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Das Album der Woche

Jordan Rakei

Das Album der Woche

Jede Woche empfiehlt die Resonanzen-Redaktion ein neues Album. Hier sind die Musik-Empfehlungen der letzten Wochen im Überblick.

19. - 23. Oktober 2020: Various Artists - Blue Note Re:imagined

Im letzten Jahr feierte das Jazzlabel „Blue Note Records“ seinen 80. Geburtstag, gegründet wurde es 1939 in New York von dem deutschen Einwanderer Alfred Lion. Das Tonstudio von Blue Note wurde schnell zum Treffpunkt vieler junger Jazzmusiker, die ebenso wie das Label selbst Jazzgeschichte schreiben sollten.

Große Namen wie Miles Davis, Wayne Shorter oder Herbie Hancock waren hier unter Vertrag. „Blue Note Records“ nimmt eine Sonderstellung ein, denn es dürfte in der Jazzwelt kein anderes Label geben, das die Entwicklung des Jazz so umfassend dokumentiert hat.

Cover des Albums "Blue Note Re:imagined" des Jazzlabels Blue Note Records

„Blue Note“ ist bis heute eine sprudelnde Inspirationsquelle – und das nicht nur für Jazzmusiker*innen, sondern auch für Produzent*innen in aller Welt. Auch in Großbritannien hat sich in der jüngeren Generation so etwas wie ein „Blue Notes-Fanclub“ gegründet. Auf dem neuen Doppelalbum „Blue Note Re:imagined“ finden sich Klassiker aus dem riesigen Archiv, die von ganz jungen Musikerinnen und Musikern der Londoner Szene respektvoll und manchmal auch radikal neu gestaltet wurden.  

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

CD-Angaben:
Various Artists
"Blue Note Re:imagined"
Label: Decca Records
Bestell-Nr.: 00602507100124

Gespielte Titel:
Montag: Wind Parade (Jordan Rakei)
Dienstag: Montara (Blue Lab Beats)
Mittwoch: Watermelon Man (Poppy Ajudha)
Donnerstag: Search For Peace (Ishmael Ensemble)
Freitag: Maiden Voyage (Mr Jukes)

Brad Mehldau

12. - 16. Oktober 2020: Brad Mehldau - April 2020

Der Pianist Brad Mehldau musste im März ganz plötzlich seine Konzerttour wegen Corona unterbrechen, wie so viele andere Künstler*innen auch. Ab diesem Moment lebte er mit  mit seiner Familie, seiner Frau und seinen drei Kindern in der Nähe von Amsterdam und komponierte. Herausgekommen ist ein Album mit ganz besonderer Atmosphäre, der Titel: „April 2020“.

Cover des Albums "April 2020" von Brad Mehldau.

Das lässt schon erahnen, hier steht eines im Fokus: das Leben während der Pandemie, quasi ein musikalischer Schnappschuss, wie Mehldau es selbst beschreibt. Es sind 12 kürzere Stücke, die zu einer Suite zusammengefasst sind und all die Facetten beschreiben, die wir sicher alle so oder so ähnlich während der ersten Zeit der Corona-Pandemie erlebt haben. Eines der Stücke ist der familiären Harmonie gewidmet, ein anderes soll gegen Schlafstörungen wirken. Alle haben einen aktuellen Bezug zum Hier und Jetzt, so auch „remembering before all this“ - die Erinnerung an den Normalzustand, vor der Pandemie. Und die stimmt einen dann doch etwas melancholisch.

Als eine Art Zugabe hat Mehldau 3 Coverversionen ans Ende gestellt.  Den Abschluss des Albums beschließt Mehldau mit "Look for Silver Lining", ein beliebter Schlager aus der Frühzeit des Broadway, bekannter noch durch den Trompeter Chet Baker. Ein echter musikalischer Hoffnungsschimmer, den wir alle wohl gerade absolut gebrauchen können.

Ein Musiktipp von Julia Spyker.

CD-Angaben:
Brad Mehldau
„April 2020“
Label: Nonesuch Records

Gespielte Titel:
Montag: remebering before all this
Dienstag: in the kitchen
Mittwoch: yearning
Donnerstag: lullaby

Ella Fitzgerald

05. - 09. Oktober 2020: Ella Fitzgerald - The Lost Berlin Tapes

Im Februar 1960 begeisterte Jazzikone Ella Fitzgerald das Publikum in der Berliner Deutschlandhalle mit grandios gesungenen Swingnummern und hinreißenden Scatimprovisationen. Der im selben Jahr erschienene Konzertmitschnitt „Ella in Berlin“ gewann mehrere Grammys und ist ein Meilenstein in ihrer umfangreichen Diskographie.

Diese ist gerade wieder ein Stück gewachsen: im Archiv des Verve-Labelgründers Norman Granz ist ein weiterer Berlin-Auftritt der „First Lady of Jazz“ aufgetaucht. Zwei Jahre nach ihrem unvergesslichen Konzert in Berlin war sie wieder zu Gast in der Stadt, diesmal im Sportpalast, begleitet ein weiteres Mal von Pianist Paul Smith und seinem Trio.

Cover des Albums „The Lost Berlin Tapes“ von Ella Fitzgerald.

„The Lost Berlin Tapes“ enthält das komplette Konzert vom 25. März 1962 mit siebzehn Songs, in denen Fitzgerald die ganze Bandbreite ihres Könnens zeigt. Sie swingt, scattet, singt einfühlsam Balladen und improvisiert am Ende des Auftritts eine langsame Bluesnummer:

„I could go on singing all night long – but the union man tells us we‘re trough.“

Auch wenn das Konzert nicht die ganze Nacht sondern nur eine gute Stunde dauerte – gut, dass die Aufnahmen den Weg in die Öffentlichkeit gefunden haben.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Ella Fitzgerald
The Lost Berlin Tapes
Label: Verve Records
Bestell-Nr.: 00602507450137

Gespielte Titel:
Montag: Cheek To Cheek
Dienstag: Cry Me A River
Mittwoch: Hallelujah, I Love Him So (Reprise)
Donnerstag: Angel Eyes
Freitag: Mack The Knife

Dave Pike am Vibraphon

28. September - 02. Oktober 2020: The Dave Pike Set - Noisy Silence - Gentle Noise

Fünf Jahre seines Lebens verbrachte der amerikanische Jazzmusiker Dave Pike in Deutschland. Eine auf ein Menschenleben vergleichsweise kurze Periode, für den Vibrafonspieler Pike waren es aber nicht nur wegbereitende, sondern auch überaus erfolgreiche Jahre. Hier formierte er mit dem Dave Pike Set eine Band, die ganz neue Töne anschlug. Denn Dave Pike holte unter anderem den Gitarristen Volker Kriegel in sein Quartett, der ab und zu auch die indische Sitar spielte.

Cover des Albums "Noisy Silence - Gentle Noise" von The Dave Pike Set.

Mit ihrem damals modernen, federnden und auch psychedelischen Sound begeisterte das Dave Pike Set sein Publikum in ganz Europa, Kriegel-Kompositionen wie „Mathar“ wurden zu einer Art Hymne von Fusion und Ethno-Jazz. Fast auf den Tag genau fünf Jahre nach dem Tod von Dave Pike wurde das Debütalbum „Noisy Silence – Gentle Noise“ von 1969 in behutsam überarbeitetem Klang und mit umfassendem Booklet neu aufgelegt.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

CD-Angaben:
The Dave Pike Set
Noisy Silence - Gentle Noise
Label: MPS Records
Katalog-Nr.: 0215249MSW

Gespielte Titel:
Montag: I'm On My Way
Dienstag: Vian-De
Mittwoch: Mathar
Donnerstag: Noisy Silence – Gentle Noise
Freitag: Somewhat, Somewhere, Somehow

Ulf Wakenius

21. - 25. September 2020: Ulf Wakenius - Taste of Honey

Skepsis ist durchaus angebracht, wenn von einem neuen Album mit Beatles-Songs die Rede ist. Zu viele haben sich in diesem Metier schon versucht, nicht wenige sind kläglich gescheitert. Der schwedische Gitarrist Ulf Wakenius hat sich auf das Wagnis eingelassen und sich behutsam ans Werk gemacht, und das fängt schon bei der Besetzung an. Sie ist mit einem Trio sehr kompakt gehalten, kann aber mit dem Bassisten Lars Danielsson und dem Schlagzeuger Magnus Öström durchaus als schwedische Allstar-Band bezeichnet werden.

