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Ansingen gegen die Seuche - Musik in Zeiten des Schwarzen Todes

Flagellanten in Doornik auf der Suche nach Befreiung von der Pest (1349)

Ansingen gegen die Seuche - Musik in Zeiten des Schwarzen Todes

Von Joachim Fontaine

Bis heute gilt die Pest als Archetyp einer biologischen Katastrophe. Schon in der Antike bekannt, wütet sie von 1347 an in ganz Europa und verändert als "Schwarzer Tod" buchstäblich alles – die Gesellschaftsstrukturen ebenso wie die Religion und die Kultur. Dabei spielt die Musik im Umgang mit der Seuche eine zentrale Rolle.

WDR 3 Musikporträt - Ansingen gegen die Seuche

WDR 3 Musikporträt - Hörprobe 05.04.2021 54:22 Min. Verfügbar bis 05.04.2022 WDR 3


Wer gesund bleiben will, der sollte sich der Tonkunst hingeben, denn sie stiftet Harmonie zwischen Körper und Seele und schützt dadurch vor der Pandemie. So sehen es jedenfalls die mittelalterlichen Ärzte. Schon im 14. Jahrhundert ziehen Geißler und Flagellanten halbnackt durch die Gassen und propagieren die Erlösung der Seele durch körperliches Leid und schmissige Lieder. Im Süden Europas singt man voller Inbrunst die überaus populären Laudi. In ihnen wird Maria nicht mehr nur als Gottesmutter gepriesen, sondern auch als mater misericordia und Beschützerin angerufen. Opulent entwickelt sich zugleich der Kult um die Schutzheiligen: Führende Komponisten wie  Guillaume de Machaut, Josquin Desprez oder Palestrina, die alle auch zu Zeitzeugen der Pest wurden, schreiben einschlägige Widmungswerke und Votiv-Messen. Die Republik Venedig feiert ihren Pestheiligen San Rocco mit Musikspektakeln, die europaweit ihresgleichen suchen.

Ausstrahlung am 05. April 2021
Von Joachim Fontaine
Redaktion: Werner Wittersheim
Produktion: WDR 2021

Stand: 31.03.2021, 13:34