Das Album der Woche 2017

Das Album der Woche 2017

Jede Woche empfiehlt die Resonanzen-Redaktion ein neues Album. Hier sind die Musik-Empfehlungen der letzten Wochen im Überblick.

Verschiedene Album-Cover

27. - 29. Dezember 2017: Lionel Loueke & Céline Rudolph: Obsession

CD-Cover: Obsession von  Lionel Loueke und Céline Rudolph

Die Freiheit scheint grenzenlos – ebenso das Risiko: das Duo gehört zu den Königsdisziplinen im Jazz. Kein Rhythmusgefüge, auf das man sich verlassen kann, kein harmonischer Untergrund, der einen auffängt, wenn man im Solo über die Stränge schlägt. Im Duo kann sich keiner hinter dem anderen verstecken.

Die deutsch-französische Sängerin Céline Rudolph geht auf ihrem neuen Album dieses Wagnis zusammen mit dem aus Westafrika stammenden Gitarristen Lionel Loueke ein. Zwischen Bossa Nova, afrikanischer Musik, Jazz und Chanson entfalten sie sowohl eine unglaubliche Dynamik als auch intime Ruhe. Dabei wirken die überwiegend selbst komponierten Songs so organisch, als würden sie schon immer zusammen musizieren.

Album-Angaben:
Obsession
Lionel Loueke & Céline Rudolph
Membran LC 29284

Gespielte TItel:
Montag: C’est un love song

18. - 22. Dezember 2017: Stephan Eicher & Martin Suter: Song Book

Stephan Eicher & Martin Suter: Song Book

Die 17 Songs auf der neuen CD "Song Book" von Stephan Eicher kreisen um das Thema Liebe, Vergänglichkeit und Einsamkeit. Weitaus exotischer als die Themen ist die Sprache, in der gesungen wird, nämlich auf Berndeutsch. Diese Schweizer Mundart ist nicht unbedingt leicht verständlich, umso besser also, dass nicht nur ein Booklet, sondern gleich ein ganzes Buch zur CD mitgeliefert wird. Auf über 100 Seiten sind nicht nur die Texte abgedruckt, sondern es werden auch noch hintergründige und humorvolle Geschichten zu den einzelnen Songs mitgeliefert. Der Musiker Stephan Eicher hat diesem Projekt Stimme und Noten verliehen, die Texte stammen von Eichers langjährigen Freund, dem Schweizer Schriftsteller Martin Suter. Das "Song Book" ist ein ganz besonderes Liederbuch mit bitter-süßen Episoden mitten aus dem Leben, die tief in die Menschenseele blicken lassen.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

Album-Angaben:
Stephan Eicher & Martin Suter
Song Book
CD & Buch
Diogenes Verlag

Gespielte Titel:
Montag: Nur Um Di
Dienstag: Du
Mittwoch: Still
Donnerstag: Für immer
Freitag: Aabelied

11. - 15. Dezember 2017: Ella Fitzgerald: Ella at Zardi's

Das CD-Cover von Ella Fitzgeralds Aufnahme "Ella at Zardis".

In diesem Jahr wäre sie einhundert Jahre alt geworden, die "First Lady des Jazz" Ella Fitzgerald. 60 Jahre Karriere, 14 Grammys, mehr als 40 Millionen verkaufte Alben – sie gehörte zu den erfolgreichsten Sängerinnen aller Zeiten.

Man könnte meinen, dass von so einem Superstar mittlerweile jeder mitgeschnittene Ton veröffentlicht worden sei, doch das stimmt nicht ganz: im Februar 1956 gab Ella Fitzgerald ein Konzert im Nachtclub "Zardi's Jazzland" in Hollywood. Eigentlich sollte der Mitschnitt auf Platte gepresst werden, doch weil so schnell danach das legendäre Cole-Porter-Album auf den Markt kommen sollte, blieben die Aufnahmen im Archiv - bis heute. 21 bisher unveröffentlichte Aufnahmen voller Energie, Dynamik und Drive. Ella Fitzgerald in Bestform.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

Album-Angaben:
Ella Fitzgerald
Ella at Zardi's
Verve - LC 00383

Gespielte Titel:
Montag: It all depends on you
Dienstag: The angels sing
Mittwoch: I can’t give you anything but love
Donnerstag: A-tisket, a-tasket
Freitag: In a mellow tone

4. - 8. Dezember 2017: Micatone: The Crack

Album-Cover: The Crack

Kurz vor der Jahrtausendwende trat in Berlin das Bandprojekt Micatone um Sängerin Lisa Bassenge auf den Plan und verband auf originelle Weise elektronische Sounds mit akustisch eingespielten Instrumenten. Schon damals griffen die Schubladenbegriffe "NuJazz" oder "Lounge" zu kurz und wurden dem vielschichtigen Sound der Band nicht gerecht.

"The crack is wider now" - "Der Riss ist größer geworden" – singt Lisa Bassenge auf "The Crack", dem fünften Album von Micatone. Durch diesen Riss hat sich der Blues seinen Weg gebahnt. In neun atmosphärisch dichten Songs nimmt sich die Band weitgehend zurück und lässt Bassenges Gesang und ihren Geschichten über die tragischen Momente im Leben, Raum zur wohlig-melancholischen Entfaltung.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

Album-Angaben:
Micatone: The Crack
Label: Sonar Kollektiv
Bestellnr.: SK345LP

Gespielte Titel:
Montag: The Crack
Dienstag: Shell Song
Mittwoch: Black Dog
Donnerstag: What if the fire was fake
Freitag: All gone

27. November - 1. Dezember 2017: The Oscar Peterson Trio + The Singers Unlimited: In Tune

Albumcover: The Oscar Peterson Trio + The Singers Unlimited: In Tune

Treffen sich ein schwäbischer Millionenerbe, ein kanadischer Pianist und vier Sänger aus Chicago im Schwarzwald… Klingt wie der Anfang eines flachen Musikerwitzes, ist es aber nicht. Der Klaviergigant Oscar Peterson hatte alles eingefädelt, er vermittelte den Kontakt zwischen dem damals noch relativ unbekannten Chicagoer A-Capella-Ensemble Singers Unlimited und dem Schwarzwälder Jazzlabel "Musikproduktion Schwarzwald", kurz: MPS. 1971 nahmen sie zusammen mit dem Oscar Peterson Trio ihr erstes Album dort auf, es war der Beginn einer großartigen Erfolgsgeschichte. Nachdem dieses spektakuläre Album lange vergriffen war, erscheint es nun neu.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula

Album-Angaben:
The Oscar Peterson Trio + The Singers Unlimited: In Tune
Label: MPS Records
Labelcode: 00979

Gespielte Titel:
Montag: Sesame Street
Dienstag: The shadow of your smile
Mittwoch: Children's Games
Donnerstag: The gentle rain
Freitag: Catherine

20. November - 24. November 2017: Ibrahim Maalouf: Dalida

Album Cover "Dalida" von Ibrahim Maalouf

Dass die französische Sängerin Dalida ab den späten 1950er Jahren ein überaus erfolgreicher Schlager-Star war und weltweit über 150 Millionen Platten verkaufte, ist heute außerhalb Frankreichs weitgehend vergessen. Was bleibt, ist ihre Musik.

Der französisch-libanesische Trompeter Ibrahim Maalouf hat einige von Dalidas Hits ausgegraben und zusammen mit unterschiedlichen Sängerinnen und Sängern neu aufgenommen. Maalouf schlägt damit nicht nur eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart, sondern zeichnet auch eine direkte Verbindungslinie zwischen Jazz und Chanson.

Und weil Ibrahim Maalouf aus dem Libanon stammt und vor einigen Jahren mit seiner Familie nach Frankreich flüchtete, reichert er die Songs auch noch mit Musikfarben aus dem Nahen Osten an. Ein Album, das aufgrund seiner vielen Facetten nicht nur die Liebhaber frankophiler Musik ansprechen dürfte.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd

Album-Angaben:
Ibrahim Maalouf: Dalida
Label: Barclay
Bestellnummer: 670 359-0
Labelcode: 00126

Gespielte Titel:
Montag: J’Attendrai
Dienstag: Bambino
Mittwoch: Il Venait D’Avoir 18 Ans
Donnerstag: Je Me Repose
Freitag: Love In Portofino

13. November - 17. November 2017: Sharon Jones: Soul of a woman

Cover "Soul of a woman" von Sharon Jones

Die Trauer war groß, als die amerikanische Soulsängerin Sharon Jones im vergangenen Jahr im Alter von 60 Jahren ihrem Krebsleiden erlag. Während ihrer verhältnismäßig kurzen Karriere hat sie es wie kaum ein anderer Musiker der jüngeren Soul-Generation geschafft, die Energie der Musik live auf die Bühne und im Studio auf Platte zu bringen.

