nada adiós
Freitag: Valso folle

21. - 25. Juni 2021: Simon Moullier Trio - „Countdown

CD-Cover: Simon Moullier Trio - „Countdown“.

Denkt man an dieses Instrument ploppen Namen wie Milt Jackson, Lionel Hampton, Gary Burton oder auch Helge Schneider auf. Es geht um das Vibraphon, das dieses Jahr seinen 100. Geburtstag feiert, ein relativ junges Instrument also und ganz klar im Jazz zu Hause.

Simon Moullier.

Zu den großen Namen der Vibraphonisten könnte sich jetzt noch ein neuer dazugesellen, zumindest man man anderen großen Stimmen des Jazz glaubt, wie Quincy Jones und Herbie Hancock. Beide halten den 26 Jahre alten Simon Moullier für ein herausragendes Talent am Vibraphon. Von dem Franzosen mitsamt seines Trios kommt unser Album der Woche. Es heißt „Countdown“ und widmet sich, so Moullier den „großen Komponisten und Säulen des Jazz".  Thelonious Monk, Charles Mingus oder Charlie Parker. Eigentlich hatte Moullier klassisches Schlagzeug studiert, doch am Berklee College of Music rückte der Jazz und das Vibraphon in seinen Fokus.

Moullier Spiel zeichnet sich aber durch eine Sache besonders aus, wo andere Vibraphonisten das Vibrato auskosten, das ihrem Instrument den Namen gibt, bevorzugt Simon Moullier zwischendurch einen perkussiven, trockenen Sound. So wird sein Spiel hoch virtuos, mit vielen kurzen Notenwerten, die braucht er auch, vor allem bei dem Coltrane-Titel „Countdown“, ein Standard in einem absoluten Affenzahn. Besonders interessant und überzeugend ist auch die Band um Simon Moullier. Alemanno und Kim waren für zwei Jahre seine Mitbewohnerin in Brooklyn, nachdem Moullier das Thelonious Monk Institute in Los Angeles abgeschlossen hatte. Sie scheinen sich lange mit der Konstellation Schlagzeug, Bass und Vibraphon auseinandergesetzt zu haben, denn anders ist dieser fabelhafte warme und dennoch transparente Sound nicht zu erklären.

Ein Musiktipp von Julia Spyker.

CD-Angaben:
Album: Simon Moullier Trio - „Countdown“
Label: Fresh Sound New Talent
VÖ: 11. Juni 2021 

Gespielte Titel:
Montag: The Song Is You
Dienstag: I Concentrate On You
Mittwoch: Countdown
Donnerstag: Beijo Partido
Freitag: Hot House

Album-Cover:  "Slowly Slowly" von  Siril Malmedal Hauge

14.- 18. Juni 2021: Siril Malmedal Hauge - "Slowly Slowly"

Foto von  Siril Malmedal Hauge

Zwei Jahre und hoffentlich bald eine Pandemie sind seit ihrem Debüt "Uncharted Territory" verstrichen. Die norwegische Sängerin Siril Malmedal Hauge ist auf "Slowly Slowly" ihrem hervorragenden Quintett treu geblieben, sie hat sich wieder alleine um Musik und Texte gekümmert, nur die Mischung  "Folk, Pop und Jazz – alles ineinander verschmolzen" ihres ersten Soloalbums hat sich etwas mehr Richtung Jazz verschoben.

"Ich habe das Gefühl, dass ich Dinge mitgebracht habe, die ich vom ersten Album mag, aber einen Schritt weiter gegangen bin, und für jedes Lied eine eigene Soundwelt erschaffen habe." erklärt die 29-jährige Musikerin.

Der rote Faden, der sich durch Musik, Texte und Produktion der zwölf Songs zieht, ist ein Spiel zwischen Nähe und Distanz, zwischen Eingängigkeit in Form von klaren Melodien und Widerstand in Form von improvisatorischen Ausbrüchen und experimentellen Arrangements.

"Slowly Slowly" könnte und sollte Siril Malmedal Hauge weit über die Grenzen Norwegens hinaus bekannt machen.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Label: Jazzland Records
Bestellnummer: 377 937
EAN: 0687437793790
VÖ digital (via Bandcamp): 07.05.
VÖ physikalisch: 23.07.

Gespielte Titel:
Montag: Scent of Lilac
Dienstag: Wooden Hotel
Mittwoch: Slowly
Donnerstag: Wanderlust
Freitag: Pearls

07. - 11. Juni: Juana Molina - "Segundo"

CD-Cover: Juana Molina - "Segundo"

Erstaunlicherweise ist ihr in Deutschland nie der große Durchbruch gelungen. Anfang diese Jahres machte sie von sich reden als Überraschungsgast auf dem neuen Album von The Notwist. Die argentinische Sängerin, Gitarristin und Songwriterin Juana Molina hat vor über zwanzig Jahren begonnen, ihre ganz eigene Vorstellung von guter Musik zu verwirklichen: irgendwo zwischen Indiepop, Folk und Electronic.

Ihr zweites Album "Segundo" markiert den Beginn ihres musikalischen Erfolges. Vor 21 Jahren hat sie es aufgenommen und es war ein Zufall, in dessen Folge die Platte in Japan, Europa und in den USA erfolgreich verkauft wurde. Den Schatz dieses Erfolges hat sie nun neu gehoben: die Originalbänder von damals hat sie remastert und damit den alten Songs einen ganz neuen Klang verpasst. Dazu ein üppiges Booklet mit persönlichen Texten, Zeichnungen und vielen Fotos.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Juana Molina
"Segundo"
Crammed Discs/ Indigo
VÖ: 04.06.2021

Gespielte Titel:
Montag: ¡que llueva!

