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Eine große Anzahl von Menschen machen sich zu Fuß zum Friedhof auf, wo Jîna Mahsa Amini begraben liegt. 26. Oktober 2022, Saqqez (Iran)

Jin, Jiyan Azadî - wie klingt die iranische Revolution?

Seit dem Tod von Jîna Mahsa Amini in Teheran am 16. September gehen jeden Tag tausende Iranerinnen und Iraner auf die Straße. Sie kämpfen für mehr Freiheit und das Ende des repressiven Regimes, in dem Frauen unterdrückt werden. Auch mit Musik.

Am 13. September wird die Kurdin Jîna (Zhina) Mahsa Amini auf den Straßen Teherans festgenommen. Sie trägt ihr Hijab angeblich nicht angemessen, befindet die Sittenpolizei. Amini stirbt, vier Tage vor ihrem 23. Geburtstag in Polizeigewahrsam. Ihr gewaltvoller Tod löst landesweite Proteste aus. Die Menschen fordern „Zan Zendegi Azadi“ (oder „Jin, Jiyan Azadî“, wie der Schlachtruf auf Kurdisch heißt): Frauen, Leben, Freiheit.

„Die Revolution ist schon passiert. Nur wird das Regime noch viel Blutzoll einfordern, bevor es das selbst akzeptieren wird.“ schreibt die Autorin und Aktivistin Gilda Sahebi. Es ist nicht der erste Protest, der die Islamische Republik Iran in den letzten Dekaden durchgeschüttelt hat. Heute leben viele iranische Künstler*innen im Ausland. Ihre Klänge bereichern die Pop-Alben westlicher Acts seit Jahrzehnten, in ihrem Heimatland ist ihnen dabei oft nicht erlaubt, ihrer Kunst nachzugehen, etwa weil sie Frauen sind oder mit Frauen zusammen singen. Musik als Protest – einfach nur, weil sie existiert.

Wir hören heute Protestsongs aus dem Iran – ganz aktuell und aus der Vergangenheit. Von Shervin Hajipours Hymne „Baraye“, die aus Twitter-Meldungen besteht, über elektronischen Pop aus Mitteleuropa und Kanada von Madgal, Sevdaliza und Madanii bis zur Musikkultur aus der Zeit des letzten Schahs (vor 1979). Diese war lebhaft und weiblich dominiert, sagt Sebastian Reier, selbsternannter Vinyl-Archäologe und Kulturvermittler. Von ihm erfahren wir auch, wofür Protagonistinnen wie Googoosh oder Ramesh damals standen und was sie heute machen – im Exil natürlich. Wie klingt die iranische Revolution? Einige Antworten heute bei Ex & Pop.

Jin, Jiyan Azadî - wie klingt die iranische Revolution?

WDR 3 open: Ex & Pop 08.11.2022 58:59 Min. Verfügbar bis 09.11.2023 WDR 3 Von Diviam Hoffmann


Zan Zendegi Azadu | 2:14
Madgal        

Nice  | 2:25
Habibi          

Talagh | 4:45           
Googoosh   

Roodkhoneha | 3:59           
Ramesh       

Tehran Is Burning | 2:24     
Madanii       

Baraye | 2:12          
Shervin Hajipour     

Faal | 3:00   
Toomaj        

Kavir-e Del | 4:26                
Marjan                     

Sevdaliza | 4:12      
Woman Life Freedom         

Aus dem Archiv: Im Jahr 2015 klärte uns Sebastian Reier bei WDR 3 open Soundworld unter der Überschrift „Tränen tropfen aufs Modemagazin“ über die „bunte Melancholie des prärevolutionären iranischen Pop“ auf.

Flashback: Ein Trip durch die historische Popwelten des Iran

WDR 3 open: Ex & Pop 08.11.2022 55:26 Min. Verfügbar bis 09.11.2023 WDR 3 Von Sebastian Reier


Moderation: Diviam Hoffmann
Redaktion: Markus Heuger