Posthum erscheint jetzt Sharon Jones finales Album, an dem sie bis kurz vor ihrem Tod gearbeitet hat, mit dem simplen wie passenden Titel "Soul of a Woman".

Trotz der teils schwierigen Umstände bei den Aufnahmen hat ihre Stimme bei den elf Songs nichts von ihrer außerordentlichen Präsenz eingebüßt. Bis zum Schluss zeigt Sharon Jones eindrucksvoll ihre Entschlossenheit und den Stolz, mit der sie 20 Jahre lang den Soul gesungen hat.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz

CD-Angaben:
Sharon Jones: Soul of a woman
Label: Daptone Records
Bestellnr.: DAP-050
LC: 48934

Gespielte Titel:
Montag: Searching for a new day
Dienstag: Come and be a winner
Mittwoch: Matter of time
Donnerstag: Pass me by
Freitag: Call on God

06. November - 10. November 2017: Joe Henry: Thrum

Albumcover: "Thrum" von Joe Henry

Wenn Joe Henry nicht gerade selbst Musik macht, drückt er als Produzent so unterschiedlichen Musikern wie Solomon Burke, Bonnie Raitt, Beck oder zuletzt Billy Bragg seinen unverwechselbaren Stempel auf.

In den letzten Monaten hat sich der aus North Carolina stammende Musiker auf die Arbeit an seinem 14. Album "Thrum" konzentriert. Die Inspiration dafür fand er bei Dichtern wie Rainer Maria Rilke, Walt Whitman und Arthur Rimbaud - "Ein guter Song ist genauso mächtig, wie das beste Gedicht." stellt Henry fest.

Die 11 Songs auf "Thrum" erzählen in sparsamer Besetzung und spröder Schönheit Geschichten von Licht und Dunkelheit, von der unausweichlichen menschlichen Fehlbarkeit und dem dennoch alternativlosen Streben nach Verbesserung. Ein lyrisches, melancholisches und politisch sehr aktuelles Album.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Joe Henry: Thrum
Ear Music
LC 0212262EMU

Gespielte Titel:
Montag: Believer
Dienstag: Quicksilver
Mittwoch: River Floor
Donnerstag: Climb
Freitag: The Glorious Dead

23. - 27. Oktober 2017: Erika Stucky: Papito

Erika Stucky

Sie ist Sängerin, Komponistin und Multi-Media-Künstlerin. Die schweizerische Musikerin Erika Stucky hatte schon immer ein Faible dafür, Stile zu mischen: ob Jazz, Punk, traditionelle schweizerische Jodelgesänge oder Musik von Jimi Hendrix: sie kombinierte schon immer hemmungslos drauflos und scherte sich nicht um Stilpuristen.

Ihr neues Album knüpft an diese Tradition an – auf eine ganz neue Weise: Spezialisten für Alte Musik vom Baseler Barockorchester hat sie eingeladen, dazu den Countertenor Andreas Scholl und den Soundtüftler FM Einheit. Sie interpretieren Klassiker von Billie Holiday und Cole Porter, aber auch eigene Songs von Erika Stucky und gestalten völlig neue atmosphärisch-schwebende Klangwelten.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Erika Stucky: Papito
Traumton
LC 05597

Gespielte Titel:
Montag: I do
Donnerstag: Marie
Freitag: Don't explain

23. - 27. Oktober 2017: Franco Ambrosetti: Cheers

Franco Ambrosetti: Cheers

Vor knapp einem Jahr wurde der in der Schweiz geborene Trompeter Franco Ambrosetti 75 Jahre alt. Zu diesem Anlass hat er ein knappes Dutzend hochkarätige Jazzmusiker ins Studio geladen, um in wechselnden Besetzungen das Album "Cheers" aufzunehmen. Genau genommen kann Ambrosetti auf gleich zwei erfolgreiche Karrieren zurückblicken. Denn nicht nur als Jazztrompeter genießt er seit vielen Jahren international ein hohes Ansehen.

Auch als Manager einer familieneigenen Firma für Luftfahrt-Technik war er über lange Jahre erfolgreich, wobei er sich in den letzten Jahren wieder mehr der Musik widmet. Auf seinem Geburtstagsalbum demonstriert Franco Ambrosetti mal wieder auf beeindruckende Weise, wie dynamisch, druckvoll, voluminös und poetisch sein Ton auch heute noch ist.

Rückseite: Franco Ambrosetti: Cheers

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

CD-Angaben:
Franco Ambrosetti: Cheers
ENJA Records
LC 03126

Gespielte Titel:
Montag: Bye Bye Blackbird
Dienstag: Someday My Prince Will Come
Mittwoch: Drums Corrida
Donnerstag: Body And Soul
Freitag: Midnight Voyage

16. - 20. Oktober 2017: Melanie De Biasio: Lilies

Albumcover: "Liles" von Melanie De Biasio

Die belgische Musikerin Melanie De Biasio feiert auf ihrem dritten Album die Stille. Ihre Musik lebt von der Spannung zwischen den Tönen und von Atempausen. Extrem minimalistische Arrangements treffen auf die meist flüsternd-hauchende Stimme der Sängerin und Flötistin. So entsteht ein ganz intimer Sound, der stilistisch irgendwo zwischen Portishead und Billie Holiday angesiedelt ist, also zwischen Trip Hop und Jazz. So entsteht leise und doch spannungsvolle Melancholie, der man sich nur schwer entziehen kann – die perfekte Musik für den Herbst.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula

CD-Angaben:
Melanie De Biasio
Lilies
Play It Again Sam
LC 07800

Gespielte Titel:
Montag: Lilies
Dienstag: Let me love you

09. - 12. Oktober 2017: Zara McFarlane: Arise

CD-Cover: Zara McFarlane - Arise

Die britische Sängerin Zara McFarlane hatte eine genaue Vorstellung davon, wie ihr drittes Album zu klingen hat. Es sollte eine Verbindung ihrer beiden musikalischen Lieben, karibischer Musik und Jazz, werden.

Zuhause im englischen Essex wuchs die Tochter jamaikanischer Eltern mit Reggae auf. Mit elf Jahren begann sie eigene Songs zu schreiben, später studierte sie Musical und Popmusik bevor sie den Jazz für sich entdeckte. Nach erscheinen ihres Debutalbums 2011 wurde sie mit dem renommierten "Music of Black Origin"-Award als beste Jazz-Künstlerin ausgezeichnet.

Auf dem aktuellen Album "Arise" schafft die 33-jährige McFarlane klangvoll die  Verbindung von Erbe und Gegenwart: jamaikanische Rhythmen treffen auf britischen Modern Jazz.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Zara McFarlane
Arise

Brownswood Recordings
BWOOD0162

Gespielte Titel:
Montag: Peace begins within
Dienstag: Fisherman
Mittwoch: Freedom Chain
Donnerstag: Allies and enemies

02. - 06. Oktober 2017: Ibeyi: Ash

Album-Cover: Ibeyi - Ash

Ihr erstes Album vor zwei Jahren wurde zum Überraschungserfolg. Mit der musikalischen Mischung von traditionellen westafrikanischen Yoruba-Gesängen, afrikanischen Trommeln mit elektronischen Sounds und Popmusik haben die Zwillingsschwestern Lisa-Kaindè und Naomi Diaz einen ganz eigenen Sound erschaffen.

Nun erschien das zweite Album der franko-kubanischen Musikerinnen. Zusammen mit Gästen wie Chilly Gonzales und Kamasi Washington machen sie einen Schritt in Richtung Popmusik und beschäftigen sich inhaltlich mit Themen wie Rassismus, Diskriminierung und den Auswirkungen von populistischer Politik.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula

CD-Angaben:
Ibeyi: Ash
XL-Recordings
LC 05667

Gespielte Titel:
Montag: Ash
Mittwoch: Away away
Donnerstag: Deathless
Freitag: No man is big enough for my arms

25. - 29. September 2017: Jazz And Art (diverse Interpreten)

Sharon Jordan: Jazz And Art

Ganz egal ob bildende Kunst oder Fotografie: schon seit jeher inspiriert der Jazz die unterschiedlichsten Künstler, man denke nur an die Bilder von Otto Dix oder von Max Beckmann. Und auch umgekehrt gibt lassen sich vergleichbare Einflüsse beobachten, wenn zum beispielsweise Plattencover zu kleinen Kunstwerken werden oder die Jazzmusiker selbst zu Pinsel und Leinwand greifen.