31. Mai - 04. Juni: Transorient Orchestra- "Zip Zip"

Transorient Orchestra - Zip Zip

Aus Deutschland, der Türkei, dem Iran, Tunesien und Syrien stammen die 12 Musikerinnen und Musiker, die sich im Transorient Orchestra versammelt haben. Das Ruhrgebiets-Kollektiv wurde schon 2003 u.a. vom Gitarristen Andreas Heuser gegründet und ist längst zu einem Treffpunkt der kreativen Köpfe der Weltmusik geworden.

Transorient Orchestra

Jenseits jeder Schublade begegnen sich hier arabische Rhythmen, jazzige Improvisationen und rockige Sounds. Zwar bauen die Bandmitglieder, die 2017 mit dem WDR Jazzpreis in der Kategorie Musikkulturen ausgezeichnet wurden, die häufig zitierte musikalische Brücke zwischen Okzident und Orient nicht neu, restaurieren sie aber von Grund auf und lassen sie in vielen kräftigen Farben neu erstrahlen.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

Gespielte Titel:
Montag: "Nihavend Longa"
Dienstag: "Leander"
Mittwoch: "Zip Zip"
Freitag: "Kasap Havasir"

CD-Angaben:
Album: "Zip Zip"
Transorient Orchestra
Label: Double Moon Records (DMCHR 71514)

"As An Unperfect Actor - Nine Shakespeare Sonnets", CD-Cover

25. Mai - 28. Mai: Birgit Minichmayr und Quadro Nuevo - "As An Unperfect Actor - Nine Shakespeare Sonnets"

Shakespeare ist und bleibt doch immer wieder Inspiration für Musikerinnen und Musiker, obwohl seine Texte über 400 Jahre alt sind. So gab es eine Reihe bemerkenswerter Aufnahmen, die Shakespeares Sonette musikalisch umgesetzt haben. Wie etwa Rufus Wainwrights im Jahr 2016. Aktuell widmet sich die Schauspielerin Birgit Minichmayr dem englischen Dichter und hat gemeinsam mit dem Pianisten Bernd Lhotzky 9 Sonette von Shakespeare vertont. Es ist ihr Debüt mit einem vollständigem Album als Sängerin.

William Shakespeares Sonette gab den damaligen Lesern echte Rätsel auf. Es sind Liebesgedichte. Widersprüchlich, abgründig, geheimnisvoll, manchmal verstörend und auch provozierend, so ganz anders als die damaligen Gepflogenheiten. Vielleicht ist es genau das, was die Schauspielerin Birgit Minichmayr heute an den Sonetten fasziniert, das musikalische Ergebnis präsentiert sich wie Shakespeares Sonette, widersprüchlich, geheimnisvoll, mal ein Tango, mal ein Chanson, dann wieder jazzig. Das funktioniert aber auch nur, weil Minichmayr an ihrer Seite das kongeniale Ensemble Quadro Nuevo hat, ein Ensemble, das sich in keine stilistische Schublade stecken lässt und mit einer Leichtigkeit durch alles Genres wandelt. Genauso öffnet sich mit jedem vertonten Sonett eine neue kleine Welt. Und das gelingt umso besser mit Minichmayrs sängerischer Interpretation, denn sie ist in der Lage die Texte wirklich zu füllen, dabei ist Ihre Stimme bittersüß, ergreifend und immer von großer Eindringlichkeit. Auf dem Album "As An Unperfect Actor“ gelingt damit etwas wunderbares, die mehr als 400 Jahre alten Texte werden ohne großen Kraftaufwand in die Gegenwart transportiert.

Ein Musiktipp von Julia Spyker.

Das Shakespeare Ensemble: Die Schauspielerin Birgit Minichmayr und das Ensemble Quadro Nuevo.


Gespielte Titel:
Dienstag: "My Mistress' eyes"
Mittwoch: "When most I wink"
Donnerstag: "As an Unperfect Actor"
Freitag: "Mine Eye Hath Played the Painter"


CD-Angaben:
Album: "As An Unperfect Actor - Nine Shakespeare Sonnets"
Birgit Minichmayr und Quadro Nuevo
Label: ACT

Albumcover: “P60LO FR3SU” von Paolo Fresu

17. Mai - 21. Mai 2021: “P60LO FR3SU” von Paolo Fresu

 Paolo Fresu

Es ist eine schöne Geste, wenn Musiker ihr Publikum beschenken - und das auch noch zu ihrem eigenen Geburtstag. Der sardische Trompeter Paolo Fresu ist im Februar 60 Jahre alt geworden. Zu dem Anlass hat er gleich drei Platten in einer hübsch aufgemachten Box veröffentlicht und mit dem Wortspiel „P60LO FR3SU“ betitelt.

Album Nummer 1 ist die Wiederveröffentlichung des ursprünglich 2001 erschienenen „Heartland“, auf dem Fresu mit dem belgischen Sänger David Linx, dem niederländischen Pianisten Diederik Wissels und einem Streichquartett lyrischen Jazz mit klassischen Elementen verbindet.

Alben Nummer 2 und 3 sind neue Produktionen.

„The Sun on the Sea“ hat Paolo Fresu im Trio mit Bandoneonist Daniele Di Bonaventura und dem brasilianischen Cellisten Jacques Morelenbaum eingespielt. Beide sind langjährige musikalische Wegbegleiter des Trompeters und zusammen spielen sie traumhaften mediterran geprägten Jazz mit lateinamerikanischem Flair.

