Live hören
Jetzt läuft: Robert Schumann - Sinfonie Nr. 3 Es-Dur, op. 97

Ein Fernsehskandal wird 50

Stand: 03.12.2021, 11:04 Uhr

Das Beil war in der Innentasche

Vor 50 Jahren zog Nikel Pallat von der Band Ton, Steine, Scherben“ vor laufender Kamera   ein Beil aus der Tasche und schlug auf den Studiotisch. Die Szene ist legendär, aber kaum jemand weiß, worum es eigentlich ging. Jahrzehnte später erinnern sich die Protagonisten der Sendung im Gespräch mit WDR 3 Autor Lutz Neitzert.

„Das wichtigste war die entsprechende Anzugjacke, um das überhaupt reinzuschmuggeln…“

In einem Studio des WDR in Köln trafen am 3. Dezember 1971 ein Musiker, drei Musikproduzenten und drei Musikkritiker aufeinander um über das Geschäft mit dem Pop zu diskutieren, ehe der "Ton Steine Scherben"-Manager Nikel Pallat plötzlich ein Beil aus seiner Rockerjacke zog und mit großer Geste den Tisch zertrümmerte. Mit diesem rustikalen- antikapitalistischen Statement beendete er eine zweistündige Debatte über Rock und Kommerz. Mindestens so erstaunlich wie das abrupte Ende erscheint heute die vorausgehende hitzige Diskussion über Sounds im Spannungsfeld zwischen Underground und Ökonomie, Revolution und Rendite: Wie ein Märchen aus der Zeit, als Musik noch wichtig und Pop gefährlich war. Verdammte Axt!

pop und co.

Die WDR-Talkshow „Ende offen“ mit der Folge „Pop & Co – die andere Musik zwischen Pop und Kommerz“

Nikel Pallat war bei der Diskussionssendung für den erkrankten Rio Reiser eingesprungen. Er wollte mit der Aktion ein Zeichen gegen die Kommerzialisierung des Musik- und Medienbetriebs setzen.

Nikel Pallat ist Mitglied der (wiedervereinigten) Band „Ton Steine Scherben“
„Die Musik ist inzwischen atonal geworden.“ – „Das interessiert uns herzlich wenig!“

Es war die erste Live-Moderation des Musikpublizisten Hans G Helms

Hans-G-Helms.

Helms (1932-2012) war  Schüler von Adorno, Jazzsaxophonist, Filmemacher und Wirtschaftshistoriker. Popmusik interessierte ihn nach eigener Aussage nicht.

Der Musik-Student Wolfgang Hamm 1971

Wolfgang Hamm arbeitet heute als Film- und TV-Komponist und Weltmusikexperte. Auf seinem Label erschien 1979 das Debutalbum von „Wolfgang Niedecken‘s BAP“

Redaktion: Markus Heuger