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Das Mysterium der Zeitlosigkeit - Bibers "Rosenkranz-Sonaten" und das radikal Moderne

Heinrich Ignaz Franz Biber, Portraet aus Notendruck

Das Mysterium der Zeitlosigkeit - Bibers "Rosenkranz-Sonaten" und das radikal Moderne

Von Janko Hanushevsky

Der Komponist Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) hat seine fünfzehn Mysterien Sonaten den Geheimnissen des Rosenkranzes gewidmet. Sein Zyklus für Violine und Generalbass galt damals als radikal modern und zählt noch heute zum Schwierigsten, was das Repertoire des Frühbarock zu bieten hat.

Das Feature steht nach der Sendung befristet zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Maya Homburger und Barry Guy

Maya Homburger und Barry Guy

"Heinrich Ignaz Franz Biber war ein Experimentierer", sagt die Barockgeigerin Maya Homburger. Seit drei Jahrzehnten beschäftigt sie sich mit seinem Werk. Sie hat eine Gesamteinspielung der Mysterien Sonaten auf Originalinstrumenten vorgelegt, hat aber auch Werke Bibers in unkonventioneller Duobesetzung mit ihrem Mann, dem Komponisten und Kontrabassisten Barry Guy, aufgenommen. Das Duo bewegt sich im Grenzgebiet zwischen alter und neuer Musik, verbindet Barock mit zeitgenössische Klangsprache, Komposition mit Improvisation. Dabei fühlen sich die beiden Musiker dem Experiment verpflichtet. So hat Guy Interventionen zu einer Mysterien Sonate komponiert und neue Musik für Barockgeige, die Referenzen auf Biber enthält. Was genau war an H.I.F Bibers Musik zu seiner Zeit revolutionär? Und wie macht man heute das Moderne dieser Musik erlebbar? Behutsam loten Homburger und Guy die Möglichkeiten im Dialog barocker und neuer Musik aus und fragen: Was an der Musik ist zeitlos?

  • Maya Homburger and Camerata Kilkenny: The Mystery sonatas. Works by H.I.F. Biber. Double CD, Maya Recordings 2006, 30,- Euro
  • Maya Homburger, Barry Guy: Tales of Enchantment. 1 CD, INTACT Records 2012, 20,22 Euro
  • Maya Homburger, Barry Guy: Dakryon. Works by H.I.F. Biber, D. Castello and Barry Guy. 1 CD, Maya Recordings 2005, 20,- Euro
  • Maya Homburger, Barry Guy: Ceremony. Works by H.I.F. Biber and Barry Guy,1 CD, ECM 1999, 25,- Euro

Das Mysterium der Zeitlosigkeit - Bibers "Rosenkranz-Sonaten" und das radikal Moderne

In seinem Sonaten-Zyklus für Violine und Basso Continuo versuchte Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704)  die Grenzen des geigerisch Möglichen zu sprengen.

Kupferstich zu den Rosenkranz Sonaten von Heinrich Ignaz Fran Biber

Kupferstich zur Rosenkranz Sonate Nr. I. Der Erzengel Gabriel schwebt auf die Erde hinab. H. I. F. Biber stellt den Sonaten Kupferstiche anstelle von Bibelzitaten voran. Viel spricht dafür, dass der Komponist das einzige handschriftliche Exemplar der Rosenkranz Sonaten selbst erstellt hat.

Kupferstich zur Rosenkranz Sonate Nr. I. Der Erzengel Gabriel schwebt auf die Erde hinab. H. I. F. Biber stellt den Sonaten Kupferstiche anstelle von Bibelzitaten voran. Viel spricht dafür, dass der Komponist das einzige handschriftliche Exemplar der Rosenkranz Sonaten selbst erstellt hat.

Jesus am Ölberg. Der Kupferstich verweist auf die Programmatik der Sonate. Rechts des Medaillons befindet sich die für diese Sonate erforderliche Skordatur: Die Saiten der Geige werden nicht auf a-e-g-d, sondern auf as-es-g-d gestimmt. Der dunklere, dissonante Klang der Geige illustriert den schmerzhaften Hintergrund der Mysterien Sonate Nr. VI.

Bei der Kreuzigungs-Sonate Nr. X werden die Saiten der Geige fast bis an die Zerreißgrenze hoch gestimmt. Die scharfen Klangfarben symbolisieren den Schmerz, den Christus am Kreuz erlitten hat. Die ersten Takte mit ihren rhythmisch wiederholten Akkorden in der Geigenstimme wecken Assoziationen an die Schläge, mit denen Jesus ans Kreuz genagelt wird.  

Der Komponist Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) hat seine fünfzehn Mysterien Sonaten den Geheimnissen des Rosenkranzes gewidmet. 

Er ist ein versierter Free-Jazz Improvisateur, sie eine virtuose Interpretin. Das Duo der Barockgeigerin Maya Homburger und des Kontrabassisten und Komponisten Barry Guy widmet sich seit zwei Jahrzehnten der Verbindung von Gegensätzen. Das Oszillieren zwischen alter und neuer, improvisierter und komponierter Musik ist ihr künstlerisches Programm. Sie kommen immer wieder auf Bibers Rosenkranz-Sonaten zurück.

Ausstrahlung am 26. Dezember 2017
Ein Feature von Janko Hanushevsky
Redaktion: Dorothea Runge
Produktion: WDR 2017

Stand: 10.11.2017, 11:40