Zu guter Letzt enthält „P60LO FR3SU“ das Album „Heroes“, eine Hommage an David Bowie, unter anderem mit Sängerin Petra Magoni und Posaunist Gianluca Petrella.

Paolo Fresus 3-Platten-Box vermittelt einen guten Eindruck von der enormen musikalischen Bandbreite und Experimentierfreude des Musikers, mit der er seit fast 40 Jahren sein internationales Publikum begeistert.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz

CD-Angaben:
Label: Tuk Music
Bestellnr.: TUK043
EAN: 8056364970437

Gespielte Titel:
Montag: Un valzer a Lapedona
Dienstag: Solace
Mittwoch: El ciego
Donnerstag: This is not America
Freitag: I nostri occhi, i nostri pensieri

10. Mai - 14. Mai 2021: Bonnie Prince Billy & Matt Sweeney - "Superwolves"

Sie haben es nicht besonders eilig: der Songwriter und Sänger Bonnie Prince Billy und der Gitarrist Matt Sweeney. Im Jahr 2005 hatten sie ihr erstes gemeinsames Album "Superwolf" aufgenommen. Vor fünf Jahren entschieden sie dann, eine zweite Platte zu machen und begannen, erste Song- und Textideen hin und herzuschicken.

Foto der beiden Musiker Bonnie Prince Billy & Matt Sweeney.

Die Rollen waren erstmal klar verteilt: Bonnie Prince Billy (der eigentlich Will Oldham heißt) verfasste die dramatischen, tiefgründigen und melancholischen Texte – und Matt Sweeney entwickelte erste musikalische Ideen. Nun sind sie fertig: 14 sparsam instrumentierte Folksongs voller Innigkeit und Intensität. Beim Albumtitel allerdings setzen sie nicht auf Experimente. Aus dem "Superwolf" von 2005 wurden die "Superwolves" von heute.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Superwolves
Bonnie Prince Billy & Matt Sweeney
Dominorecords (VÖ 30.04. digital, 18.06. physisch)

Gespielte Titel:
Montag: Resist the urge

03. Mai - 07. Mai 2021: Ack van Rooyen - "90"

CD-Cover: Ack van Rooyen - "90"

Nicht mehr ganz aktuell sind die leuchtend grünen Ziffern, die das ansonsten schlichte und in Grautönen gehaltene CD-Cover zieren: aus der Zahl 90 müsste man mittlerweile eine 91 machen, denn der runde Geburtstag des niederländischen Jazzmusikers Ack van Rooyen liegt schon 16 Monate zurück.

Was allerdings unverändert bleibt, ist seine Bühnenpräsenz, seine Ausdrucksstärke und sein charakteristischer Ton. Vor allem am Flügelhorn brilliert van Rooyen, der seit über sieben (!) Jahrzehnten als Musiker aktiv ist, mit seinem unverwechselbaren Sound voller Wärme und Melancholie. Auf dem aktuellen Album lässt er sich von einem deutsch-niederländischen Sextett begleiten, dem unter anderem auch der Kölner Saxophonist Paul Heller angehört.

CD-Angaben:
Ack van Rooyen
"90"
Erschienen bei Jazzline (D 77083)

Gespielte Titel:
Montag: All Of A Sudden My Heart Sings
Dienstag: Papa Can You Hear Me
Mittwoch: The Things We Did Last Summer
Donnerstag: Pra Dizer Adeus
Freitag: En Yndig Og Frydefuld Sommertid

26. April - 30. April 2021: Norah Jones - "Til we meet again"

CD-Cover: "Till we meet again" von Norah Jones

Til we meet again“ ist irgendwie das Motto dieser Zeit. Bis wir uns wieder sehen, Familie, Freunde, Arbeitskollegen und unsere Lieblingskünstler*innen auf Konzerten. So kommt das erste Live-Album von Norah Jones zum richtige Zeitpunkt, eine Art Grußbotschaft zur Überbrückung der konzertlosen Zeit.

Fast 20 Jahre begleitet uns die Stimme und natürlich die Musik von Norah Jones. Eine Sängerin mit einer sanften und gleichzeitig kraftvollen Stimme. Gerade mal 22 war sie, als der Erfolg sie sogar selbst überraschte: “Ich fühlte mich, als ob ich zur Geburtstagsparty von jemand anders gegangen wäre und den ganzen Kuchen alleine aufgegessen hätte, ohne irgendwem ein Stück zu lassen”. Ihre Songs scheinen zeitlos zu sein, denn bis heute spielt Jones sie auf ihren Konzerten, so versammeln sich auf dem Album "Til we meet again“ Stücke von ihrem 2002 erschienenen Debütalbum “Come Away With Me” und dem 2004 veröffentlichten Nachfolger “Feels Like Home”, von “Little Broken Hearts” und “Day Breaks”. Der krönende Abschluss Ist Soundgardens „Black Hole Sun“, eine bewegende Hommage an Chris Cornell, aufgenommen nur wenige Tage nach dem Tod des Soundgarden-Frontmanns. "Til we meet again“, das erste Live-Album von Norah Jones bildet mit seinen 14 Songs einen wunderbaren Querschnitt durch Norahs gesamte Karriere und bringt uns ein bisschen Konzertfeeling für zu Hause.


Ein Musiktipp von Julia Spyker.

Das Shakespeare Ensemble: Die Schauspielerin Birgit Minichmayr und das Ensemble Quadro Nuevo.


Gespielte Titel:

Montag: Sunirse
Dienstag: Those sweet words
Mittwoch: Begin again
Donnerstag: It was you
Freitag: Don't know why

CD-Angaben:
“Til we meet again“ - Norah Jones
Label: Blue Note Records

19. April - 23. April 2021: Piers Faccini - "Shapes of the Fall"

Vor fünf Jahren veröffentlichte Piers Faccini das Album "I dreamed an Island". Die erste Single daraus, das mahnende "Bring down the wall", erschien pünktlich zu Donald Trumps Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.