Cover des Albums "Taste of Honey" von Ulf Wakenius

Und dann ist neben instrumentaler Handwerkskunst vor allem eines gefragt: eine durchdachte Auswahl und sehr viel Fingerspitzengefühl bei der musikalischen Umsetzung. Ulf Wakenius hat all diese „Regeln“ befolgt und mit „Taste of Honey“ ein wortloses und zugleich ein geschmackvolles, federndes und durch und durch transparentes Album vorgelegt, das Paul McCartney und die Beatles noch einmal von einer anderen und spannenden Perspektive zeigt.   

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

CD-Angaben:
Ulf Wakenius
Tate of Honey
Label: ACT Music
Katalog-Nr.: ACT 9897-2

Gespielte Titel:
Montag: Eleanor Rigby
Dienstag: Blackbird
Mittwoch: Jet
Donnerstag: My Valentine
Freitag: A Taste of Honey

Camille Bertault

14. September – 18. September 2020: Camille Bertault – Le tigre

Mit einem selbst aufgenommenen, wenig spektakulären Privat-Video landete sie 2015 einen Youtube- Hit: Eine fast beiläufig gesungene A-cappella-Version des John Coltrane Klassikers "Giant Steps" sorgte für den großen Erfolg. Inzwischen sind 5 Jahre vergangen, zwei Alben erschienen und das Album Nummer drei kommt jetzt um die Ecke: „Le tigre“ von der französischen Sängerin Camille Bertault.

Cover des Albums "Le tigre" von Camille Bertault.

Wie auch auf ihren Alben zuvor besticht Camille Bertault mit ihrer perfekten Intonation, ihr Timing ist messerscharf, beeindruckend sind ihre Höhen und ihr bewegliches, helles Timbre.

Mit ihrem Album „Le tigre“ betritt sie aber auch zwei neue Wege. Zum einen sind alle Songs von Camille Bertrault selbst - und das zeigt seine Wirkung, denn durch ihre eigenen Texte und Songs kommt auch ihre Persönlichkeit mehr zum Tragen. Vor allem ihr Witz und ihre feine Ironie. Zum anderen wird sie musikalisch mutiger und verlässt ihre Komfortzone, den Jazz -  flirtet mit elektronischen Klangwelten. Das macht das Album absolut abwechslungsreich und wunderbar durchhörbar.

Ein Musiktipp von Julia Spyker.

CD-Angaben:
Camille Bertault
Le tigre
Label: Sony Music Entertainment
EAN: 0194397276022

Gespielte Titel:
Montag: Todo List
Dienstag: Tous ego
Mittwoch: Ma muse
Donnerstag: A quoi bon
Freitag: Le tube

Bettye LaVette

07. September - 11. September 2020: Bettye LaVette - Blackbird

Die US-amerikanische Soulsängerin Bettye LaVette schreibt selten selber Songs, ist aber eine begnadete Interpretin. Vor zwei Jahren veröffentlichte sie ein Album zu Ehren Bob Dylans und lieferte statt schlichter Coverversionen eigenständige Neuinterpretationen der Stücke ab und wurde dafür unter anderem mit zwei Grammy-Nominierungen belohnt.

Das neue Album der heute 74-jährigen Künstlerin ist eine Hommage an afro-amerikanische Sängerinnen wie Nina Simone, Billy Holiday und Ruth Brown. Acht Songs ihrer persönlichen Vorbilder hat sich LaVette zu eigen gemacht und fügt denen eine sehr persönliche Bearbeitung des titelgebenden Stücks "Blackbird" von den Beatles hinzu.

"Die meisten Amerikaner wissen nicht, dass die Briten junge Frauen "birds" nannten. Und genau darüber sang Paul McCartney: über ein schwarzes Mädchen."

Die aktuelle Situation in ihrer Heimat verleiht "Blackbird" eine politische Dimension. Nach dem gewaltsamen Tod George Floyds im Mai in Minneapolis, zog LaVette die Singleveröffentlichung ihrer Version von "Strange Fruits", einer Anklage gegen die Lynchjustiz in den Südstaaten der 1930er Jahre, vor.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Bettye LaVette
Blackbird

Label: Verve
Bestell-Nr.: 00602508692710

Gespielte Titel:
Montag: Romance In The Dark
Dienstag: Blues For The Weepers
Mittwoch: Strange Fruit
Donnerstag: Save Your Love For Me
Freitag: Blackbird

31. August - 04. September 2020: Sophie Hunger - Halluzinationen

Pressefoto von Sophie Hunger.

Als Künstlerin ist sie schon immer wandelbar und offen, auf jeder ihrer Platten entwickelte sie sich ein Stück weiter. Ihre Musik changiert irgendwo zwischen Pop, Folk, Chanson, Rock, Jazz und neuerdings auch Elektronik. Sie singt in vier verschiedenen Sprachen – dadurch bekommen die Songs von Sophie Hunger noch eine extra Portion eigene Klangfarbe.

Ihr neues Album ist mal wieder ganz anders: nachdem sie sich im letzten Album von Bandkonzept und der Vielsprachigkeit verabschiedet hatte, geht sie wieder ein paar Schritte voran: sie singt ihre poetischen und politischen Texte ausschließlich auf Englisch oder Deutsch. Aufgenommen hat sie die Songs live in den legendären Abbey Road Studios in London. Das Ergebnis ist abwechslungsreich - mal lyrisch, tanzbar, krachig oder elektronisch.

CD-Angaben:
Sophie Hunger
Halluzinationen
Caroline International
(VÖ 04. September 2020)

Gespielte Titel:
Montag gespielt: Bad Medication
Dienstag: Everything is good
Mittwoch: Halluzinationen.

24. - 28. August 2020: Bebel Gilberto - "Agora"

Bebel Gilberto - Agora.

Ganze sechs Jahre hat sich die Sängerin und Songwriterin Bebel Gilberto Zeit gelassen, jetzt ist ihre neue CD „Agora“ erschienen. Dass die Umstände allerdings so schwierig wurden, damit war nicht zu rechnen. Denn innerhalb der letzten 20 Monate hat Bebel Gilberto nicht nur ihre Mutter, sondern auch ihren Vater verloren. Die Mutter war eine bekannte brasilianische Sängerin, ihr Vater der legendäre Sänger, Gitarrist und Komponist João Gilberto, den man ohne Zweifel als einen der (wenigen) Väter der Bossa Nova bezeichnen darf.

Natürlich hinterließen diese traurigen Ereignisse auch ihre Spuren in der Musik der Tochter. Die Songs auf dem Album „Agora“ leben von einer sphärischen Verschwommenheit und wirken trotz der lateinamerikanischen tänzerischen Rhythmen eher reduziert. Dieses von Entschleunigung und Melancholie geprägte Gesamtbild gewinnt durch den dezenten Einsatz von elektronischen Effekten noch einmal an Intensität und Tiefenschärfe.    

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

CD-Angaben:
Bebel Gilberto
"Agora"
Label: PIAS Recordings
PIASR5015CD

Gespielte Titel:
Montag: Na Cara
Dienstag: Essence
Mittwoch: Agora
Donnerstag: O Que Não Foi Dito
Freitag: Deixa

17. - 21. August 2020: Becca Mancari - "The Greatest Part"

Becca Mancari

Seit über sieben Jahren lebt die Sängerin, Gitarristin und Songwriterin Becca Mancari im Herzen der weißen Countrymusik, in Nashville, Tennessee. Dass dieses Herz traditionell misstrauisch gegenüber Menschen schlägt, die anders leben oder auch lieben, davon kann die Anfang 30-Jährige gleich elf Lieder singen: Ihr neues Album „The Greatest Part“ kreist inhaltlich um die auch von ihr selbst erlebte Ausgrenzung und Einsamkeit queerer Menschen im Süden der USA.