Die gemeinsame Geschichte von Jazz (und dessen Vorläufer) und Kunst zeichnet jetzt ein neues Buch sehr detailliert nach. Die amerikanische Kunsthistorikerin Sharon Jordan illustriert auf 220 großzügig gestalteten und reichlich bebilderten Seiten diese seit über 100 Jahren bestehende Liaison aus der Perspektive der bildenden Kunst.

Damit aber nicht nur die Augen, sondern auch die Ohren auf ihre Kosten kommen, wurden diesem Buch gleich drei CDs mit Musik berühmter Jazzmusiker wie Duke Ellington, Louis Armstrong und Miles Davis beigelegt.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

CD-Angaben:
Sharon Jordan: Jazz And Art
Erschienen bei earBOOKS (Edel)
ISBN 978-3-9435-7331-2

Gespielte Titel:
Montag: East St. Louis Toodle-Do (Duke Ellington)
Dienstag: West End Blues (Louis Armstrong)
Mittwoch: : I’m An Old Cowhand (Sonny Rollins Trio)
Donnerstag: Picasso (Coleman Hawkins)
Freitag: ‘Round About Midnight (Miles Davis Quintet)

18.09. - 22.09. September 2017: Susanne Sundfør: Music for people in trouble

CD-Cover: Susanne Sundfør - Music for people in trouble

Die norwegische Musikerin Susanne Sundfør ist in Bewegung – sowohl geographisch als auch musikalisch. Für ihr neues Album ist sie an viele Orte gereist, in denen die Lebensbedingungen der Menschen weitaus schlechter sind als bei uns: vom Amazonas bis nach Nordkorea. Viele Eindrücke brachte sie von ihrer Reise mit, die sich unmittelbar auf ihre Musik auswirkten.

Elektronische Songs schienen ihr zu trivial, um auf miese Umstände hinzuweisen – also griff sie wieder zu analogen Instrumenten wie Gitarre, Klavier und Saxophon. Nur gelegentliche elektronische Einsprengsel erinnern an den kühlen Synthiepop ihrer Anfänge.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula

CD-Angaben:
Susanne Sundfør
Music for people in trouble
Bella Union / PIAS – LC 07800
EAN 5414939961799

Gespielte Titel:
Montag: Reincarnation
Dienstag: Bedtime Story
Mittwoch: Undercover
Donnerstag: Good Luck Bad Luck
Freitag: The Sound of War

11. - 15. September 2017: Tori Amos: Native Invader

CD-Cover: Tori Amos - Native Invader

Am Anfang stand eine Reise in die Appalachen. Dort, in den Great Smoky Mountains wollte sich die Singer-Songwriterin Tori Amos auf die Suche nach der Geschichte ihrer Vorfahren und damit auch sich selbst machen und nebenbei Ideen für neue Lieder sammeln. Doch dann kam alles ganz anders: ihre Mutter erkrankte schwer und Donald Trump wurde zum Präsidenten der USA gewählt. Unter diesem Eindruck entstanden die insgesamt 15 Songs zu "Native Invader". Eine lyrisch-poetische Auseinandersetzung mit Politik, Krieg, Natur und natürlich Liebe.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Tori Amos
Native Invader
Decca – LC 00171

Gespielte Titel:
Montag: Wings
Dienstag: Climb
Mittwoch: Up The Creek
Donnerstag: Benjamin
Freitag: Chocolate Song

4. - 8. September 2017: Sugaray Rayford: The world that we live in

Albumcover: Sugaray Rayford: The world that we live in

Sugaray Rayfords aktuelles Album "The world that we live in" klingt wie ein lange verschollener und gerade wiederentdeckter Soulklassiker aus den 1960er Jahren. Verantwortlich dafür ist der italienische Soul-Enthusiast, Vintage-Fanatiker, Produzent und Komponist Luca Sapio und natürlich sein Schützling Rayford.

Der 1,95 Meter große Hüne aus Texas mit der entsprechend voluminösen Stimme wuchs mit Gospel und Soul auf. Ein langer Weg mit Abstecher über modernen R'n'B brachte ihn Anfang der 2000er Jahre schließlich zum Blues, der zu seinem musikalischen Zuhause wurde.

"Du arbeitest hart, bis du dein Ding gefunden hast. Dann plötzlich werden die Leute aufmerksam. Die Schwierigkeit ist, nicht vorher aufzugeben, bevor du dieses Ziel erreicht hast."

Sugaray Rayford hat das Ziel erreicht. Sein energischer Soul und Blues auf "The world that we live in" ist live und auf Tonträger eine echte Offenbarung.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Sugaray Rayford: The world that we live in
Blindfaith Records

Bestellnr.: BF 0104

Gespielte Titel:
Montag: The world that we live in
Dienstag: Take me back
Mittwoch: Home again
Donnerstag: Ain't got no business to die
Freitag: Troubles

28. August - 1. September 2017: Wolfgang Haffner: Kind Of Spain

Wolfgang Haffner - Kind Of Spain

Wolfgang Haffner zählt seit Jahren zu den erfolgreichsten und gefragtesten Jazz-Schlagzeugern im Land. Zwischendurch nimmt er sich aber immer wieder Zeit, um eigene Projekte mit seiner Band auf die Beine zu stellen. Auf seinem neuen Album "Kind Of Spain" widmet sich der in Franken geborene Musiker mit Wahlheimat Ibiza der Musik Spaniens.

Haffner bringt dabei die Lebendigkeit des Jazz mit der Melancholie von Flamenco und den Melodien der spanischen Folklore in einen farbenfrohen Einklang. Neben Haffners verlässlich-präzisem Spiel ist es vor allem seine elegante Zurückhaltung, die seine künstlerischen Qualitäten als Schlagzeuger unterstreichen. Überhaupt spielen die beiden Begriffe Reduktion und Entschleunigung eine zentrale Rolle, so dass die sonst doch eher tänzerische und energische Musik der Iberischen Halbinsel in einem ganz neuen Licht erstrahlt.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

CD-Angaben:
Wolfgang Haffner: Kind Of Spain
ACT Music 9848-2 (LC 07644)

Gespielte Titel:
Montag: For Vince & Arif
Dienstag: El Vito
Mittwoch: Pasodoble
Donnerstag: Children Of Sanchez
Freitag: Spain

21. August - 25. August 2017: Soul of Nation

CD-Cover: Sould of Nation

Es war eine Zeit der Emanzipation und des Widerstands in den USA. Ihren Höhepunkt fand die Bürgerrechtsbewegung - das Civil Rights Movement - 1963. Über 200 000 Menschen versammelten sich in Washington und setzten ein übergroßes Zeichen gegen die Diskriminierung von afroamerikanischen Bevölkerungsgruppen. Martin Luther King hielt seine berühmte "I have a dream"-Rede.

Bis heute hat dieses Thema leider nicht an Aktualität eingebüßt. Und nun erschien ein Sampler, der versucht, den musikalischen Geist dieser Zeit abzubilden. Da traf Freejazz auf Soul, Funk, Rap und afrikanische Musikkultur mit Künstlern wie Joe Henderson, Roy Ayers, Sarah Webster Fabio und Gil Scott-Heron. Der Soundtrack zur gleichnamigen Ausstellung, die in der Londoner Tate Modern noch bis 22. Oktober läuft.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Soul of a Nation
Afro-Centric Visions in the Age of Black Power
Soul Jazz Records

Gespielte Titel:
Montag: Oneness of Juju – African Rhythm
Dienstag: Roy Ayers Ubiquity – Red, Black and Green
Mittwoch: Gil Scott-Heron – The Revolution will not be televised
Donnerstag: Joe Henderson – Black Narcissus
Freitag: Phil Ranelin – Vibes From The Tribe

14. August - 18. August 2017: Tingvall Trio: Cirklar

Album-Cover: Cirklar

Martin Tingvall (Klavier), Omar Rodriguez Calvo (Kontrabass) und Jürgen Spiegel (Schlagzeug) – seit fast fünfzehn Jahren steht diese Klaviertriobesetzung für durchdachten und dabei zugänglichen Instrumentaljazz. Das schwedisch-kubanisch-deutsche Tingvall Trio aus Hamburg hat mit "Cirklar" gerade sein sechstes Studioalbum veröffentlicht.