Pierc Faccini posiert vor einem Lagerfeuer im Schnee.

Auch das aktuelle Werk "Shapes of the Fall" des anglo-italienischen Singer-Songwriters enthält wieder gesellschaftskritische Untertöne, die er subtil in seinen genreverbindenden Songs und poetischen Texten unterbringt. Dabei spielt das Mittelmeer eine große Rolle. Faccini führt Elemente nordafrikanischer und südeuropäischer Folklore zusammen und schafft so einen sehr eigenen Sound, eine Art mediterranen Blues.

Das Kernthema seines siebten Studioalbums ist der ökologische Niedergang unseres Planeten, der mit der Ausbeutung natürlicher Ressourcen, Umweltkatastrophen und der täglich schrumpfenden Biodiversität im vollen Gange ist.

"Shapes of the Fall" ist ein besonderes, atmosphärisch dichtes Album, das zum Nachdenken anregt. Mit melancholischen und gleichzeitig tröstenden Melodien und Textzeilen wie "Where there’s a will there’s a wanting – where there’s a heart there’s something" trotzt es den düsteren Aussichten und lässt Hoffnung entstehen.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz

CD-Angaben:
Label: No Førmat! / Beating Drum
Bestellnr.: NOF51
EAN: 3521383465547

Gespielte Titel:
Montag: Paradise Fell
Dienstag: The Longest Night
Mittwoch: Levante
Donnerstag: Lay Low To Lie
Freitag: The Real Way Out

12. April - 16. April 2021: Françoiz Breut - "Flux Flou de la Foule"

Einst gehörte sie zu den jungen Kreativen, die um die Jahrtausendwende herum dem bereits totgeglaubten Französischen Chanson neues Leben einhauchten. Mittlerweile ist die Musikerin Françoiz Breut eine der wenigen, die es geschafft haben, sich von dieser Nouvelle-Chanson-Bewegung zu emanzipieren. Über die Jahre hinweg hat sie ihre Musik immer weiterentwickelt. Ihr neues Album ist so elektronisch wie nie. Filigrane, abwechslungsreiche Sounds umschwirren die schlichten Melodien. Gesungen von Françoiz Breut mit ihrer kristallklaren, manchmal fast kindlich anmutenden Stimme.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Françoiz Breut
Flux Flou de la Foule
LPM 53 (Le Pop Musik/Groove Attack)
VÖ: 09.04.2021

Gespielte Titel:
Montag: Juste de passage
Dienstag: Métamorphose
Mittwoch: Comme des lapons
Donnerstag : Dérive urbaine dans la ville
Freitag : Le fantôme du lac

06. April - 09. April 2021: Kurt Edelhagen & His Orchestra - "The Unreleased WDR Jazz Recordings 1957-1974"

Kurt Edelhagen mit seinem Kölner Jazz-Orchester während eines gefeierten Konzerts am 16. Mai 1964 in einer Moskauer Sporthalle.

Nach Stationen beim Bayerischen Rundfunk und beim Südwestfunk kam Kurt Edelhagen 1957 zum WDR nach Köln. Und mit den ersten Proben seines hochkarätig und international besetzten Orchesters wird zugleich eine neue Jazz-Ära eingeläutet. Durch strenge Disziplin und regelmäßige Proben erarbeitet sich das Orchester einen ausgezeichneten Ruf – nicht nur im Jazz, sondern auch in den Bereichen Tanzmusik und Schlager.

CD-Cover, Kurt Edelhagen

Das Orchester Kurt Edelhagen hat viel für den Hörfunk produziert und zahllose Konzerte gespielt, aber auch eine Vielzahl der damals populären Fernsehshows musikalisch untermalt. Über 3.000 Einzeltitel und Mitschnitte lagern seitdem im Archiv des WDR, einige der "Schätzchen" gelangen jetzt zum ersten Mal an die Öffentlichkeit. Die 3-CD-Box "The Unreleased WDR Jazz Recordings 1957-1974" enthält 40 bisher unveröffentlichte Aufnahmen, die ein wichtiges Kapitel der europäischen Jazzgeschichte lebendig werden lassen.

Ein Musiktipp von Jörd Heyd.

CD-Angaben:
Kurt Edelhagen & His Orchestra
"The Unreleased WDR Jazz Recordings 1957-1974"
Erschienen bei Jazzline Classics
(D 77091)

Gespielte Titel:
Dienstag: El Mo
Mittwoch: Mc Arthur Park
Donnerstag: Beach (Kurt Edelhagen All Star Sextet)
Freitag: Black Eyed Baby

29. März - 01. April 2021: Nancy Sinatra - Start Walkin' 1965 – 1979

Nancy Sinatra

Ein Paar schwarze Go-Go-Stiefel, durchsichtige Strümpfe, der wippende Saum eines paillettenbesetzten Kaschmirpullovers. Beine. Bass. Eine Frau, die aus dem Leben tanzt, kurz: Nancy Sinatra. Von ihr kommt unser Album der Woche. 

