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Das Album der Woche

Verschiedene Album-Cover

Das Album der Woche

Jede Woche empfiehlt die Resonanzen-Redaktion ein neues Album. Hier sind die Musik-Empfehlungen der letzten Wochen im Überblick.

11. - 15. Februar 2019: Gianmaria Testa - Prezioso

Der italienische Liedermacher Gianmaria Testa

Viele Jahre seines Lebens verbrachte Gianmaria Testa als Bahnhofsvorsteher im italienischen Piemont. Das Gitarrenspiel hat er sich autodidaktisch beigebracht, einen Hang zur Poesie hatte er sowieso schon immer. Entsprechend spät begann Testas musikalische Karriere, die erst mit seinem frühen Tod im März 2016 endete.

Gianmaria Testa - Prezioso

Sein Plattendebüt erschien 1995, und jetzt wird seine Diskographie posthum erweitert. Denn Testas Witwe hat noch einige Tonskizzen, Fragmente und Aufnahmen ihres verstorbenen Ehemanns gefunden und zusammen mit einem Tontechniker sorgfältig aufgearbeitet. Elf minimalistische, dafür umso ausdruckstärkere Songs sind dabei entstanden, die jetzt auf dem Album "Prezioso" ihren Platz finden. Es soll das letzte poetische und intime Kapitel eines Liedermachers sein, der gerne mal als französischster aller italienischen Sänger bezeichnet wird.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

CD-Angaben:
Gianmaria Testa
Prezioso
Incipit Records

Gespielte Titel:
Montag: Anche senza parlare
Dienstag: Post-moderno Rock
Mittwoch: Questa pianura
Donnerstag: Merica merica
Freitag: Sotto le stelle il mare

04. - 08. Februar 2019: Leyla McCalla - Capitalist Blues

CD-Cover: Leyla McCalla - Capitalist Blues

Geboren wurde sie in New York, ihre Wurzeln liegen in Haiti und ihre Wahlheimat ist New Orleans. In ihrer Musik verbindet die Sängerin, Songschreiberin, Cellistin und Banjospielerin Leyla McCalla all diese Einflüsse: die Traditionen der Kreolen, der Cajuns und der Haitianer, amerikanischen Folk, Bluegrass und Jazz.

Ein Foto von Leyla McCalla.

Ihr drittes Album widmet sie thematisch den Sorgen ihrer Zeit: sie singt Lieder über soziale Ungerechtigkeit, Korruption, die Macht des Geldes und den Krieg in Syrien. Eine New-Orleans-Brass-Band legt das musikalische Grundgerüst, so dass trotz der schweren Themen doch eher die musikalische Leichtigkeit überwiegt. Leyla McCallas Systemkritik klingt meist heiter und zwischendurch sogar tanzbar.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Leyla McCalla
Capitalist Blues
Jazz Village
(PIAS)

Gespielte Titel:
Montag: Lavi vye neg
Di: The Capitalist Blues
Mi: Money is King
Do: Mize pas dous
Fr: Ain’t no use

28. Januar - 01 Februar 2019: Volker Kriegel - Biton Grooves

CD-Cover: Volker Kriegel - Biton Grooves

In den 70er und 80er Jahren produzierten die Frankfurter Biton-Studios eine Reihe sogenannter Library-Platten, Alben mit Instrumentalstücken, die als Hintergrundmusik für Radio- und Fernsehproduktionen gedacht waren und nicht im regulären Handel erschienen. Fünf solcher "Gebrauchsmusik"-Platten spielte der Frankfurter Jazzgitarrist Volker Kriegel zwischen 1974 und 1982 für Biton ein und die sind nun, fanatischen Fans und Sammlern zur großen Freude, erstmals für das breite Publikum auf CD wiederveröffentlicht worden.

37 Kompositionen von Kriegel und seinen musikalischen Begleitern (u.a. Rainer Brüninghaus – Elektro-Klavier,  Eberhard Weber und Hans-Peter Ströer – Bass, Klaus Weiss – Schlagzeug) finden sich auf der Kompilation "Biton Grooves". Die dem Zweck der Aufnahmen angepassten verhältnismäßig eingängigen Melodien und einfachen Sounds behalten durch und durch den unverwechselbaren Kriegel-Sound mit seinen schnellen melodischen Gitarrenriffs und harmonischen Akkordzerlegungen.

"Wenn diese Musik es in die Fahrstühle der Republik geschafft hätte, wie gern würde man heute Fahrstuhl fahren", schreibt Hans-Jürgen Linke in der Frankfurter Rundschau. Da hat er Recht.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Volker Kriegel
Biton Grooves
MIG (made in germany)
M1309-2

Gespielte Titel:
Montag: Just for you
Dienstag: Big tattoo
Mittwoch: Towards you
Donnerstag: El Naranjo
Freitag: Madison bold

21. - 25. Januar 2019: Carminho - Maria

CD-Cover: Carminho - Maria

Der portugiesische Fado hat schwierige Zeiten hinter sich – doch seit einigen Jahren erlebt er eine ungeahnte Renaissance. Seit 2011 gehört er sogar zum Immateriellen Kulturerbe der Unesco. Ein Grund für das Comeback des Fado sind junge Musiker, die sich mit Traditionsbewusstsein, aber auch mit neuen Ideen an diese tiefgründige Musik des Weltschmerzes heranwagen.

Ein Foto von Carminho.

Schon mit ihren ersten Alben etablierte sich die Fadista Carminho in der Fado-Szene, manch einer bezeichnet sie heute schon als die "Königin des Fado". Um weg von den ausgetretenen Pfaden zu kommen, hat sie die meisten Lieder ihres neuen Albums selbst komponiert. Sie klingen gleichzeitig klassisch wie modern und werden getragen von Carminhos rauer, ungekünstelter Stimme, die beeindruckende Intensität verbreitet.

