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Schuberts "Winterreise" in die Seele des 21. Jahrhunderts

Rohlfs, Christian 1849–1938. “Waldweg im Winter

Bin gewohnt das irre Gehen

Schuberts "Winterreise" in die Seele des 21. Jahrhunderts

Von Stefan Zednik

In den 24 Gedichten der "Winterreise" unternimmt der Dessauer Dichter Wilhelm Müller eine geradezu irreale Tour. Der 30-jährige Franz Schubert nennt den Zyklus "Eine Sammlung schauerlicher Liede", die er im letzten Jahr seines kurzen Lebens kongenial vertont.

Das Musikporträt steht hier nach der Sendung bis zum 07. November 2020 zum Nachhören zur Verfügung.

1863, fünfunddreißig Jahre nach Schuberts Tod, gehört sein Werk zum Kanon der sogenannten "klassischen Musik". Als Komponist hochverehrt wird sein Leichnam wieder ausgegraben, die Knochen gesäubert und neben Beethoven erneut bestattet. Seine Lieder werden zum allgemeinen deutschen Kulturgut. Stark vereinfacht und einem Massenpublikum kompatibel gemacht, sind sie jetzt Material für deutsche Männerchöre – und begleiten als Gefühlskitsch mitunter die Soldaten der deutschen Kriege in den schrecklichen Untergang.

Erst in den letzten Jahren bekommen die Deutungen der "Winterreise" eine neue, unsentimentale und überraschende Farbe, wenn Elfriede Jelinek, Michael Haneke oder Hans Steinbichler sich in literarischen und filmischen Arbeiten explizit auf das Werk beziehen. Als Sänger tritt der englische Tenor Ian Bostridge erfolgreich mit dem Zyklus auf und veröffentlicht ein Buch, das die Bestsellerlisten im Sturm erobert.

Ausstrahlung am 01. November 2020
Von Stefan Zednik
Redaktion: Thomas Nachtigall
Produktion: WDR 2017

Stand: 26.10.2020, 14:40