"Start Walkin’ 1965-1976" ist eine Compilation. Sozusagen das Frühwerk von Nancy Sinatra. Alle Songs stammen nämlich aus der Zeit von 1965 bis 1976, der erfolgreichsten Zeit von Nany Sinatra. Bekannt wurde sie mit Hits wie "These Boots Are Made for Walking" oder dem Duett "Something Stupid" mit ihrem Vater Frank Obendrein drehte sie Filme mit Elvis Presley und sang vielleicht einen der besten Bond-Songs  "You Only Live Twice" und auch später verhalf sie durch "Bang Bang" dem Tarantino-Soundtrack "Kill Bill" absoluten Kultstatus. Auf dem Album ist sie aber nicht nur solo zu hören, natürlich darf ihr langjähriger Duett-Partner Lee HazIewood nicht fehlen. Einige Raritäten aus seiner Feder sind dabei, aber natürlich auch ihr erster und vielleicht größter Hit "Summer Wine". Was spricht aber wirklich für diese Hit Compilation von Nany Sinatra? Die Tracks sind alle remastert, obendrein bekommt man ein ausladendes Booklet dazu. In einem langen Interview streift man mit Nancy Sinatra gemeinsam durch ihre Karriere, ergänzt wird das durch vielen Fotos aus ihrem persönlichen Archiv. Ein Album also, für die Fans und die, die es noch werden wollen.

Ein Musiktipp von Julia Spyker

CD-Angaben:
Label: Light in The Attic

Gespielte Titel:
Montag: These Boots are made for walkin'
Dienstag: Lady Bird
Mittwoch: Summer Wine
Donnerstag: Sugar Town

Daniel Lanois - Heavy Sun

22. März - 26. März 2021: Daniel Lanois - Heavy Sun

Daniel Lanois - Heavy Sun (Albumcover)

Daniel Lanois ist Produzent, Musiker und Dauergast und -gewinner bei den Grammyverleihungen. Der in Quebec geborene Kanadier arbeitete unter anderem zusammen mit Bob Dylan, U2 und Peter Gabriel und war zuletzt für den atmosphärisch dichten Soundtrack zum Western-Videospiel "Red Dead Redemption 2“ verantwortlich.

Ähnlich rootsige Töne schlägt er mit seinem neuen Bandprojekt und gleichnamigen Album „Heavy Sun“ an, auf dem er zusammenführt, womit er aufgewachsen ist: Gospelgesang und Orgelmusik. Dazu kommen subtile elektronische Effekte und der ein oder andere rhythmische Ausflug in Dub- und Reggaegefilde. Im Vordergrund steht aber die Orgel von Bandkollege Johnny Shepherd und der mehrstimmige Gesang, der den Songs etwas Ätherisches verleiht. Damit geht Daniel Lanois Plan auf: „Wir wollen mit dieser Musik die Stimmung der Menschen heben.“

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben: Label: SPV Recordings
EAN: 0625612839239
digital: 19.03.2021
CD: 02.04.2021

Gespielte Titel:
Montag: Every Nation
Dienstag: Tree of Tule
Mittwoch: Angels Watching
Donnerstag: (Under The) Heavy Sun
Freitag: Mother’s Eyes

Albumcover: Veronica Swift - This Bitter Earth

15. März - 19. März 2021: Veronica Swift - This Bitter Earth

Veronica Swift

Auch wenn sie gerade als eine der jungen aufstrebenden Jazzsängerinnen gehandelt wird – die 26-jährige Veronica Swift aus Charlottesville / Virgina bezeichnet sich selbst als "story teller", als Geschichtenerzählerin.

Nach dem autobiographisch gefärbten Album „Confessions“ von 2019, stellt sie auf „This Bitter Earth“ größere Themenkomplexe wie Sexismus, Xenophobie und Rassismus in den Fokus. Dafür hat sie genreübergreifend Songs aus dem Great American Songbook, Jazzstandards, moderne R’n’B-Nummern und Musicalstücke ausgewählt, die sie zu mehreren thematischen Songzyklen verbindet. Dabei wird sie von einem erstklassigen Trio um den New Yorker Pianisten Emmet Cohen begleitet, das gelegentlich durch Streicher, Gitarre und Saxophon verstärkt wird.

Bei aller Leidenschaft und Überzeugungskraft, mit der Swift die gesellschafts- und sozialpolitisch relevanten Geschichten erzählt, ist es ihr am Ende wichtig, keine politische Stellung zu beziehen: „Ich mach meinem Publikum sehr deutlich klar, dass ich als Künstlerin bestimmte Themen nur als Beobachterin von außen behandle.“

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Label: Mack Avenue Records
Bestellnr: MAC1177
VÖ: 19.03.2021

Gespielte Titel
Montag: How lovely to be a woman
Dienstag: You’re the dangerous type
Mittwoch: He hit me (and it felt like a kiss)
Donnerstag: Everybody has the right to be wrong
Freitag: Prisoner of love

08. März - 12. März 2021: Belina – Music For Peace

CD Cover: Belina – Music For Peace

Die polnische Sängerin Belina (1925-2006) bereiste im Laufe ihrer Karriere 120 Länder und sang Lieder in nicht weniger als 17 Sprachen. Belina stammt aus Polen, wo sie 1939 als Teenager den Einmarsch der deutschen Truppen miterleben musste. Ihre jüdische Familie wurde auseinander gerissen und verschleppt, ihre Eltern und drei Brüder wurden umgebracht. Trotz ihres tragischen Schicksals als Verfolgte, Flüchtende und Zwangsarbeiterin gelang es ihr später, ein erfolgreiches Künstlerleben zu führen.

Das Chanson war für Belina zeitlebens ein ideales Medium, ihr ganz persönliches Sprachrohr, um für Völkerverständigung, Versöhnung und für mehr Respekt zu werben. Demnächst soll die Filmbiografie „Belina – Music For Peace“ in die Kinos kommen. Jetzt ist vorab schon das gleichnamige Album mit 22 internationalen Songs und Evergreens erschienen, das an eine außergewöhnliche und (fast) vergessene Stimme erinnert. Eine Stimme, die nicht nur in musikalischer Hinsicht Gehör verdient.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd

CD-Angaben:
Belina – Music For Peace
Label: Unisono Records
Labelcode: 28536

Die polnische Sängerin Belina.