CD-Angaben:
Maria
Carminho
Parlophone Label Group
LC 30419

Gespielte Titel:
Montag gespielt:  O começo
Dienstag: O menino e a cidade
Mittwoch: Poeta
Donnerstag: Quero um cavalo de várias cores
Freitag: Se vieres

14. - 18. Januar 2019: Julian & Roman Wasserfuhr - Relaxin’ in Ireland

CD-Cover: Relaxin' in Ireland von Julian & Roman Wasserfuhr

Der Pianist Roman Wasserfuhr und sein kleiner Bruder, der Trompeter Julian stammen aus dem oberbergischen Städtchen Hückeswagen. Dass die beiden schon sehr lange zusammen Musik machen, hört man ihnen an: sie können sich blind vertrauen, der eine weiß stets, was der andere tut. Und nicht zuletzt aufgrund dieser Besonderheit, aber auch aufgrund ihrer entspannten Spielhaltung und ihres ungekünstelten Sounds zählen sie zu den gefragtesten Vertretern ihrer Generation im Bereich Jazz.

Julian & Roman Wasserfuhr mit Jörg Brinkmann

Jetzt ist ihr Album Nummer sieben erschienen: dazu sind die beiden Brüder zusammen nach Irland gereist, wo die Aufnahmen von "Relaxin‘ in Ireland" entstanden sind. Diesmal haben sie auf eine herkömmliche Bandbesetzung bewusst verzichtet, Bass und Schlagzeug weggelassen und durch den Cellisten Jörg Brinkmann ersetzt. Eine Besetzungsform, die selbst im Jazz exotisch ist und der Musik eine edle und transparente Note verleiht.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

CD-Angaben:
Julian & Roman Wasserfuhr
Relaxin’ in Ireland
ACT Music - 9873-2, LC 07644

Gespielte Titel:
Montag: Cello bello
Dienstag: Moondance
Mittwoch: Lettercollum
Donnerstag: Später Bess
Freitag: Schnaff

07. - 11. Januar 2019: Jamie Cullum - "The Song Society Playlist"

CD-Cover: Jamie Cullum - The Song Society Playlist

Im Jahr 2003 machte sein Album "Twentysomething" ihn schlagartig zum kommerziell erfolgreichsten Jazzmusiker der britischen Geschichte. Seitdem hat Jamie Cullum etliche Alben veröffentlicht und füllt als Sänger, Pianist und Entertainer die großen Konzerthallen der Welt. Musikalisch bewegte er sich dabei immer mehr auch in Richtung Popmusik.

Für sein nun als Download-Album veröffentlichtes Projekt "The Song Society" hat er sich ein besonderes Konzept ausgedacht: er wählte Popsongs von Künstlern wie Joni Mitchell, Mark Ronson oder The Weeknd aus und versuchte, entweder allein oder in einer sehr kleinen Besetzung diese Songs innerhalb einer Stunde auf seine ganz eigene Art und Weise neu zu interpretieren. Dann nahm er das ganze direkt auf und veröffentlichte die entstandene Musik samt Film ohne große technische Nachbearbeitung auf Youtube. Erstaunlich überzeugend schafft er es, die Lieder zu seinen eigenen zu machen.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Jamie Cullum
The Song Society Playlist
Island Records
– LC 00407

Gespielte Titel:
Montag: What do you mean
Dienstag: Shape of you
Mittwoch: Can't feel my face
Donnerstag: Uptown Funk
Freitag: Brick

02. - 04. Januar 2019: Various Artists - “A Day In The Life: Impressions Of Pepper”

CD-Cover: A Day In The Life: Impressions Of Pepper

Mit "Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band" schrieben die Beatles vor gut 50 Jahren Musikgeschichte. Die dreizehn Songs des Konzeptalbums stellten die Popwelt auf den Kopf, indem sie musikalisch Grenzen überwanden und neue Möglichkeiten der Produktion aufzeigten. Für das Tribute-Projekt "A Day In The Life: Impressions Of Pepper" hat das Label Verve eine Reihe von internationalen Jazzmusikern der jüngeren Generation eingeladen (u.a. Keyon Harrold, Shabaka Hutchings, Miles Mosley, Mary Halvorson) die Songs der Beatles neu zu interpretieren.

Das Resultat ist ein spannendes Album mit höchst unterschiedlichen Bearbeitungen der Originaltitel, bei denen zwar die Songreihenfolge der Platte beibehalten wurde, sonst aber alle künstlerischen Freiheiten gelassen wurden.

"Was Sie auf dieser Platte hören, sind keine Cover sondern Impressionen dieser ikonischen Songs", heißt es im Begleitheft zu "Impressions Of Pepper". Und genau darin liegt der Reiz dieser musikalischen Verbeugung vor dem kreativen Höhepunkt der Beatles. Ob es freie Interpretationen der Vorlagen oder nur kurze Melodie- oder Rhythmusfragmente sind, die als Basis für die Neuaufnahmen dienten – in jedem Fall machen sich die Musiker respektvoll die Stücke zu eigen und zeigen damit eindrucksvoll die bis heute wirkende inspiratorische Kraft des 1967 erschienen Albums.

Ganz nebenbei ist "Impressions Of Pepper" ein guter Einblick in die Vielseitigkeit der jungen britischen und amerikanischen Avantgarde-Jazzszene.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Various Artists
Label: Verve
Bestellnr.: 00602577085765

Gespielte Titel:
Mittwoch: Keyon Harrold – She’s leaving home
Donnerstag: Sullivan Fortner – When I’m sixty-four
Freitag: Mary Halvorson – With a little help fro

Stand: 05.09.2018, 16:55