Albumcover: Becca Mancari - "The Greatest Part"

Dennoch klingt Becca Mancaris Musik nach Lebenslust und Aufbruch: Während ihr Country-Folk-Debüt „Good Woman“ von 2017 noch relativ brav daherkam, erweitert sie nun den Horizont mithilfe von (Streicher-)Samples und noisigen Gitarren-„Störgeräuschen“ in Richtung Indiepop.

Ein Musiktipp von Elise Schirrmacher

CD-Angaben:
Becca Mancari
"The Greatest Part"
Label: Captured Tracks
Katalog-Nr: CT-326

Gespielte Titel:
Montag: First Time
Dienstag: Like This
Mittwoch: Hunter
Donnerstag: Bad Feeling
Freitag: Tear Us Apart

Schwarz-weiß Foto des Bill Frisell Trios.

10. - 14. August 2020: Bill Frisell - "Valentine"

CD- Cover: Bill Frisell - "Valentine"

Bill Frisell ist ein meisterhafter Gitarrist, der sich mehr durch seinen einzigartigen Ton und Stil als durch virtuose Technik auszeichnet. In seinem einfachen und zugleich vielschichtigen Spiel vermischt sich Jazz, Blues, Rock und Americana, werden Klanglandschaften entworfen und ausgemalt.

In den vergangen Jahren war der heute 69-jährige Musiker aus Baltimore viel mit Bassist Thomas Morgan und Schlagzeuger Rudy Royston unterwegs. Schließlich beschloss Frisell ein Album in dieser Trioformation aufzunehmen:

"Wir haben sehr viel in den letzten Jahren zusammengespielt, aber es gab keinen Beweis dafür. Ich wollte ein Dokument davon haben, einfach um zu beweisen, dass es wahrhaftig war und nicht so ein magisches Ding, das meiner Fantasie entsprungen ist."

Dreizehn Stücke sind bei den Aufnahmen entstanden, sorgfältig vorsortiert in Plattenseiten einer Doppel-LP. Neben neuen und alten Kompositionen von Frisell finden sich dort auch Jazzstandards, Folksongs und Popcover. Auf "Valentine" nutzt Frisell die musikalischen Freiheiten, die eine kleine Triobesetzung bieten und bleibt dennoch seinem Stil Treu: elegante Schönheit mit absoluter Detailliebe.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz

CD-Angaben:
Bill Frisell
"Valentine"
Label: Blue Note
Bestellnr: 00602508992094

Gespielte Titel:
Montag: What the world needs now is love
Dienstag: Electricity
Mittwoch: Where do we go
Donnerstag: Wagon Wheels
Freitag: Keep your eyes open

03. - 07. August 2020: Siggi Loch – "A life in the spirit of Jazz"

Cover des Albums "A Life In The Spirit Of Jazz" von Siggi Loch.

Er gehört zu den erfolgreichsten deutschen Musikproduzenten und ist seit 60 Jahren im Musikgeschäft. Siegfried Loch – besser bekannt als „Siggi“ – wird in dieser Woche 80 Jahre alt. Als Musikmanager entdeckte er Künstler wie Al Jarreau, Marius Müller-Westernhagen oder Katja Ebstein. Später gründete er das Jazzlabel ACT – auch hier verhalf ihm sein Gespür für junge Talente zum Erfolg. Siggi Loch förderte Musiker wie Esbjörn Svensson, Nils Landgren oder Michael Wollny.

Siggi Loch

Zu seinem runden Geburtstag veröffentlicht ACT Ende des Monats ein Doppelalbum mit 28 Titeln, die Siggi Loch als Produzent begleitet hat. Dazu ein Buch mit großformatigen Fotos, Erinnerungen und Texten von Freunden und Weggefährten.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD Angaben:
Siggi Loch
"A life in the spirit of Jazz" (2 CDs und als Buch)
Label: ACT
Katalog-Nr.: 807644VKH

Gespielte Titel:
Montag: Della Mae
Dienstag: Summertime
Mittwoch: Hedwigs Lied
Donnerstag: Polygon
Freitag: Song From The Valley

Nighthawks

27. - 31. Juli 2020: Nighthawks - "Only. Vocal Tunes 2004 - 2016"

Die Nighthawks haben in der europäischen Jazzlandschaft ihren festen Platz. Das liegt nicht nur an ihrer international erfolgreichen und über zwei Jahrzehnte währenden Bandgeschichte, sondern vor allem an ihrem unverwechselbaren Sound-Konzept. Denn das Kollektiv um den Bassisten und Produzenten Dal Martino und den Trompeter Reiner Winterschladen setzt konsequent auf Minimalismus und Transparenz: ein paar eingängige Melodiefragmente in Kombination mit einem treibenden Groove reichen völlig aus, um daraus einen kompletten Song entstehen zu lassen. Man bevorzugt runde Ecken statt scharfer Kanten.

Cover des Albums "Only. Vocal Tunes 2004 - 2016" von Nighthawks.

Diese Woche erscheint das neue Album „Only“ der Nighthawks, das einen Blick zurück wirft und zugleich eine ganz spezielle, nicht unbedingt typische Facette der Band beleuchtet. Denn „Only“ ist eine Sammlung ausgewählter Songs mit unterschiedlichen Sängerinnen und Sänger, die zwischen 2004 und 2016 mit den Nighthawks auf Tour oder im Studio waren.  

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

CD Angaben:
Nighthawks
„Only – Vocal Tunes 2004 - 2016“
Herzog Records
Katalog-Nr.: 901091 HER

Gespielte Titel:
Montag: Define The Day
Dienstag: Pensando Em Outro Mundo
Mittwoch: A California
Donnerstag: Descend
Freitag: Man In The Long Black Coat

Mar Vilaseca - „Find The Way“

20. - 24. Juli 2020: Mar Vilaseca - „Find The Way“

Fast wäre es nicht zum Plattenvertrag gekommen. Dafür war tatsächlich ein Sprung durchs Fenster nötig, denn an dem Tag, als die Sängerin und Pianistin Mar Vilaseca den Termin mit dem Label Ubuntu hatte, wurde sie von ihrem Freund in der Wohnung eingeschlossen. Also sprang sie aus dem Fenster, zum Glück nur ein Stockwerk tief. Wie passend ist da der Albumtitel „Find The Way“.

Mar Vilasecas Stimme klingt frisch, federleicht und – man könnte es böse sagen - fast ein wenig zu unverdorben für den Jazz. Doch ihre Stimme hat das gewisse Etwas, man möchte ihr einfach gerne zuhören. In Kombination mit ihren Songs strahlt das Album eine wunderbare innere Ruhe aus, die sich unweigerlich auf den Hörer überträgt und einfach sagt – es ist völlig in Ordnung auf der Suche zu sein, ob nach der eigenen Identität oder nach dem eigenen Lebensweg, kurz – atme durch und „Find the way“.

Ein Musiktipp von Julia Spyker.

CD Angaben:
Mar Vilaseca
„Find The Way“
Ubuntu Music
Bestell-Nr.: 5065002180667

Gespielte Titel:
Montag: Find the way
Dienstag: Cry
Mittwoch: Fly far away
Donnerstag: I still need your love
Freitag: Back again

Frøydis Grorud

13. - 17. Juli 2020: Frøydis Grorud - “End of a beautiful story”

„Wenn wir längere Zeit zusammen sind und alle sich persönlich am Projekt beteiligen können, spielen wir am allerbesten.“ erzählt die norwegische Saxophonistin und Flötistin Frøydis Grorud und meint damit ihr aktuelles Quartett, mit dem sie ihr sechstes Soloalbum „End of a beautiful story“ aufgenommen hat.

Das Quartett Frøydis Grorud.