Gespielte Titel
Montag: Dodi Li
Dienstag: Hogen Gara
Mittwoch: Exodus – Ein Land Ist Mein
Donnerstag: Me’al Pisgat Har Hatzofim
Freitag: Tomaszów


01. - 05. März 2021: Christoph Neuhaus – "Ramblin Bird"

Christoph Neuhaus - "Ramblin Bird" (Cover)

Unser Album der Woche kommt heute aus dem Süden Deutschlands. Nämlich aus Stuttgart. Es heißt "Ramblin Bird" und stammt aus der Feder des Stuttgarter Gitarristen und Songwriters Christoph Neuhaus. "Ramblin Bird", also Wandervogel beschreibt das Album auch ganz gut, denn Neuhaus vereint Groove, Jazz, Blues und Folk zu einer wunderbar explosiven Mischung.

Um eine derartige Mischung aber wirklich zum Brodeln und Grooven zu bringen, sind auch die richtigen Musikerinnen und Musiker nötig. Und die versammelt Christoph Neuhaus um sich. Allen voran zwei starke Frauenstimmen mit Franziska Schuster und Pauline Ruhe, die sowohl in den fein gesponnenen Folksongs wie "Views" oder "Patience For The Unacquainted" glänzen, aber auch den Grooveattacken in "Walk Up Fall Down" oder "Bottled Up Dancer" standhalten. Und genau diese beiden Pole sind es auch, die das Album "Ramblin Bird" ausmachen.

Satte, erdige Bluesnummern mit einfallsreichen Improvisationen in denen sich die Band zusammen und gegenseitig hochschaukelt und auf der anderen Seite fragile, intime und absolut reduzierte Folksongs, die auf dem Album die nötigen Verschnaufpausen bieten, um dann erneut den Sprung in den nächsten Strudel aus treibenden Beats und aufheulenden Gitarrensounds zu wagen.

Ein Musiktipp von Julia Spyker.

CD-Angaben:
Christoph Neuhaus - Ramblin Bird
Label: StereoSüd/Recordjet

Gespielte Titel:
Montag: Walk Up Fall Down
Dienstag: Ramblin Bird
Mittwoch: View
Donnerstag: Get Out
Freitag: Patience For The Unacquainted

Der Musiker Christoph Neuhaus.

22. - 26. Februar 2021: Reis Demuth Wiltgen - "sly"

Cover-Bild der CD "sly" von Reis Demuth Wiltgen

1998 spielten Michel Reis, Marc Demuth und Paul Wiltgen erstmals zusammen bei einem Schulkonzert. Es folgten regelmäßige Auftritte des Trios in ihrer Heimat Luxemburg, bis sich die Wege der Musiker zum Studium trennten: Schlagzeuger Wiltgen ging nach New York, Bassist Marc Demuth nach Brussel und Den Haag und Pianist Michel Reis studierte in Boston. 2011 fanden sie wieder zusammen, zwei Jahre später nahmen sie ihr Debüt auf, dem drei weitere Alben folgten.

Band Foto von Reis Demuth Wiltgen

Das aktuelle Album trägt den Titel "Sly" und zeigt einen fein gezeichneten Fuchs auf dem Cover. "Der Fuchs repräsentiert unsere enge Verbundenheit zu Luxemburg." schreibt das Trio im Begleittext zur Platte - eins der beachtenswertesten literarischen Werke auf Luxemburgisch ist die Fabel "Renert" von Michel Rodange, eine Reineke-Fuchs-Adaption.

Fuchsschlau sind auch die Kompositionen und Arrangements auf "Sly": lyrische Melodien werden von plötzlichen Tempowechseln und rhythmischen Verschiebungen aufgebrochen. Das klassisch besetzte Klaviertrio Reis Demuth Wiltgen hat seine eigene Lesart von Jazz und die beinhaltet Einflüsse aus Rock, Groove und Pop.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Interpret: Reis Demuth Wiltgen
Album: "sly"
Label: Cam Jazz
Bestellnummer: CAMJ 7957-2

Gespielte Titel:
Montag: No Storm Lasts Forever
Dienstag: Silhouettes On The Kuranda
Mittwoch: Diary Of An Unfettered Mind
Donnerstag: Let Me Sing For You
Freitag: Venerdi Al Bacio

15. - 19. Februar 2021: Charles Pasi - "Zebra"

Lange galt er als der junge, aufstrebende Stern am französischen Blues-Himmel. Mittlerweile ist er 37 Jahre alt und scheint angekommen zu sein: Der Franzose Charles Pasi – Sänger, Komponist, Gitarrist und Mundharmonikaspieler – hat ein neues Album herausgebracht.