Die zwölf Kompositionen Tingvalls drehen sich inhaltlich um die titelgebenden Kreise: um den Kreislauf des Lebens, den Begriff von Zeit, um immer wiederkehrende Rhythmen.

Entstanden sind fein ausgeklügelte und gleichzeitig erstaunlich klare Melodien, die in puncto Dynamik und Intensität die musikalische Vielfältigkeit der drei Musiker unterstreichen.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz

CD-Angaben:
Tingvall Trio: Cirklar
Skip Records
Bestellnummer: SKP 9157

Gespielte Titel:
Montag: Cirklar
Dienstag: Tidlös
Mittwoch: Skansk Blues
Donnerstag: Sjuan
Freitag: Evighetsmaskinen

07. August - 11. August 2017: Randy Newman: Dark Matter

CD-Cover: Randy Newman - Dark Matter

Keiner verbindet bissige, gesellschaftskritische Texte so überzeugend mit eingängigen Melodien wie er - seit rund fünfzig Jahren gehört er zu den großen US-Amerikanischen Singer-Songwritern. Nach neun Jahren Pause hat Randy Newman nun ein neues Studioalbum veröffentlicht, auf dem er Themen der Zeit abhandelt. Zusammen mit einem großen Orchester verwandelt er Geschichten über den Klimawandel, Religion, die Kennedys oder Vladimir Putin in heitere Revue-Songs. Beißender Humor zum Mitpfeifen.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Randy Newman
Dark Matter
Nonesuch - LC 00286

Gespielte Titel:
Montag: It's a jungle out there
Dienstag: Putin
Mittwoch: On the beach
Donnerstag: Sonny Boy
Freitag: Brothers

31. Juli - 04. August: Caterina Valente: The Jazz Singer

In den deutschen Rundfunkarchiven schlummern noch jede Menge Schätzchen, die nach und nach ans Licht der Öffentlichkeit geraten. Ein aktuelles Beispiel liefert jetzt der SWR mit Aufnahmen von Caterina Valente. Die CD "The Jazz Singer" mit insgesamt 18 Songs richtet den Fokus auf ihre frühen Aufnahmen, die in Baden Baden, Basel und Stuttgart entstanden sind.

CD-Cover: Caterina Valente: The Jazz Singer

Dabei präsentiert sich Caterina Valente als stimmgewaltige Jazzsängerin, die den Vergleich mit ihren amerikanischen Kolleginnen nicht zu scheuen braucht. Ob Blues oder Balladen, Schlager oder Swing: Caterina Valente bewegte sich schon damals souverän und frei in den unterschiedlichen Klangkosmen. Zwar wurde sie 1954 mit dem Gassenhauer "Ganz Paris träumt von der Liebe" berühmt, zeitgleich arbeitete sie aber auch erfolgreich an ihrer Karriere im Jazz und sang an der Seite von Größen wie Chet Baker.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd

CD-Angaben:
Caterina Valente: The Jazz Singer
(erschienen bei SWR Jazzhaus, JAH 467)

Gespielte Titel:
Montag: After You’ve Gone
Dienstag: Aquarela Do Brasil
Mittwoch: I Only Saw Him Once
Donnerstag: El Cumbanchero
Freitag: I’ll Remember April

24. Juli - 28. Juli: Elles & Barbara

Ein Lied über eine niedersächsische Stadt, die damals in Frankreich ziemlich unbekannt war brachte ihr den ersten Erfolg: mit dem Chanson "Göttingen" feierte die französische Sängerin und Komponistin Barbara ihren ersten großen Hit und wurde dadurch ganz nebenbei zur Ikone der deutsch-französischen Versöhnung. Allerdings wurde sie in Deutschland nie so populär wie ihre Kolleginnen Piaf oder Greco.

Cover: Elles & Barbara - Various Artists

Nun, zwanzig Jahre nach ihrem Tod, erscheint eine aktuelle Hommage an die Grande Dame der sehnsuchtsvollen Texte: Sängerinnen wie Angelique Kidjo, Melody Gardot und Olivia Ruiz haben dreizehn Chansons von Barbara neu interpretiert: mal dicht am Original, mal ganz neu - als Popmusik mit treibendem Groove und elektronischen Einsprengseln. Das ist überraschend, abwechslungsreich aber auch nostalgisch.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Elles & Barbara
Diverse Interpreten
Mercury - LC 00268

Gespielte Titel:
Montag: Mon enfance von Louane
Mittwoch: Göttingen
Donnerstag: Le soleil noir
Freitag: C’est trop tard von Melody Gardot

17. Juli - 21. Juli: Caroll Vanwelden "Sings Shakespeare Sonnets 3"

Ein geplantes aber nicht zustande gekommenes Shakespeare-Musical brachte die belgische Jazzsängerin und -pianistin Caroll Vanwelden auf die Idee, selbst einige Sonnette von William Shakespeare zu vertonen. "Mein Ziel ist, die Hörer auf eine Reise mitzunehmen und dabei die Emotionen, die Shakespeare in seine Sonette gesteckt hat, mit meiner Musik zu vermitteln." erzählt die Musikerin.

Cover: Caroll Vanwelden sings Shakespeare Sonnets

Das gelingt ihr scheinbar mühelos: knapp 50 der über 150 Sonnette hat Vanwelden in ihre eigene musikalische Sprache übersetzt und nach und nach auf Platte veröffentlicht. Im Quartett mit Thomas Siffling an Trompete und Flügelhorn, Bassist Mini Schulz und erstmals Jens Düppe am Schlagzeug, präsentiert sie jetzt den Abschluss ihrer Shakespeare-Trilogie mit 16 songgewordenen Gedichten, die sich mit einer stimmigen Mischung aus Jazz und Pop vor dem lyrischen Werk des englischen Dichters verbeugen.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

Gespielte Titel:
Montag: My Mistress' Eyes – Sonnet 130
Dienstag: Shall I Compare Thee – Sonnet 18
Mittwoch: What's In The Brain – Sonnet 108
Donnerstag: Alas, 'tis True – Sonnet 110
Freitag: When In Disgrace With Fortune – Sonnet 29

CD-Angaben:
Caroll Vanwelden sings Shakespeare Sonnets
Label: JAZZNARTS RECORDS
Bestellnummer: JNA 7817

10. Juli - 15. Juli: Thelonious Monk: Les Liaisons Dangereuses

CD-Cover Thelonious Monk: Les Liaisons Dangereuses

Sein Spiel war schroff und kantig, seine Kompositionen waren anders, als alles bisher Dagewesene: Thelonious Monk gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter des Bebop. 1959 nahm er in einer Studiosession in New York den Soundtrack zu einem Film auf, der als Meisterwerk der Nouvelle Vague gilt: "Les Liaisons Dangereuses" von Roger Vadim.

Ein Teil der Songs untermalte im Film die Szenen eleganter Partys im mondänen Paris, die Stimmung in verrauchten Bars und Jazzclubs. Der andere Teil der Aufnahmen ging verloren und wurde nie veröffentlicht. Vor drei Jahren allerdings geschah die Sensation: zwei Betreiber eines kleinen Plattenlabels fanden zufällig in einem Nachlass die kompletten Bänder dieser legendären Solo-, Trio- und Quartettaufnahmen.

Und nun erscheinen sie zum ersten Mal komplett als Doppelalbum mit einem üppigen 50-seitigen Booklet inklusive bisher unveröffentlichter Fotos und Texten. Ein schönes Geschenk zu Thelonious Monks im Oktober anstehenden 100sten Geburtstag.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula

Gespielte Titel
Montag: Well you needn‘t
Dienstag: Six in one
Mittwoch: Pannonica
Donnerstag: Light Blue
Freitag: By and By

CD-Angaben
Thelonious Monk: Les Liaisons Dangereuses
Sam Records

03. Juli - 07. Juli: Hamilton De Holanda: Casa De Bituca

Die Weichen für seine spätere Karriere wurden schon früh gestellt: als Hamilton de Holanda fünf Jahre alt war, bekam er von seinem Großvater eine Mandoline zu Weihnachten geschenkt. Der Enkel verliebte sich sofort in den Sound dieses exotischen Zupfinstrumentes. Der Mandoline ist der brasilianische Virtuose bis heute treu geblieben – nur dass Hamilton De Holanda heute ein Instrument mit zehn Saiten spielt. Damit kann er noch mehr Töne und noch vielfältigere Sounds kreieren.