An eine so intime Aufnahmesituation, wie sie im vergangenen Jahr in einem kleinen Gebethaus in Südnorwegen stattgefunden hat, ist momentan nicht zu denken. Aber genau diese Nähe und hörbare Vertrautheit unter den Musikern verleihen den elf Songs zwischen Jazz, Soul, klassischer Musik und norwegischer Folklore ihre Intensität. Hier gewinnt Schönheit über Innovation und Gelassenheit über Spannung und manchmal klingt es auch einfach nach einer gemütlichen Session.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Frøydis Grorud
“End of a beautiful story”
Jazzland Recordings Norway
Bestellnr: 377 926 3

Gespielte Titel:
Montag: The sweet beat
Dienstag: Night game
Mittwoch: Glimps of hope
Donnerstag: Reconciliation
Freitag: Luna

06. - 10. Juli 2020: Rufus Wainwright - "Unfollow the rules"

Album-Cover: Rufus Wainwright - "Unfollow the rules"

Schon sein erstes Studioalbum vor über 20 Jahren katapultierte ihn in die erste Liga der Singer-Songwriter. Kein Wunder, denn der Apfel fiel hier nicht besonders weit vom Stamm: als Sohn der beiden Folkmusiker Loudon Wainwright und Kate McGarrigle befand sich Rufus Wainwright schon von klein auf mitten im Musikgeschäft. Seit seinem Debut ist nicht nur viel Zeit vergangen sondern auch viel passiert. Acht Studioalben hat er bisher aufgenommen, in den letzten Jahren allerdings hat er viel Neues ausprobiert: zum Beispiel hat er Shakespeare-Sonette vertont, zwei Opern geschrieben und mit großen klassischen Sinfonieorchestern zusammen gearbeitet.

Nun hat Rufus Wainwright sein neuntes Studioalbum veröffentlicht. Darauf kehrt er zurück zu seinen Anfängen - zurück zur Pop- und Folkmusik – zu eingängigen und schwelgerischen Melodien mit großem Pathos und oft auch großem Orchester.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Rufus Wainwright
Unfollow the rules

BMG Rights Management (19813)

Gespielte Titel:
Montag: Peaceful afternoon
Dienstag: Damsel in distress
Mittwoch: Devils and angels
Donnerstag: You ain’t big
Freitag: Trouble in Paradise

29. Juni - 03. Juli: Nina Simone: Fodder On My Wings

Nina Simone

Vor fast vierzig Jahre ist Nina Simones "neues" Album aufgenommen, und dennoch ist es bis heute nahezu unbekannt. Denn die Platte ist damals bei einem kleinen französischen Label erschienen und war bisher nahezu vergriffen. Ein großes Plattenlabel hat die Aufnahmen jetzt noch einmal neu aufgelegt, und das aus gutem Grund: die 13 Songs auf "Fodder On My Wings" stammen (fast) ausnahmslos aus der Feder von Nina Simone.

Nina Simone

Inhaltlich und musikalisch setzte sich die amerikanische Sängerin mit ihren damaligen Lebenssituation auseinander: sie war zuvor frisch nach Paris gezogen und fühlte sich extrem einsam. Und auch ihre psychische Erkrankung verschlimmerte sich. Doch all die widrigen Umstände konnten sie nicht davon abhalten neue musikalische Wege zu gehen.

"Fodder On My Wings" ist nicht nur ein melancholisches, sehr persönliches, fast schon intimes Album. Trotz allem verbreiten die mit afrikanischen und karibischen Elementen angereicherten Songs Leidenschaft und Optimismus.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Nina Simone
Fodder on my Wings

Label: Verve / Universal Music
Bestellnr: 00602508273810

Gespielte Titel:
Montag: I sing just to know that I'm alive
Dienstag: Alone again, naturally
Mittwoch: Liberian Calypso
Donnerstag: Il y a un baume à Gilead
Freitag: Heaven belongs to you

Maceo Parker

22. Juni - 26. Juni: Maceo Parker: Soul Food - Cooking with Maceo

We like to do 2 % jazz and 98 % funky stuff.”

Mit diesen Worten eröffnete Saxophonist Maceo Parker im März 1992 ein mittlerweile legendäres Konzert im Kölner Stadtgarten. Diese simple Formel wendet Parker seit Jahrzehnten erfolgreich an – solo oder als Begleitmusiker.

Mitte der 60er Jahre holte James Brown ihn in seine Band, wo Parker den kompromisslos auf Groove reduzierten Sound mitentwickelte. Anschließend stieg er bei George Clintons Bands Parliament und Funkadelic ein und später arbeitete er regelmäßig mit Prince im Studio und auf der Bühne.

Seit 1970 ist Maceo Parker auch als Bandleader unterwegs und jetzt, mit 77 Jahren, veröffentlicht er sein sechzehntes Album: “Soul Food – Cooking with Maceo”.

Albumcover: Maceo Parker - Soul Food. Cooking with Maceo

Die Formel funktioniert nach wie vor, sowohl bei den Coversongs u.a. von Aretha Franklin, Dr. John und Prince, als auch bei zwei frühen Eigenkompositionen, die er sich noch einmal vorgenommen hat. Parker ist in hervorragender Form, versetzt mit seinem Altsaxophon seine typischen Nadelstiche und zeigt auch stimmlich keinerlei Ermüdungserscheinungen. Begleitet wird er dabei von einem “königlichen Kaliber an funky Musikern” aus New Orleans.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz

CD-Angaben:
Maceo Parker
Soul Food - Cooking with Maceo

Label: The Funk Garage / Mascot Label Group
Bestellnr: TFG76092

Gespielte Titel:
Montag: Cross the track
Dienstag: Hard times
Mittwoch: Compared to what
Donnerstag: Right place wrong time
Freitag: Other side of the pillow

GoGo Penguin

15. Juni - 19. Juni: GoGo Penguin: GoGo Penguin

Eigentlich sollte das neue Album von GoGo Penguin am 1. Mai erscheinen. Corona verschob die Veröffentlichung jedoch um sechs Wochen, Konzerte wurden teilweise auf das nächste Jahr verschoben.

Irgendwie passt das zur fünften Platte des Trios aus Manchester, für dessen Produktion sich Pianist Chris Illingworth, Bassist Nick Blacka und Schlagzeuger Rob Turner ausnahmsweise mal richtig Zeit gelassen hatte:

GoGo Penguin Album-Cover.

„Dieses Mal hatten wir sechs Monate Zeit zum Schreiben und zwei Wochen zum Aufnehmen, so dass jeder viel mehr Zeit hatte, zu jedem Track beizutragen. Es wurde mehr experimentiert, Dinge ausprobiert - und oft auch verworfen. Infolgedessen ist dieses Album ausgefeilter.“

Das war es aber auch mit Entschleunigung. Die zehn Kompositionen auf dem Album, das einfach den Namen der Band trägt, sind hochenergetische Gemische aus Jazz, Drum’n’Bass und Minimal Music, gespielt zum überwiegenden Teil auf akustischen Instrumenten.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
GoGo Penguin
GoGo Penguin

The Funk Garage / Mascot Label Group
Bestellnr: TFG76092

Label:

Gespielte Titel:
Montag: Atomised
Dienstag: Embers
Mittwoch: To the Nth
Donnerstag: F Major Pixie
Freitag: Kora

CD-Cover Norah Jones: "Pick me up off the floor"

08. Juni - 12. Juni: Norah Jones: Pick me up off the floor

Das Besondere am neuen Album der neunfachen Grammy-Gewinnerin Norah Jones ist, dass es gar kein Album im eigentlichen Sinne ist. Die Songs unterliegen keinem Konzept: Sie entstanden lose hintereinander  in den letzten Jahren ganz ohne Druck und nur aus Lust an der Musik und am Herumprobieren.

Norah Jones traf sich ein paar Mal ganz zwanglos mit Musikern wie Jeff Tweedy, Mavis Staples und Thomas Bartlett im Studio. 12 Songs, die bei diesen Sessions entstanden sind, veröffentlicht sie nun als Album. Abwechslungsreiche Lieder zwischen Blues, Soul, Jazz und Folk, die mal intensiv düster oder auch ganz entspannt und lebendig daherkommen.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Norah Jones
Pick me up off the floor Blue Not
e – LC 00133

Gespielte Titel:
Dienstag: I'm alive

Tony Allen & Hugh Masekela: Rejoice

01. Juni - 05. Juni: Tony Allen & Hugh Masekela: Rejoice

Begegnet sind sich der nigerianische Schlagzeuger Tony Allen und der südafrikanische Trompeter Hugh Masekela schon in den 1970er Jahren. Im Laufe der Jahrzehnte trafen die beiden afrikanischen Jazzmusiker in den verschiedensten Konstellationen immer wieder aufeinander. Auch deshalb, weil die musikalische Wellenlänge stimmte. 2010 ergab sich dann durch glückliche Umstände – beiden waren in Großbritannien auf Tour und hatten beide ein paar Tage frei – die Gelegenheit, zusammen ins Studio zu gehen und eine CD einzuspielen.

