Das Album der Woche

Verschiedene Album-Cover

Das Album der Woche

Jede Woche empfiehlt die Resonanzen-Redaktion ein neues Album. Hier sind die Musik-Empfehlungen der letzten Wochen im Überblick.

19. - 23. Februar 2018: Tokunbo: The Swan

CD-Cover: Tokunbo - The Swan

Dreizehn Alben mit einer stimmigen Mischung aus akustischem Soul, Jazz und Pop hat die Band Tok Tok Tok zwischen 1998 und 2013 aufgenommen, bevor sich Saxophonist Morten Klein und Sängerin Tokunbo Akinro entschlossen, getrennte Wege zu gehen. Der Musik treu geblieben, hat sich Tokunbo  in den letzten Jahren als Solokünstlerin etabliert und ihren eigenen Sound gefunden, den sie selbst als „folk noir“ bezeichnet. Ihr gerade erschienenes zweites Soloalbum „The Swan“ ist weniger „noir“ als sein Vorgänger – die elf selbstgeschriebenen Songs entstanden unter dem überwältigenden Eindruck der Geburt ihres ersten Kindes. Herausgekommen ist eine vielschichtige, klanglich warm und transparente Platte, die vor allem Dank Tokunbos außerordentlicher Stimme Ruhe, Gelassenheit und schlichte Schönheit ausstrahlt.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

Album-Angaben:
Tokunbo - The Swan
YorubaGirlRecords/ recordJET
EAN: 4050215314399

Gespielte Titel:
Montag: New June
Dienstag: Somersault
Mittwoch: Cast away
Donnerstag: Words
Freitag: Innocence

12. - 16. Februar 2018: Maceo Parker & WDR Big Band: It's All About Love

Albumcover: Maceo Parker & WDR Big Band: It's All About Love

Maceo Parker nimmt es ernst mit dem Titel seiner neuen CD: "It's All About Love" ist ein Album voll mit Liebesliedern, die alle das Wörtchen "Love" beinhalten. Der Funk-, Soul- und Jazzmusiker mit dem markanten Saxofonton und der erdigen Stimme zeigt sich diesmal von einer ganz anderen Seite. Die acht Songs, die Maceo Parker zusammen mit der WDR Big Band aufgenommen hat, sind kernig und knackig und kommen weitgehend ohne Schmelz und Schmalz aus. Das neue Album ist ein reifes, gut abgehangenes Spätwerk des ehemaligen Mitglieds aus dem legendären Bläsersatz von James Brown. Und diese Sammlung mit Liebesliedern war ein lang gehegter Wunsch von Maceo Parker, der am Valentinstag seinen 75. Geburtstag feiert.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd

Album-Angaben:
Maceo Parker & WDR Big Band
It's All About Love
N77051 - Leopard

Gespielte Titel:
Montag: Gonna Put Your Lovin' In The Lay Away
Dienstag: I Love You A Bushel And A Peck
Mittwoch: Love Won’t Let Me Wait
Donnerstag: I'm In Love
Freitag: Love The One You’re With

5. - 9. Februar 2018: Kat Frankie: Bad Behaviour

Kat Frankie - Bad Behaviour

Vor vierzehn Jahren kam sie aus Sydney nach Berlin. Mit der Akustikgitarre und melancholischen Songs begann die Australierin Kat Frankie dort ihre Karriere, seitdem ist viel passiert. Vom traurigen Mädchen an der Gitarre entwickelte sie sich zur gestandenen Musikerin, die sich auch stilistisch weiterentwickelt hat.

 "Bad Behaviour" ist ihr viertes Album, darauf macht sie einen deutlichen Schritt in Richtung tanzbare Popmusik mit Anleihen bei R'n'B und Soul. Voluminöser Sound und vertrackte Rhythmen treffen auf Kat Frankies Vorliebe für das Loop-Pedal und vielschichtige Gesänge.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

Album-Angaben:
Kat Frankie
Bad Behaviour
LC 23354 - Neu Grönland

Gespielte Titel:
Montag: Bad Behaviour
Dienstag: The Sun
Mittwoch: Versailles
Donnerstag: Forgiveness
Freitag: Headed for the reaper

29. Januar - 2. Februar 2018: Helge Lien & Knut Hem: Hummingbird

Helge Lien / Knut Hem: Hummingbird

Im Pressetext zum Album "Hummingbird" von Helge Lien und Knut Hem ist von "Cinematic Americana" die Rede. Die beiden Musiker sind zwar Norweger und haben keinen Soundtrack eingespielt, ihr wehmütiger Akustiksound lässt dennoch Bilder von weiten Landschaften entstehen - Wim Wenders Roadmovies und Ry Cooders Slidegitarre lassen grüßen. Pianist Lien und Gitarrist Hem tauschen dabei die amerikanische Wüste gegen norwegische Wälder und den Grand Canyon gegen Fjorde aus.

Maßgeblich verantwortlich für die Bildhaftigkeit der Musik ist Knut Hems Weissenborn, ein relativ selten gespieltes Gitarrenmodell, dessen Hals mit einem zusätzlichen Resonanzkörper ausgestattet ist. Zusammen mit Helge Liens ruhigem aber ausdrucksvollen Klavierspiel hat das Duo ein Album voller Melancholie und Schönheit aufgenommen, das ein wohliges Fernweh verursacht.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

Album-Angaben:
Helge Lien & Knut Hem
Hummingbird
Ozella Music
OZ079CD

Gespielte Titel:
Montag: Moster
Dienstag: Take another five
Mittwoch: We hide and seek
Donnerstag: Rafferty
Freitag: Music Box

22. - 26. Januar 2018: First Aid Kit: Ruins

CD-Cover: First Aid Kit - Ruins

Sie starteten als eines der früheren Youtube-Phänomene: vor zehn Jahren veröffentlichten die schwedischen Schwestern Johanna und Klara Söderberg auf dieser Plattform einen Song der Folkband Fleet Foxes und wurden über Nacht zu Stars. Drei Alben später gelten sie als feste Größe in der Americana-Szene, ihr mittlerweile viertes Album führt sie musikalisch auch nur unwesentlich weit weg.