Album-Cover: Hamilton De Holanda: Casa De Bituca

Jetzt hat De Holanda zusammen mit seinem Quintett ein neues Album aufgenommen: "Casa De Bituca" ist seinem Landsmann, dem berühmten Musiker Milton Nascimento gewidmet.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd

Gespielte Titel:

Montag: Bola De Meia, Bola De Gude
Dienstag: Bicho Honem
Mittwoch: Saudades Dos Aviões Da Panair
Donnerstag: Mar Da Indiferença
Freitag: Travessia

26. Juni - 30. Juni: Oumou Sangaré: Mogoya

Album-Cover: Oumou Sangaré: Mogoya

Schon mit ihrem Debutalbum schaffte die junge Sängerin Oumou Sangaré, was niemand vorher für möglich gehalten hatte: mutig trat sie in ihren Liedern ein gegen Polygamie, gegen Zwangsehe und für Frauenrechte in ihrer Heimat Mali ein.  Anfang der 90er Jahre wurde sie so zum Superstar der gerade entstehenden Weltmusikszene.

Nach acht Jahren Pause hat Oumou Sangaré nun ein neues Album veröffentlicht, auf dem sie die Lage der Menschen in ihrer Heimat Mali aufgreift: sie singt über Solidarität, prangert Gewalt an und versucht, Mut zu machen. Dabei hat sie ihren Wassoulou-Sound einer Verjüngungskur unterzogen: afrikanische Rhythmen und Melodien treffen auf sphärische Synthesizer, erdige Bässe und funkige Gitarren.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula

Gespielte Titel
Montag: Fadjamou
Dienstag: Kounkoun
Mittwoch: Kamelemba
Donnerstag: Bena Bena
Freitag: Yere Faga

CD-Angaben
Oumou Sangaré: Mogoya
Label: No Format!
Labelcode: 35386

19.Juni - 23. Juni: The Passion of Charlie Parker

Zwei Jahre lang hat sich Produzent Larry Klein mit einem Tribute-Album für den großen Saxophonisten Charlie Parker beschäftigt. Statt einfach namhafte Musiker den Parker-Katalog neuinterpretieren zu lassen, hat Klein eine musikalische Passion über das kurze und intensive Leben des Jazzmusikers erarbeitet.

Album-Cover: The Passion of Charlie Parker

Dafür hat er Parkers Kompositionen mit teils gesungenen teils gesprochenen Texten versehen und sie von illustren Musikern wie Tenorsaxophonist Donny McCaslin (David Bowie), Craig Taborn und Eric Harland einspielen lassen. Am Mikrofon sind unter anderem Madeleine Peyroux, Kurt Elling und Camille Bertault zu hören. Eine ambitionierte aber gelungene Hommage an das Leben und Werk Charlie Parkers.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz

Gespielte Titel
Montag: Meet Charlie Parker
Dienstag: Los Angeles
Mittwoch: Live my love for you
Donnerstag: The King of 52nd Street
Freitag: Après vous

CD-Angaben
The Passion of Charlie Parker
Label: Impulse
Bestellnr.: 06025 5742176

12. Juni - 16. Juni: Camille: Ouï

Eigentlich will sie nur spielen: mit Sprache, Klang, Percussion und Stimme. Rund fünf Jahre nach ihrem letzten Studioalbum verspürte die französische Sängerin und Komponistin Camille den Drang, endlich wieder eine neue Platte aufzunehmen. Also zog sie für ein Jahr in eine Künstlerresidenz in ein ehemaliges Kloster in Avignon.

Albumcover: Camille - Ouï

Dort tüftelte sie ganz in Ruhe, experimentierte mit Klängen und lotete einmal mehr nicht nur die Höhen und Tiefen sondern auch die Geräuschfähigkeit ihrer extrem wandlungsfähigen Stimme aus. Ihre Musik verbindet Popmusik mit Folklore und Klangexperiment – sie ist komplex und vielschichtig und klingt doch verspielt und voller Leichtigkeit.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula

Gespielte Titel
Montag: Lasso
Dienstag: Je ne mâche pas mes mots
Mittwoch: Piscine
Freitag: Seeds

CD-Angaben
Camille: Ouï
Label: BECAUSE MUSIC
Labelcode: 33186

06. Juni - 09. Juni 2017: Nicole Johänntgen: Henry

Album-Cover "Henry" von Nicole Johänntgen

Vor genau einem Jahr hat sich die Saxofonistin Nicole Johänntgen zur "Wiege des Jazz" nach New Orleans aufgemacht. Dort traf sie sich mit drei Musikern und erfüllte sich einen großen Traum und nahm an diesem musikgeschichtsträchtigen Ort ihre neue CD "Henry" auf.

Das Album ist eine respektvolle Hommage an den traditionellen New Orleans Jazz, den Johänntgen aber mit einem gesunden Maß an Modernität anreichert: knackige Grooves wechseln sich mit poetischen Melodien ab, verspielte Soli treten in ein Wechselspiel mit satten Tutti-Passagen. "Henry" ist ein farbenfrohes Album, das die Lebensfreude und die Leidenschaft dieser Musik auf eine sehr gelungene Weise demonstriert.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd

Gespielte Titel
Dienstag: Henry
Mittwoch: Oh Yes My Friend
Donnerstag: Take The Steam Train
Freitag: Nola

CD-Angaben
Nicole Johänntgen: Henry
Label: Hofa
Labelcode: 05699

29. Mai - 2. Juni: Youn Sun Nah: She moves on

Cover der CD She moves on von Youn Sun Nah

Geboren und aufgewachsen ist sie in Südkorea. Doch der Wunsch, Musik aus anderen Kulturkreisen kennenzulernen und möglicherweise Musik zu studieren, zog Youn Sun Nah nach Paris. Dort lernte die junge Musikerin viel über Jazz und Chanson, aus den geplanten drei Jahren Aufenthalt wurden zwanzig und aus der jungen Musicalsängerin wurde eine international anerkannte Jazzsängerin.

Für ihr neues Album ließ sich Youn Sun Nah vom Folk, Rock und Jazz Nordamerikas leiten: sie ist in die USA gefahren und hat mit amerikanischen Musikern wie Marc Ribot und Jamie Saft Songs von Künstlern wie Joni Mitchell, Jimi Hendrix oder Paul Simon aufgenommen, aber auch einige Lieder selbst komponiert.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula

Gespielte Titel
Montag: Evening Star  
Dienstag: She Moves On
Mittwoch: Traveller
Donnerstag: Teach the gifted children
Freitag: Drifting

CD-Angaben
Youn Sun Nah: She moves on
Label: ACT
Labelcode: 07644

22. Mai - 26. Mai: Miles Mosley: Uprising

Immer häufiger finden sich Jazzmusiker zu Kollektiven zusammen:  Zusammenschlüsse, in denen sich Musiker gegenseitig unterstützen und fördern, teilweise eigene Labels gründen und sich selbst um Konzerte, Aufnahmen und Produktionen kümmern.

Miles Mosley, Uprising

Das Kollektiv "West Coast Get Down" aus Los Angeles wurde vor ein paar Jahren von acht Musikern aus den Ghettos von South Central ins Leben gerufen. Die musikalischen Freigeister mieteten sich 2012 für einen Monat ins Kingsize Soundlab Studio ein und nahmen über 170 Stücke auf – genug Material für mehrere komplette Alben pro Kollektivmusiker. Die erste Veröffentlichung war das 2015 erschienene bejubelte Dreifachalbum "The Epic" von Saxophonist Kamasi Washington.

Jetzt legt der virtuose Kontrabassist und Sänger Miles Mosley nach und präsentiert auf "Uprising" seine Ausbeute aus der "West Coast Get Down"-Session: eine energiegeladene Fusion aus Jazz, Soul und Funk.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz

Gespielte Titel
Montag: Abraham
Dienstag: L.A. Won‘t Let You Down
Mittwoch: Shadow Of Doubt
Freitag: Reap A Soul

CD-Angaben
Miles Mosley - Uprising
Label: Verve
Bestellnummer: 060255758788

15.Mai - 19.Mai: Arto Lindsay: Cuidado Madame

Arto Lindsay liebt die Kontraste. Auf der einen Seite steht seine musikalische Sozialisation im New York der 70er und 80er Jahre, wo Free Jazz, Punk und Avantgarde aufeinander trafen. Auf der anderen Seite befindet sich die Musik seiner zweiten Heimat Brasilien mit Bossa Nova, Pop und Tropicalia.