Leider konnten die Aufnahmen damals und bis zu Masekelas Tod im Jahr 2018 nicht vollendet werden. Tony Allen war es jedoch ein großes Anliegen, dieses Werk noch fertigzustellen und zu veröffentlichen. Dazu wurden die Originalbänder restauriert und die Band durch junge Jazzmusikern komplettiert. Jetzt ist das Album „Rejoice“ erschienen – und es wurde unfreiwillig zum doppelten Vermächtnis, denn auch Tony Allen ist Ende April im Alter von 79 Jahren gestorben.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

CD-Angaben:
World Circuit
(WCD 094, LC 02339)

Gespielte Titel:
Dienstag: Slow Bones
Mittwoch: Never (Lagos Never Gonna Be The Same)
Donnerstag: Agbada Bougou
Freitag: Jabulani (Rejoice, Here Comes Tony)

Count Basie Orchestra

25. Mai - 29. Mai: Various Artists “Ella 100 – Live at the Apollo!”

Am 22. Oktober 2016 fand ein Konzert zum 100. Geburtstag der Jazzikone Ella Fitzgerald im legendären Apollo Theater in Harlem, New York, statt –  exakt an dem Ort, an dem die 17-jährige Ella 1934 die „Amateur Night“ gewann und damit den ersten Schritt ins große Scheinwerferlicht machte.

Die Talentdichte bei dem Geburtstagskonzert war der Geehrten angemessen:

Neben dem Count Basie Orchestra spielte das eigens für den Abend zusammengestellte „Ella 100 All-Stars Quartet“ u.a. mit Fitzgeralds ehemaligem Schlagzeuger Gregg Field und Bassist Nathan East. Als Sängerinnen traten Patti Austin, Lizz Wright, Ledisi, Cassandra Wilson, Andra Day und das Vokalensemble Afro Blue auf.

Ella live at the Apollo

Der jetzt erschienene Mitschnitt des Konzertes ist eine perfekt inszenierte und mitreißende Verbeugung vor der großen Jazzsängerin, deren Bedeutung und Einfluss bis heute ungebrochen ist und die den Titel „First Lady of Song“ zurecht trägt.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz

CD-Angaben:
Label: 
Concord Jazz
Bestellnr: CJA00280

Gespielte Titel:
Montag: Patti Austin & The Count Basie Orchestra – A-Tisket, A-Tasket
Dienstag: Andra Day & The Count Basie Orchestra – Ain‘t Misbehavin‘
Mittwoch: Lizz Wright & The Ella 100 All-Star Quartet – Love You Madly
Donnerstag: Ayo & Afro Blue – Oh, Lady Be Good
Freitag: Ledisi & The Count Basie Orchestra – Honeysuckle Rose

James Elkington - Ever-Roving Eye.

18. Mai - 22. Mai: James Elkington - Ever-Roving Eye

James Elkington - Ever-Roving Eye.

Ende der 90er Jahre zog der britische Gitarrist James Elkington nach Chicago – wegen der dortigen alternativen Musikszene, die ihn seit Jahren faszinierte. Mitgebracht hatte er seine Instrumente und eine Spielart, die deutlich in der Tradition des britischen Folk der 60er und 70er Jahre verwurzelt ist.

Innerhalb kürzester Zeit fasste er in Chicago musikalisch Fuß und spielte plötzlich als Gastmusiker in Bands, deren Platten er zuhause in London gehört hatte. Er gründete mehrere Bands, spielte in Duoformationen und hat gerade sein zweites Album als Solokünstler veröffentlicht.

Auf „Ever-Roving Eye“ verknüpft er das beste aus zwei Welten: virtuos gespielten teils jazzigen Gitarrenfolk mit versiertem Indiepop-Songwriting und elegant-introvertierten Texten.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Label:
Paradise of Bachelor
Bestellnr: PoB-050

Gespielte Titel:
Montag:
Nowhere Time (edit)
Dienstag: Late Jim‘s Lament
Mittwoch: Sleeping Me Awake
Freitag: Much Master

Cover des Albums "The Women Who Raised Me" von Kandace Springs.

11. Mai - 15. Mai 2020: Kandace Springs - The Women Who Raised Me

Eine Stimme, mit der man Schnee zum Schmelzen bringen könnte“ – so hat Popstar Prince von der damals noch ziemlich jungen Musikerin Kandace Springs geschwärmt. Nicht zuletzt durch seine Unterstützung schaffte die Sängerin, Pianistin und Komponistin aus Nashville den Schritt auf die große Jazz-Bühne.

Das dritte Album von Kandace Springs erscheint wieder beim renommierten Label Blue Note. Mit „The Women Who Raised Me“ setzt sie den weiblichen Musikikonen ein Denkmal, die sie schon in ihrer frühen Jugend geprägt haben: Nina Simone, Roberta Flack, Billie Holiday, Lauryn Hill und noch einige mehr.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Kandace Springs
The Women Who Raised Me
Label: Blue Note
(00602508633881)

Gespielte Titel:
Montag: Devil May Care
Dienstag: Gentle Rain
Mittwoch: Killing me softly
Donnerstag: I put a spell on you
Freitag: Angel eyes

Bossarenova Trio: "Atlantico"

4.Mai - 8. Mai 2020: Bossarenova Trio - Atlantico

Paula Morelenbaum vereint in ihrer Stimme so ziemlich alles, was das brasilianische Herz begehrt, denn ihre ihr Gesang lebt ebenso von einer sanften Melancholie wie von einer fast tänzerischen Leichtigkeit. Seit vielen Jahren ist sie eine der Protagonistinnen auf dem Gebiet der zeitgenössischen Bossa Nova. Ein Jahrzehnt lang war Paula Morelenbaum Mitglied in der „Nova Banda“ des Großmeisters Antonio Carlos Jobim. Und auch hierzulande kennt man die Brasilianerin, denn sie hat mit dem Pianisten Ralf Schmid und dem Trompeter Joo Kraus zwei musikalische Freunde gefunden, mit denen sie regelmäßig im „Bossarenova Trio“ in Erscheinung tritt. Kern der Freundschaft ist die Schnittstelle von Jazz sowie südamerikanischen und europäischen Songs. Auch das neue Album „Atlantico“ ist ein gekonnter musikalischer Brückenschlag über den Atlantik. 

Ein Musiktipp von Jörg Heyd

CD-Angaben:
Bossarenova Trio
Atlantico Label: Skip Records (4037688914523)

Gespielte Titel:
Montag: Nâo tem nada nâo
Dienstag: Agua e Vinho
Mittwoch: Influência do Jazz
Donnerstag: Amanhecendo Freitag: Se é tarde me perdoa

Other Lives - For their Love

27. April - 1. Mai 2020: Other Lives - For their Love

Zurück zu den Anfängen: nachdem die US-Amerikanische Band Other Lives auf ihren letzten Alben viel mit Computersounds und Elektronik herumexperimentiert hatte, sollte ihr neuestes Werk wieder mehr handgemacht sein. Und siehe da: ihre Mischung aus Folk und Indie-Rock wird auch ohne Digitaleffekte zum großen Kino.

Mit ausgefeilten Arrangements, und detailverliebter Opulenz erschaffen sie westernhafte Atmosphäre wie bei Ennio Morricone. Mit Pauken und Trompeten wird bei der orchestralen Besetzung nicht gegeizt, dabei erschaffen sie eine Klangwelt, von der man sich gerne davon tragen lässt.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula

CD-Angaben:
Other Lives
For Their Love
LC 07800 – Play It Again Sam

Gespielte Titel:
Montag: Sound of violence
Dienstag: Sideways
Mittwoch: Lost day
Donnerstag: We wait

20. April - 24. April 2020: Tolyqyn -Tolyqyn

DIe Band Tolyqyn

"Wir sind "Tolyqyn" und wir sind uns sicher, dass ihr noch nie so eine gezupfte Bratsche gehört habt."