Charles Pasi: "Zebra"

Geschrieben hat er die neuen Songs, während er mit seinem letzten Album auf Tour war: in China, Tunesien, Deutschland, der Türkei oder auf Mauritius. Zebra hat er sein neues Werk genannt – es ist seine zweite Platte, die beim altehrwürdigen Jazz-Label Blue Note erscheint. Darauf mischt er seinen Kompositionen ganz geschmeidig Elemente aus klassischem Soul, aktuellem Pop und Jazz bei, ohne die Wurzeln des Blues zu verlieren. Erdige Sounds treffen auf Leichtigkeit und Spielfreude.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
"Zebra"
Charles Pasi
Label: Decca
Bestellnummer: 9680466

Gespielte Titel:
Montag: Happy Single
Dienstag: Mike and Richie
Mittwoch: Warm embrace
Donnerstag: 10 Years Old
Freitag: Hello Spain

08. - 12. Februar 2021: "We Are Doing Well"

Vier Jahre hat sich Joo Kraus Zeit gelassen, jetzt meldet er sich mit einem neuen Album zurück, dessen Titel „We Are Doing Well“ viel Optimismus ausstrahlt. Aber die unbefangene Leichtigkeit seines Trompetenspiels ist eben nur eine von vielen Facetten. Denn seine Musik steht schon immer für die Vielschichtigkeit: gekonnt schippert Kraus mit seiner Band durch die jüngere Musikgeschichte und durch wechselhafte Stimmungslagen - am liebsten jenseits der gängigen musikalischen Genres.

Joo Kraus, We Are Doing Well.

Sein Heimathaffen ist der Jazz, doch von dort aus unternimmt er Ausflüge in die unterschiedlichsten Grenzgebiete in Richtung Latin, Funk, Hip Hop und Elektro. Zehn neue Songs (plus einen Hidden Track!) hat Joo Kraus auf sein neues Album gepackt, die keinerlei Gesetzmäßigkeiten gehorchen. Wenn es überhaupt Konstanten gibt, dann wären da an erster Stelle die Freiheit, sein kompromissloser Flow und eine unbändige Spielfreude zu nennen.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

CD-Angaben:
"We Are Doing Well"
Joo Kraus
Label: O-Tone Music

Bestellnummer: 0635322139949, LC 30913

Gespielte Titel:
Montag: We Are The World
Dienstag: Space Glider
Mittwoch: We Are Doing Well
Donnerstag: Paper Plane Control
Freitag: Elvis In Paris

01. - 05. Februar 2021: "Afterglow" und "The Real You"

Unser "Album der Woche" kommt diesmal im Doppelpack daher, denn der italienische Pianist Enrico Pieranunzi hat nahezu zeitgleich zwei Duo-Alben herausgebracht. "Afterglow" heißt das eine, gemeinsam mit dem belgischen Trompeter Bert Joris. "The Real You" heißt das andere, gemeinsam mit dem dänischen Bassisten Thomas Fonnesbæk.

CD-Covers: "Afterglow" von Enrico Pieranunzi und Bert Joris  (l.) und "The Real You" von Enrico Pieranunzi und  Thomas Fonnesbæk (r.)

So viel vornweg, es sind zwei hörenswerte Alben dabei herausgekommen. Auf beiden Duo-Alben treffen Musiker aufeinander, die sich kongenial ergänzen, sich Raum geben, aufeinander eingehen und zeigen, was man ohne große Band nur zu Zweit entstehen lassen kann. Es kommt zu hochmusikalischen Dialogen zwischen Pieranunzi und dem Bassist Fonnesbaek, wenn die beiden Musiker sich gegenseitig necken, inspirieren, herausfordern und zitieren, wie etwa in  "I Will Look After You". Und wenn der belgischen Trompeter Bert Joris sich zu Pieranunzi gesellt merkt man sofort, die beiden sprechen musikalisch die gleiche Sprache, da verweben sich in "People Change" Klavier und Trompete, gehen aufeinander ein, lösen sich wieder, werden zu einer Einheit, werden zu einer  wiegenden Atempause.

Im Großen und Ganzen sind es zwei Alben, die im besten Sinne zum Abschalten einladen, zum Entschleunigen. Denn in beiden Konstellationen schaffen es die Musiker besondere Stimmungen zu kreieren, manches ist melancholisch ohne getragen zu sein, doch auch der Schalk kommt nicht zu kurz. Zwei Alben, bei denen den Duo-Fans mit Sicherheit das Herz aufgeht.

Ein Musiktipp von Julia Spyker.

CD-Angaben:
"Afterglow"
Enrico Pieranunzi und Bert Joris
Label: Challenge

"The Real You"
Enrico Pieranunzi und  Thomas Fonnesbæk
Label: Stunt

Gespielte Titel:
Montag: Afterglow
Dienstag: I Will Look After You
Mittwoch: Siren's Lounge
Donnerstag: People Change
Freitag: Millie

25. - 29. Januar 2021: James Yorkston & The Second Hand Orchestra - "The Wide, Wide River"

James Yorkston & The Second Hand Orchestra

Eine lange Freundschaft verbindet den schottischen Folkmusiker James Yorkston und Karl-Jonas Winqvist, den schwedischen Produzenten und Leiter der Indie-Truppe The Second Hand Orchestra. Für ihre erste Zusammenarbeit brachte Yorkston eine Reihe unfertiger Musikideen mit ins Studio nach Schweden. Innerhalb von drei Tagen erarbeitete er daraus mit den Musikern des Second Hand Orchestras acht Songs, die jetzt unter dem Titel "The Wide, Wide River" erschienen sind.