 Albumcover: Arto Lindsay: Cuidado Madame

Nach 13 Jahren Pause hat der Sänger, Gitarrist und Klangtüftler nun ein neues Album veröffentlicht. Auf "Cuidado Madame" treffen brasilianische Leichtigkeit, traditionelle Rhythmen und sanfte Melodien auf elektronische Beats, spröde Gitarren und radikale Brüche.

Gespielte Titel:
Montag: Ilha dos Prazeres
Dienstag: Grain by Grain
Mittwoch: Each to Each
Donnerstag: Seu Pai
Freitag: Pele de Perto

CD-Angaben:
Arto Lindsay: Cuidado Madame
Label: Northern Sky/Ponderosa
Labelcode: 10611

08. Mai - 12. Mai 2017: Masaa: Outspoken

CD-Cover: Masaa "Outspoken"

Wenn sich unterschiedliche Kulturkreise in der Musik begegnen, bedeutet das in vielen Fällen die Erschließung neuer Klangräume. Und genau diese Chance hat das junge Quartett Masaa erkannt und ihren ganz persönlichen Bandsound kreiert, dem sich die vier Musiker auch in ihrem dritten Album "Outspoken" treu bleiben.

Der im Libanon geborene Sänger Rabih Lahoud verleiht dem Ganzen seine Stimme; getragen, unterstützt und begleitet wird er von einem Jazztrio bestehend aus Trompete, Klavier und Schlagzeug. Die Musik von Masaa ähnelt einem gleichschenkligen Dreieck aus arabischen Klängen, Jazz und klassischen Elementen.

Doch der Vergleich hinkt, denn die Ecken werden durch die farbenfrohe und abwechslungsreiche Melodik, die vielschichtige Harmonik, die lebendigen Rhythmen und die poetischen Texte komplett abgestumpft, so dass die Musik letzten Endes doch wieder rund klingt und stetig von Kontinent zu Kontinent fließen kann.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd

CD-Angaben:
Masaa: Outspoken
Traumton 4647
Labelcode: 05597

Gespielte Titel:
Montag: Quand Le Soleil
Dienstag: Über Mir
Mittwoch: Fuädi
Donnerstag: Sawa
Freitag: Miah

02. Mai - 05. Mai 2017: Feist: Pleasure

Cover des Albums "Pleasure" von Leslie Feist

Schon ihr letztes Album "Metals" war für die kanadische Musikerin Feist eine kleine Zäsur. Es klang ein wenig schroffer als gewohnt und war das Ergebnis einer Pause, die sie brauchte, weil ihre Karriere und damit ihr Leben einfach zu schnell geworden waren. Es folgten fast zweieinhalb Jahre auf Tour und anschließend eine für sie sehr schmerzhafte Trennung. So kam es, dass sie für ihr neues Album "Pleasure" erneut eine Pause brauchte, diesmal vergingen sogar knapp sechs Jahre. Auch musikalisch ging sie einen Schritt weiter in die von ihr eingeschlagene Richtung: ihr Gitarrenspiel klingt noch ein wenig schroffer und spröder, die Stimmung ihrer Songs changiert zwischen zart und intim bis ruppig und schroff – und über allem schwebt ihre mädchenhafte zerbrechlich-schöne Stimme. Ein Album voller Kontraste, die vor allem beim mehrmaligen Hören ihre Nuancen entfalten.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula

CD-Angaben:
Feist: Pleasure
Label: UMI/Polydor
Labelcode: 00309

Gespielte Titel:
Dienstag: Any Party
Mittwoch: A Man Is Not His Song
Donnerstag: Get Not High, Get Not Low
Freitag: I wish I didn’t miss you

24. April - 28. April 2017: Marialy Pacheco: Duets

Cover der CD Duets von Marialy Pacheco.

Auf der einen Seite steht ihre klassische Klavierausbildung: brillante Technik, ihr unglaublich kontrollierter, differenzierter Anschlag und beeindruckende Virtuosität. Auf der anderen Seite steht ihre Herkunft: Marialy Pacheco wurde 1983 in Havanna, Kuba geboren und das musikalische Erbe ihrer Heimat, aber auch der Jazz spielten nach dem Studium eine immer größer werdende Rolle für sie. Für ihr neues Album hat sie sich illustre Duettpartner wie Omar Sosa, Hamilton de Holanda, Max Mutzke und Joo Kraus ins Studio eingeladen. Im Zwiegespräch und mit unglaublicher Leichtigkeit treffen afrokubanische Rhythmen auf orientalische Klänge, Soul, Jazz und Klassische Musik.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula

CD-Angaben:
Marialy Pacheco: Duets
Label: Neuklang
Labelcode: 13834

Gespielte Titel:
Montag: Capricho do sul
Dienstag: Gitanerias
Mittwoch: El Bola
Donnerstag: Metro
Freitag: Burundanga

18. April - 21. April 2017: Father John Misty: Pure Comedy

Eigentlich heißt er Joshua Michael Tillman und veröffentlich seit rund 15 Jahren immer wieder neue Platten, nicht nur im Solo-Projekt sondern auch als Schlagzeuger der Fleet Foxes. Doch erst mit der Kunstfigur "Father John Misty", die er 2012 aus der Taufe hob, fand er heraus, was er am besten kann: Konzeptalben. Erst ging er der Frage nach "Wer bin ich?", dann "Was ist Liebe?" und nun, auf seinem dritten Album als Father John Misty stellt er die Frage nach dem großen Ganzen. Seine Themen sind: Klimawandel, Politik, Religion, der tägliche Wahnsinn in den Sozialen Medien, die Abgründe der Unterhaltungsindustrie – mit ironischem Blick und großer Geste beschreibt er die menschliche Tragödie, die durch seine Augen betrachtet zur Komödie wird. Im Stile des frühen Elton John oder Randy Newmans trifft Pop-Pathos im Siebziger-Gewand auf die großen Fragen des Menschseins und eine gehörige Portion Ironie über eben diese Ernsthaftigkeit. 

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula

CD-Angaben:
Father John Misty: Pure Comedy
Label: Play It Again Sam
Labelcode: 07800

Gespielte Titel:  
Dienstag: Things it would have been helpful to know before the revolution
Mittwoch: Two wildly different perspectives
Donnerstag: Pure Comedy
Freitag: Total Entertainment Forever

10. April - 13. April 2017: Aimee Mann: Mental Illness

Ihr musikalischer Durchbruch ist mittlerweile 19 Jahre her –  damals schrieb Aimee Mann für den Film "Magnolia" einige Songs und wurde prompt für einen Oscar nominiert. Der unverkennbare Klang ihrer klaren Stimme, die eingängigen Melodien und ihr Hang zur Melancholie wurden zu ihrem Markenzeichen. Nun, nach fünf Jahren Pause hat Aimee Mann ein neues Album veröffentlicht: auf "Mental Illness" geht es um chaotische Lebenssituationen und Gefühlslagen: Trauer, Wut, gescheiterte Beziehungen, verpasste Chancen. Und über allem schwebt Aimee Manns tröstliche Stimme, die der Schwere dennoch Leichtigkeit und Heiterkeit verleiht.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula

CD-Angaben:
Aimee Mann: Mental Illness
Label: Politur
Labelcode: 14832

Gespielte Titel:  
Montag: Philly Sinks
Dienstag: Rollercoaster
Mittwoch: Goose snow cone
Donnerstag: Lies of summer

03. April - 07. April 2017: China Moses: Nightintales

Es ist Fluch und Segen zugleich, wenn man die Tochter einer berühmten Mutter ist. Und wenn man dann noch denselben Beruf ausübt, nämlich den einer Jazzsängerin, kann es noch schwieriger werden. China Moses ist die Tochter von Dee Dee Bridgewater, aus deren Schatten sie aber längst hervorgetreten ist. Kein Wunder bei diesem Talent, das vor Energie und Eloquenz nur so strotzt. Letzte Woche ist das neue Album namens "Nightintales" erschienen: mit den elf neuen und selbst geschriebenen Songs macht sich die Jazzsängerin auf eine Reise durch nächtliche Geschichten. China Moses bedient sich dabei wie gehabt an Elementen aus Soul, Jazz, Blues und Pop und dank ihres warmen und unverwechselbar-vielseitigem Stimmtimbres gelingt ihr mal wieder ein eleganter musikalischer Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd

CD-Angaben:
China Moses: Nightintales
Label: MPS Records

Gespielte Titel:  
Montag: Running
Dienstag: Blame Jerry
Mittwoch: Watch Out
Donnerstag: Nicotine
Freitag: Put It On The Line

27. März - 31. März 2017: Renaud Garcia-Fons: La vie devant soi

Innovativ, inspiriert, weltoffen, virtuos – der französische Kontrabassist Renaud Garcia-Fons nimmt mit seinem 5-saitigen Instrument und einer selbstentwickelten Bogenspieltechnik einen besonderen Platz zwischen Jazz, Klassik und Weltmusik ein.