CD-Cover: Tolyqyn

"Prog-Blues Power Trio" – so bezeichnete sich die Berliner Formation Tolyqyn bei ihrem Crowdfunding-Auftritt zur Realisierung ihres Debütalbums. Die Schwarmfinanzierung war ein Erfolg und das ebenfalls "Tolyqyn" betitelte Album von Bratschist und Sänger Roland Satterwhite, Gitarrist Tal Arditi und Schlagzeuger Kuba Gudz erscheint Ende der Woche in digitaler Form. Dem "Prog-Blues" beiseite stehen afro-kubanische Rhythmen, High-Life-Grooves und Jazzimprovisation mit einem sympathischen Pop-Appeal.

Der rote Faden durch diese bunte Mischung ist Satterwhites virtuoses Bratschespiel, das je nach Spielweise auch nach Bass oder afrikanischen Zupfinstrumenten klingen kann. Ein spannendes Erstlingswerk, das einerseits helfen kann, die momentane konzertarme Zeit besser zu ertragen. Andererseits kann es sie auch noch unerträglicher machen kann: Tolyqyn ist nämlich eine mitreißende Liveband.

CD-Angaben:
Label: Hey!blau Records
Bestellnr: HBL-20028

Gespielte Titel:
Montag: Ditch
Dienstag: Autobiography
Mittwoch: Our Love Will Reach The Sea
Donnerstag: Prison Cell
Freitag: One Eye In, One Eye Out

14. April - 18. April: Laura Marling – Songs For Our Daughter

Laura Marling: "Song for our Daughter"

Laura Marling schwimmt gegen den Strom: in einer Zeit, in der viele Albumveröffentlichungen vom Frühjahr in den Herbst verlegt werden, um ein größeres Publikum zu erreichen, bringt sie ihre neue Platte jetzt heraus – statt im August. Weil unser aller Lebensweise sich gerade auf ungeahnte Weise verändert, fühlt sie sich verantwortlich, einen Beitrag zu leisten und hofft, mit ihrem neuen Album die Menschen in schwierigen Zeiten zu unterhalten und vielleicht sogar näher zusammenzubringen.

Ihr Lieder bestechen durch eingängige Melodien, luftige Arrangements und - trotz gelegentlich aufkommender Melancholie - durch beschwingte Heiterkeit und Zuversicht. Laura Marling sagt von sich selbst, sie fühle sich gerade zufrieden in einer langjährigen Beziehung und irgendwie angekommen – genauso klingt ihre Musik

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula

CD-Angaben:
Laura Marling – Songs For Our Daughter
Label: Chrysalis/Partisan

Gespielte Titel:
Dienstag: Alexandra
Mittwoch: Strange Girl
Donnerstag: Only the strong
Freitag: Song For Our Daughter

Avishai Cohen: "Big Vicious"

06.April - 10.April: Avishai Cohen – Big Vicious

Avishai Cohen ist einer von vielen israelischen Jazzmusikern, die sich aufgemacht haben, um in der großen New Yorker Jazzszene Fuß zu fassen. Cohen wagte diesen großen Schritt in die amerikanische Metropole schon vor der Jahrtausendwende, doch vor einigen Jahren zog es ihn zurück in seine alte Heimat. Dort angekommen, nahm er wieder Kontakt zu alten Schul- und Musikfreunden auf und gründete die Band „Big Vicious“, von der jetzt das erste gemeinsame Album erschienen ist. Neben Avishai Cohen, der Trompete spielt und elektronische Effekte beisteuert, sorgen gleich zwei Schlagzeuge und zwei Gitarren für eine untypische Besetzung, die für entsprechend unübliche und frische Klänge sorgt. Im Vordergrund steht Cohens mal strahlender mal klagender Trompetenton, der von einem dichten Geflecht aus geschmackvoll gesetzten Tönen und Akkorden der restlichen Band getragen wird.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd

CD-Angaben:
Avishai Cohen – Big Vicious
Label: ECM Records (ECM 2680)

Gespielte Titel:
Montag: The Cow And The Calf
Dienstag: Teardrops
Mittwoch: Hidden Chamber
Donnerstag: The Things You Tell Me

Awa Ly: "Safe and Sound"-Cover

30. März - 03.April: Awa LySafe and Sound

Awa Ly, in Paris geborene Tochter senegalesischer Eltern, lebt seit Jahren in Rom. Ein Praktikum hatte sie dorthin verschlagen. Es folgten Jobs als Schauspielerin und schließlich entdeckte sie die Musik für sich, sang auf Jazz-Sessions und begann eigene Songs zu schreiben und einen eigenen Sound zu entwickeln:
„Ein sehr folkloristischer Pop-Sound mit Verunreinigungen aus Blues und Jazz … eigentlich ist es eine Mischung aus all dem, was ich auch im Leben bin.“

Auf ihrem neuen Album „Safe and Sound“ tritt der Pop ein bisschen mehr in den Hintergrund und Awa Ly konzentriert sich mehr auf die Rhythmen:
Schon als ich die ersten Lieder schrieb, fühlte ich eine hypnotische, berauschende Rhythmik in mir. Eine Rhythmik, die mich an die Erde erinnert, fast tribal ist, aber nicht nur im afrikanischen Sinne.“

Awa Ly kombiniert Folk, Jazz und Weltmusik, verpasst dieser aparten Mischung eine ordentliche Portion lyrischer Mystik und kreiert damit ein musikalisches Zuhause voller Sicherheit, Geborgenheit und Wärme: ein Ort, an dem man sich „safe and sound“ fühlen kann.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz

CD-Angaben:
Awa LySafe and Sound
Label: flowfish.records

Gespielte Titel:
Montag: Ahead
Dienstag: Close your eyes
Mittwoch: What goes around
Donnerstag: Tell me
Freitag: Are you satisfied?

Album-Cover "Nightsongs" von Yael Naim

23. März - 27. März: Yael NaimNightsongs

Fernab vom Radar der großen Öffentlichkeit machte sie schon Jahre lang Musik. Doch dann passierte etwas völlig Unerwartetes. Steve Jobs wählte einen ihrer Songs aus, um damit für seine Produkte zu werben. Und plötzlich wurde sie weltbekannt: die französisch-israelische Sängerin und Songschreiberin Yael Naim. Mit ihren folkigen Chansons und heiteren Popsongs feierte sie riesige Erfolge.

Für ihr fünftes Album ging Yael Naim einen neuen Weg: nachdem ihr Vater starb und ihr zweites Kind zur Welt gekommen war fühlte sie sich völlig auf sich selbst zurückgeworfen. Mit den ganz großen, grundlegenden Fragen. Wer bin ich – und: was will ich in meinem Leben eigentlich noch alles machen? Sie entschied: ein Album ganz alleine auf die Beine stellen, das war ihr wichtig. Und gegen alle Ratschläge entschied sie sich, ein ganz reduziertes Album voller ruhiger und inniger Songs aufzunehmen – allein, in der Nacht. Zwölf beseelte Songs voller Ruhe.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula

CD-Angaben:
Yael NaimNightsongs
Label: tôt Ou tard/ Belive

Gespielte Titel:
Montag: She
Dienstag: Shine
Mittwoch: Daddy
Donnerstag: Miettes
Freitag: A bit of

Albumcover "The Garden of Eve" von Malia

16. März - 20. März: Malia - The Garden of Eve

"Blues lag mir schon immer sehr am Herzen. Es ist eine kathartische Erfahrung, kostbar und tiefgreifend, egal ob ich ihn spiele oder im Radio höre!" - Der Blues ist fest verankert in Malias Musik. Ob niveauvoller Soulpop, eine einfühlsame Hommage an Nina Simone, Elektro-Dance-Ausflüge mit Ex-Yello-Mann Boris Blank oder eine musikalische Verbeugung vor ihrer südostafrikanischen Heimat Malawi – ein bisschen von der Wehmut des Blues lässt sich in vielen Songs von Malia spüren. Ihr neues Album "The Garden of Eve" hat die 42-Jährige nun ganz dem Blues gewidmet.

