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Das Ensemble FYEAR beim Moers Festival 2023.

For Your EAR: FYEAR beim Moers Festival 2023

FYEAR erreicht weit mehr als nur unsere Ohren. Ihre mixed-media Performances zwischen Spoken Word Art, Free Jazz, Noise und Visuals sind kathartische Erlebnisse. 2023 war die Combo der opening act in der Enni Eventhalle in Moers. Ein Statement.

Impulsiv, polyrhythmisch, dissonant. Ritualhafte, immersive Präsenz. Der Strom, den FYEAR anficht, wird schneller und schneller, reicht heran ans drohende Entgleiten. Bis er plötzlich stockt. Der Glaspalast zersplittert in tausend kleine Stücke. Ein Palast, der zur Gefängniszelle geschrumpft war, der sich durch das Gewitter an Sounds, die nach einem zu greifen scheinen, und die Spoken Word Tiraden, die sich in ihrer Eindringlichkeit fast überschlagen, bis zur Platzangst zusammengezogen hatte.
Dann Weite. Luft. Entspannung. Vielleicht sogar ein bisschen gewiegt werden. Bis zum nächsten Zyklus, der noch tiefer in einen eindringt als der vorherige.

Zwei Spoken Word Artists - Kaie Kellough und Tanya Evanson - mit bisweilen übermenschlich anmutenden Leistungen des Sprachapparats. Mit einem timing, das seines gleichen sucht und das rasante Wechselspiel der beiden zwischenzeitlich zu einem einzigen Sprachrohr werden lässt. Zwei drumsets - Stefan Schneider, Tommy Crane -, die die Polyrhythmik der weltlichen Zusammenhänge abbilden, die manchmal auch ins Stolpern gerät. Zwei Violinen (Jesse Zubot, Josh Zubot), die der schneidenden Ver(w)irrung eine Gestalt geben und die Spannung bis zum äußersten treiben. Eine Pedal Steel Gitarre - Joe Grass. Elektronik. Ein Therevox. Ein Basssaxophon - Jason Sharp -, das trägt, aber auch vorprescht.
All das vor Visuals - Kevin Lo -, die die Dramen, das erschreckende der sogenannten Zivilisation ebenso abbilden, wie den Strom an Worten, der permanent durch unseren Geist strömt. Mal greifbar, mal in Buchstaben zerfallen. Schwindel erregend. Beklemmend.

FYEAR spricht sich wie <<fear>>. Und die Dringlichkeit eines so aufwühlenden Gefühls soll das Erlebnis einer Performance von FYEAR spürbar machen. Aber auch dem dadurch kalibrierten Blick in die Zukunft die Fensterläden öffnen.

„who on earth gets​to ache
who on earth gets​to arrive
who on earth gets​to inherit
who on earth gets​to strive
who on earth gets​to pass
who on earth gets​to port
who on earth gets​to sleep
who on earth gets​to exist“

FYEAR | 50:29
FYEAR

Improvised Power Duo - Farida Amadou meets Camae Ayewa aka Moor Mother | 5:41
Farida Amadou

Moderation: Ilka Geyer
Redaktion: Markus Heuger