Mit ihren glasklaren, zur Lieblichkeit neigenden Stimmen haben sie zehn Songs zwischen Country, Pop und Folk aufgenommen. Auch inhaltlich bleiben sie bei bewährten Themen: Liebesglück trifft auf Liebesleid und Sehnsucht. Das Ergebnis: entspannte Musik zum Zurücklehnen für dunkle Winterabende.

Ein Musiktipp von Ulrike Kukula.

Album-Angaben:
First Aid Kit
Ruins
Columbia – LC 00162

Gespielte Titel:
Montag: Ruins
Dienstag: To Live a Life
Mittwoch: Postcard
Donnerstag: Distant star
Freitag: Fireworks

15. - 19. Januar 2018: Camille Bertault: Pas De Géant

Camille Bertault - Pas de géant

So richtig los ging es vor zwei Jahren, als Camille Bertaults Video hunderttausendfach geklickt wurde – und das für ihre Interpretation des Jazzklassikers "Giant Steps" von John Coltrane. Der CD-Titel "Pas De Géant" (Riesenschritte) ist die wörtliche Übersetzung von "Giant Steps" und knüpft auch inhaltlich an diese Art des Musikmachens an. Denn Camille Bertault hat (neben einigen selbst geschriebenen Songs) ältere Vorlagen aus den Bereichen Jazz, Chanson und Klassik ausgewählt, um mit ihrer wandlungsfähigen und virtuosen Stimme daraus etwas komplett Neues zu machen. Und dafür nimmt sich die französische Sängerin alle künstlerischen Freiheiten, die sie braucht, so dass auf ihrem neuen Album keiner der 16 Songs dem anderen gleicht.

Ein Musiktipp von Jörg Heyd.

Album-Angaben:
Camille Bertault
Pas De Géant
Okeh/Sony Music
LC 00288

Gespielte Titel:
Montag: Je Me Suis Fait Tout Petit
Dienstag: Certes
Mittwoch: La Femme Coupée En Morceaux
Donnerstag: Nouvelle York
Freitag: Comment Te Dire Adieu

08. - 12. Januar 2018: Chris Thile: Thanks for Listening

Album-Cover: Chris Thile - Thanks for Listening

Er ist ein musikalisches Chamäleon: der US-Amerikaner Chris Thile spielt auf der Mandoline alles von Skrjabin bis Radiohead. Seine Band "Punch Brothers" gilt als die virtuose Avantgarde der Bluegrass-Szene, zusammen mit Yo-Yo Ma nahm er Musik von J.S. Bach auf und mit dem Jazzpianisten Brad Mehldau veröffentlichte er folkige Bluessongs.

Nun hat Chris Thile ein neues Album veröffentlicht, auf dem er sich vor allem als Songschreiber, Arrangeur und Sänger in  Szene setzt. Komplexe Popsongs hat er geschrieben, die auch ohne ein Strophe-Refrain-Schema atmosphärisch und eingängig sind.

Album-Angaben:
Chris Thile
Thanks for Listening
Nonesuch – LC 00286

Gespielte Titel:
Montag: Thanks for Listening
Dienstag: I Made This for You
Mittwoch: Modern Friendship
Donnerstag: Elephant in the Room
Freitag: Feedback Loop

02.-05. Januar 2018: Inga Lühning & André Nendza: Hodgepodge Vol. 1

Albumcover: "Hodgepodge Vol. 1" von Inga Lühning und Andé Nendza

Weniger ist mehr, heißt es. Manchmal ist weniger aber auch genau passend. Das zeigen eindrucksvoll die Vokalistin Inga Lühning und der Kontrabassist André Nendza auf ihrem ersten gemeinsamen Duoalbum "Hodgepodge Vol. 1". Zwölf Stücke, live im Kölner Jazzclub Loft aufgenommen, bilden  den titelgebenden Mischmasch aus sorgfältig ausgesuchten Coversongs (u.a. von Paul Simon, Franz-Josef Degenhardt und Michael Jackson) und feinen Eigenkompositionen der beiden Musiker.

Das harmonische Zusammen- und Wechselspiel zwischen Stimme und Bass wird ergänzt durch perkussive Akzente wie Klatschen und Fingerschnipsen und den sparsamen Einsatz von Loops und einer Kazoo. Bei aller Improvisation verlieren Lühning und Nendza nie den Fokus auf das wesentliche – die Songs. "Hodgepodge Vol. 1" ist ein Kammerjazz-Album, das zeigt: Leichtigkeit und Tiefgang müssen sich nicht widersprechen.

Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz.

Album-Angaben:
Inga Lühning & André Nendza
Hodgepodge Vol. 1
Jazzsick Records
Bestellnr.: 5100 JS

Gespielte Titel:
Dienstag: Graceland
Mittwoch: Brain works
Donnerstag: Blame it on the Boogie
Freitag: Take heart

Stand: 11.01.2018, 13:58