Der musikalische Grundstock besteht aus einer intimen Triobesetzung aus Schlagzeug, Gitarre und Keyboards, die an passender Stelle mit Gästen wie dem Trompeter Joo Kraus oder dem Backgroundsänger Stokely van Daal erweitert wird. Im Fokus steht natürlich Malias ausdrucksstarke Stimme, die sowohl den Coversongs ("Love in vain", "The Thrill is gone") als auch den absolut ebenbürtigen Eigenkompositionen Seele einhaucht und die Essenz des Blues herausarbeitet: Schwermut kann man mit Hoffnung begegnen.

"Ich fühle mich endlich reif genug, um diese wunderbare Musiktradition zu verstehen, denn Blues ist das Leben."

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz

CD-Angaben:
Malia - The Garden of Eve
Label: MPS
Bestellnr: 0214360MS1

Gespielte Titel:
Montag: Last Show
Dienstag: The Thrill Is Gone
Mittwoch: Restoration
Donnerstag: Death
Freitag: Moving Away

Moka Efti Orchester.

09. März - 13. März: Moka Efti Orchestra

Auch wenn unser Album der Woche den Titel "Erstausgabe" trägt, ist die Musik nicht komplett neu. Denn das Moka Efti Orchestra hat einen Hang zur Nostalgie und lässt die Musik der 1920er Jahre noch einmal aufleben. Und es ist genau jene Band, die die Szenenmusik zur Serie "Babylon Berlin" beigesteuert hat.

Doch wenn man sich die 14 neu geschriebenen Titel der neuen CD anhört, wird schnell klar, dass dieses Orchester eine große Brücke mit vielen Verzweigungen schlägt, die in Richtung Jazz und Ragtime, in die Kaffeehäuser, in die Clubs und auch in Richtung Chanson und Songwriter führt.

Moka Efti Orchestra

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

CD-Angaben:
Moka Efti Orchestra
Erstausgabe
Motor Music - 4260620831002

Gespielte Titel:
Montag: Süße Lügen
Dienstag: Hollaender Mash Up
Mittwoch: Zu Asche, zu Staub
Donnerstag: Fatalist Tango
Freitag: Rainbow

CD-Cover: Kadri Voorand in Duo with Mikhel Mälgand.

02. März - 06. März: Kadri Voorand - "In Duo with Mihkel Mälgand"

Etliche Preise hat sie für ihre außergewöhnliche Musik schon bekommen – und doch ist sie hierzulande kaum bekannt: die estnische Musikerin, Sängerin und Pianistin Kadri Voorand. Geprägt wurde sie von klein auf von der Volksmusik ihre Landes, später von Jazzmusikern wie Wayne Shorter, Chick Corea und Billie Holiday.

Kadri Voorand.

Zum ersten Mal erscheint ein Album von ihr beim renommierten Label ACT. Zusammen mit dem Bassisten Mihkel Mälgand hat sie zwölf überwiegend selbst komponierte Songs aufgenommen, die geprägt sind von ihrem Drang nach Freiheit und dem Wunsch, sich musikalisch nicht auf ein Genre festlegen zu müssen. Ihre Songs schweben daher stilistisch irgendwo zwischen estnischer Volksmusik, Jazz, Pop und Rock. Von leise, filigran und lyrisch bis hämmernd und wuchtig reicht ihre Bandbreite. Also: vielseitig, abwechslungsreich und überraschend.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Kadri Voorand
In Duo with Mihkel Mälgand
ACT – LC 07644

Gespielte Titel:
Montag: Ageing child
Dienstag: Kättemaks/ Revenge
Mittwoch: Like Yoko and John
Donnerstag: They don’t really care about us
Freitag: I drove a 1.000 miles

24. Februar - 28. Februar: Web Web - "Worshippers"

CD-Cover von Web Webs "Worshipper".

Wenn ein Plattenlabel eine Neuerscheinung als das "vielleicht beste" Album der veröffentlichenden Band ankündigt, ist das neben einer ordentlichen Portion Vorschusslorbeeren auch gleichzeitig eine Diskreditierung der früheren Platten. Die Betonung in der Vorab-Bewertung zum neuen Album "Worshippers" der Band Web Web sollte auf dem Wort "vielleicht" liegen. Denn die erstklassig besetzte Band um Keyboarder Roberto Di Gioia, Bassist Christian von Kaphengst, Schlagzeuger Peter Gall und Saxophonist und Flötist Tony Lakatos, hält auch auf ihrem dritten Langspieler das hohe Niveau der Vorgänger.

4 Männer sitzen lachend auf eienr Couch.

Web Webs komplexe und gleichzeitig eingängige Kompositionen, inspiriert vom Sound des 70er-Jahre Spiritual Jazz, bieten den Musikern wieder reichlich Raum für Improvisation. Um sich klangtechnisch auf "Worshippers" neue Welten zu eröffnen, lud die Band als Gastmusiker den Geiger und Bratschisten Stefan Pintev und die Sängerin Joy Denalane ins Studio ein. Beide ergänzen den atmosphärisch dichten Sound und setzen wunderbare Akzente.

Vielleicht ist "Worshippers" das beste Album von Web Web – vielleicht aber auch einfach eine weitere hervorragende Platte der Band.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Interpret: Web Web
Album: Worshippers
Label: Compost Records
Bestellnr.: CPT 565-2

Gespielte Titel:
Montag: Warlock
Dienstag: Two Faces Lost
Mittwoch: Paranormal Question
Donnerstag: What You Give
Freitag: Inner Revolution

17. Februar - 21. Februar: Nathaniel Rateliff - "And it’s still alright"

CD-Cover: Nathaniel Rateliff - And it’s still alright

Eine verlorene Liebe und ein verlorener Freund: Schmerz und Trauer waren die Gefühle, die Nathaniel Rateliff zu seinem ersten Soloalbum seit sieben Jahren angetrieben haben. So sind die zehn Songs des US-Amerikaners zwar deutlich ruhiger als der groovende Soul seiner vergangenen Alben mit den Nightsweats - aber strahlen bei aller Schwere dennoch immer auch Zuversicht und wohlige Wärme aus. Oder wie er sagt: „Ich will immer die Hoffnung in der Dunkelheit sehen – und das möchte ich gerne teilen“. Ein ruhiges, nachdenkliches Album zwischen Folk, Soul und Blues.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Nathaniel Rateliff
And it’s still alright
Caroline – LC 03261
EAN 9705800100677

Gespielte Titel:
Montag: You need me
Dienstag: Mavis
Mittwoch: Expecting to lose
Donnerstag: What a drag
Freitag: And it's all right

10. Februar - 14. Februar: Kat Edmonson - "Dreamers Do"

Kat Edmonson: Dreamers Do.

Die texanische Sängerin Kat Edmonson macht auf ihrer neuen CD die Nacht zum Tag. In ihren immerhin 20 neuen Stücken unternimmt sie einen Streifzug durch die Nacht, begibt sich in die vermeintliche Melancholie der Dunkelheit und in farbenfrohe Traumwelten. In ihren Songs trifft Altes und scheinbar Altmodisches der 1940er und 1950er Jahre auf Modernes, die Sängerin mit der verträumten und puristischen Stimme liebt die Ästhetik der Gegensätze.

Kat Edmonson: Dreamers Do.

Neben Eigenkompositionen gesellen sich einige Disney-Songklassiker, denn die amerikanische Künstlerin liebt den Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart, sie ist stets auf der Suche nach der Zeitlosigkeit. Mit ihrem fünften Album „Dreamers Do“ liefert Kat Edmonson einen stimmungsvollen Soundtrack für schlaflose Nächte.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

CD-Angaben:
Kat Edmonson
Dreamers Do
Spinnerette Records SR2001

Gespielte Titel:
Montag: A Dream Is A Wish Your Heart Makes
Dienstag: All I Do is Dream of You
Mittwoch: In a World of My Own
Donnerstag: Someone's in the House
Freitag: What a Wonderful World

03. Februar 2020 - 07. Februar 2020: Joey Alexander - "Warna"

CD-Cover: Joey Alexander - "Warner"

Vor fünf Jahren veröffentlichte der Jazzpianist Joey Alexander sein Debutalbum und versetzte damit die Jazzwelt in kollektive Begeisterung. Herbie Hancock und Wynton Marsalis gehören zu seinen bekennenden Fans, er spielte Konzerte für Barack Obama und Bill Clinton, außerdem wurde er drei Mal für den Grammy nominiert.