Sein neues Album "La vie devant soi" ist, nach musikalischen Ausflügen u.a. ans Mittelmeer, in den Orient und nach Indien, eine Rückkehr in seine Heimat. Mit seinem neuen Trio bestehend aus David Venitucci am Akkordeon und Stephan Caracci am Vibraphon und Schlagzeug, begibt sich Garcia-Fons in elf neuen Kompositionen auf einen musischen Spaziergang durch seine Heimatstadt Paris. Dabei stehen hektischen Großstadtmomenten der heutigen Metropole malerisch-nostalgische Szenen der alten Seine-Stadt seiner Kindheit gegenüber.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

CD-Angaben:
Renaud Garcia-Fons: La vie devant soi
Label: e-motive Entertainment
Bestellnr.: EMO171

Gespielte Titel:  
Montag: Revoir Paris
Dienstag: La vie devant soi
Mittwoch: Les rues vagabondes
Donnerstag: Je prendrai le métro!
Freitag: Si çà te dit

20. März - 24. März 2017: Rhiannon Giddens: Freedom Highway

Der Titel für Rhiannon Giddens zweites Soloalbum stand schon länger fest: "Freedom Highway" – nach dem gleichnamigen Song von Gospel- und Bluesmusiker Pops Staples, der in den 60er und 70er Jahren das musikalische Aushängeschild der Bürgerrechtsbewegung in Amerika war.
Die aktuellen politischen Ereignisse in den USA haben das rootsige Folkalbum "Freedom Highway" zu einem Statement werden lassen.

"Ich bin eine Tochter des Südens; der weißen Arbeiterklasse, der schwarzen Arbeiterklasse; der Demokraten und der Republikaner; der Homo- und Heterosexuellen. Und eines kann ich euch sagen: wir haben weit mehr gemeinsam, als uns teilt. […] Lasst uns gemeinsam den Freedom Highway beschreiten." schrieb die Folkmusikerin Giddens nach der US-Präsidentschaftswahl.


Das Album unterstreicht diese Worte musikalisch mit afro-amerikanischem Folk, Gospel, Blues und Dixie.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz

CD-Angaben:
Rhiannon Giddens: Freedom Highway
Nonesuch Records

Gespielte Titel:  
Montag: Freedom Highway
Dienstag: Better get it right the first time
Mittwoch: Hey Bébè
Donnerstag: The love we almost had
Freitag: At the purchaser's option

13. März - 17. März 2017: The Magnetic Fields: 50 Song Memoir

Der amerikanische Sänger & Songwriter Stephin Merritt hat sich und seine Fans zu seinem 50. Geburtstag (nachträglich) reichlich beschenkt. Denn von ihm bzw. von seinem Band-Projekt "The Magnetic Fields" ist jetzt eine opulente Box mit gleich fünf CDs erschienen. Jedem seiner 50 Lebensjahre hat Stephin Merritt einen Song gewidmet, anhand derer er sein Leben Revue passieren lässt. Entstanden sind 50 reale und fiktive klingende Kurzgeschichten, die auch Merritts musikalische Vielseitigkeit widerspiegeln. Bei den Aufnahmen, die 2015 entstanden sind, hat sich Merritt zwar ein paar Musiker ins Studio geholt, den Großteil hat er aber selbst erledigt. Auf dem neuen Album "50 Song Memoir" ist er nicht nur als Sänger zu hören, sondern auch als Instrumental-Musiker an sage und schreibe 100 Instrumenten, darunter auch Exoten wie ein Toy Piano, ein Bass-Banjo, eine Ukulele und diverse alte Synthesizer.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

CD-Angaben:
The Magnetic Fields: 50 Song Memoir
Nonesuch Records

Gespielte Titel:  
Montag: Wonder Where I’m From
Dienstag: Rock'n'Roll Will Ruin Your Life
Mittwoch: Haven't Got A Penny
Donnerstag: Ghosts Of The Marathon Dancers
Freitag: You Can Never Go Back To New York

06. März - 10. März 2017: Dear Reader"Day Fever"

Vor neun Jahren rief Cherilyn MacNeil zusammen mit Darryl Torr in Südafrika das Musikprojekt Dear Reader ins Leben. Doch dann wurde ihr klar, dass sie sich sowohl von ihrer Heimat als auch vom musikalischen Partner lösen musste, um ihr eigenes Ding zu machen. Mittlerweile lebt sie in Berlin und hat unter dem Namen Dear Reader ihr viertes Album veröffentlicht. Mit "Day Fever" will Cherilyn MacNeil einen Gegenpol zum (Selbst-)Optimierungswahn in den Sozialen Medien setzen. Statt Dinge schönzufärben, nennt sie sie einfach beim Namen: schonungslos besingt sie Ängste, Neurosen und Marotten. Sie hat ihre bisher so üppig orchestrierte Musik ein wenig reduziert: kammermusikalischer Folkpop trifft nun auf Bläser und mehrstimmige Gesänge.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

CD-Angaben:
Dear Reader: Day Fever
City Slang
LC: 06853

Gespielte Titel:  
Montag: Wake him
Dienstag: Then, not now
Mittwoch: Oh, the sky!
Donnerstag: I know you can hear it
Freitag: So petty so pathetic

27. Februar - 03. März 2017: Awa Ly "Five and a feather"

Ein surrealer Traum von einer Geschichten erzählenden Schamanin inspirierte die französische Sängerin Awa Ly zu ihrem aktuellen Album "Five and a feather".


"She‘s a storyteller, she creates a thousand worlds."
singt sie im Eröffnungsstück. Dem folgen neun weitere Geschichten, die sich zumeist mit dem nie auserzählten Thema Liebe beschäftigen. Musikalisch bewegen sich Awa Lys Songs zwischen Soul, Folk und Pop allerdings mit ihrem ganz eigenen Reiz durch Gastauftritte von Musikern an der westafrikanischen Lautenharfe Kora, am Daumenklavier Senza oder an der chinesischen Laute Erhu.

Diese verschiedenen Facetten fügen sich perfekt zusammen und machen "Five and a feather" zu einem eingängig schönen und zugleich exotisch interessanten Album, das auch beim wiederholten Hören noch Neues entdecken lässt.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz

Gespielte Titel:  
Montag: Storyteller
Dienstag: Let you down
Mittwoch: Let me love you
Donnerstag: Here
Freitag: You will be mine

20. Februar - 24. Februar 2017: Andrea Motis "Emotional Dance"

Sie ist gerade mal 21 Jahre alt und hat schon über ein Dutzend Jazzalben aufgenommen: die Katalanin Andrea Motis. In der Sant Andreu Musikschule in Barcelona traf sie als Kind auf ihren Lehrer und Mentor Joan Chamorro. Er erkannte ihr Talent als Sängerin und Instrumentalistin sowohl an der Trompete als auch am Saxophon -  und förderte sie nicht zuletzt durch gemeinsame Platten, die er mit ihr einspielte.  Nun hat Andrea Motis den ersten großen Schritt in Richtung Emanzipation getan: sie hat ihr erstes Soloalbum aufgenommen. Darauf singt und spielt sie Jazzstandards von Cole Porter bis Horace Silver, aber auch fünf selbst komponierte Songs. Mit ihrem glockenhellen und doch geerdeten Sopran verleiht sie dem traditionellen Swing ungeahnte Leichtigkeit und Frische.