CD-Cover: James Yorkston & The Second Hand Orchestra - "The Wide, Wide River"

Die von Spontaneität und Improvisation geprägte Atmosphäre bei den Aufnahmesessions ist auf dem Album bestens eingefangen. Während Yorkston in melancholischen Folkballaden Geschichten von vergangenen Lieben und gescheiterten Freundschaften erzählt, sorgen die feinen Arrangements mit Streichern und Flöten für ausgleichende Leichtigkeit, so dass "The Wide, Wide River" am Ende ein wohliges Gefühl der Sehnsucht und Wehmut hinterlässt.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
James Yorkston & The Second Hand Orchestra
"The Wide, Wide River"
Label: Domino Recording

Bestellnr: WIGCD484

Gespielte Titel:
Montag: Ella Mary Leather
Dienstag: Choices, Like Wide Rivers
Mittwoch: Struggle
Donnerstag: A Droplet Forms
Freitag: There Is No Upside

18. - 22. Januar 2021: J.T. - Steve Earle & The Dukes

In den 80er Jahren machte er Karriere als Rebell der Country-Musik. Seine Songs waren rauer, direkter und kritischer als der damals gängige Country-Pop aus Nashville. Dennoch glich sein Leben eher einem Rockstar-Klischee: früh griff er zu Drogen, seine Karriere brach ein, er musste ins Gefängnis. Danach blieb er clean und knüpft bis heute an seine Erfolge als Musiker wieder an.

CD-Cover: J.T. - Steve Earle & The Dukes

Steve Earles Sohn, Justin Townes, schrieb – wie sein Vater – Countrymusik. Und er nahm schon früh – wie sein Vater – harte Drogen. Im August des vergangenen Jahres ist Justin Townes an einer Überdosis gestorben. Nun hat Steve Earle zehn Songs seines Sohnes gecovert. Und einen letzten, selbst geschriebenen Abschiedssong hinzugefügt. Ein Album, das ganz anders Klingt, als man nach dieser Vorgeschichte erwarten würde: heiterer, schwungvoller Country-Folk, ganz ohne Sentimentalität.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
J.T.
Steve Earle & The Dukes
New West Records/PIAS-Rough Trade

Gespielte Titel:
Montag: : I don’t care
Dienstag: Lone Pine Hill.
Mittwoch: Ain’t glad I’m leaving
Donnerstag: Harlem River Blues
Freitag: Last Words

11. - 15. Januar 2021: Pure Desmond - "Pure Desmond Plays James Bond Songs"

Pure Desmond - "Pure Desmond Plays James Bond Songs"

Er wolle klingen wie ein „Dry Martini“, so lautete die Maxime von Paul Desmond, dem Saxofonisten des legendären Quartetts von Dave Brubeck. Und wenn es überhaupt ein Kaltgetränk gibt, das mit dem Geheimagenten in Verbindung gebracht wird, dann ist es natürlich jener Cocktail.

Kino und Kaltgetränk bringt das Quartett „Pure Desmond“ jetzt auf einer neuen CD zusammen, denn die Jazzcombo widmet sich auf dem Album „Pure Desmond plays James Bond Songs“ ausschließlich der Bond’schen Filmmusik. Der Sound ist dabei so trocken, elegant und mondän wie der oben genannte Cocktail.

Denn das Quartett um den Saxofonisten Lorenz Hargassner spielt schnörkellosen, teils minimalistischen und stets transparenten Jazz ganz in der Tradition der Cool Jazz-Ära der 1950er Jahre.   

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

CD-Angaben:
Pure Desmond - "Pure Desmond Plays James Bond Songs"
Label: Major Music

Gespielte Titel:
Montag: Die Another Day
Dienstag: We Have All The Time In The World
Mittwoch: From Russia With Love
Donnerstag: Licence To Kill
Freitag: Diamonds Are Forever

Laura Veirs – "My Echo“

04. - 08. Januar 2021: Laura Veirs - "My Echo"

Eigentlich möchte man ja nur positiv ins neue Jahr starten. Doch das Thema unseres "Albums der Woche“ ist eine gescheiterte Ehe. Man könnte jetzt vermuten, hier ist nur Musik zu hören, die von Trübsal und totaler Verbitterung nur so strotzt. Doch Laura Veirs macht auf ihrem inzwischen elften Album "My Echo“ etwas ganz anderes.

Als Kind hatte Laura Veirs nicht wirklich viel mit Musik und Musikmachen am Hut, erst mit 19 an der Uni lernt sie Gitarre spielen. Sie gründet Bands, lernt ihren Mann, den Produzenten Tucker Martin kennen, wird mit ihm zu sowas wie dem Traum-Folk-Indie-Pärchen. Und nun erscheint ihr 11. Album "My Echo“. Es ist Laura Veirs’ Scheidungsalbum, wobei ihr Ex immer noch ihr Produzent ist. Man scheint sich also im Guten getrennt zu haben.

Doch man spürt auf dem Album "My Echo“ durchaus die Verunsicherung, die eine Sache, wie eine Scheidung oder ein Verlust auslösen kann, wenn das Leben eben einmal durchgerüttelt wird und nichts mehr so zu sein scheint, wie es einmal war. Doch die Grundstimmung von "My Echo“ ist Zuversicht. Das schafft Laura Veirs allein mit ihrer Stimme und ihrer Gitarre. Sie kreiert intime, in sich gekehrte Stimmungen. Sie starrt auf türkisfarbene Wände ("Turquoise Walls“), weil sie nicht weiß, was sie tun soll. Zwischendurch wird es leichtfüßig, wie in "Another Space and Time“, da gesellen sich Streichersounds, feine Percussion und Vogelstimmen zur Stimme und Gitarre von Laura Veirs.

"My Echo“ von Laura Veirs ist ein ruhiges, unaufgeregtes Album im positivsten Sinne, es eignet sich hervorragend, um zur Ruhe zu kommen und die Welt da draußen ein wenige zu verbannen.

Ein Musiktipp von Julia Spyker.

CD-Angaben:
Laura Veirs - "My Echo“
Label: Bella Union

Gespielte Songs:
Montag: Another Space and Time
Dienstag: Turquoise Walls
Mittwoch: Memaloose Island
Donnerstag: All the Things
Freitag: Burn too Bright