Der Sänger Joey Alexander

Nun erscheint sein fünftes Album, fast nur mit eigenen Stücken. Technisch brillant, mit jugendlicher Begeisterung und dem Ausdruck eines gestandenen Künstlers. Im Juni wurde Joey Alexander sechzehn Jahre alt.

CD-Angaben:
Joey Alexander
Warna
LC 00383 Verve
EAN 0602508488399

Gespielte Titel:
Montag: Downtime
Dienstag: Mosaic (of beauty)
Mittwoch: Warna
Donnerstag: Our story
Freitag: Fragile

27. Januar 2020 - 31. Januar 2020: Ayo - "Royal"

CD-Cover des Albums "Royal" von Ayo.

"Down on my knees" hieß die Single aus ihrem ersten Album "Joyful", mit dem Soulsängerin Ayo 2006 bekannt wurde und sich gleich in mehreren europäischen Charts platzieren konnte. Trotz des Erfolges begleitete Joy Olasunmibo Ogunmakin, so Ayos bürgerlicher Name, lange ein Gefühl von Unsicherheit. Mit ihrem aktuellen sechsten Album hat sie sich nun endlich aufgerichtet: "Heute habe ich mehr Selbstvertrauen und ich glaube, dass es sich in der Art wie ich singe bemerkbar macht."

Von den zwölf rein akustischen Songs auf "Royal" stammen acht aus Ayos Feder, die restlichen vier sind sorgfältig ausgesuchte Coverversionen u.a. von dem französischen Chansonnier Maxime le Forestier und der amerikanischen Jazzsängerin Abbey Lincoln.

Ein schwarz-weiß Foto der Sängerin Ayo.

Auch Dank des Produzenten Freddy Koella, der lange Bob Dylan als Gitarrist begleitet hat, ist Ayos neues Album eine angenehm zurückgenommene und gleichzeitig ausdrucksvolle Folk- und Soulplatte geworden, die die Bedeutung ihres Künstlernamens wiederspiegelt: Ayọ heißt "Freude" in der Yoruba-Sprache ihres Vaters.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Interpret: Ayo
Album: "Royal"
Label: 3ème Bureau/Wagram
Bestellnr: 3375872

Gespielte Titel:
Montag: Beautiful
Dienstag: Afro blue
Mittwoch: Throw it away
Donnerstag: Ne quelque part
Freitag: Ocean

20. Januar 2020 - 24. Januar 2020: Martha High and the Italian Royal Family - Nothing’s going wrong

CD-Cover: Martha High and the Italian Royal Family - "Nothing’s going wrong"

Die Soul-Renaissance der letzten Jahre hat eine Menge interessanter Künstler ins Rampenlicht geholt. Darunter auch einige, die schon lange im Geschäft sind/waren, jedoch nie die verdiente Aufmerksamkeit bekommen haben, wie zum Beispiel Charles Bradley, Sharon Jones oder Lee Fields.

Martha High.

Auch Martha High blickt auf eine beachtliche Karriere zurück. Sie war lange Sängerin bei James Brown, begleitete später seinen Saxophonisten Maceo Parker auf Tourneen und fand vor einigen Jahren ihre neue Heimat in Italien. Dort hat die 75-jährige gerade ihr zweites Album zusammen mit Produzent Luca Sapio aufgenommen: "Nothing’s going wrong".

Textlich an den politisch hellwachen und sozialkritischen Mitte-70er-Platten von Marvin Gaye und Curtis Mayfield orientiert, überzeugt das Album durch seinen frischen und gleichzeitig klassischen Funk- und Soulsound mit einem guten Schuss Italo-Soundtrack.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Martha High and the Italian Royal Family
"Nothing’s going wrong"
Label: Blind Faith Records
EAN: 0645760209470

Gespielte Titel:
Montag: A little spark
Dienstag: I sing America
Mittwoch: The end of the rainbow
Donnerstag: Land of broken promises
Freitag: Still have a lot to learn

13. Januar 2020 - 17. Januar 2020: Michel Petrucciani - Colors

CD-Cover: "colors" von Michel Petrucciani

Michel Petrucciani galt bis zu seinem frühen Tod im Januar 1999 als einer der ganz großen Geschichtenerzähler am Jazzklavier. Ihm zu Ehren hat seine französische Plattenfirma eine umfassende Werkschau zusammengestellt, die jetzt auch hierzulande erschienen ist: das Doppelalbum "Colors" enthält 18 Titel aus unterschiedlichen Schaffensperioden Petruccianis. Der CD-Titel "Colors" sagt zugleich viel über seine Musik aus, denn Petrucciani konnte in den Tönen verschiedene Farben sehen, die er zu einem klingenden neuen Farbspektrum zusammen fügte. Ob solistisch oder im Duo, mit Streichern oder Bläsern – Michel Petrucciani überzeugt auch auf diesem Album in jeder Konstellation als eloquenter und eleganter Pianist.  

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

CD-Angaben:
Michel Petrucciani
"Colors"
Dreyfus Records
538521960, LC 09803 

Gespielte Titel
Montag: Brazilian Like
Dienstag: Montelimar
Mittwoch: Guadeloupe
Donnerstag: Even Mice Dance
Freitag: Charlie Brown

06. Januar 2020 - 10. Januar 2020: Josienne Clarke - "In All Weather"

Foto zu Josienne Clarkes Album "In All Weather".

Was tun bei Liebeskummer? Sport, Alleinsein, Ablenkung – was hilft? Die britische Musikerin Josienne Clarke hat sich dazu entschieden, ihre private wie musikalische Trennung von ihrem langjährigen Partner Ben Walker zu Musik werden zu lassen.

CD-Cover: Josienne Clarke - "In All Weather"

Dazu fuhr sie auf die schottische Insel Bute, lud neue Musiker ein und nahm mit ihnen gemeinsam ihr erstes Soloalbum auf.  Und wie der Titel "In All Weather" schon sagt, besingt sie darauf stürmische Zeiten – in all ihren Facetten. In ihren schlichten, warmen Folksongs mit Gitarre, Harfe und Blockflöte beschreibt sie die unterschiedlichen Phasen ihrer Trennung. Von Wut, Resignation, Trauer und Hoffnung.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Josienne Clarke
"In All Weather"
LC 11945 – Rough Trade Records

Gespielte Titel:
Montag: My Love Gave Me An Apple
Dienstag: Onliness
Mittwoch: Seconds
Donnerstag: If I did’nt mind
Freitag: Leaving London

30. Dezember 2019 - 3. Januar 2020: "If You’re Going To The City – A Tribute To Mose Allison"

Albumcover "If You’re Going To The City – A Tribute To Mose Allison"

Der 1927 in Tallahatchie County, Mississippi, geborene Pianist und Sänger Mose Allison hat sich nie entscheiden wollen, ob er ein Jazz spielender Bluesmann oder ein Blues singender Jazzpianist ist. Er pflegte den Ruf eines tadellosen Südstaaten-Gentleman und war Zeit seines Lebens ein "musician‘s musician", den viele erst durch Coverversionen seiner Songs entdeckten. Mit charismatisch sanfter Stimme sang er hintergründig-ironische Texte und beeinflusste damit Bands und Musiker wie The Who, Elvis Costello, Bonnie Raitt oder The Clash.

Jetzt hat das amerikanische Plattenlabel "Fat Possum" dem vor drei Jahren verstorbenen Allison das Album "If You‘re Going To The City – A Tribute To Mose Allison" gewidmet. So unterschiedliche Musiker wie Iggy Pop, Fiona Apple, Robbie Fulks, Chrissie Hynde, Frank Black, Allisons Tochter Amy u.v.a. verbeugen sich darauf musikalisch vor Mose Allison. Als Bonus liegt der CD noch der sehenswerte BBC-Film "Mose Allison: Ever Since I Stole The Blues" bei.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Interpret: Various Artists
Album: If You’re Going To The City – A Tribute To Mose Allison
Label: Fat Possum Records
Bestellnr: FP1715-2

Gespielte Titel:
Montag: If you're going to the city (Iggy Pop)