CD-Angaben:
Andrea Motis: Emotional Dance
Impulse
LC: 50418

Gespielte Titel:
Montag: Never will I marry
Dienstag: Señor Blues
Mittwoch: La gavina
Donnerstag: I didn't tell them why
Freitag: Save the orangutan

13. Februar - 17. Februar 2017: Omer Klein "Sleepwalkers"

Wie so viele junge israelische Musiker ist auch Omer Klein in Richtung Amerika aufgebrochen, um dort zu studieren, zu leben und vor allem zu spielen. Doch die Zeit in Boston und New York ist auch schon wieder Vergangenheit, seit einiger Zeit lebt der Pianist in Düsseldorf.
Jetzt ist mit "Sleepwalkers" das immerhin siebte Album von Omer Klein erschienen. Es beinhaltet dreizehn Eigenkompositionen, die Klein in klassischer Trio-Besetzung mit Bass und Schlagzeug eingespielt hat. Die Stücke sind ein Spiegel Kleins facettenreicher Klangsprache, die innerhalb kürzester Zeit ihre Stimmung ändern kann. Die Bandbreite reicht von leisen, lyrischen und zerbrechlichen Passagen bis hin zu explosiven und komplexen Passagen.
Kurzum: in Omer Kleins Musik geht es um Emotionalität und Originalität.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd

CD-Angaben:
Omer Klein: Sleepwalkers
Warner Music
LC: 14666
EAN: 190295890896

Gespielte Titel:
Montag: Hookup
Dienstag: One Step At A Time
Mittwoch: Sleepwalkers
Donnerstag: Split Milk
Freitag: Underdog

06. Februar - 10. Februar 2017: Manfred Krug "Das war nur ein Moment"

Hierzulande verehrte man ihn überwiegend als Schauspieler: als "Kommissar Stoever" im Tatort oder als brummeligen Anwalt in der Serie "Liebling Kreuzberg". Doch Manfred Krug hatte weitaus mehr Talente - er liebte den Jazz, aber auch den Schlager und nahm als Sänger schon in den 70er Jahren Schallplatten auf, die in der damaligen DDR erst zum Riesenerfolg und später zum Kult wurden.
In dieser Woche wäre Manfred Krug 80 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass erscheinen nun zum ersten Mal seine Amiga-Aufnahmen komplett gesammelt in einer Box. Darin findet sich Jazz, Schlager Chanson und Gedichte. Eine schöne Hommage an den im vergangenen Oktober verstorbenen Künstler.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula

CD-Angaben:
Manfred Krug: Das war nur ein Moment (Die Original AMIGA Aufnahmen)
Amiga
LC: 00055
EAN: 0889853986026

Gespielte Titel:
Montag: On the sunny side of the street
Dienstag: Night and day
Mittwoch: When the saints go marching in
Donnerstag: Alles geht einmal zu Ende
Freitag: Das Lied mit einem Ton

30. Januar - 03. Februar 2017: Chris Thile & Brad Mehldau

2011 standen sie das erste Mal zusammen auf der Bühne: Jazzpianist Brad Mehldau und der Folk/Bluegrass-Musiker und Mandolinen-Wunderknabe Chris Thile. Die New York Times fasst es zusammen: „[sie] kommen aus unterschiedlichen Welten, gehören aber derselben Spezies an.
Nach einer Reihe gemeinsamer Konzerte gingen die beiden Ausnahmemusiker Ende 2015 ins Studio und nahmen reichlich Material auf. Auf dem jetzt erschienenen Doppelalbum "Chris Thile & Brad Mehldau" finden sich neben Eigenkompositionen der beiden Musiker Coverversionen von Elliott Smith über Bob Dylan bis Fiona Apple. Der Clou: Songauswahl, Instrumentierung und Zusammenspiel – alles ist kompatibel, klingt organisch und macht viel Spaß... den Musikern wie dem Hörer. Ein kammermusikalischer Glücksgriff.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz

CD-Angaben:
Chris Thile & Brad Mehldau
Label: Nonesuch
Bestellnr.: 0075597940992

Gespielte Titel:
Montag: Don‘t think twice it‘s alright
Dienstag: Independence Day
Mittwoch: Marcie
Donnerstag: Scarlet Town
Freitag: Tabhair Dom Do Lamh

23. Januar -27. Januar 2017: Cristina Branco "Menina"

Der portugiesische Fado hat schwierige Zeiten hinter sich – doch seit einigen Jahren erlebt er eine ungeahnte Renaissance, er gehört seit 2011 sogar zum immateriellen Kulturerbe der Unesco. Cristina Branco ist eine der Künstlerinnen, die schon in den 1990er Jahren den Fado wiederentdeckten und ihn in ein zeitgemäßes Gewand kleideten.
Branco hat es geschafft, den Fado aus der puristischen Ecke zu holen und ihn durch die musikalische Öffnung hin zu anderen Stilen wie Blues, Jazz oder Folk in ein ganz neues Licht zu stellen. Auf ihrem neuen Album "Menina" bildet sie die Vielfalt der portugiesischen Musik ab, nur ein ganz traditioneller Fado findet sich darauf.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula

CD-Angaben:
Cristina Branco: Menina
Universal Music Japan
LC Z5720

Gespielte Titel:
Montag: E às vezes dou por mim
Dienstag: Alvorada
Mittwoche: Quando julgas que me amas
Donnerstag: Quando eu canto
Freitag: Ai, esta pena de mim

16. Januar - 20. Januar 2017: Ensemble Du Verre "Rooms"

Seit rund 14 Jahren unterhält der Produzent und Multiinstrumentalist Sönke Düwer das "Ensemble Du Verre", wobei das Ensemble eher ein ein-Mann-Projekt ist, das von Fall zu Fall um Gastmusiker und Sängerinnen ergänzt wird. Jetzt ist das siebte Album namens "Rooms" erschienen. Und auch da gilt es, die Ohren zu spitzen, manchmal rät es sich auch, am Lautstärkeregler zu drehen. Denn die Musik vom "Ensemble Du Verre" ist gläsern, filigran und oft auch minimalistisch. Auf dominante Melodien und prägnante Rhythmen wird komplett verzichtet, im Mittelpunkt steht die Poesie der leisen Töne. Der Bandleader fordert mit seinen Songs sein Publikum zum intensiven Zuhören auf, er selbst bezeichnet seine eigenwillige Fusion aus Jazz, Hip Hop und Dub am liebsten als "Deep Listening".

Ein Musiktipp von Jörg Heyd

CD-Angaben:
Ensemble Du Verre: Rooms
Batterie Records 021, LC 18357

Gespielte Titel:
Montag: Eternal Day
Dienstag: Lovebirds
Mittwoch: Rooms
Donnerstag: Soundlessness
Freitag: Polychrome

09. Januar - 13. Januar 2017: Flo Morrissey & Matthew E. White: "Gentlewoman, Ruby Man"

Bis 2012 lebte er in der Kleinstadt Richmond in Virginia ganz beschaulich als Musiker und Gitarrenlehrer. Doch dann nahm Matthew E. White sein erstes Soloalbum auf und seitdem ist nichts mehr wie es war. Die Musikkritiker in aller Welt feierten ihn, er galt als Shootingstar der Szene – und nun finden seine Konzerte nicht mehr in Richmond, sondern in Paris, London und Berlin statt.
Für sein drittes Album hat sich Matthew E. White mit der jungen Britin Flo Morrissey zusammengetan. Im Duett covern sie unter anderem Songs von George Harrison, Velvet Underground oder Charlotte Gainsbourg. Zusammen erschaffen sie opulente Popmusik mit schwelgerischem Sound.

Ein Album-Tipp von Ulrike Kukula

CD-Angaben:
Flo Morrissey & Matthew E. White: Gentlewoman, Ruby Man
Caroline – LC 03261

Gespielte Titel:
Montag: Looking for you
Dienstag: Thinking bout you
Mittwoch: Heaven can wait
Donnerstag: Look at what the light did
Freitag: Suzanne

02. Januar - 06. Januar 2017: Bobby Rush "Porcupine Meat"

Bobby Rush, geboren in Louisiana, ist mit seinen 76 Jahren sicherlich einer der dienstältesten amerikanischen Bluessänger – und einer der stilsichersten. "Folk-Funk"nennt er seine Mischung aus Blues, Soul und Funk.
Bevor er ab 1967 Aufnahmen unter seinem Namen machte, spielte Rush in den Clubs des Chitlin‘ Circuits, wo Schwarze während der Rassentrennung unbehelligt auftreten konnten, und begleitete Bluesgrößen wie Freddie King und Luther Allison.
Auf seinem neuen Album "Porcupine Meat" zeigt sich Bobby Rush einmal mehr als kraftvoller und energiegeladener Sänger und versierter Bluesharpspieler, der mal derbe, mal humorvoll über das Leben und die Liebe philosophiert.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz

CD-Angaben:
Bobby Rush "Porcupine Meat"
Rounder - LC 1166100065

Gespielte Titel:
Montag: Porcupine Meat
Dienstag: Snake in the Grass
Mittwoch: Catfish Stew
Donnerstag: It‘s your move
Freitag: I‘m tired

Stand: 18.12.2017, 16:00