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Little Richard

Eiersahne, Tattoos & Dachau Blues – Jüdische Popsongs III. Teil

Muss Jewishness immer über die Shoah definiert werden? Auch im Pop? Müssen ausgerechnet die eher drögen Black Eyed Peas einen Bar Mitzvah Hit landen? Muss es echt immer Cohen, Dylan & Reed sein? A-Wop-Bop-A-Loo-Bop-A-Lop-Bam-Boom!?

„Seit meiner Kindheit habe ich immer, wenn der Rolling Stone seine Liste der 500 besten Alben aller Zeiten gekürt hat, diese sofort auseinander genommen.“ Sagt Seth Rogovoy, Redakteur der New Yorker Zeitschrift The Forward. „Es macht großen Spaß, nachzuschauen, wo die eigenen Favoriten liegen und wie die Top Ten aussehen sollten. Als der Rolling Stone mal wieder seine Liste veröffentlicht hat und weil der Forward eine jüdische Zeitung ist, habe ich mir die jüdischen Künstlerinnen und Künstler auf der Liste angeschaut. Das waren etwa 70 von 500. Und als wir damit fertig waren, meinte mein Redakteur: Können wir nicht eine Liste der besten jüdischen Songs machen?“ Gesagt, getan und so hat The Forward in diesem Jahr erstmals seine spektakuläre Liste der 150 größten jüdischen Popsongs veröffentlicht. Auch heute, in der dritten und letzten Folge unserer Serie, wirft die Liste Fragen auf: Warum avanciert ein eher dröger Hit der Black Eyed Peas zum Bar Mitzvah Classic? Die Antwort kennt Mira Fox, die als Autorin zur Forward-Liste beigetragen hat und uns auch über Regina Spektors Jewishness aufklärt. Wie kommt ein schwuler und Schwarzer Baptistenprediger, der den Rock'n'Roll (mit)erfunden hat, auf die Liste der Jewish Popsongs? A-Wop-Bop-A-Loo-Bop-A-Lop-Bam-Boom!?

Was hat ein Mischgetränk aus Milch, Mineralwasser und Schokoladensirup mit jüdischem Pop zu tun? Das weiß Lou Reed, der auch dem Altnazi Kurt Waldheim ein Lied widmete. Mit ihrem Song „Tattoo“ liegt die New Yorker Musikerin Janis Ian auf Platz 3 der Liste der 150 größten jüdischen Popsongs. Dass ein Lied über die eintätowierte Häftlingsnummer im KZ als jüdisch markiert wird – das leuchtet ein – und ist zugleich fatal. Denn das Jüdische wird hier definiert über den Tod, die industrielle Vernichtung alles Jüdischen. Es bleibt kompliziert, auch beim „Dachau Blues“ von Captain Beefheart (kein Jude). Und wer steht eigentlich an der Spitze dieser sehr speziellen Hitparade? Antworten heute bei Ex & Pop mit Diviam Hoffmann und Klaus Walter.

Eiersahne, Tattoos & Dachau Blues - Jüdische Popsongs III. Teil

WDR 3 open: Ex & Pop 17.05.2022 56:55 Min. Verfügbar bis 17.05.2023 WDR 3 Von Diviam Hoffman ;Klaus Walter


Egg Cream | 5:18       
Lou Reed                                          

I Scream, You Scream, We All Scream for Ice Cream | 2:38
Harry Reser

I Gotta A Feeling | 3:32
Black Eyed Peas         

The Commandments Of Love | 2:40
Little Richard                         

Tutti Frutti | 2:45
Little Richard 

Samson | 3:11
Regina Spektor                      

Train for Auschwitz | 3:12
Tom Paxton               

Springtime for Hitler | 2:54
Mel Brooks    

Anne Frank Story | 6:24        
Human Sexual Response

Belsen Was a Gas | 2:50
Sex Pistols      

Tattoo | 4:20
Janis Ian

Dachau Blues | 2:22  
Captain Beefheart and the Magic Band       

Ghosts of Dachau | 2:48
The Style Council

You Want It Darker | 4:47
Leonard Cohen                      

Highway 61 Revisited | 3:15
Bob Dylan  

Moderation: Diviam Hoffmann und Klaus Walter
Redaktion: Markus Heuger